Mobiler Zweikampf

Windows Phone ohne Google-Apps

Nutzer von Windows Phone können immer weniger Google-Dienste nutzen. Offensichtlich blockiert Google den Konkurrenten systematisch. Das Nachsehen haben die Anwender.

Microsoft wirft Google vor, Wettbewerber auszubremsen.

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Microsoft wirft Google vor, Wettbewerber auszubremsen.

Besitzer eines Windows Phones müssen mit Einschränkungen leben. Denn immer weniger Google-Dienste funktionieren auf der mobilen Microsoft-Plattform. Zuletzt betraf es Google Maps, schon seit Längerem gibt es keine Youtube-App für Windows Phone und Google stellt die Unterstützung von Active Sync ein, mit dem Google-Mail-Anwender ihre Konten mit den Windows Phone synchronisieren konnten. Alles wirkt so, als blockiere Google bewusst den Konkurrenten.

Das wirft Microsoft Google nicht ohne Verbitterung vor. In einem Blog-Eintrag über die laufenden Kartellverfahren gegen Google schreibt Microsoft-Vizepräsident David Heiner Anfang Januar, dass Microsoft gerne eine Youtube-App entwickeln würde, aber von Google keinen Zugriff auf die Programmierschnittstelle (API) erhält: "Diese Beschränkungen sind nur ein Beispiel, wo wir glauben, dass Google Wettbewerber im Markt behindert."

Außerdem wirft er dem Konkurrenten vor: "Googles Weigerung [die Youtube-API zu öffnen] verhindert, dass Verbraucher von konkurrierenden Plattformen ein vergleichbares Erlebnis von Inhalten erhalten, die allgemein im Web zugänglich sind, und die fast alle von Anwendern statt von Google kreiert wurden."

Bei den Darstellungsproblemen von Google Maps auf Windows Phone beruft sich Google darauf, den Dienst für Web-Kit-Browser zu optimieren. Das sind beispielsweise Apples Safari oder Chrome aus dem eigenen Hause. Windows-Phone-Anwender, die einen anderen Browser wählen, haben tatsächlich keine Probleme damit. WebKit-Browser gibt es jedoch nur wenige für Windows-Phone: Einer der wenigen ist UC Browser.

Dass Active Sync Ende Januar abgeschaltet wurde, ist Microsoft laut Google schon seit einigen Monaten bekannt. Microsoft arbeitet auch schon daran, Active Sync mit den leistungsschwächeren Protokollen CalDAV und CardDAV zu ersetzen, benötigt dafür aber noch ein paar Wochen. iOS ist ebenfalls von der Abschaltung betroffen, unterstützt die neuen Protokolle aber bereits eingeschränkt.

Nur Android beherrscht derzeit den neuen Push-Mechanismus für Mail, der früher über Active Sync bereitgestellt wurde. Nach heftigen Protesten, dass Google vehement gegen die Konkurrenz steuert, hat Google Microsoft mehr Zeit eingeräumt, Active Sync in Windows Phone zu ersetzen.

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Google sperrt Microsoft die Schnittstelle zu Youtube, sodass es keine App (hier Android) für Windows Phone gibt.

Google rechtfertigt sich gegenüber der britischen Techseite V3 dafür, keine Apps (Youtube oder Chrome) für Windows Phone zu entwickeln. Der Direktor für das Produktmanagement bei Google Apps, Clay Bavor, bestätigt: "Wir haben keine Pläne, Windows-Apps zu bauen. Wir sind sehr vorsichtig damit, wo wir investieren, und wir gehen dahin, wo unsere Anwender sind. Aber die sind nicht auf Windows Phone oder Windows 8.

Wenn sich das ändert, würden wir dort investieren, natürlich." Für Google ist Windows Phone irrelevant. Die Zahlen sprechen für den Suchgiganten: Im ersten Quartal 2012 betrug der Marktanteil von Windows Phone 2,2 Prozent. Neuere Schätzungen von IDC sehen dieses Jahr 2,6 Prozent und 2016 gerade 11 Prozent. Ältere Studien hatten Windows Phone vorhergesagt, Nummer zwei nach Android zu werden. Davon ist Microsoft derzeit weit entfernt.

Der Entschluss, selbst keine Apps bereitzustellen, begründet aber nicht die Verweigerung der API, wenn der Konkurrent selbst eine App entwickeln möchte. Google verweist hier auf die mobile HTML-5-Seite, die laut Google den gleichen Funktionsumfang hat. Das stimmt jedoch nicht: Beispielsweise lassen sich im Gegensatz zur App keine Videos direkt aufnehmen und hochladen.

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