Im Test

70-Zoll TV: Sharp LC-70LE835E

Wer richtiges Kino- oder Stadion-Feeling will, sollte auf einen möglichst großen Schirm setzen. Sharp forciert mit dem LC-70LE835E seine Großbild-Offensive. Mit 177-cm-Bilddiagonale ist er der größte TV, den wir jemals getestet haben.

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70-Zoll TV: Sharp LC-70LE835E

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

70-Zoll TV: Sharp LC-70LE835E

Eine wirklich umwerfende Bildqualität kann ein kleiner Bildschirm nicht bieten - mögen die Farben auch noch so froh, die Schärfe noch so schnittig und der Kontrast so hell sein wie die Sonne. Ein echter "Wow"-Effekt stellt sich erst ein, wenn das Ganze ein maximales Flächenmaß erreicht.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Durchschnittsgröße eines Fernsehers in den letzten Jahren rasant entwickelt hat - so schnell, wie es die Fertigungsmöglichkeiten der Panel-Fabriken und die Preispolitik der TV-Hersteller zulassen. Noch vor wenigen Jahren galt man als Spinner, wenn man behauptete, ein Meter Bilddiagonale (40 Zoll) würde zum Normalfernseher werden. Jetzt sind 46 Zoll (117 cm) und gar 55 Zoll (139 cm) durchaus die Renner in den Großmärkten, weil sie zu fast schon unvernünftig geringen Preisen angeboten werden.

Wer das besondere Heimkino-Erlebnis haben will, muss sich weiter nach oben orientieren, und hier stellt Sharp mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis die einzig vernünftige Alternative zur Projektion dar.

Sharp startete seine Großbild-Offensive mit dem LC-60LE635E, dem ersten 60-Zöller unter 2.000 Euro. Beim 70LE835E haben die Hamburger noch satte 25 Zentimeter draufgelegt: Mit seiner 177-cm-Diagonale hält er den Größenrekord in unserem Labor.

Und man muss kein Ölmagnat oder Drogenboss sein, um sich dieses umwerfende Gerät leisten zu können. Sein Preis ist nicht - wie man vermuten könnte - fünfstellig, sondern er liegt dort, wo seit vielen Jahren die jeweils größten, aber dennoch marktrelevanten Fernseher angesiedelt sind: bei 4.500 Euro.

Wie groß darf es sein?

Optimaler Sehabstand (mindestens)

TV: 4,4 m // PAL-DVD: 3,9 m // HD: 2,7 m

Wie wir in unserem Bericht über den optimalen Sehabstand festgestellt haben, kann das Bild kaum zu groß sein, solange die Quelle die beste Qualität liefert. So hat sich auch bei unseren Tests herausgestellt, dass man sich dem neuen Sharp bei einem guten Blu-ray-Film durchaus auf unter drei Meter nähern darf - einem Maß, das tatsächlich in vielen deutschen Wohnzimmern gegeben sein dürfte.

Ob es an der passenden gegenüberliegenden Wand eine Lücke mit den für das Gerät benötigten 162 cm x 101 cm gibt, ist eine andere Frage. Wer sich glücklich schätzt, diesen Fernseher unterbringen zu können, der wird mit einem Filmerlebnis der Sonderklasse belohnt.

Technik-Look in Profi-Schwarz

Sharp LC-70LE835E, fenseher, home entertainment

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Dass der riesige Fernseher in Höhe der Lautsprecher satte neun Zentimeter tief ist, sieht man ihm nicht an. Der Sound profitiert von diesem großzügigen Volumen.

Der LC-70LE835E ist auf eine phänomenale Bildqualität optimiert. Er präsentiert sich in dezentem, fast schlichtem, schwarzen Plastik-Look. Vielleicht ist der Look besser als das iPad-Design von Sharps 900er-Serie, das mit einem extrabreiten Rahmen und einer stark spiegelnden Glasscheibe kombiniert ist. Jetzt folgt der Blick nicht dem Rahmen, sondern dem gigantischen Bild, das glücklicherweise sehr gut entspiegelt ist.

Wer den ersten, allein wegen der Größe umwerfenden Bildeindruck verdaut hat und näher hinschaut, der erkennt, dass Sharp beim Konzept dieses Fernsehers alle wichtigen Bildparameter im Auge hatte. Das Quattron-Panel mit seinen vier Grundfarben kann zwar bunter, als die Bildpolizei erlaubt, doch die Elektronik hat das Ganze sicher im Griff - wenn man sie lässt.

Prinzipiell genügt es, den Bildmodus Film mit der Farbtemperatur niedrig anzuwählen und die Schärfe leicht zurückzunehmen - und schon hat man ein recht normnahes Bild. Wenn man dann noch entweder die Farbsättigung zügelt oder den Farbraum kalibriert, bekommt man ungemein natürliche Bildergebnisse.

Sharp LC-70LE835E, fenseher, home entertainment

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

AQUOS NET+ nennt sich das Smart-TV-Portal von Sharp. Die Auswahl an interessanten Apps ist dabei sehr gut. Vom VoD-Dienst Viewster können gar Filme gestreamt werden - mit Zwischenspeicherung auf einer SD-Karte.

Ersteres geht ja recht einfach; wenn es um die Feinheiten gehen soll, kann ein Kalibrator sich aber besonders lange mit dem Gerät beschäftigen, da neben den Positionen der Grundfarben im Farbsegel auch deren Pegel sowie eine Farbtemperatur- und Gamma-Anpassung im Zehn-Punkte-Raster möglich sind. Die Kalibration bringt den Sharp-Fernseher auf Studioniveau.

Stimmen die Farben, kann nach Gusto die 200-Hz-Elektronik abgeglichen werden, um die Darstellung von Bewegungen angenehmer zu gestalten. Dazu dienen einmal die Zwischenbildberechnung und zusätzlich das Scannen der Full-LED-Hintergrundbeleuchtung, das in mehreren Schritten eingestellt werden kann.

Hier sollte man verhalten vorgehen, denn das riesige Display deckt gnadenlos jeden Bildfehler auf, sei es im Quellmaterial oder in der Bildverarbeitung. Den Rauschfilter auf Auto einzustellen hat sich in der Praxis als vorteilhaft erwiesen.

Sharp LC-70LE835E, fenseher, home entertainment

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Kein anderer Programmführer bringt derart viele Infos auf einen Blick. Leider können Sendungen nur zum Anschauen vorgemerkt, nicht aber auf einer angeschlossenen Festplatte aufgezeichnet werden.

Andererseits sollte man einige schlechte TV-Signale niemals auf eine derartige Monstergröße aufblasen, wie sie dieser Fernseher zeigt. Insgesamt ist es dann auch sehr lobenswert, wie gut DVB-T oder schlecht produzierte Sat-Sendungen auf den Schirm gebracht werden. Hier drängen quellbedingte Unschärfen und Blöcke den Zuschauer dann aber doch einige Meter weiter nach hinten.

Im 3D-Betrieb zeigte der Sharp einen geringeren Lichtverlust als viele Mitbewerber, jedoch mit dem Kompromiss, dass das rechte und das linke Auge nicht ganz perfekt voneinander getrennt werden (31 dB Übersprechen), es also in hohen Kontrasten zu Geisterbildern kommen kann. Aber gerade bei 3D-Filmen ist die Größe ein wichtiger Faktor, da mit ihr auch die Bildtiefe steigt. Und hier zeigt sich der Sharp wieder einmal ganz besonders beeindruckend.

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