Drahtloser Beamer

BenQ W1070+W im Test

BenQ bringt mit der neuesten Variante seines Beamers W1070 als W1070+W eine pfiffige Version mit drahtlosem HDMI und Übertragung der Infrarotbefehle. Wir haben den drahtlosen Beamer getestet.

BENQ W1070+W

© BENQ

Das Empfangsmodul: Der Empfänger für Audio, Video und Infrafrot kann am Projektor montiert und aus dessen USB-Anschluss mit Strom versorgt werden.

Pro

  • helles, klares Bild
  • flexible Funkbrücke mit IR-Übertragung
  • tolles, flimmerfreies 3D-Bild

Contra

  • könnte leiser sein
  • Lensshift winzig

BenQ scheint sich darauf spezialisiert zu haben, einmal im Kern fertig entwickelte Produkte in mannigfachen Versionen auszuschlachten. Das ist im Falle des BenQ W1070 gut so, den video in seiner Urversion bereits im April 2013 getestet hat. Im folgenden November schaute sich die Redaktion die Variante BenQ W1080ST mit seinem Weitwinkel-Objektiv an, die sich gerade für Gamer gut eignet.

Nun stand die Version W1070+W im Testkino, wobei auch die Basis mittlerweile mit einem "+" aufgewertet wurde, weil sie ein neues Eingangsboard erhalten hat. Das steckt auch in der hier getesteten Version mit dem "W" für wireless (drahtlos). Strom braucht der Projektor naturgemäß immer noch aus einer nahen Steckdose, dennoch hat die pfiffige drahtlose Bild- und Tonübertragung eine genauere Betrachtung verdient.

Zum Projektor gehört das Wireless FHD Kit. Damit gelangen zum einen Bild und Ton durch die Luft zum Beamer und in der umgekehrten Richtung die Infrarotbefehle für andere Geräte vom Projektor zum Sat-Receiver, Blu-ray-Disc-Player etc. zurück zu den Geräten. Dabei können sich diese sogar außer Sichtweite befinden, also etwa in einem Schrank stehen.

Ein bewährter Projektor

Zunächst nahm das Testteam den Projektor selbst unter die Lupe. Dabei gab es relativ wenig Neues zu berichten, aber an einigen wichtigen Details haben die Ingenieure doch Entscheidendes verbessert. Im täglichen Gebrauch dürfte die neu gestaltete und mit intensivem Rot beleuchtete Fernbedienung mit neuem Tastenlayout die größte Rolle spielen. Auch am Ton scheint sich etwas getan zu haben.

Der integrierte Lautsprecher kann zwar eine Heimkino-Anlage nicht ersetzen, aber er spielt nun mit erträglicher Sprachverständlichkeit verblüffend und raumfüllend laut, ohne gleich zu verzerren. Dem Anschlussfeld ist eine Neuentwicklung anzusehen. Es verzichtet nun auf einen S-Video-Eingang, dafür kam eine USB-Buchse zur Stromversorgung des Funkempfangmoduls hinzu, die immerhin satte 1,5 Ampere Energie zu liefern vermag. Und ein HDMI-Eingang ist nun MHL-tauglich.

BENQ W1070+W Fernbedienung

© BENQ

Endlich hat BenQ im Rahmen der Modellpflege auch die Fernbedienung verbessert und die Tasten heimkinogerecht beleuchtet.

Die Light Engine und das Objektiv blieben laut Datenblatt unverändert. Das Labor attestierte aber einen um immerhin fast 500 Lumen höheren Lichtstrom und erkannte mit einem Blick auf die Leinwand die kristallklare, helle Wiedergabe. Da haben die Entwickler wohl doch etwas an der Light Engine gewerkelt. Das Objektiv scheint allerdings unverändert zu sein: Es liefert für diese Preisklasse eine adäquate Bildschärfe und Geometrie.

Von der Güte der Abbildung etwa eines Sony VPL-HW40ES ist das meilenweit entfernt. Und damit sind nicht nur der kleine Zoombereich und winzige Lensshift gemeint, sondern die Randschärfe und chromatische Aberration (Regenbogenkonturen). Immerhin sind alle rund zwei Millionen DLP-Spiegelchen klar als Quadrate abgebildet.

Einen Preis für die Kompaktheit zahlt man mit der Lautstärke der notwendigen Kühlung, die deutlich hörbar ist. Das Menü stellt ein komplettes Farbmanagement zur Bildkalibrierung zur Verfügung, das allerdings, wie in diesen Preisklassen oft anzutreffen, leider nicht in allen Parametern sinnvolle Einstellungen zulässt. Dieses bereits im Labor festgestellte Manko zeigte sich entsprechend auch im Film auf der Leinwand: die nicht ganz homogene Wiedergabe der Farbhelligkeiten und Sättigungsgrade. Diese scheinen die Ingenieure zugunsten der Bildhelligkeit ein wenig vernachlässigt zu haben. Aber keine Sorge: Von einer blassen Wiedergabe ist der W1070+ weit entfernt.

