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Web-Trends 2013 Internetrevolution mit Apps, Social Networks, Mobile Payment & Co.

Die mobile Internetrevolution schreitet voran und prägt die Web-Tends 2013. Wir beleuchten die dominanten Entwicklungen, die das Jahr 2013 bringen wird.
Internetrevolution mit Social Networks, Mobile Payment & Co. © Internet Magazin
Apps, Social Networks, Mobile Payment & Co.: Wir beleuchten die wichtigsten Trends im Web für das Jahr 2013.

Laut einer Studie des Hightech-Verbandes Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien e. V.) hat die Zahl der Internetnutzer in Deutschland die Schwelle von 75 Prozent der Bevölkerung überschritten. Bereits zwei Jahre nach der Frequenzvergabe sind inzwischen rund 15 Millionen deutscher Haushalte mit LTE erreichbar. Bereits 40 Prozent aller Haushalte werden heute mit Internetanschlüssen von mindestens 50Mbit/s versorgt.

Mtv.de basiert auf HTML5 und ist dennoch rückwärtskompatibel bis zum Internet Explorer 7; die Bereitstellung von Videos erfolgt mittels Adobe Flash. © Internet Magazin
Mtv.de basiert auf HTML5 und ist dennoch rückwärtskompatibel bis zum Internet Explorer 7; die Bereitstellung von Videos erfolgt mittels Adobe Flash.

Diese moderne Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur schafft ein geeignetes Umfeld für internetbasierte Dienste und Lösungen und neuen Bedarf an Webentwicklung für die wachsende Vielzahl von Endgeräten von Desktops, Tablets und Smartphones bis hin zu Unterhaltungselektronik fürs Wohnzimmer.

Mobile Endgeräte auf dem Vormarsch

Die Anzahl der Internetanbindungen wächst unaufhaltsam, doch heutzutage bedeutet dies nicht mehr automatisch, dass es sich bei dem Endgerät immer um einen PC handeln muss. Zwar wird die Anzahl benötigter PCs Analysten zufolge linear steigen - einfach weil die Bevölkerung in Europa, Asien und den USA ebenfalls wächst. Dennoch wird die PC-Entwicklung 2013 durch das Wachstum mobiler Geräte in den Schatten gestellt werden.

Computer sind lange nicht mehr das bevorzugte Zugangsgerät zum Web. Webdesigner müssen sich zunehmend mit einer Vielzahl verschiedener Displaygrößen mit den unterschiedlichsten Auflösungsdichten auseinandersetzen. Mittlerweile sind die Übergänge zwischen einzelnen Gerätekategorien fließend geworden und Webdesigner können immer seltener feste Annahmen machen.

Bei einem Gerät mit einem 13-Zoll-Display kann es sich um ein kleines Laptop, ein Netbook, ein Tablet oder womöglich eine Spielekonsole handeln. Browsersniffing ist in diesem Umfeld zu fehlerträchtig und gehört daher der Vergangenheit an.

Responsives Design

Aus diesem Grunde wäre es zu erwarten, dass Websites zunehmend responsiv gestaltet werden, um eine größere Vielzahl von Display-Größen und Auflösungsdichten flexibel adressieren zu können. Pixelbasierte Websites leiden nämlich auf Tablets unter diversen Usability-Problemen, vom horizontalen Scrollen bis hin zu viel zu geringen Schaltflächen, und bereiten Anwendern Probleme bei der Skalierung von Text in älteren Versionen des Internet Explorers. Als Lösung für diese Herausforderungen wird eben responsives Design mit elastischen Bildern und elastischen Videos unter Verwendung von @media-Abfragen angepriesen.

Beispiel einer responsiven Website mit elastischen Bildern: Der Browser lädt genau das Design, welches für die aktuelle Breite des Viewports optimiert wurde (foodsense.is). © Internet Magazin
Beispiel einer responsiven Website mit elastischen Bildern: Der Browser lädt genau das Design, welches für die aktuelle Breite des Viewports optimiert wurde (foodsense.is).

Webgestaltung in em-Einheiten erfordert umständliche Berechnungen und so können sich nur die wenigsten Webdesigner bei einzelnen Projekten dafür erwärmen. Die neue elastische Einheit rem (root em) soll hier Abhilfe schaffen, da sie die Schriftgröße als Prozentzahl der Wurzelgröße festlegt. Ob sich diese Einheit durchsetzt, ist noch offen.

