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Canon EOS 1200D im Test

Der Einstieg in das Canon-System wird durch die EOS 1200D neu definiert: Zum 18-Megapixel-CMOS und Digic-4-Prozessor gibt's zwar kein eingebautes WLAN, aber eine "Begleiter-App" mit hilfreichen Tipps.

  1. Canon EOS 1200D im Test
  2. Datenblatt
Canon EOS 1200D Test

© Canon

Canon EOS 1200D Test
EUR 289,99

Pro

  • Eintiegsmodell mit guter Auflösung
  • gute Bedienung
  • Kompakte Abmessungen

Contra

  • Kein WLAN
  • langsamer Kontrast AF
63,1%
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Pro

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  • gute Bedienung
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Contra

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Die Canon EOS 1200D löst die EOS 1100D als neues Basismodell im Canon-System ab. Wie ihre ranghöheren Schwestermodelle EOS 100D und EOS 700D verfügt die Kamera jetzt über einen 18-Megapixel-CMOS; mit 12 Megapixel musste man sich noch bei der 1100D zufriedengeben.

Verzichten muss man bei der Canon EOS 1200D dagegen auf einen Hybrid-AF am Sensor und einen Touchscreen. WLAN ist weder eingebaut noch nachrüstbar, und auch eine automatische Sensorreinigung mittels Ultraschall ist nicht an Bord.

Trotzdem gibt es keinen Grund, die EOS 1200D links liegen zu lassen: Als Einsteigerkamera für rund 400 Euro (500 Euro mit Setobjektiv EF-S 18-55 mm IS II) bietet sie mehr als genug an Ausstattung, ein ausgereiftes Bedienkonzept und eine gute Bildqualität.

Kompaktgehäuse

Klassentypisch ist das Kunststoffgehäuse der Canon EOS 1200D, an dem es wirklich nichts auszusetzen gibt: Der gut verarbeitete Body liegt trotz kompakter Abmessungen gut in der Hand, ist ebenso griffig wie griffstabil - nichts knarzt, wenn man fester zupackt. Im Bereich des Auslösers ist der Handgriff exakt so abgeschrägt, dass der Zeigefinger entspannt aufliegt.

Der Pentaspiegelsucher der Canon EOS 1200D bietet eine Bildfeldabdeckung von 95 Prozent, eine effektive Vergrößerung von 0,48fach und ein Rädchen für den Dioptrienausgleich.

Was Bildfeldabdeckung und Suchervergrößerung anbelangt, haben elektronische Sucher zweifelsfrei Vorteile. Dafür arbeitet der SLR-Sucher stromsparend und ist allzeit bereit, während ein EVF gelegentlich eine kleine Denkpause benötigt, um anzuspringen. Kein Grund also, das SLR-Konzept vorzeitig für tot zu erklären.

Eine eindeutige Verbesserung im Vergleich zur 1100D ist der Monitor, der jetzt 3 statt 2,7 Zoll misst und mit 153 333 RGB-Bildpunkten das Doppelte an Auflösung zu bieten hat.

Verstellen lässt sich der Monitor der Canon EOS 1200D nicht. Das eingebaute Blitzgerät synchronisiert mit 1/200 s und wird mit einer Taste in Nähe des Auslösers ausgeklappt. Systemblitzgeräte lassen sich über den Blitzschuh anbringen und im E-TTL-II-Modus verwenden, jedoch nicht drahtlos über das eingebaute Blitzgerät steuern.

Auch die praktische FE-Blitzlichtspeicherung ist möglich, manuelle Blitzsteuerung jedoch nicht.

Canon, 1200D, Blitz

© Canon

Blitzen Selbst ein kleines, handliches Blitzgerät wie das Speedlite 270EX II (LZ 27 bei ISO 100) bringt deutlich mehr Power als das eingebaute Blitzgerät (LZ 6), das beim Aufhellen von Porträts dennoch gute Dienste leistet.

Kontrast-AF im Live-View

Wird der SLR-Sucher verwendet, übernimmt ein Phasen-AF mit neun Messpunkten inklusive zentralem Kreuzsensor die Fokussierung. Die Auslöseverzögerung der Canon EOS 1200D inklusive AF-Zeit ist mit 0,31 s angenehm kurz, zumal dieser Wert im Labortest auch bei wenig Licht (30 Lux) erreicht wird.

Neben automatischer Messfeldwahl ist auch Einzel-Punkt-AF möglich; umgeschaltet wird durch Drücken der (doppelt belegten) Lupentaste und Drehen am Einstellrad. Zur Anwahl des gewünschten Messfelds drehen Sie weiter am Rad oder betätigen eine Richtungstaste. Neben One-Shot-AF (Einzelbild- AF) ermöglicht die Kamera zwei weitere Betriebsmodi: Ist "AI Servo AF" vorgewählt, wird die Schärfe bei einem bewegten Objekt nachgeführt, solange der Auslöser halb durchgedrückt ist. Dagegen wechselt die Kamera bei "AI Focus AF" automatisch von One-Shot-AF zur Schärfenachführung, sobald sich ein zunächst statisches Objekt von der Stelle bewegt.