HDMI plus Infrarot per Funk

Und wie läuft es mit der Funkübertragung? Das Empfängermodul lässt sich dank mitgelieferter Montagebleche am Projektor befestigen. Je ein kurzes USB-Strom- und ein HDMI-Kabel liegen bei. Die Basisstation bietet zwei HDMI-Eingänge und einen -Ausgang. Damit kann man sie in eine HDMIVerbindung einschleifen, ohne einen Extra-Anschluss an Quelle oder Senke zu verschwenden.

Sie besitzt vorne einen Infrarot-Empfänger, genau wie das Modul am Projektor, und hinten eine Buchse für das beiliegende Kabel mit drei Infrarot-Emittern zur Steuerung anderer Geräte, etwa des Blu-ray-Players, sodass dieser sogar in einem oder hinter den Zuschauern platziert werden kann - clever. So ziemlich das einzige, was die Funkbrücke nicht transportiert, sind Bildauflösungen jenseits von Full HD und HD-Audioformate. Damit ist aber alles abgedeckt, was der W1070+ beherrscht; das passt genau.

Stabile Funkübertragung

Die Funkübertragung selbst erwies sich in der Praxis als ungewöhnlich stabil. Selbst wenn mehrere Personen im Funkweg standen, kam es zu keinen Aussetzern. Auch die weitergeleiteten Infrarotbefehle funktionierten einwandfrei. Selbst Gamer dürften ihre Freude haben, denn die Funkstrecke arbeitet ohne merkliche Latenz. Ein wenig lästig war aber auch in diesem Falle der manchmal endlos erscheinende HDMI-Handshake zwischen Beamer und Player.

Optimale Einstellungen:

  • Bildmodus: Cinema
  • Kontrast: 48
  • Helligkeit: 51
  • Schärfe: 7
  • Farbe: 50
  • RGB-Plus: 100, 100, 100
  • RGB-Minus: 249, 255, 260
  • Gamma: 2,4
  • Brilliant Color: ein

Dieser kann bis zu einer halben Minute dauern, sobald sich Auflösung oder Bildfrequenz ändern. Das passiert schon bei vielen Blu-ray Discs, wenn man im Menü (50 oder 60 Hertz) den Film startet (24 Hz). Am längsten dauerte die Verhandlungsrunde zwischen Player, Basisstation, Empfänger und Projektor beim Umschalten zwischen 2D- und 3D-Wiedergabe. Apropos: Die 3D-Wiedergabe beherrschte der BenQ sensationell gut.

Wie professionelle Kinoprojektoren zeigt er jedes Bild für jedes Auge dreimal (Triple-Flash) und damit in flimmerfreien 72 Hz. Das sorgt auch für eine geschmeidige Bewegungsdarstellung, ohne dass eine Zwischenbildberechnung nötig wäre. DLP-typisch zeigt sich das 3D-Bild kristallklar und frei von Geisterbildern. Die Bildqualität selbst schien von der Funkstrecke kaum sichtbar beeinflusst. Allenfalls einen Hauch zusätzliches Rauschen glaubten die Tester im direkten Vergleich zur Kabelübertragung ausmachen zu können.

BENQ W1070+W Screenshot Laborwerte

© BENQ

Nicht perfekt ausgewogen: Der BenQ W1070+ zeigte im Labor ein für seine Bauart und Preisklasse recht typisches Bild ohne dramatische Ausreißer.

Aus dem Messlabor

Nicht perfekt ausgewogen: Der BenQ W1070+ zeigte im Labor ein für seine Bauart und Preisklasse recht typisches Bild ohne dramatische Ausreißer. Sein Farbraum ist im Grün ein wenig begrenzt, um die Lichtausbeute zu steigern.

Das gilt auch für die Farbhelligkeit, die ein wenig zu niedrig ausfiel. Da die Regler für RGB-"Plus" für die Farbbalance nicht richtig funktionierten, ließ sich die Farbbalance zwar gut, aber nicht perfekt einstellen. Die Gammakurve litt ein wenig unter Übersteuerung; das lässt sich aber leicht per Kontrastregler korrigieren.

Fazit

Wer einen Projektor mit Funkübertragung sucht, findet in BenQs Kombi-Set W1070+W eine clevere Lösung. Die Funkstrecke erwies sich als robust und in Sachen Bildqualität einwandfrei. Die unmerkliche Latenz von unter einer Millisekunde dürfte vor allem Gamer freuen. Die Fähigkeit, Infrarot zu empfangen und an Player etc. zu liefern, eröffnet weitere Anwendungen.

Download: Steckbrief: BENQ W1070+W

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