Welches Linux?

Ubuntu, openSUSE oder RedHat? Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene

Linux ist überall. Nach Achtungserfolgen auf dem Desktop und Marktführerschaft auf Servern werden jetzt auch Tablets, Smartphones und Smart-TVs für klassische Linux-Distributionen interessant. Unser Ratgeber verrät, welches Linux zu Ihnen passt.

Ubuntu, openSUSE oder RedHat: Wir verraten, welches Linux für Sie sinnvoll ist.

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Ubuntu, openSUSE oder RedHat: Wir verraten, welches Linux für Sie sinnvoll ist.

Unser Ratgeber verrät, welches Linux für Sie sinnvoll ist. Sie haben die Wahl unter anderem zwischen Ubuntu, openSUSE oder RedHat. Hier finden Anfänger, Fortgeschrittene, Experimentierfreudige und Profis Tipps und Ratschläge.

Seit 2011 investiert Canonical, die Entwickler von Ubuntu, massiv in die Portierung des eigenen Systems auf ARM-Prozessoren. Die kommen vor allem in Smartphones, Tablets, NAS und Smart-TVs zum Einsatz, werden aber mit 64-Bit-Erweiterungen auch für Server interessant. Gemeinsam mit Canonical und dem ARM-Spezialisten Calxeda plant Hewlett-Packard für den Herbst ein ARM basiertes Serverkonzept, das 1800 einzelne Serverknoten in einem Rack unterbringt.

Im Heimanwenderbereich arbeitet Canonical eifrig an der Umsetzung von Ubuntu für Tablets und Smartphones. Eine gut nutzbare Umsetzung der Desktop-Version steht bereits für Googles Nexus 7 bereit. Deutlich interessanter aus technischer Sicht sind jedoch die (nicht stabil im Alltagsbetrieb nutzbaren) Previews mit eigener Oberfläche für Smartphones.

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© Foto openSUSE Wiki

Die freie Variante der Nürnberger Linux-Distribution openSUSE 12.3 mit KDE 4.10 setzt auf einen aufgeräumten Plasma-Workspace, der die klassische Desktop-Struktur verwendet und daher für Windows-Umsteiger leicht zu bedienen ist.

Man mag die Marktchancen eines weiteren Smartphone-Betriebssystems kritisch sehen, doch Ubuntu hat gute Verkaufsargumente: Die Smartphones sollen in einer passiven Dockingstation wahlweise zum Thinclient oder zum vollwertigen PC (mit Ubuntus Unity-Oberfläche) mutieren. Ubuntu für PCs und Server mit Intel-Architektur hat sich nach 16 Releases stark von Debian emanzipiert: Der selbst entwickelte Unity-Desktop kommt in keiner anderen Distribution vor.

Die meisten Kritikpunkte wie die starke Simplifizierung der Oberfläche sind mittlerweile behoben. Wer sich einen Spickzettel mit Tastaturkürzel macht, wird diesen neuartigen Desktop-Ansatz vor allem auf Notebooks sehr zu schätzen wissen, weil Unity die Bildschirmoberfläche besser ausnutzt und weniger Maus- und Touchgesten benötigt als Windows 8.

Ubuntu Touch konvergiert Smartphone und PC in einem Gerät

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© Foto: Hewlett-Packard

HPs Moonshot: Bis zu 1800 Linux-Server passen in ein Rack - Ubuntu will die Software dafür liefern.

Ubuntu ist Ende April in Version 13.04 erschienen, kurz zuvor wurde die Long-Term-Support-Variante 12.04.2 veröffentlicht, welche deutlich mehr Veränderungen erfahren hat, als es der kleine Versionssprung erahnen lässt.

Mit diesen Releases vollführt Ubuntu einen radikalen Schwenk beim Support mit Sicherheits-Updates: Während die alle zwei Jahre im April erscheinenden LTS-Versionen nun auch auf dem Desktop von fünf Jahren Sicherheits-Updates profitieren, sind es bei den Releases dazwischen nur noch neun Monate - das zwingt zu halbjährlichen Updates und spricht somit eher Poweruser an.

openSUSE bleibt konkurrenzfähig und hält KDE die Treue

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© Foto: Canonical Ltd.

Janusköpfig: Ein normales Tablet mit Ubuntu- Touch-Oberfläche wird beim Anschluss einer Tastatur zum Ubuntu-PC oder Thinclient.

Auch Novells Tochter SUSE schläft nicht: Im Frühjahr erschien Version 12.3 der freien Distribution openSUSE, die nun Secure Boot vollständig unterstützt und ebenfalls ARM-Prozessoren unterstützt - was insbesondere künftige Versionen der kommerziellen Variante SuSE Enterprise Linux attraktiv machen wird.

Für Desktop-Nutzer weit interessanter ist, dass openSUSE der Desktop-Umgebung KDE die Treue hält. Nachdem Ubuntu die KDE-Variante Kubuntu zum reinen Community-Projekt herabgestuft hat, dürften viele Anwender, die einen klassischen Desktop mit "echtem Startmenü" suchen, zu openSUSE überlaufen.

