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Workshop Volks-PC So bauen Sie einen Windows-8-fähigen Rechner für 99 Euro

Ein Windows-Rechner für weniger als 100 Euro muss nicht unbedingt vom Computer-Flohmarkt stammen: Man kann ihn auch aus Neuteilen selbst bauen. Allerdings geht das nicht ohne viel Recherche und unorthodoxe Lösungen. Wir stellen einen Windows-8-fähigen Rechner für 99 Euro zusammen.

Ein Windows-8-Rechner für 99 Euro muss nicht unbedingt vom Computer-Flohmarkt kommen.
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© Hersteller/Archiv
Ein Windows-8-Rechner für 99 Euro muss nicht unbedingt vom Computer-Flohmarkt kommen.

Ein Windows-8-PC für 99 Euro? Die Aufgabe wurde wie im Kinofilm Mission Impossible nicht als verschlüsselte Nachricht übermittelt, die sich nach dem Lesen selbst zerstört, sondern ganz normal während der Redaktionskonferenz, sie schien aber zunächst genauso unmöglich zu erfüllen, wie die Missionen von Ethan Hunt und seinem Team: Wir sollten einen kompletten, modernen PC auf die Beine stellen, dessen Komponenten zusammen nicht mehr als 99 Euro kosten dürfen. Nun ist unsere Mission zwar nicht so aufregend und zum Glück auch nicht gefährlich, aber mit Singapur und Hongkong spielen sogar für Mitteleuropäer exotische Locations eine wichtige Rolle.

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Verpackt wird der 99-Euro-PC in das kompakte Mini-ITX-Gehäuse LC-1340mi von LC-Power. Es ist nur sechs Zentimeter breit.

(31 Euro)

Missionsbeschreibung

Unser Briefing für den Bau eines 99-Euro-Rechners umfasste noch einige Aufgaben, die deren Erfüllung nicht unbedingt einfacher machte: So musste der Rechner nicht nur komplett aus einfach erhältlichen Neuteilen bestehen, was den Einsatz günstiger Gebrauchtkomponenten aus dem eBay-Fundus ausschloss, sondern er musste auch noch schnell genug für Windows 8 sein. Dazu kam dann auch noch die Aufgabe, den 99-Euro-PC kompakt, sparsam und leise zu machen – auf den ersten Blick wirklich eine unmögliche Mission.

Elementar für eine erfolgreiche Mission ist die richtige Operationsbasis. Als Ausgangspunkt für unseren Auftrag, also den 99-Euro-Rechner, kam nur ein Mini-ITX-Mainboard mit integrierter CPU in Frage. Alles andere hätte den Kostenrahmen sofort gesprengt. Die günstigsten dieser Hauptplatinen mit fest aufgelötetem Prozessor basieren auf dem VIA PV530 oder dem noch günstigeren, aber langsameren VIA C7-D.

Sie sind zu Preisen zwischen 28 und 43 Euro erhältlich. Aber auch der PV530-Prozessor mit zwei Kernen und integrierter S3-Grafik genügt bei der Rechenleistung und der 3D-Performance nur bescheidenen Ansprüchen, auch wenn er Videos flüssig wiedergeben kann. Deutlich schneller ist da schon der AMD E-350 auf dem Asrock E350M1/ USB3, das wir zu einem sehr günstigen Preis von 41,90 Euro ergattern konnten – kurz nach Fertigstellung des Rechners stieg der Preis für das Board dann auf knapp 60 Euro.

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Wenn Sie unseren Discount-PC nachbauen wollen, sollten Sie den möglichen Aufpreis dennoch investieren, denn das E350M1 verfügt über einen Fusion-Prozessor mit zwei Cores und einer vergleichsweise schnellen Radeon-Grafik mit 80 Recheneinheiten, die zudem DirectX 11 unterstützt. So reicht die Performance des AMD-Prozessors nicht nur für Office-Anwendungen, fürs Surfen und für einfache 3D-Spiele aus, unser Mini-PC kann auch HD-Videos flüssig wiedergeben.

Als Arbeitsspeicher kommt ein DDR3-Modul mit zwei GByte Kapazität zum Einsatz. Hier bekommt man Module von Markenherstellern schon für weniger als 10 Euro, wir haben zu einem DDR3-1333-Riegel von Kingston für 9,50 Euro gegriffen. Verpackt ist das Ganze in ein kompaktes Mini-ITX-Gehäuse von LC-Power für 31 Euro. Richtig schwierig wurde es für uns beim Massenspeicher: Ins Gehäuse passende 2,5-Zoll-HDDs sind neu nicht unter 35 Euro zu bekommen, die günstigsten 32-GByte-SSDs kosten mindestens 34 Euro.

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In beiden Fällen hätte das unser Budget gründlich gesprengt. Die Lösung schien im Einsatz einer 16 GByte großen SDHC-Karte für 9 Euro und einem SD-auf-SATA-Adapter zu liegen, den wir auf eBay für 7,40 Euro bei einem Anbieter in Singapur aufgestöbert haben. Aber leider kam der Adapter mit dem AMD-SATA-Controller auf dem Mainboard nicht zurecht. Die Installationsroutine von Windows 8 sah entweder gar keinen Datenträger oder aber einen nicht verwendbaren mit astronomischen 37 Millionen MByte.