Im Live-View-Modus, der über eine für den Daumen gut erreichbare Taste rechts vom Suchereinblick aktiviert wird, hat man die Wahl zwischen Kontrast- AF und dem selten gewordenen "Quick- Modus". Hier übernimmt der Phasen- AF auch im Live-View die Fokussierung, wobei der Spiegel kurzzeitig in die Ausgangslage zurückklappt und eine Dunkelpause entsteht.

Canon, 1200D, Bedienelemente

© Canon

Sämtliche Bedienelemente an der Oberseite konzentrieren sich auf die rechte Gehäusehälfte; ungewöhnlich ist die Position der Blitztaste an dieser Stelle. Bei Bedarf kann die Taste mit der ISO-Einstellung verknüpft werden.

Der Kontrast-AF der Canon EOS 1200D steht in zwei Varianten bereit: Als "FlexiZone AF" mit verschiebbarem Messpunkt und als "Live-Modus" mit Gesichtserkennung. Zu langsam ist der Kontrast-AF auf jeden Fall: mehr als 2 s Fokussierzeit sind nicht mehr zeitgemäß.

Auch beim Filmen erweist sich der Kontrast- AF als Schwachpunkt: Zum einen gibt es keine permanente Schärfenachführung, und wenn man durch Drücken des Auslösers nachfokussiert, findet die Kamera den neuen Schärfepunkt nur widerwillig. Abgesehen davon ist der Videomodus mit Full-HD-Auflösung, 30 Bildern pro Sekunde und der Möglichkeit manueller Tonaussteuerung durchaus auf der Höhe der Zeit.

Als nettes Extra bietet die Canon EOS 1200D den Video-Schnappschuss. Hier lassen sich kurze Videosequenzen von 2, 4 oder 8 s Dauer aufnehmen und in einem Video-Schnappschussalbum zu einem fortlaufenden Film zusammenfügen. Beim Abspielen des Schnappschussalbums lässt sich sogar Hintergrundmusik einspielen, wenn diese zuvor mittels PC-Software (EOS Utibility) auf die Speicherkarte kopiert wurde.

Belichtungsfunktionen

Zur Belichtungsmessung stellt die Canon EOS 1200D drei Messmethoden bereit: Matrixmessung mit 63 Messfeldern, mittenbetonte Integralmessung und selektive Messung ohne nähere Definition der Messfeldgröße. Laut Bedienhandbuch kann man sich einen zentralen Messkreis vorstellen, dessen Radius etwa vom obersten zum untersten der neun AF-Punkte reicht.

Der elektronisch gesteuerte Verschluss ermöglicht Belichtungszeiten zwischen 1/4000 und 30 s; Serienaufnahmen sind mit 3 Bildern/s möglich. Die EOS 1200D stellt ein umfangreiches Repertoire an Belichtungsprogrammen bereit: Auto+ (mit automatischer Motiverkennung), Programm-, Zeit- und Blendenautomatik, Motivprogramme (Porträt, Landschaft, Nahaufnahme, Sport, Nachtporträt) und Video-Betriebsart - alles wird über das Modus-Wahlrad an der Oberseite vorgewählt.

Eine Besonderheit ist die Kreativ-Automatik (CA), die auch weniger versierten Anwendern gestaltende Eingriffe in das Bildgeschehen erlaubt.Beispiel: Anstatt über den Zusammenhang zwischen Blendenöffnung und Schärfentiefe nachzudenken, variiert man einfach an einer Balkenskala die Hintergrundschärfe in fünf möglichen Stufen. Die Kamera erlaubt Belichtungs- und Weißabgleichsreihen, Blitzreihen aber nur mit bestimmten Speedlites wie 430EX, 430EX II, 550EX, 580EX, 580EX II und 600EX(-RT)

Canon, 1200D, Back

© Canon

Dank der doppelt belegten Tasten des 4-Wege-Schalters hat man wichtige Funktionen im Direktzugriff; andere wichtige Einstellungen lassen sich schnell und einfach am Quick-Info-Monitor vornehmen

Bedienkonzept

Dreh- und Angelpunkt der Bedienung ist bei der EOS 1200D das Q(uick)-Menü. Wenn aktiviert, zeigt der Monitor Funktionsfelder, die sich mittels Pfeiltasten anwählen lassen; das angewählte Feld ist farbig umrandet. Jetzt kann man mittels Einstellrad direkt Werte verändern oder durch Drücken der Set-Taste in ein Untermenü wechseln. Im Konkurrenzvergleich präsentiert sich das Q-Menü der EOS vorbildlich übersichtlich und bestens lesbar. Im Live-View findet sich eine Variante des Schnellmenüs mit kleineren Funktionsfeldern am linken Rand.

