Altbewährter Bombast

Call of Duty: Ghosts im Test - Systemanforderungen von morgen für Technik von gestern

Call of Duty: Ghosts im Test - Abermals lassen Sie in einem fiktiven Konflikt keinen Stein auf dem anderen. Dazu kommen viel zu hohe Systemanforderungen.

Call of Duty: Ghosts im Test - Das Spiel folgt der Tradition. Sie bekommen Hollywood-Bombast und veraltete Technik.

© WEKA Media Publishing GmbH / Activision

Call of Duty: Ghosts im Test - Das Spiel folgt der Tradition. Sie bekommen Hollywood-Bombast und veraltete Technik.

Pro

  • Interessanter Ghosts-Strang, der im Nachfolger hoffentlich weiter beleuchtet wird
  • Blockbuster-Inszenierung, die Hollywood-Niveau erreicht

Contra

  • zu hohe Systemanforderung ...
  • ... und dafür nicht angemessene Grafik / Technik
  • Bugs (u.a. extrem störendes Sound-Ruckeln in Render-Sequenzen)
Gut

Call of Duty: Ghosts zeigt im Test, dass die Entwickler von Infinity Ward das altbekannte Motto "Never Change a Running System" wohl im Arbeitsvertrag stehen haben müssen. Der neueste Activision-Shooter vertraut auf das bewährte Konzept: Die USA wird das Opfer eines terroristischen Angriffs oder wie im aktuellen Falle Opfer einer Invasionsmacht und Sie als Protagonist sollen die Geschehnisse aufhalten.

Die Invasoren nennen sich in Call of Duty: Ghosts die "Föderation": ein Zusammenschluss südamerikanischer Staaten in der nahen Zukunft. Sie übernehmen die Rolle eines US-Soldaten in einer vierköpfigen Truppe. Diese hört auf den Namen "Ghosts": eine versteckt agierende, sagenumwobene Elite-Einheit, die es alleine mit der Föderation aufnehmen will.

Mehr gibt es zur Rahmenhandlung eigentlich nicht zu sagen. Ein wenig Pfeffer bekommt die Geschichte, als ein alter "Ghost" mit den Gegnern anbandelt und seinen Ex-Kollegen ordentlich einheizt. Einheizen ist auch schon das Stichwort: Die Kampagne beginnt mit einem kleinen Abstecher in die Vergangenheit. Ein Weltraumbombardement sorgt für Erdbeben, einstürzende Häuser und massig Explosionen. Der noch junge Hauptcharakter muss fliehen.

Lese-Tipp: Battlefield 4 im Test

Nach einem Schnitt sieht man, was sich gleichzeitig im Weltraum abgespielt hat. Die Föderation hat sich Zugang zu Odin verschafft, einem Verteidigungs-Satelliten im Erdorbit. Für einen kurzen Moment schlüpfen Sie in eine andere Rolle, beobachten den Überfall auf Odin sowie einen massiven und desaströsen Angriff auf den nordamerikanischen Kontinent und die wichtigen Ballungszentren. In dem packend inszenierten Abschnitt schalten Sie Odin und die Angreifer aus, um sich anschließend - zurück in der Gegenwart - durch die Trümmer Nordamerikas und anderen Teilen der Welt zu den Drahtziehern und Bösewichten vorzukämpfen.

CoD: Ghosts im Test - kurzweilige Inszenierung, altbekanntes Gameplay

Die Geschichte haben Sie innerhalb von fünf bis sechs Stunden durchgespielt. Das Call-of-Duty-typische, schlauchige Level-Design führt Sie schnurstracks von A nach B. Möglichkeiten, auf dem Weg zum Ziel die Umgebung zu erkunden, gibt es kaum - beziehungsweise bringt das meistens auch nichts. Stattdessen wollen die Entwickler den Spieler anscheinend so schnell wie möglich von einer zur nächsten Auseinandersetzung führen, bei der wie gewohnt alles in Hollywood-Manier explodieren oder in sich zusammenkrachen muss. Immerhin kommen wir an abwechslungsreiche Schauplätze, wie Ihnen die folgende Bildergalerie zeigt.

