Produktangebot im Baumarkt

Was bieten Baumärkte in Sachen Heimautomation?

Es gibt inzwischen eine Fülle von Systemen zur Hausautomation: angefangen von pfiffigen Nachrüst-Ideen bis hin zum Standard-Bus. Doch gerade in den Pilgerstätten der deutschen Heimwerkerschaft - den Baumärkten - findet man so gut wie keine vernetzten Lösungen.

Mann im Baumarkt

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Mann im Baumarkt

Der Do-It-Yourself-Branche geht es gut: Der Drang, alles selbst machen zu wollen, beschert den Baumärkten stabile Umsätze. Zudem animieren viele Fernseh-Ratgeber und Bastel-Zeitschriften geschickte und weniger versierte Heimwerker, das Werkzeug selbst in die Hand zu nehmen. Wenn es ans Bauen, Renovieren oder Reparieren geht, wird gespart, wo es geht - zur Not auch bei den Handwerkerkosten.

Immerhin kann - je nach Anspruch und gesunder Selbsteinschätzung - der Baumarkt auch zur Hobby-Fundgrube werden. Sogar in puncto Elektroinstallation gibt es reichlich Stoff. Hier kann sich der Hobby-Handwerker mit Kabeln, Schaltern und Steckdosen ausrüsten. Selbst Sicherungsautomaten, Stromzähler und ganze Schaltschränke kann man dort bekommen, obwohl nur Fachleute solche Komponenten einbauen dürfen.

Smarte Lösungen - Fehlanzeige

Beim Thema "Smart Home", dem "intelligenten Haus", sieht es dagegen schlecht aus. Für das "vernetzte Haus", in dem alle Gewerke zentral zusammengeführt werden - wo sich über eine Wandtafel oder eine Smartphone-App gleichzeitig das Licht dimmen, die Heizung regeln und die Rollläden herunterfahren lassen - gibt es so gut wie nichts. Betrachtet man die Webseiten der sechs größten Marktbetreiber Bauhaus, Hagebau, Hornbach, OBI, Praktiker und Toom, so liefert nur die Suchmaschine von OBI relevante Ergebnisse: einen Außenwandschalter, einen Steckdoseneinsatz-Dimmer und eine Wochenzeitschaltuhr.

Grund genug für CONNECTED HOME, die Filialen besagter Baumärkte zu besuchen. In den Märkten selbst gab es dann doch Produkte, die zu einem vernetzten Haus gehören. Die meisten davon arbeiten per Funk: Steckdosen, Unterputzdosen, Rollladenmotoren, Feuermelder oder Haussprechanlagen.

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Als Frequenzbereich kommt in der Regel das 70-Zentimeter-Band bei 433 Megahertz zum Einsatz. Geräte, die diese Frequenz nutzen, können zusammenarbeiten - müssen aber nicht, wie es uns die Verkäufer in den Märkten stets bescheinigt haben. Sie haben darauf hingewiesen, dass Überschneidungen auftreten können, wenn etwa in der Nachbarschaft die gleichen Kanäle verwendet werden.

Ebenfalls kein Thema: Verschlüsselung. Ihr kommt bei der Menge an Funkstandards, die uns umgeben, eine besondere Bedeutung zu. Es wäre geradezu fahrlässig, wenn in der Haustür ein hochmoderner Schließzylinder eingebaut, der elektrische Türöffner dagegen unverschlüsselt per Funk ansprechbar wäre.

Auch was die Bidirektionalität angeht, haben die preisgünstigen Lösungen das Nachsehen. In den meisten Fällen lässt sich ein Handsender eines Funksteckdosen-Sets zwar aktivieren, aber der Anwender registriert nicht, ob die Dose den Befehl wirklich empfangen hat.

Funkkomponenten Home Easy

© Hersteller/Archiv

Bei OBI und Praktiker gibt es immerhin Funkkomponenten von Home Easy, die sich sogar in eine Unterputzdose einbauen und vernetzen lassen.

Immerhin gibt es aber auch für eine kabelgebundene Infrastruktur - sprich: Netzwerkverkabelung - im Baumarkt die passenden Komponenten. Abgesehen von einer kleinen Obi-Filiale gab es in allen anderen Märkten Netzwerkkabel von der Trommel sowie die passenden Unterputzdosen dazu. Von diesen bot nur Toom Kat.5e-Kabel statt der moderneren Kat.7-Kabel an.