Es ist allerdings klar, dass Gestalter von Themes für Wordpress, Joomla und Co. zunehmend auf responsive Layouts mit Medienabfragen und elastischen Einheiten nach dem Prinzip "Mobiles zuerst" setzen. Ein gutes Beispiel ist das Wordpress-Theme Meola der Stuttgarter Agentur Elmastudio.

Dieses Theme setzt neben elastischen Bildern auch bereits rem-Einheiten ein. Wenn sich elastische Layouts durchsetzen, so geschieht es quasi durch die Hintertür

Ungewohnte Auflösungsdichte

Immer mehr Smartphones wie das Apple iPhone 5 und das Samsung Galaxy S3 glänzen mit hochaufgelösten Touchdisplays. Analoges gilt auch für Tablets und Laptops wie Apples MacBook Pro. Anstelle von 96 dpi bei mobilen Geräten ist eine Auflösungsdichte jenseits von 200 dpi praktisch an der Tagesordnung.

Das iPad in der dritten Generation braucht dank seiner hohen Pixeldichte mit der Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixeln nicht einmal den Vergleich mit einem Desktop-PC zu scheuen. Dank der Retina-Pixeldichte von 264 Pixel pro Zoll kommt die Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixel nun dicht gepackt in einem hochwertigen 9,5-Zoll-Retina-Display zur Geltung. Von der Pixelauflösung eines iPads hätte man vor einiger Zeit auf einen 27-Zoll-Bildschirm schließen können.

Diese hohe Pixeldichte erfordert jedoch spezielle Optimierungen der Auflösung von Bildern auf einer Webseite. Nicht optimierte Websites sehen auf diesen so genannten HiDPI-Displays tendenziell etwas unscharf aus. Hinzu kommt die Tatsache, dass das standardmäßige Verhalten von Webkit-Browsern die Darstellungsqualität von Bildern weiter mindert, da der Browser die Pixeldimensionen großer Bilder erst einmal heruntergerechnet und dann wieder hochzoomt.

Websites müssen daher diese unerwünschten Effekte kompensieren. Immer öfter kommen hier Workarounds wie der Einsatz von SVG-Grafiken, progressiver Jpegs und/oder Sprites zum Tragen. Anstelle von pixelbasierten Schaltflächen kommen nun des Öfteren CSS-basierte Navigationselemente zum Einsatz, die problemlos auf die benötigte Pixeldichte skalieren.

Webdesigner müssen in Zukunft auf mobile Geräte mehr Rücksicht nehmen, ohne an Tablets gleich eine Smartphone-Edition der Seite auszuliefern. Tablet-Computer liegen bei den Verbrauchern verstärkt im Trend. Als dominierende Browser-Engine gilt derzeit Webkit.

All diese Entwicklungen fördern die Verbreitung von HTML5 mit CSS3 und Javascript sowohl als die bevorzugte Technologieplattform für Websites als auch als bevorzugter Unterbau für mobile Apps. Website-Layouts erinnern zunehmend an Hochglanzprospekte und überraschen mit durchdachter, dezenter, zweckgebundener Interaktivität.

Integration sozialer Netzwerke

Websites verwandeln sich zunehmend in komplexe Webapplikationen mit ausgefeilter Interaktivität und erweiterten Möglichkeiten zur Kommunikation mit Freunden, Bekannten und Unbekannten.

Knapp drei Viertel aller Internetnutzer in Deutschland (genau genommen 74 Prozent) sind laut Bitkom in mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet; zwei von drei engagieren sich dort auch aktiv. Als beliebtestes soziales Netzwerk gilt Facebook, denn dort ist jeder zweite deutsche Internetnutzer zu finden. "Die Nutzung sozialer Netzwerke ist längst ein Massenphänomen geworden", sagt Bitkom-Präsidiumsmitglied Ralph Haupter.

In sozialen Netzen verbringen die Nutzer auch die meiste Zeit, nämlich nahezu jede vierte Minute (64 Prozent mehr als ein Jahr zuvor). Laut einer Erhebung der Marktforschungsfirma Comscore nimmt alleine Facebook inzwischen mehr als 16 Prozent der Onlinezeit deutscher Internetnutzer in Anspruch.

Focus.de versucht, dem Besucher mit Hilfe einer Gefällt-mir-Schaltfläche eine Facebook-Empfehlung abzugewinnen. © Internet Magazin
Focus.de versucht, dem Besucher mit Hilfe einer Gefällt-mir-Schaltfläche eine Facebook-Empfehlung abzugewinnen.