Bildergalerie

CoD Ghosts, Call of Duty
Galerie
Kampagne in Screenshots

Wir haben Call of Duty: Ghosts im Test. In dieser Galerie zeigen wir Ihnen Momente aus der kurzen, aber schön inszenierten Kampagne.

Ein solcher Aufbau der Geschichte, kombiniert mit der mittlerweile obligatorischen, hollywoodreifen Inszenierung, bringt in der Regel dauerhafte Kurzweil. Doch wer die Vorgänger kennt, wird sich auch langweilen können - oder im "Autopilot" einfach alle Checkpunkte ablaufen und abhaken, um schnell das Kampagnen-Achievement (Spieltrophäe) zu ergattern und sich dem Online-Modus widmen zu können. Von den nächsten Level-Abschnitten trennt Sie meist eine mehr oder weniger kleine Horde von Gegnern, die weder klug noch fordernd agiert. Beschießen Sie einen Gegner, geht dieser eventuell in Deckung. Warten Sie einfach, bis er an genau der gleichen Stelle wie zuvor wieder auftaucht und drücken Sie ab. Damit werden Sie wohl die meiste Zeit in der Kampagne verbringen: auf Pixelgegner in Moorhuhn-Manier schießen.

An Innovationen gibt es wenig. Zwar begleitet den Protagonist ab und zu ein Hund (Riley), in dessen Rolle sie auch teilweise schlüpfen können. Doch außer für Angriffe auf gegnerische Soldaten taugt der Vierbeiner wenig. In wenigen Passagen können Sie sich als Riley an Gegner heranschleichen. Zumeist markieren Sie als Protagonist jedoch Gegner, die der Hund dann von alleine angreift. Das ist gegenüber anderen Call-of-Duty-Spielen zwar eine Neuerung, im Hinblick auf das Genre aber keineswegs eine Innovation. KI-Kameraden per Markierung Angriffsbefehle geben: alter Hut! Da nützt es auch wenig, dass es diesmal ein Hund und kein virtueller Kollege ist.

Call of Duty: Ghosts im Test - Systemanforderungen zu hoch

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© WEKA Media Publishing GmbH

Wir schleichen durch das Gras. Einer von wenigen Momenten, in denen die Grafik zeitgemäß aussieht.

Groß war die Freude als Activision ankündigte, dass Call of Duty: Ghosts auf eine neue Grafik-Engine setzen würde. Noch größer war bei Technik-Fans die Enttäuschung als es hieß, dass doch nur eine abermals aufgebohrte Infinity-Ward-Engine Verwendung findet. Diese basiert in Ihren Ursprüngen übrigens auf der Quake-3-Arena-Technik. Jenes Spiel datiert nebenbei bemerkt auf das Jahr 1999. Zwar haben die Call-of-Duty-Entwickler die Engine bis zum Jahr 2007 mit Call of Duty 4: Modern Warfare auf ein sehr fortschrittliches und hübsch anzusehendes Level gehievt. Doch seitdem ist Call of Duty nicht unbedingt gleichbedeutend mit einem Technikfeuerwerk, wie etwa Battlefield 4 (Test).

Die Call of Duty: Ghosts Systemanforderungen fallen nicht ganz so hungrig aus, wie ursprünglich kommuniziert. Dennoch geblieben ist die Mindestanforderung von 6 GB RAM - zumindest zum Release und Testzeitpunkt. Ohne diese startet der Ego-Shooter erst gar nicht. Als wir diese im Testsystem nachgerüstet haben, stellten wir fest, dass Call of Duty: Ghosts nie mehr als knapp über 2 GB gleichzeitig nutzte. Die 6 GB RAM als Mindestvoraussetzung sind also deutlich zu hoch gegriffen und könnten bei einigen Spielern für Frust sorgen. Denn für Hardcore-Spieler ist es zwar gang und gäbe, für ein Spiel aufzurüsten und sich an modernster Grafik und Technik zu erfreuen. Doch Call of Duty: Ghosts liefert in diesem Punkt - zumindest bei der PC-Version zum Testzeitpunkt - eine äußerst schwache Leistung ab.