Bei allen Märkten fehlte eine zentrale Steuerung oder zumindest ein Standard, der die Baugruppen unter einen Hut bringt. Etwa so, dass sich bei korrekter Installation die Rollläden, Steckdosen und die Heizung über einen Browser oder eine App steuern lassen und Rauch- oder Bewegungsmelder eine Warnung ans Handy funken. Es sind in der Regel Insellösungen, die dort angeboten werden. Exemplarisch haben wir die Zulieferer notiert, die in den besuchten Baumärkten die jeweiligen Gewerke bedienen.

Bewegungsmelder Steinel und Erlo

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Steinel ist mit Bewegungsmeldern in allen Baumärkten vertreten. Hinzu kommen oft aber auch noch günstigere Varianten von Elro.

Der Platzhirsch bei Bewegungsmeldern scheint die Firma Steinel zu sein. Deren Produkte wurden in allen besuchten Baumärkten verkauft. Allerdings beschränkte sich deren Einsatzgebiet auf das Ein- und Ausschalten eingebauter oder anschließbarer Lampen. Vernetzung? Fehlanzeige.Dabei bietet Steinel solche Produkte auf ihrer Website an. Einige davon sind per Busleitung sogar in KNX-Systeme einbaubar.

Ähnlich verhält es sich in den anderen Produktkategorien. Für die von Bauhaus und Hornbach angebotenen Intertechno-Schaltsteckdosen ist sogar eine Steuerzentrale verfügbar. Die ITGW-433 LAN für 74 Euro befehligt per iPhone- oder Android-App deren Schaltsteckdosen und könnte auch andere Anwendungen wie etwa Funkgong, Sirene oder Rollläden mit einbinden. Angeboten wurde sie auf dem Markt allerdings nicht.

Umfassende Systemangebote würden das Sortiment sprengen

In den Pressestellen der Betreiber ist man sich der Situation bewusst: "Höherwertige SmartHome-Produkte stellen noch nicht genügend Potenzial für Baumarktkunden dar", heißt es bei Toom und dass man "selbstverständlich den Markt beobachtet". Bauhaus verweist auf einige zum Teil vernetzbare Produktgruppen. Man gibt dort aber auch offen zu, dass ein Test mit Hausautomationsprodukten in der Vergangenheit nicht erfolgreich verlief und man an neuen Konzepten arbeite. Praktiker lässt mitteilen, dass es das "Sortiment einfach sprenge" und "eher der Fachhandel gefragt" sei.

Obi Website

© Obi

Lediglich bei OBI gibt es Treffer, wenn man nach "Hausautomation" oder "Smart Home" sucht.

Wer darf schrauben?

Obwohl die Baumärkte sämtliche  Bauteile und Kabel anbieten, die der geneigte Hobby-Elektriker zum Ändern oder Aufbau seiner elektrischen Anlage benötigt, darf er als Laie nicht daran herumbasteln. In den VDE-Normen (DIN VDE 1000-10) und den Unfallverhütungsvorschriften (BGV A3) ist eindeutig festgelegt, wer die Lizenz zum Schrauben hat: Das Ändern, Instandhalten und Errichten elektrischer Anlagen darf ausschließlich eine ausgebildete Elektrofachkraft durchführen.

Sie sollte zudem die einschlägigen Bestimmungen kennen, die Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren ausmachen können. Als Helfer darf eine "elektrotechnisch unterwiesene Person" (EuP) der Elektrofachkraft zur Hand gehen. Aber selbst die EuP sollte angelernt und über Schutzmaßnahmen belehrt worden sein.

Der Fachmann muss her

Angesichts der Tatsache, dass die wenigsten an der eigenen Elektroinstallation herumschrauben dürfen und es dem klassischen Baumarkt an Produktvielfalt in diesem Bereich fehlt, bleibt dem Hausbauer letztlich nur der Griff zum Branchenbuch, um einen Fachmann anzurufen. Minimieren kann er die Kosten trotzdem: Durch Vorarbeiten wie etwa Schlitze klopfen, Kabel ziehen oder Unterputzdosen eingipsen lässt sich so manche Handwerkerstunde einsparen.

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