Schneller schneiden

Videoschnitt-Grundlagen

Übung allein macht noch keinen Meister: Mit den folgenden Tipps für den Videoschnitt sparen Sie viel Zeit und schonen Ihre Nerven.

  1. Videoschnitt-Grundlagen
  2. Teil 2: Videoschnitt-Grundlagen
Videoschnitt-Grundlagen

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Videoschnitt-Grundlagen

Der eigentliche Filmschnitt ist genau betrachtet nur ein Teil eines umfassenden Produktionsprozesses, der folgende Arbeitsschritte umfasst:

1. Film vorbereiten (Drehbuch, Material und Requisiten herrichten, bei professionellen Aufnahmen: Produktionsetat sichern usw.)

2. Filmmaterial und Ton aufnehmen

3. Material sichten, Überspielen/Übertragen der Aufnahmen (Capturing)

4. Material sortieren

5. Feinschnitt/Trimmen, spätestens hier: Clips bezeichnen

6. Ton optimieren, Vertonen

7. Filmmaterial optimieren (etwa Farbanpassungen vornehmen)

8. Material sichern

9. Übergänge einfügen und anpassen

10. Titel und Abspann erzeugen

11. Projekt ausgeben (in bestmöglicher Qualität sichern auf Festplatte und auf Bänder überspielen; Projekt für diverse Zielmedien optimieren, etwa für Web-Filme; DVDs: Authoring)

12. System aufräumen (= Löschen unnötigen Materials)

Diese Arbeitsschritte greifen ineinander, für diesen Beitrag widmen wir uns insbesondere den Schritten 3 bis 5. Achtung: Fehler bei der Aufnahme lassen sich – wenn überhaupt – nur mit großem Zeitaufwand ausbügeln.

Um Material überhaupt sinnvoll schneiden zu können, muss der Kameramann eine Einstellung lange genug beibehalten – die Faustregel lautet: mindestens zehn Sekunden. Problematisch sind oft Zoomfahrten mit der Kamera und Schwenks, die nur mit einem guten, gedämpften Stativkopf (etwa von der Firma Sachtler) wirklich gut aussehen, da sie sonst meist ungleichmäßig ausfallen.

Filmaufnahmen übertragen

Analoges Material muss erst, etwa über eine Capture-Karte, digitalisiertwerden. Doch heute liegen die Filmaufnahmen oft bereits digital vor, meist auf DV-Bändern. Auch HDV-Aufnahmen werden auf DV-Bändern aufgezeichnet.

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Leichter trennen: Die automatische Szenentrennung ist bei den meisten Videoschnitt-Programmen Standard.

Es gibt heute mehrere gängige Methoden, Filmaufnahmen vom Abspieler (etwa dem Camcorder) auf den Computer zu übertragen:

1. Film ganz auf die Festplatte aufnehmen.

2. Film mit einer automatischen Szenentrennung aufzeichnen (meist nach Timecode, besser, aber nur selten unterstützt: Szenentrennung nach Filminhalt).

3. Film mit manuell gesetzten In- und Out- Points (Anfang- und Endpunkten) in eine 3 2 1 Batch-Capturingliste übernehmen und danach im Stapelbetrieb übertragen.

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Variantenreich: Je nach Verwendungsweck bieten sich unterschiedliche Ausgabeformate für Videos an. WMV ist eine gute Wahl für Web-Videos.

4. Film manuell direkt aufzeichnen (nur die gewünschten Abschnitte).

Die Komplettaufzeichnung des Bandes lässt sich mit manueller Szenentrennung oder einer anschließenden Szenenerkennung kombinieren. Sie ist zunächst die bequemste Methode, führt jedoch schnell zu vollen Festplatten. Ein Vorteil ist, dass dadurch wie bei der Aufzeichnung aller Inhalte mit automatischer Szenenerkennung (= Szenentrennung) die Bänder im Zuspielgerät geschont werden.

Wer den Rohschnitt bereits beim Überspielen vornimmt, muss damit rechnen, dass durch das Hin- und Zurückspielen Qualitätsverschlechterungen eintreten können – manche Profis nehmen daher erst das ganze Band komplett auf und spielen es auf ein zweites Band zur Sicherheit zurück.

Bereits beim gezielten Überspielen des voraussichtlich benötigten Materials macht es Sinn, wenn vom Programm unterstützt, die einzelnen Clips selbsterklärend zu benennen.

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Schubladendenken: Über Unterordner sorgen Sie für bessere Übersicht. Die Clips für Zwischenschnitte beginnen mit z_.

Tipp: Löschen Sie qualitativ unbrauchbare Clips nicht sofort von der Festplatte, sondern schieben sie diese erst in einen eigenen Ordner – Sie könnten etwa noch Ton benötigen.

Neben einem Stichwort für den Inhalt vergeben manche Profis zugleich ein Kürzel für die Einstellung, etwa T für eine Totale oder Dfür eine Detailaufnahme. Filmschnipsel für Zwischenschnitte, etwa eine Detailaufnahme der Hände während eines Interviews, bezeichnen Sie mit einem Z am Anfang des Clipnamens .