Für eine Kamera dieser Klasse erlaubt die EOS 1200D genügend Direktzugriffe, weil die Tasten des 4-Wege- Schalters doppelt belegt sind: Auf die AF-Modi hat man ebenso schnellen Zugriff wie auf ISO-Einstellung, Weißabgleichsmethode und Betriebsart/ Selbstauslöser.

Bildergalerie

Canon, 1200D, Effekt
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Bereits aufgenommene Bilder lassen sich mit Filtern (hier Fisheye) bearbeiten und dann neu auf Karte speichern.

In den Individualfunktionen lässt sich außerdem die Set-Taste individuell belegen, etwa mit der Blitzbelichtungskorrektur oder Schärfentiefekontrolle. Zudem kann man die Blitztaste zur ISO-Menü-Taste umfunktionieren; zum Ausklappen des Blitzgeräts steht alternativ ein Funktionsfeld am Einstellmonitor bereit. 

Bestechend klar ist bei Canon seit jeher die Menüstruktur: Zehn horizontal angeordnete Registerkarten lassen sich per Drehrad oder Links-rechts-Tasten schnell anwählen; pro Menüseite finden sich bis zu sieben Einträge. Elf Individualfunktionen erlauben das Individualisieren der Kamera. Unter "My Menu" lassen sich häufig gebrauchte Funktionen bzw. Menüs zusammenfassen.

Canon, 1200D, App

© Canon

Interaktiv Mit dem interaktiven Blendenregler variiert man die Schärfentiefe im Beispielbild, Grafiken erklären die Bedienung der Kamera, Video-Tutorials vermitteln praktische Tipps.

Info: EOS-1200D-Begleiter-App

Die kostenlose App ist Bedienungsanleitung und Fotokurs in einem. Sie hilft Einsteigern bei den ersten Schritten, erklärt Bedienelemente und zeigt die richtige Kamerahaltung. Im Übungsteil werden Funktionen und Aufgabenstellungen thematisiert: scharfer/unscharfer Hintergrund, eingefrorene/verwischte Bewegung, Weißabgleich, Belichtung und Fokussierung.

Hübsch gelöst: der interaktive Blendenregler, der den Zuwachs an Schärfentiefe an einem Bild sichtbar macht. Tutorial-Videos vermitteln praktisches Wissen, und über Zubehör wird auch noch informiert. Erhältlich ist die App für iPhone und Android-Smartphones.

Bildergalerie

Canon, 1200D, Dead Leaves
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Die Dead-Leaves-Kurve steigt vor allem bei ISO 100 weit über den Ausgangskontrast des Motivs (1,0) an. Ein deutlicher Abfall der Dead-Leaves-Kurven…

Plus bei der Grenzauflösung

Mit 18-Megapixel-Sensor und Digic-4-Bildprozessor kann die EOS 1200D im Vergleich zur Vorgängerin (EOS 1100D, 12 MP) ein klares Plus an Grenzauflösung etwa zwischen 200 und 300 LP/BH verbuchen. Andere für die Bildqualität wichtige Parameter haben sich dagegen kaum verändert; dies gilt auch für die Dead-Leaves-Werte, die bis ISO 1600 auf sehr hohem, bei ISO 100 zu hohem Niveau verlaufen.

Das Rauschen ist bis ISO 1600 gering bis akzeptabel (VN 0,6 bis 1,2), steigt aber bei ISO 3200 (VN 1,7) deutlich und bei ISO 6400 (VN 2,5) kräftig an. Die Dynamik beträgt nahezu konstant 9 Blenden bis ISO 1600, ab dann geht es pro ISO-Stufe jeweils um eine Blende abwärts. Unterm Strich liegt die EOS 1200D etwa auf dem Niveau der Nikon D5100 bei etwas aggressiverer Abstimmung (höhere DL-Werte) und mehr Rauschen ab ISO 3200.

Fazit

Abgespeckt, aber keinesfalls ärmlich ausgestattet präsentiert sich die Canon EOS 1200D als neues Canon-Basismodell: Nicht jeder braucht WLAN oder einen Touchscreen. Schade nur, dass die automatische Sensorreinigung fehlt. Für den Urlaub ist die Kamera dank kompakter Abmessungen ebenso erste Wahl wie für die sportliche Freizeitgestaltung dank geringer Auslöseverzögerung.

Nur der Kontrast-AF ist zu langsam, und beim Filmen haben EOS 100D und 700D dank Hybrid-AF die besseren Karten, vor allem in Kombination mit STM-Objektiven. Besonders lobenswert: das Bedienkonzept mit Quick-Monitor und Direktzugriffen auf die wichtigsten Funktionen.

Auch die kostenlose Begleiter-App ist eine gute Hilfe für Einsteiger. Da die Bildqualität bei höheren ISO-Einstellungen deutlich nachlässt, sollte man sich nach Möglichkeit mit ISO 800/1600 begnügen.

Canon EOS 1200D

HerstellerCanon
Preis400.00 €
Wertung49.0 Punkte

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