Dieses Problem brachte uns langsam in Zeitnot und führte zu eher verwegenen Versuchen. So wandelten wir einen 16-GByte-USB3-Stick mit einem obskuren Hitachi-Treiber in einen Datenträger um. Windows 8 konnten wir mit diesem Trick aber auch nicht übertölpeln.

Die Lösung für unser Dilemma brachte eBay: Hier kann man für 10 Euro neue Mini-Festplatten kaufen, die eigentlich als Ersatzgeräte für ältere iPods hergestellt werden, aber in großer Stückzahl auch einzeln angeboten werden. Allerdings benötigen wir für den Anschluss noch einen Adapter von 1,8-Zoll-Mini-IDE auf SATA, der mit sechs Euro noch ins Budget passt.

Punktlandung

Trotz aller Hindernisse konnten wir damit also den 99-Euro-PC bauen – und das preislich als Punktlandung, allerdings ohne Versandkosten gerechnet. Da sich Komponentenpreise schnell ändern, können wir nicht garantieren, dass unsere Kalkulation noch stimmt.

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Aber ein paar Euro hin oder her: Unser selbst gebastelter "Discounter-PC" eignet sich nicht nur als Zweit- oder Dritt-Rechner für einfache Office-Anwendungen, zum Surfen oder für Casual Games, er kann auch als Multimedia-Zuspieler für den Fernseher im Wohnzimmer dienen und das TV-Gerät zudem zum Smart-TV aufwerten – und das zu einem unschlagbaren Preis.

Windows mittels USB-Stick installieren

Das Windows-7-USB/DVD-Downloadtool erstellt aus einer ISO einen Installationsstick. Der Stick muss eine Kapazität von vier GByte aufweisen, das Tool finden Sie im Download-Bereich unter www.pc-magazin.de. © Hersteller/Archiv
Das Windows-7-USB/DVD-Downloadtool erstellt aus einer ISO einen Installationsstick. Der Stick muss eine Kapazität von vier GByte aufweisen, das Tool finden Sie im Download-Bereich unter www.pc-magazin.de.

Unser Mini-PC verfügt über kein optisches Laufwerk. Steht kein externes DVD-Laufwerk zur Verfügung, kann Windows aber auch vom  USB-Stick installiert werden. Ein Windows-7- oder Windows-8-Installationsstick ist schnell erstellt: Man benötigt nur ein ISO-Image der Installationsdatei und das Freeware-Programm Windows 7 USB/DVD Downloadtool von Microsoft.

Wenn Sie Windows 7 installieren wollen und bereits einen Key für die 32-Bit-Version besitzen, dann können Sie die ISO-Datei hier herunterladen. Das mit aktuell 30 Euro sehr günstige Upgrade auf Windows 8 Pro (32 Bit) bekommt man hier. Hier lädt man mit einem anderen PC mit einem 32-Bit-Windows den Upgrade-Assistenten herunter und erzeugt dort die ISO-Datei des Windows-8-Installationsmediums. Bedenken Sie, dass in den 99 Euro kein Betriebssystem mitinbegriffen ist.

Schnell genug für Windows 8

Unser 99-Euro-PC profitiert davon, dass Windows 8 auch für schwächere Hardware ausgelegt ist. Im PCMark 7 kommt er auf ausreichende 874 Punkte, Full-HD-Videos im MKV-Format gibt er dank der Radeon-Grafik im VLC oder mittels eines Codec-Packs im Mediaplayer ruckelfrei wieder.

Schritt-für-Schritt zum 99-Euro-PC

Der Zusammenbau unseres 99-Euro-Rechnerns ist kein Hexenwerk, er besteht im Prinzip aus nur fünf Komponenten. Für die Montage reichen ein Kreuzschraubenzieher, vorzugsweise mit magnetischer Spitze, eine Flachzange mit Seitenschneider und eine Schere aus. Bevor man elektronische Bauteile anfasst, sollte man sich durch einen Griff an ein Heizungsrohr erden. In der folgenden Bildergalerie sehen Sie die Einrichtung nochmal im Detail.

Die Abdeckung für das ATX-Anschlussfeld wird als erstes Bauteil montiert.

Vorbereitung des Gehäuses

Das LC-Power LC-1340mi ist mit Abmessungen von 220 x 200 x 60 Millimetern äußerst kompakt und nur wenig größer als das von uns verwendete Mini-ITX-Mainboard. Als erster Schritt wird der mit drei Schrauben fixierte Deckel des Mini-ITX-Gehäuses entfernt. Danach wird die Blende für das ATX-Anschlussfeld von innen mit Kraft in die passende Aussparung des Gehäuses gedrückt bis sie einrastet. Die Blende gehört zum Lieferumfang des Mainboards.

Sie kann nur eingesetzt werden, bevor die Hauptplatine montiert ist – nachträglich geht das nicht mehr, das Mainboard muss wieder ausgebaut werden. Bei der Montage der Blende muss man auch auf ihre Orientierung achten, die runden Aussparungen für die Audio-Anschlüsse müssen nach links zeigen.

 
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