Erste Hilfe wenn's brennt

Windows Rettungs-CD mit Treibern für AHCI und RAID

Auf vielen modernen PCs laufen SATA-Platten im AHCI-oder RAID-Modus. Rettungs-CDs haben damit leider oft Probleme. Wir zeigen Ihnen, wie Sie eine auf Bart PE basierende Windows-Notfall-CD mit Acronis True Image sowie AHCI-/RAID-Treibern für AMD und Intel-Boards bauen.

Software: Windwos Rettungs-CD mit Treibern für AHCI und RAID

© Archiv

Software: Windwos Rettungs-CD mit Treibern für AHCI und RAID

Nach Murphy's Law erwischt einen ein System-Crash immer genau dann, wenn man ihn am wenigsten gebrauchen kann. Die beste Lösung, das System zu retten, nennt sich neudeutsch Desaster Recovery. Was man dazu braucht, ist ein zuvor per Backup erzeugtes Abbild (Image) der Betriebssystem-Partition und eine bootfähige Notfall-CD (Live-CD), von der man ein Wiederherstellungsprogramm wie Acronis True Image starten kann. Im Idealfall hat man in 10 bis 15 Minuten ein lauffähiges System wiederhergestellt.

Soweit die Theorie, in der Praxis wird es schwierig, wenn die Notfall-CD mangels Treiber nicht auf die Festplatten zugreift, weil diese im AHCI-oder RAID-Modus laufen.

Manche Software-Hersteller bieten die Möglichkeit, eigene Notfall-CDs zu brennen, die oft auf Linux- Basis arbeiten. Auch diese kämpfen meist mit fehlenden Treibern für die modernen SATA-Betriebsmodi (siehe unten). Besser und vielseitiger sind Window-basierte Notfall-CDs. Denn in diese kann man nicht nur diverse Programme (Virenscanner wie Kaspersky, Backup-Programme wie Acronis True Image) integrieren, sondern auch Treiber für Festplatten-Hostadapter und Netzwerkkarten. Treiber für Windows sind für moderne Hardware häufiger verfügbar als für Linux. Mit entsprechenden Anpassungen kann auch Windows von CD oder DVD gebootet werden, Microsoft hat es mit seinem so genannten(Windows PE (Preinstallation Enviroment) vorgemacht.

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Download des Bart PE-Plug-ins für Acronis True Image im registrierungspflichtigen Downloadbereich des Herstellers.

Es steht jedoch nur Kunden mit bestimmten Verträgen zur Verfügung. Dank der Arbeit des Programmierers Bart Lagerweij gibt es aber das Freeware-Programm Bart's PE-Builder, mit dem sich jeder Besitzer einer 32-Bit-Installations-CD von Windows XP eine bootfähige CD brennt. In Anlehnung an Windows PE wird sie Bart PE genannt. Sie lässt sich mit Treibern und Windows-Programmen zu einer nützlichen Allround-Notfall-CD erweitern, die auf die eigenen Bedürfnisse bzw. das eigene System optimiert ist. Wir zeigen Ihnen, wie Sie für moderne AMD- und Intel-Systeme Treiber für AHCI/RAID integrieren sowie (stellvertretend für Anwendungsprogramme) das Bart PE-Plug-in von Acronis True Image einbinden. Zwei Videoanleitungen auf der Heft-DVD führen Ihnen den Ablauf im Detail vor.

Im Prinzip gelten die Anleitungen auch für den Bart PE-Ableger Ultimate Boot CD for Windows). Da dieser jedoch komplexer ist und von kommerziellen Firmen wie Acronis oder Kaspersky nicht unterstützt wird, konzentrieren wir uns auf den Klassiker Bart PE.

Die notwendigen Zutaten

Für die Notfall-CD benötigen Sie folgende Komponenten: Eine 32-Bit-Windows-Installations-CD (Lizenz vorausgesetzt), das Freeware-Programm Bart's PE-Builder, das Bart PE-Plug-in von Acronis True Image sowie AHCI-/RAID-Treiber für den in Ihrem Rechner vorhandenen SATA-Hostadapter. Auf Wunsch außerdem Treiber für die Netzwerkkarte. Das kommerzielle Bart PE-Plug-in für das Systemrettungsprogramms Acronis True Image findet sich auf der Installations-CD. Noch besser ist es, nach Registrierung der gekauften Version im Kundensupportbereich der Acronis Website das jeweils aktuelle Build des Plug- ins herunterzuladen. Dieses wird dann über ein eigenes Setup-Programm in einen Bart PE genannten Unterordner des Acronis True Image-Programms auf der Festplatte des vorhandenen Systems installiert. Auf dieses Verzeichnis werden Sie gleich noch manuell zugreifen müssen.