Mit einem Anteil von 12 Prozent der Onlinezeit steht Google mit Diensten wie der Suche, Gmail, Youtube und Google Plus dem Platzhirsch kaum nach. Auf Platz drei und mit 5 Prozent etwas stärker abgeschlagen liegt Microsoft mit den Diensten Bing, MSN und Hotmail. Websites nutzten diesen Trend, indem sie die APIs sozialer Netze einbinden, um die eigenen Dienste handverlesen um einige Features sozialer Netze zu erweitern. 

Anmeldung über soziale Identitäten

Um den Besuchern eine komfortablere und möglichst registrierungsfreie Anmeldung zu ermöglichen, greifen Betreiber diverser Online-Dienste zwecks Identifizierung ihrer Benutzer zunehmend auf die APIs sozialer Netze zurück. So bietet beispielsweise der Dienst laterbro.com seinen Benutzern wahlweise die Anmeldung über Twitter oder Facebook, jedoch keine Möglichkeit zur Registrierung mit einer E-Mail-Adresse (vermutlich, weil die letztere dieser Methoden ohnehin zu ungerne genutzt würde).

Anmeldung beim Dienst Laterbro.com mit einer sozialen Identität via Twitter. © Internet Magazin
Anmeldung beim Dienst Laterbro.com mit einer sozialen Identität via Twitter.

Der Trend zur Anmeldung über soziale Identitäten greift auch bei Websites und Blogs um sich. Website-Besucher, die sich an einer Diskussion unter Verwendung ihrer bestehenden sozialen Identitäten beteiligen möchten, können ganz einfach auf eine ihrer sozialen Identitäten zurückgreifen. Seitenbetreiber erweitern zunehmend die Funktionalität der eigenen Website mit Hilfe entsprechender APIs um einige Funktionen der führenden sozialen Netze.

Typischerweise handelt es sich dabei um Funktionen zum Kommentieren von Beiträgen oder zur Anmeldung von Benutzern mit ihrer jeweiligen sozialen Identität. Wie sehr die Besucher den zusätzlichen Komfort schätzen, sieht man zum Beispiel darin, dass Benutzer von Pheed.com  zur Hälfte eine Anmeldung via Twitter und zur Hälfte eine Anmeldung via Facebook auswählen, kaum jemand registriert sich dagegen mit der eigenen E-Mail-Adresse.

Die Tatsache, dass soziale Netzwerke über Empfehlungs-Plug-ins, eingebundene Kommentarfunktionen und Ähnliches inzwischen nahezu das gesamte Internet durchdringen, dürfte in naher Zukunft weitere absehbare Folgen nach sich ziehen.

Zum einen dürfte sie das Ende der Anonymität herbeibringen. Der Preis der Bequemlichkeit ist der Verlust an Privatsphäre. Zum anderen wächst das Internet immer stärker rund um die verschiedenen sozialen Netze zusammen. Die Grenzen der Websites verwischen aus der Sicht der Benutzer, die sich nahezu überall mit ihrer sozialen Identität anmelden können.

Als Nebeneffekt dieser Entwicklungen wachsen verschiedene unabhängige Websites und Blogs zu einem riesigen Diskussionsforum zusammen. Dadurch gewinnen die führenden sozialen Netze an Marktrelevanz und unternehmen auch schon die ersten Versuche, ihre Benutzerzahlen in bare Münze umzuwandeln.

Sozialer Status als Währung

Während sich die Anonymität von Internetaktivitäten ihrem Ende nähert, zeigen sich die sozialen Netze vorsichtig bemüht, ihre Nutzer wie ein offenes Buch zu lesen und die gewonnenen Informationen zu monetarisieren. Viele Unternehmen scheinen die wachsende Popularität sozialer Netze als einen dauerhaften Trend erkannt zu haben.

Knapp die Hälfte der deutschen Unternehmen setzt soziale Netze, Blogs, Kurznachrichtendienste oder Content-Plattformen für Videos oder Fotos ein. Ein Drittel aller Unternehmen in Deutschland ist bei Facebook mit einer eigenen Seite aktiv.

In Zukunft dürfte über die Kaufkraft eines einzelnen Verbrauchers die Anzahl und Qualität seiner Google-Plus-Freundschaften, seiner Facebook-Bekannten oder seiner Twitter-Follower mit entscheiden. Bereits heute können Internetnutzer bei diversen Verlosungsaktionen mit einem Tweet oder einer Facebook-Empfehlung für eine Gewinnchance bezahlen.

In Zukunft erhalten die Nutzer mit dem größten Einfluss auf die Meinungsbildung anderer den besten Service, die ersten Lieferungen, die meisten Bonuspunkte und die interessantesten Discounts.

