Technik extrem

Wann kommt Ultra HD in 3D?

Die ersten hyperscharfen TV-Geräte stehen in den Läden, doch der gewaltige Auflösungsvorteil von 4K ist zunächst nur in zwei Dimensionen geplant. Ein technischer Rückschritt?

Technik extrem 3D

© Archiv, Grafik

Technik extrem 3D

Ultra HD bietet neben der vierfachen Auflösung im Vergleich zu Full HD weitere wichtige Vorteile. So wurde der Farbraum deutlich erweitert und deckt so gut wie alle in der Natur vorkommenden Farben ab. Das Bild darf so viel bunter und knackiger werden. Auch die Feinheit von Intensitätsabstufungen (Quantisierung, Bit-Tiefe etc.) wird verbessert, kombiniert mit einer potenziell höheren Dynamik, also einer enormen Brillanz.

Warum fehlt 3D in der 4K-Norm?

Dass im ersten Anlauf der 4K-Norm ITU-R.2020 50 und 100 Hertz für europäische TV-Ausstrahlungen vergessen wurden, sollte sich beheben lassen, doch warum hat niemand über eine Integration der dritten Dimension nachgedacht? Bevor TV-Geräte smart wurden, war das der Kassenschlager, und heutzutage unterstützt schon jeder mittelprächtige Full-HD-Fernseher 3D. 

Es liegt wahrscheinlich daran, dass die Sendeanstalten NHK (Japan) und BBC (Großbritannien) federführend bei den Versuchen rund um die ultrahohe Auflösung waren und eher an UHDTV2, also 8K mit 32 Megapixeln für Bildschirme bis fünf Meter Diagonale, interessiert waren als an 3D.

Das steckt hinter der neuen Ultra-HD-Norm

An Ultra HD wurde lange, bevor der 3D-Boom einsetzte, geforscht, und vielleicht wurde der ja in den Elfenbeintürmen der Entwickler nicht wahrgenommen oder verschlafen.

Samsung S9 und Sony KD-65X9005A

© Archiv/Hersteller

Neben dem Samsung S9 und dem Sony Bravia X9, die bereits im Handel sind, wurden auf der IFA 2013 noch zahlreiche weitere UHD-Fernseher vorgestellt.

3D im Kino und auf Blu-ray

Das Aufflammen des 3D-Feuers fand im Kino statt, wo Avatar mehr Erfolg hatte, als allgemein erwartet wurde. Und über die kinonahe Blu-ray-Technik haben die Filme den Weg in unsere Wohnzimmer gefunden. Das Medium wurde schnell um ein neues Profil (5.0) erweitert, das die Datenströme für die beiden unabhängigen Augenansichten effizient und mit voller Qualität vereinte.

Dergleichen ist bei den TV-Ausstrahlungen bis heute nicht passiert. Wenn 3D gesendet wird, dann Side by Side, also ohne Änderung der Sendenorm unter Verlust der halben Auflösung. Und die einzigen, die 3D senden wollen, sind Privatanstalten mit Pay-TV. Die öffentlich-rechtlichen Sender, deren internationale Pendants die Ultra-HD-Vorreiter BBC und NHK sind, haben kein Interesse.

Im Kino ist alles besser

Die Ultra-HD-Ambitionen der TV-Stationen in allen Ehren, doch bei der Evolutionsgeschwindigkeit, mit der dort gearbeitet wird, wird in fünf Jahren noch die klassische HD-ready-Auflösung durch das Kabel und über den Satelliten kommen. ARD und ZDF nutzen ja heute noch nicht einmal Full HD. Wenn man tatsächlich wie versprochen in der ersten Reihe sitzt, kann man dieses Auflösungsmanko erkennen. Und das zweite Auge zum besseren Sehen braucht man beim ZDF auch nur bedingt. Es wäre vor allem für den 3D-Eindruck nötig.

Ultra HD - Die neue Generation des Fernsehens

Schaut man sich die Kinotechnik an, erscheint ein heller Schein am Horizont. Seit einigen Jahren können selbst alte Celluloid-Filme hochwertig in 4K oder besser abgetastet werden. Ein Regisseur, der mit der Zeit geht, darf ebenfalls schon lange in 5K, 6K oder 8K drehen, neuerdings auch mit maximaler Qualität in 3D und sogar mit 48 oder 60 Bildern pro Sekunde (HFR).