Nun zur Bezugsquelle der AHCI-/RAID-Treiber für den vorliegenden SATA-Hostadapter. Der Einfachheit halber konzentrieren Sie sich auf die aktuellen Boards/Chipsätze von Intel und AMD. Sie sind repräsentativ, daher verläuft die Prozedur für die Treiber von nVidia nForce-Chipsätze oder separate Hostadapter von Firmen wie Promise im Prinzip gleich. Vorteil bei AMD und Intel: Die Treiber für AHCI- und RAID-Betriebsmodi sind identisch. Bei Intel sind sie Teil des Software-Pakets Intel Matrix Storage Manager, das sich unter Windows nur aufspielen lässt, wenn das System im AHCI-oder RAID- Modus läuft. Für eine Installation von Windows benötigen Sie die Treiber jedoch als so genannte Textmodus-Variante, manchmal salopp auch als F6-Treiber bezeichnet. F6 bezieht sich auf die entsprechende Funktionstaste, die Sie während der Installation von Windows XP drücken müssen, um den Treiber einzubinden. Sie finden diese F6-Treiber getrennt nach 32- und 64-Bit im (Supportbereich von Intel). Sie müssen nur in ein Verzeichnis entpackt werden.

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Verzeichnisstruktur des PE-Builder-Programms mit Plug-in von Acronis True Image (unten) sowie Treibern für Festplatten-Hostadapter. Angewählt ist der Intel-AHCI-/RAID-Treiber.

Beachten Sie bitte, dass Bart PE ausschließlich mit der 32-Bit-Version von Windows XP arbeitet und Sie daher auch nur auf 32-Bit-Treiber bzw. Anwendungsprogramme zurückgreifen dürfen. Etwas komplizierter ist die Prozedur für aktuelle AMD-Chipsätze. Die AHCI-/RAID-Treiber sind einerseits im Southbridge-Treiber des ATI Catalyst-Installations-Paketes für Mainboards mit SB600/SB700-Chipsatz enthalten. Die Exe-Datei des Treiberpakets lässt sich mit einem Paketmanager wie 7-ZIP öffnen. Hier sind, neben anderen Dateien, die entsprechenden Textmode-Treiber im Verzeichnis $OUTDIR enthalten. Sie aus diesem Verzeichnis zu extrahieren, ist jedoch unübersichtlich. Leichter ist es, sich auf den Webseiten des jeweiligen Mainboard-Herstellers (z. B. Gigabyte) die Textmode-Treiber (F6-Treiber) herunterzuladen und ebenfalls in ein Verzeichnis zu entpacken.

Integration in Bart's PE-Builder

Nach Installation des PE-Builder-Programms müssen Sie die benötigten Komponenten manuell mit dem Windows Explorer in vorgelegte Verzeichnisstrukturen kopieren. Für Software-Komponenten steht das Unterverzeichnis "plugin" zur Verfügung, für Festplatten-Hostadapter das Verzeichnis drivers\SCSIAdapter, für Netzwerkkartentreiber Net. Jedes Plug-in und jeder Treiber bekommt sein eigenes Unterverzeichnis, dessen Bezeichnung frei wählbar ist. Da der Ordner des True Image-Plug-ins von Acronis mit Bart PE vorbenannt ist, sollten Sie diesen umbenennen (z. B. ATI11 b8105, siehe Abbildung), um Namenskonflikte zu vermeiden. Sofern Sie weitere Bart PE-Plug-ins haben (z.B. von einem Antivirenprogramm wie Kaspersky), kopieren Sie diese in eigene Unterverzeichnisse.

Lassen Sie sich nicht von der Bezeichnung SCSI für die Festplatten-Treiber verwirren, denn tatsächlich werden von Windows im AHCI-/RAID-Modus arbeitende SATA-Hostadapter wie SCSI-Hostadapter behandelt und so auch im Geräte-Manager angezeigt bzw. eingereiht.

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Deaktivierung der 64-Bit-Version in der Datei txtsetup. oem.

Schwieriger wird es, wenn ein Hersteller keinen reinen 32-Bit-Treiber zur Verfügung stellt, sondern das Treiberpaket eine Mischung aus 32- und 64-Bit-Version darstellt, wie es bei AMD (aber nicht Intel) der Fall ist. Bei Verwendung während der regulären Windows-Installation macht so eine mehrfache Geräteunterstützung nichts, da die Installationsroutine einen Dialog einblendet, über den der Anwender die Version für die tatsächlich vorliegende Hardware bzw. Windows-Variante auswählt. Beim Start der Bart PE-CD wird eine solche manuelle Auswahl aber nicht unterstützt. Hier muss der Treiber also allein die 32-Bit-Version von Windows anbieten, ansonsten wird er beim CD-Bootvorgang übergangen. Daher ist eine Überprüfung und eventuelle manuelle Anpassung der Installationssteuerdatei txtsetup.oem notwendig.

Öffnen Sie die im Treiberverzeichnis liegende txtsetup.oem-Datei mit einem Texteditor und suchen Sie den Abschnitt [SCSI]. Stehen hier mehrere Einträge, von denen insbesondere einer mit 64 bzw. x64 gekennzeichnet ist, so unterstützt der Treiber beide Windows-bzw. Gerätevarianten. Deaktivieren Sie nun die nicht gewünschten, indem Sie ein #-Zeichen an den Anfang der Zeile stellen und dann die Datei speichern. Im Fall des AMD-AHCI-/RAID-Treiber ist dies ziemlich einfach, weil nur zwei Zeilen vorhanden sind.