Üblich und sinnvoll ist es bei Batch-Aufnahmen, einige Frames (etwa eine Sekunde) zu Beginn oder Anfang des Clips stehen zu lassen, damit genügend "Fleisch" für Überblendungen übrig bleibt.

Tipp: Verschiedene Programme, z.B. Avid Xpress, Liquid oder Edius Pro, gestatten eine voreinstellbare Zugabe für In- und Outpoint

Überspielen Sie größere Filmsequenzen in einem Stück, sollten Sie davon Subclips erzeugen, dies bietet etwa Avid Xpress an.

Tipp

Bei Außenaufnahmen sind Windgeräusche schwer zu vermeiden. Mit einem speziellen "Muff" (eine an einen Wischmop erinnernde Vorrichtung) für das externe Mikrofon lassen sich Windgeräusche verringern. Auch ein Sonnenschirm alsWindschutz wirktWunder.

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Schutz-Lumpen: Mit einem Muff (hier mit Korbschutz) verringern Sie lästige Windgeräusche.

Faustregeln für bessere Videos

1. Stativ einsetzenMit einem Videostativ, am besten mit gedämpftem Schwenkkopf, sorgen Sie für ein unverwackeltes Bild. Die nachträgliche "Entwacklung" führt oft zu einem deutlichen Qualitätsverlust.

2. Vermeiden Sie AchsensprüngeÜberschreiten Sie die gedachte Linie der Handlungsachse, wirkt die Aufnahme unlogisch, der Betrachter wird verwirrt. In der Nachbearbeitung lässt sich eine falsche Aufnahmerichtung teilweise durch Spiegelung korrigieren.

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Am Achsensprung vorbei: Die Blickrichtung stimmt automatisch, solange Sie mit der Kamera auf einer Seite der gedachten Linie bleiben.

3. Anschlussfehler vermeidenDie Anschlüsse müssen logisch aufeinander folgen. Fehlen passende Anschlüsse, behelfen Sie sich mit einem Zwischenschnitt oder tricksen mit ein- und ausblenden auf Schwarz/Weiß.

4. Bildstörungen beseitigenGegen Bildstörungen gehen Sie am besten gleich bei der Aufnahme vor, etwa durch eine gute Ausleuchtung. Nachträgliche Korrekturen, etwa durch Filter gegen Artefakte, kosten viel Arbeitszeit und führen oft nicht zu optimalen Ergebnissen. Im Beispiel würde das Bild etwas weichgezeichnet.

5. Tonpegel anpassenVermeiden Sie allzu laute oder allzu leise Passagen – der Ton muss sich auf "einem Level" bewegen. Fernsehsender haben genaue Vorschriften für die Tonhöhe, Profis sprechen vom "Auspegeln" des Tons.

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Stimmungsvoll: Warme Farben vermitteln eine fröhliche Stimmung. Die Farbkombination Rot-Schwarz hat dagegen etwas leicht Dämonisches.

6. Vermeiden Sie doppelte Ton-/BildsprüngeAnfang und Ende der Spuren sollten leicht schachbrettmusterförmig versetzt angeordnet sein, damit kein "Loch" entsteht.

7. Ausschnitte gezielt einsetzenVerwenden Sie jeden Bildausschnitt der Kamera entsprechend seiner Wirkung: Eine Totale (etwa Strand mit einer klein abgebildeten Menschengruppe) eignet sich nicht dazu, Emotionen zu vermitteln, sondern dazu, dem Betrachter Orientierung zu geben.

8. Ausschnitte abwechselnImmer derselbe Bildausschnitt wirkt schnell langweilig – wechseln Sie ab. Bei einer Konfrontation bietet sich die Schuss-Gegenschuss- Technik an: Nahaufnahme von Person A, Blick nach links, Nahaufnahme von Person B, Blick nach rechts usw.

9. Farbgebung abstimmenFarbe wirkt: Kühle Farben wie Blau vermitteln frostige Stimmung (passend etwa zu einem Krimi), warme Farben wie Orange Fröhlichkeit. Für einen Hochzeitsfilm beispielsweise ist eher eine wärmere Farbabstimmung angebracht. In jedem Fall müssen die Farben in sich stimmig sein.

10. Schnittrhythmus einhaltenDie Länge von Einstellungen bestimmen Sie nach Gefühl und im Zusammenhang – ein Film muss in sich "stimmig" wirken. Um die Wirkung eines Schnitts zu beurteilen, spielen Sie den Film mindestens zwei Schnitte zuvor ab.

Abschnitte vorsortieren

Bei mehreren 100 Einzelclips verlieren Sie in kürzester Zeit den Überblick, wenn Sie diese in einen einzelnen Ordner werfen.

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Es ist daher ratsam, größere Projekte in Sequenzen (Unterprojekte) mit entsprechenden Unterordnern einzuteilen. Bei einer Hochzeit beispielsweise Vorbereitungen beim Frisör, Standesamt, Anschnitt der Hochzeitstorte usw. In diese Unterordner ziehen Sie die dazu passenden Clips. Arbeiten Sie Sequenz nach Sequenz ab, erst ganz zum Schluss formen Sie daraus das Gesamtkunstwerk.

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