RedHat: Die Community-Variante Fedora bringt viel Neues für den Server

Das Community-Projekt Fedora (Filzhut) von RedHat nimmt Features der kommerziellen Versionen vorweg. Kurz nach Erscheinen dieses Heftes wird Fedora den Versionssprung von 18 auf 19 machen. Die Änderungen für Desktop-Nutzer sind überschaubar, die am deutlichsten sichtbare ist das Update des Gnome-Desktops auf Version 3.8. Weit interessanter sind die Änderungen für Server und Business-Desktops: OpenStack wird auf Version Grizzly aktualisiert und FreeIPA stellt ein Framework zur Zwei-Faktor-Authentifizierung bereit.

Nach zwei Jahren ist Debian wieder (fast) auf Höhe der Zeit

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© Foto: Canonical Ltd

Ubuntu for Phones spricht Unternehmen an, die bereits auf Remote-Desktop- Lösungen setzen.

Anfang Mai war es bei Debian soweit: Debian 7.0 "Wheezy" wurde als stabil erklärt und löste die zwei Jahre zuvor erschienene Release 6.0 ab. Wirklich überraschend kam Ubuntu for Phones spricht Unternehmen an, die bereits auf Remote-Desktop-Lösungen setzen. Viele Debian-Anwender haben die Vorabversion bereits in den Monaten der Beseitigung der letzten Bugs stabil auf dem Desktop eingesetzt.

Debian ist bekannt dafür, perfekt aufeinander abgestimmte Software auszuliefern. Dadurch hinkt der Versionsstand oft etwas hinterher. Verständlich und zu verschmerzen ist das Hinterherhinken beim Systemkern (wenn man nicht gerade neueste Hardware einsetzt) und bei vielen Anwendungen wie der Desktop-Umgebung, nicht jedoch bei Browser und Mailclient.

Firefox und Thunderbird 10 unterstützen nicht die aktuellen Webstandards. Und nicht immer ist sicher, dass Sicherheitslücken schnell in den Debian-Paketen behoben werden. Wer Debian auf dem Desktop einsetzen will, sollte daher externe Repositories einbinden, welche die ESR (Enterprise Support Release) von Firefox und Thunderbird mitbringen.

Fazit

Wenn Sie klassische Desktops bevorzugen, probieren Sie das auch als Live-CD erhältliche openSUSE 12.3. Hinsichtlich Stabilität und Software-Umfang ist die deutsche Distribution absolut auf Augenhöhe mit dem - oft als hipper wahrgenommenen - Ubuntu, ohne sich dabei Alleingänge zu erlauben, welche die Entwickler-Community erzürnen.

Ubuntu mit Unity als moderner Oberfläche glänzt vor allem auf Notebooks: Nehmen Sie, wenn es die Hardware zulässt, die LTS-Variante 12.04.2, dann ist erst im Frühjahr 2014 ein großes Update fällig. Falls Ihnen Stabilität wichtiger ist, als Komfort und neueste Software, lohnt der Blick auf Debian. Ubuntus Touch Previews sind derzeit vor allem für Programmierer interessant, im Laufe des Sommers dürften so viele Funktionen hinzukommen, dass ein eingeschränkter Alltagsbetrieb möglich sein wird.

  • Kleine Linux-Distribitionen, die es in sich haben

Oft bieten kleine Projekte auf dem Fundament von Ubuntu und Co. ersehnte kleine Änderungen - in der Regel ohne Kompromisse hinsichtlich Stabilität oder Benutzbarkeit. Änderungen - in der Regel ohne Kompromisse hinsichtlich Stabilität oder Benutzbarkeit.

Linux mit klassischem Desktop LinuxMint: Ende Mai erschien Version 15 auf Basis von Ubuntu 13.04. Statt Unity kommt Gnome zum Einsatz, das jedoch mit Startmenü und Taskbar Anwender anspricht, die einen klassischen Desktop bevorzugen.

Weitere Info finden Sie unter www.linuxmint.com

  • Ubuntu mit grafischer Gnome-Oberfläche

Ubuntu Gnome : In letzter Zeit war das Verhältnis zwischen Canonical und dem Gnome-Projekt etwas gespannt - ein Hauptgrund war, dass Ubuntu zwar viele Gnome-Komponenten verwendet, aber es bis kürzlich dem Anwender erheblich erschwerte, eine reine Gnome-Umgebung zu installieren. Das ist mit Ubuntu 13.04 nun passe.

  • Linux für Experimentierfreudige

Debian Unstable: Es soll immer die neuste Software sein und dafür sind Sie bereit, gelegentliche Programmabstürze hinzunehmen? Dann probieren Sie Debian Unstable (Codename: Sid), welches das Siduction -Team als Basis für seine installierbaren Live-CDs nimmt. Das Erscheinen von Debian 7 hat Sid viele neue Pakete beschert.

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