Die fertige Bart PE-CD brennen

Nun geht es ans Brennen der finalen Notfall-CD. Sorgen Sie zuerst dafür, dass Sie eine 32-Bit- Installations-CD (möglichst mit SP2 oder SP3) von Windows in einem Laufwerk vorliegen haben. Starten Sie danach das PE-Builder-Programm und geben Sie im ersten Feld den Laufwerksbuchstaben dieser Windows-CD an. Die beiden nächsten Felder können Sie frei-bzw. unverändert lassen. Im letzten Feld bzw. Bereich legen Sie fest, ob die resultierende Bart PE-CD direkt auf einem vorhandenen Brenner erstellt wird - oder lieber ein ISO-Image produziert werden soll. Letzteres ist meistens zu bevorzugen, insbesondere wenn der Rechner nur ein CD-/DVD-Laufwerk zur Verfügung hat, in dem bereits die Windows-Installations-CD einliegt. Achten Sie darauf, ein Zielverzeichnis bzw. Laufwerk anzugeben, das genügend Speicherplatz bietet (ca. 200 bis 250 MByte) und die ISO-Datei gut zu finden ist.

Klicken Sie nun auf die Schaltfläche Plugins, um die korrekte Einbindung der Acronis True Image- Komponente (oder weiterer, ebenfalls eingefügter Programm-Plug-ins) zu überprüfen. Es öffnet sich ein Dialog mit einer Liste aller im Plugin-Verzeichnis des PE-Builder-Programm gefundenen und korrekt eingebundenen Anwendungsprogramme. Die erste Spalte der Liste kennzeichnet mit Ja respektive Nein, ob ein vorhandenes Plug-in auch aktiv in die finale Boot-CD eingebunden wird. Mit der Schaltfläche (de)aktivieren wechseln Sie diese Einstellung.

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Benutzeroberfläche des Bart's PE-Builder-Programms.

Treiber, die im Verzeichnis driver liegen, werden in dieser Liste nicht aufgeführt. Bart PE bindet sie vielmehr automatisch ein, sofern Sie wie eben beschrieben vorgegangen sind. Eine Ausnahme ist das Plug-in für das Standardtastaturlayout. Es wird als Keyboard Layout (read PluginHelp) aufgeführt. Wenn Sie es in der Liste anwählen und die Schaltfläche Editor nutzen, können Sie die Einträge bearbeiten. Suchen Sie im Abschnitt [Default.AddReg] nach der Ziffer 00000407. Entfernen Sie zu Beginn der entsprechenden Textzeile das Semikolon, so wird statt dem englischen das deutsche Tastaturlayout als Standard geladen. Sie können aber später auch, nachdem Sie von der Bart PE-CD gebootet haben, in deren Benutzeroberfläche das Tastaturlayout wechseln.

Wenn Sie nun die Plug-in-Liste schließen, beginnen Sie mit der Erzeugung der Boot-CD mit einem Klick auf Start. Der Vorgang ist in wenigen Minuten beendet; temporär benötigte Dateien speichert das Programm im Unterverzeichnis BartPE des PE Builder-Programms. Diese Dateien löschen Sie zur Platzersparnis nach Finalisierung des Prozesses. Ein ISO-Image müssen Sie natürlich noch auf einen CD-Rohling brennen.

Was steckt hinter AHCI und RAID?

Moderne SATA-Festplatten können - etwas vereinfacht - in drei verschiedenen Betriebsmodi angesteuert werden. Dabei müssen das BIOS, der SATA-Hostadapter (zumeist im Mainboard-Chipsatz integriert) und das Betriebssystem dank spezieller Treiber zusammenspielen. Im einfachsten und wohl immer noch häufigsten Fall werden SATA-Platten wie frühere Parallel-ATA-Platten angesteuert - ohne Extras bzw. zusätzliche Fähigkeiten. Der entsprechende Betriebsmodus wird meist Native IDE oder Enhanced IDE genannt. Windows und Linux unterstützten diesen per Standardtreiber. Anders bei den erweiterten Betriebsmodi AHCI (Advanced Host Controller Interface) und RAID (Redundant Array of Independent Disks).

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BIOS-Einstellung für SATA-Modi auf einem modernen AMD-Mainboard.

Sie haben zwei gemeinsame Vorteile: Erstens nutzen mit ihnen SATA-Platten einen NCQ (Native Command Queuing) genannten Zugriffsalgorithmus zur Geschwindigkeitssteigerung. Und zweitens lassen sich extern angeschlossene eSATA-Platten dank Hot-Plug-Unterstützung ohne (sonst notwendigen) Systemneustart an-bzw. abmelden. Nachteil ist, dass ein spezieller, bisher überwiegend Hardware- spezifischer Treiber benötigt wird. Immerhin wird bei AMD und Intel derselbe Treiber für AHCI und RAID verwendet. Lediglich Windows Vista bringt einen Standard-AHCI-Treiber mit, der aber erst seit Service Pack 1 die Mehrheit derzeit marktüblicher Mainboard-Chipsätze gut unterstützt.

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