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© PC Magazin
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Windows-Upgrade
Spekulationen über den Windows-7-Nachfolger
Laut Windows-Chef Steven Sinofsky will niemand, der im Restaurant auf ein Essen wartet, in der Zwischenzeit halb rohe Kartoffeln probieren. Falsch!
Wir sehen Microsoft in den Betriebssystem-Kochtopf, auch wenn die Verantwortlichen streng den Deckel darauf halten. Nach Windows 7 sind die Spekulationen über die nächste Betriebssystemgeneration von Microsoft besonders spannend. Wird es überhaupt ein nächstes Windows-Betriebssystem im alten Sinne geben?
Oder benutzen wir Otto-Normalverbraucher in fünf bis sechs Jahren nur noch ein paar Webdienste unter dem Namen Windows Live? Früher geisterten wenigstens Code-Namen wie "Longhorn" oder "Vienna" durch das Internet. Jetzt herrscht bei Microsoft eisiges Schweigen. Wie soll man Windows 7 sonst auch verkaufen, wenn man den Kunden schon einen "viel besseren" Nachfolger, ein "Major Release" mit umwälzenden Neuigkeiten anpreist?
Wie heißt das Kind?
Was bleibt an Informationsquellen? Verräterische Blog-Beiträge, PowerPoint-Folien von Microsoft-Angestellten und Stellenanzeigen. So geistert eine PowerPoint-Folie durchs Web, angeblich vom Windows-Server-Team, in dem von einem Betriebssystem mit dem Namen Windows 8 die Rede ist.
Erscheinungstermin 2012. Beides scheint plausibel. Windows-Chef Steven Sinofsky wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Entwicklung der kommenden Windows-Versionen leiten. Unter seiner Führung haben die Microsoft-Betriebssysteme Nummern bekommen, zuerst Windows 7. Warum sollte es beim Nachfolger nicht so bleiben?
Dagegen spricht nur der Blog-Eintrag eines Angestellten, der schnell wieder aus dem Web verschwand. Darin heißt es, dass die nächste Betriebssystemversion intern Windows.next genannt werde. Möglicherweise ist also Windows 8 auch nur ein Arbeitstitel.
Niemand wird es wundern, dass auch der Erscheinungstermin des Systems umstritten ist. 2012 scheint wahrscheinlich, da Microsoft einen Drei-Jahres-Zyklus bei den Betriebssystemversionen anstrebt. Allerdings tauchte im Blog eines Microsoft-Mitarbeiters namens Chris Green ein Terminplan auf, nachdem ein "Windows 8" bereits 2011 erscheint.
Unnötig zu erwähnen, dass die nächste Windows-Version "unglaublich" ("mind-blowing") sein wird, wie ein Microsoft-Mitarbeiter in einem Blog schrieb. Außerdem wird sie natürlich eine "bessere Performance" bieten als die Vorgänger. Das wurde bisher fast allen Windows-Versionen nachgesagt. Verschiedene Sites im Web haben sogar eine Stellenausschreibung entdeckt, in der ein Programmierer gesucht wird, der Windows 7 schneller machen soll.
Wenn es um echte Funktionen von Windows 8 geht, gibt es nur wenige Hinweise. Intel-Manager haben auf der vergangenen CeBIT in Hannover erklärt, dass sich die Schnittstelle USB 3.0 erst mit Windows 8 durchsetzen werde. Weniger begeistert dürften die Anwender über neue Kopierschutzmechanismen für den Windows-7-Nachfolger sein.
Die Site Microsoft Kitchen (http://msftkitchen.com) will eine Stellenausschreibung von Microsoft entdeckt haben, in der ein Spezialist dafür gesucht wird. Windows 8 News (http://windows8news.com) berichtet von einer Anzeige, in der Microsoft einen Entwickler für die Windows-Update-Funktion anheuert.
Windows in der Cloud
Eine interessantere Frage ist, ob Windows 8 als das erste Microsoft-Betriebssystem in die Geschichte eingehen wird, das als Web-Dienst angeboten wird. Der Trend ist jetzt schon zu sehen. Viele Programme wie die Bildverwaltung Fotogalerie und das Videoschnittprogramm Movie Maker sind nur noch als Windows Live Online-Dienste verfügbar.
Mit Windows Azure bietet Microsoft bereits heute ein Windows-Betriebssystem in der Cloud, also als Web-Dienst an. Bei den Produkten für professionelle Anwender soll es in Zukunft sowohl eine Web-Variante als auch ein Programm geben, das traditionell im Unternehmen auf einem Rechner installiert wird.
So können die Unternehmenskunden wählen. Ein Beispiel für ein solches Produkt ist der Kommunikations-Server Exchange 2010, den es sowohl als Cloud-Dienst als aich als installierbare Software gibt. Wäre das nicht auch etwas für Privatkunden? Zum Beispiel ein kostenloses Windows als Web-Dienst?
Ein Cloud-Betriebssystem hätte Vorteile für Microsoft. Damit wäre höchst elegant das Kopierschutz-Raubkopien-Problem gelöst. Die Kunden müssten sich online bei Microsoft registrieren, um den Cloud-Dienst überhaupt nutzen zu können. Außerdem gibt es kaum Code für illegale Kopien, da das Betriebssystem online läuft. Auf dem heimischen Rechner gibt es nur noch ein paar Tools, die sich bei Microsoft einwählen und den Internet Explorer als Oberfläche.
Unerfüllte Wünsche
Vielleicht werden mit Windows 8 ein paar alte Microsoft-Projekte doch noch Wirklichkeit. Da ist zum Beispiel das Konzept eines sicheren Betriebssystems, das mit dem Singularity-Experiment (http://research.microsoft.com/en-us/projects/singularity) vorgeführt wurde.
Bei Singularity, das weitgehend in C# geschrieben wurde, lag der Schwerpunkt auf einer sicheren Speicherverwaltung mit managed code und der strikten Trennung einzelner Systemprozesse. Ein jähes Ende fand 2006 auch WinFS, ein Datenbank-basiertes Dateisystem. Vielleicht feiert die Idee, Datenbank-Funktionen in das Dateisystem NTFS zu integrieren, unter Windows 8 eine Wiederauferstehung.