Mobile Apps und digitales Publishing

Viele Website-Betreiber versuchen, ihr kostenloses Informationsangebot im Web entweder um Premiuminhalte hinter einer Bezahlmauer zu ergänzen oder um kostenpflichtige Inhalte im Rahmen einer Magazin-App in den führenden App-Märkten wie Apples Newsstand, Google Play und Amazon auszubauen.

Mobile Apps gelten als die wichtigste Alternative zum Lesen von Websites im mobilen Browser. Die digitale Publishing-Revolution steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber die Prognosen fallen positiv aus. Die Anzahl verkaufter Magazin-Apps ist noch vergleichsweise gering, aber der Trend zeigt aufwärts.

Alleine in Deutschland laden Smartphone-Besitzer jährlich rund eine Milliarde Apps herunter. Zwar handelt es sich bei 88 Prozent dieser Apps derzeit um kostenlose Angebote, dennoch können mobile Apps auf unterschiedlichen Wegen Umsätze generieren: einmal über den Verkaufspreis, dann über kostenpflichtige Dienste innerhalb der App und drittens auch noch durch Werbung innerhalb der App.

Im Jahr 2011, für welches statistische Daten vorliegen, stieg der Umsatz mit Apps in Deutschland um beeindruckende 123 Prozent auf 210 Millionen Euro (die Anzahl der heruntergeladenen Apps hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt).

Neue Bezahlsysteme

Analysten erwarten eine ganze Welle an Innovationen im Markt für webfähige Bezahlsysteme einschließlich der so genannten Micropayments. Bei Micropayments, auch als Kleinbetragszahlung oder Mikrozahlung bekannt, handelt es sich um vereinfachte Zahlungsverfahren zum Begleichen geringer Beträge. Micropayments kommen typischerweise beim Onlinekauf bezahlter Inhalte und anderer digitaler Güter zum Einsatz. Micropayment- Systeme wie Tinypass sind klar im Kommen. Sogar Paypal ist inzwischen auf den Zug aufgesprungen und bietet in Deutschland für EU-Transaktionen günstigere Micropayment-Tarife an.

Einen anderen Ansatz befolgen die so genannten Social-Micropayment-Systeme wie Flattr oder Kachingle. Diese Dienste bieten Website-Besuchern die Möglichkeit, Inhalte mit einem symbolischen Betrag freiwillig zu honorieren. Diese Dienste bezahlen die beteiligten Blogs für ihre Inhalte von einem pauschalen monatlichen Abonnement proportional zur Anzahl der Spenden-Klicks des Abonnenten.

Auch Google spielt inzwischen mit dem Gedanken, eine neuartige bedienungsfreundlichere Zahlungsmethode für Micropayments zu entwickeln. Google hatte sich bisher primär auf eine Spitzenposition im Suchmaschinengeschäft verlassen, um dann mit platzierten Werbeeinblendungen Einnahmen zu generieren. Zudem hat Google auch versucht, mit Android OS und nicht zuletzt durch die Übernahme der Motorola Mobility-Abteilung eine eigene mobile Plattform aufzubauen.

Android OS hat Google geholfen, sich als einer der wichtigsten Marktteilnehmer im Internet zu etablieren. Jetzt möchte das Unternehmen in neue Geschäftsfelder vordringen und arbeitet unter Hochdruck an einem neuen Bezahlsystem, dem so genannten Google Wallet. Google Wallet soll es Website-Betreibern ermöglichen, die Besucher für den Zugriff auf einzelne Artikel mittels Nahfeldkommunikation (NFC) ganz komfortabel zur Kasse zu bitten.

Google macht bezüglich der Zahlungsbereitschaft des Internetpublikums mit dem Wallet-Projekt eine Probe aufs Exempel. Gelingt das Vorhaben, könnten sogar kleinere Blogs für einzelne Beiträge nahezu unbemerkt Bezahlmauern aufsetzen.

Ob diese Entwicklung bereits im Jahre 2013 Einzug hält, ist noch nicht abzuschätzen. Es ist jedoch klar, dass die Innovationen im Bereich bedienungsfreundlicherer Online-Zahlungen für Website-Betreiber neue Möglichkeiten eröffnen. Website-Besucher kommen dagegen in den Genuss günstigerer und leistungsfähigerer Tablets.

Fazit

Alle Zeichen deuten jetzt schon darauf hin, dass das Jahr 2013 einen Neuanfang in der Webentwicklung einläutet. Mit Technologien wie HTML5 mit CSS3 und Javascript, leistungsfähigen sozialen APIs und innovativen Bezahlsystemen mit NFC-Anbindung bahnen sich umfangreiche Veränderungen an.

 
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