Bestes Bildmaterial in Hollywood

Die Hoffnungen, neue höchstauflösende TV-Geräte möglichst bald mit superscharfen Bildern füttern zu können, sollten nicht auf den Sendeanstalten gründen, sondern auf den Filmfirmen Hollywoods. Die haben genügend Quellmaterial für eine TV-Revolution, doch kann man nur mutmaßen, wie weit die Gespräche mit der Geräteindustrie über eine neue Methode, die Filme an den Mann zu bringen, fortgeschritten sind. Einen Ultra-HD-Film auf eine Blu-ray-Scheibe zu brennen ist jetzt schon möglich, abgespielt werden kann sie jedoch nur am Spezial-PC.

HDMI 2.0: Upgrade für 4K-Inhalte

Das neue Videokompressionsverfahren HEVC ist als erster Schritt zu Ultra HD verabschiedet, die passende Schnittstelle HDMI 2.0 ist ebenfalls kürzlich vorgestellt worden. Es fehlen jedoch noch einige wichtige Bausteine im 4K-Puzzle. Entscheidend bei der Zurückhaltung von Hollywoods Rechteinhabern wird sein, dass der Kopierschutz der Blu-ray geknackt wurde. Die beste momentan verfügbare Studioqualität leicht kopierbar an jedermann zu verteilen scheint keine Option zu sein.

Streaming über das Internet wird wegen magerer Datenraten den höchsten Qualitätsansprüchen nicht genügen, sodass Festplatten-Player oder doch wieder ein optisches Medium herhalten sollten.

Sony UltraHD-TV

© Hersteller/Archiv

Bislang gibt es Ultra-HD-Auflösung wie beim Sony KD-84X9005 noch nicht in 3D.

Datenaufwand für Ultra HD und 3D

Eine aktuelle Blu-ray XL hätte mit 100 Gigabyte gerade genügend Kapazität für einen perfekt codierten aktuellen Ultra-HD-Film (24 Bilder pro Sekunde, 8 Bit), doch was ist mit den in der Norm ITU-R.2020 vorgeschlagenen 48, 60 oder gar 120 Hertz bei 12 Bit Quantisierung? Oder mit 3D, was den Datenaufwand nochmals um ca. 50 Prozent erhöhen könnte?

Auf einem Kolloquium des Instituts für Rundfunktechnik hieß es, dass all das erforscht und Kosten gegen Nutzen abgewogen werden. So soll sich die Datenrate bei höheren Bildfrequenzen nicht linear erhöhen, sondern der Mehraufwand geringer ausfallen, da sich die zeitlich näher aneinander liegenden Bilder stärker ähneln und somit besser komprimiert werden können.

Alles über HEVC - High Efficiency Video Coding

Bei unseren Recherchen nach dem Stand der Dinge bei 3D sind wir fündig geworden. Das ITU/ISO/IEC Joint Collaborative Team "JCT-3V" trifft sich alle drei Monate, entwickelt und untersucht neuartige Algorithmen und Verfahren, generiert Berichte und arbeitet an neuen Techniken, etwa um 3D-Video in den erweiterten Codec 3D-HEVC zu integrieren.

Das bringt die Zukunft

Es hat also doch jemand an die dritte Dimension bei Ultra HD gedacht, es wurde nur noch nicht kommuniziert. Schaut man sich die verfügbaren Dokumente auf der Entwicklerseite an, reichen die Ansätze der Tiefencodierung deutlich weiter als beim auf der 3D-Blu-ray eingesetzten MVC (Multi-View-Coding). Auch deutsche Forscher entwickeln mit, etwa vom Fraunhofer Institut und der RWTH Aachen.

Wann allerdings mit Ergebnissen zu rechnen ist, vielleicht hinsichtlich der 3D-Fähigkeit eines längst noch nicht finalisierten Ultra-HD-Mediums, Parametern einer Ultra-HDTV-3D-Ausstrahlung oder gar einer Codierung von vielen Blickpositionen, durch die man um ein 3D-Objekt herumblicken könnte, steht in den Sternen. Ultra HD wird in 2D bald sehr konkret, 3D ist nicht tot, wird aber erst später nachgeliefert.

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