Als CPU und GPU empfiehlt Activision mal eben einen Quadcore-Prozessor mit 3,6 GHz und eine Geforce GTX 760 mit 4 GB VRAM. Die sind auch bitter nötig. Denn die Performance ließ teilweise deutlich zu wünschen übrig. Die Grafikqualität rechtfertigt zudem zu keinem Zeitpunkt entsprechend hohe Anforderungen. Dazu kamen Bugs, wie etwa Sound-Ruckeln bei den Render-Sequenzen. Diese werden zwar im Ladebildschirm angezeigt. Das Ruckeln fängt paradoxerweise aber erst an, nachdem die Inhalte fertig geladen worden sind: praktisch dann, wenn der Ladebalken voll ist, und ein Knopfdruck den nächsten Spielabschnitt beginnen lassen würde. Soviel Atmosphäre und knappe Erklärungen ebenjene Videos auch liefern, das Stocken ist - unter Berücksichtigung der gegebenen Systemanforderungen - ein absoluter Spaßkiller.

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© WEKA Media Publishing GmbH

Dies verkauft uns Infinity Ward als optimale Video-Settings für Call of Duty: Ghosts. Das Bild ist unbearbeitet.

Übrigens: Als wir die Funktion "Optimal Video Settings" aktivierten, lieferte das Spiel mal eben einen Texturmatsch ab, der fast schon an Voxel-Experimente der Spielegeschichte aus den späten 1990er Jahren erinnerte. Vergrößern Sie den Screenshot auf der linken Seite und machen Sie sich selbst ein Bild. Die Performance des Spiels ließ dann zwar keine Wünsche mehr übrig. Das ist jedoch auch kein Wunder, bei der gegebenen Optik. Abschließend bleibt nur zu sagen: Bei den offiziellen Systemanforderungen von CoD: Ghosts haben wir uns deutlich mehr erwartet.

Call of Duty: Ghosts im Test - Fazit

Call of Duty: Ghosts reiht sich als jüngster Nachfolger nahtlos in die erfolgreiche und beliebte Spielreihe ein. Wir erleben eine Geschichte vor dem Hintergrund der neuen "Ghosts"-Spezialeinheit. Diese wird zwar kaum ausführlich beleuchtet. Es gibt jedoch einen Cliffhanger am Ende, der für die wohl sicher kommende Fortsetzung mehr verspricht. Call-of-Duty-Fans kommen in der wie eh und je spektakulär inszenierten Kampagne auf ihre Kosten. Alle anderen, die sich ausschließlich für den Singleplayer-Part interessieren, müssen sich fragen, ob ihnen das Spiel rund zehn Euro pro Stunde Spielspaß wert ist. Der Neupreis des Shooters liegt bei rund 60 Euro.

Bedenken Sie dabei die Aspekte, die wir unter dem Punkt "Systemanforderungen" zusammengefasst haben. Diese sind astronomisch hoch - höher als bei Battlefield 4. Gegenüber der Technik des Ego-Shooters von Electronic Arts hat das Actionspiel von Activision jedoch keinerlei Chance. Kurzum: Battlefield 4 sieht auf schwächeren PCs um Welten besser aus als Call of Duty: Ghosts. Die Kampagnen bewegen sich in Sachen Spielzeit und -spaß etwa auf dem gleichen Niveau: mit dem Unterschied, dass Sie bei Battlefield 4 praktisch einen topaktuellen PC-Benchmark in Form eines Spiels erhalten. Im Duell der beiden Shooter gewinnen also klar Electronic Arts und Battlefield-4-Entwickler DICE. Der Konkurrent Call of Duty: Ghosts hat das Nachsehen. Das Activision-Spiel ist seit dem 5. November 2013 erhältlich.

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