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Günter Pichl | Profil | Kontakt

7. November 2011
Krieg dem Kabel: Duell: WLAN vs. Powerline Bild vergrößern 937 563 http://img3.magnus.de/Duell-WLAN-vs-Powerline-r937x562-C-fae800cb-49707747.jpg © pearl.de
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Krieg dem Kabel

Duell: WLAN vs. Powerline

Egal ob es am Vermieter, der Ehefrau oder zehn linken Daumen liegt – für viele ist die Vernetzung via Ethernet-Verkabelung keine Option. Da stellt sich dann die Frage: Was ist besser? WLAN oder Powerline? PC Magazin hilft Ihnen bei der Entscheidung.

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Man muss es ganz klar feststellen: Nichts geht über eine ordentliche Vernetzung via Ethernet-Kabel. Der Datendurchsatz (Übertragungsrate) ist unschlagbar hoch, die Antwortzeiten (Ping) kurz und die Verbindung absolut zuverlässig.

Dennoch sieht sich nicht jeder in der Lage, die dafür notwendigen Strippen durch die eigenen vier Wände zu ziehen, Löcher zu bohren und womöglich noch Stahlbetondecken zu durchbrechen. Zumal man überdies vor dem Problem steht, die nicht gerade schmucken Kabel zu kaschieren, ohne größere bauliche Maßnahmen zu tätigen.

Netz ohne Strippen

Zum Glück gibt es Alternativen zur Strippe. Am bekanntesten und am weitesten verbreitet dürfte WLAN sein. Das drahtlose Netzwerk wird inzwischen mit bis zu 450 MBit/s Übertragungsrate beworben und sollte – im Idealfall – die halbe Bandbreite eines kabelgebundenen Gigabit-Ethernet zur Verfügung stellen.

Sogar noch ein wenig mehr – nämlich bis zu 500 MBit/s – verspricht der neueste Powerline-Standart. Powerline nutzt die allgegenwärtige Hauselektrik zur Datenübertragung. Dazu werden der 50-Hz-Netzfrequenz eine ganze Reihe höherfrequenter Signale (zwischen 2 und 68 MHz) aufmoduliert und von einem Adapter zum nächsten über das 230-Volt-Netz geschickt.

Auf dem Papier sollten 450 bzw. 500 MBit/s für flotten Datenaustausch reichen, von eher unkritischen Anwendungen wie Internet-Surfen oder E-Mail-Verkehr gar nicht zu reden. In der Praxis stellt sich die Situation jedoch ganz anders dar.

Während eine Verkabelung via GBit-Ethernet – entsprechende Hardware vorausgesetzt – auch nach 100 Metern Kabellänge noch an seine theoretische Bandbreite heranreicht, geht das Tempo bei Powerline und WLAN mit zunehmender Distanz recht schnell in die Knie.

Zudem können auch bei kurzer Strecke Hindernisse bzw. Störquellen für erhebliche Einbußen an Performance sorgen. Was dann tatsächlich als Übertragungsleistung zur Verfügung steht, ist nicht selten nur mehr ein kleiner Bruchteil dessen, was die Hersteller vollmundig auf die Verpackung schreiben.


Bild vergrößern 937 580 http://img3.magnus.de/image-r937x580-C-21fc5ad7-50243217.jpg Unsere drei Powerline-Kandidaten: je ein 500-MBit/s Adapter von Devolo und Netgear sowie ein 200-MBit/s-Adaper von Devolo. © Hersteller/Archiv
© Hersteller/Archiv

Unsere drei Powerline-Kandidaten: je ein 500-MBit/s Adapter von Devolo und Netgear sowie ein 200-MBit/s-Adaper von Devolo.

Hausbesuch

Wie gut sich WLAN bzw. Powerline in der Praxis tatsächlichen schlagen, lässt sich im Labor nur schwerlich bestimmen. Deshalb haben die Testredakteure die heiligen Hallen des PC-Magazin-Testlabors verlassen, um den strippenlosen Datenverkehr im heimischen Umfeld auf den Zahn zu fühlen. So ließen sich zum einen die, in einem IT-Verlag kaum vermeidbaren, teils kräftigen Störungen durch WLAN-Nachbarkanäle vermeiden.

Zum anderen stand uns so für Powerline eine ganz normale Hauselektrik zur Verfügung, die sich doch sehr deutlich von der Elektrik in einem großen Bürokomplex unterscheidet. Für unsere Messungen wählten wir ein Einfamilienhaus in Holzständerbauweise mit moderner, aber konventioneller Elektrik.

Ausgangspunkt war eine zentral gelegene Abstellkammer, die einen WLAN-Router Marke AVM Fritz!Box 7390 beherbergt. Das Spitzenmodell des deutschen Marktführers arbeitet simultan als WLAN-Access-Point im 2,4-GHz- und 5-GHz-Band nach IEEE 802.11n mit nominell bis zu 300 MBit/s.

Anschlussbericht

Am integrierten 4-Port-GBit-Switch der Fritzbox steckte eine flotte NAS vom Typ Thecus N4200Pro. Der Testsieger des NAS-Vergleichs (PC Magazin Ausgabe 7/2011) stellte unter anderem ein rund 10 GByte großes Verzeichnis ins Netz, das neben großen Videodateien eine Reihe von Bildern, mp3-Musikfiles und Text-Dokumenten enthielt.

Außerdem fanden sich dort zwei mkv-Videodateien im 1080p-Format mit rund 8 MBit/s sowie eine m2v-Videodatei (Blu ray), die mit rund 35 MBit/s übertragen werden will. Zunächst sollten die Probanden die erste mkv-Datei und – bei Erfolg – zeitgleich noch die zweite mkv-Datei abspielen.

Als Härtetest folgte das Blu-ray-Video. Dabei achteten wir auf Hänger oder Aussetzer bei der Wiedergabe. Ein Häkchen in der Tabelle erhielten nur unterbrechungsfreie Übertragungen.

Am Switch des AVM-Routers steckte zudem ein leistungsstarker Rechner mit Core-2-Quad-CPU, der als Server für die Messungen mit den Netzwerk-Benchmark "iperf" diente. Iperf ist ein anerkanntes Standard-Tool zur Bestimmung der Netzwerk-Performance, das auch im PC-Magazin-Testlabor zum Einsatz kommt.

In unmittelbarer Nähe zur Fritzbox steckte ein Powerline-Adapter – direkt verbunden mit der Fritzbox – einsam und allein in der Steckdose. Nun wuselten die Redakteure mit einem WLAN-fähigen Notebook, drei verschiedenen Powerline-Adaptern und einem Fritz!WLANUSB-Stick durchs Haus, um an verschiedenen Stellen des Gebäudes Geschwindigkeit und Qualität der Verbindung zu testen.

Dabei wurden sechs Standorte ausgewählt. Der erste – als "Direkt" bezeichnete Standort lag in zwei Metern Entfernung zum Router ohne störende Hindernisse. Die Powerline-Adapter durften sich auf einer 6-Meter-Strecke über einen einzelnen Kabelstrang unterhalten, der zudem netzseitig durch einen Netzfilter abgeschirmt wurde – optimale Bedingungen also, die wohl eher in den Träumen von Powerline-Entwicklern als in der Wirklichkeit anzutreffen sind.



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