Bildbearbeitung

Videos nachbearbeiten - Tipps für die Praxis

Mit Bildbearbeitung kennen sich die meisten Fotografen gut aus. Doch der Videoschnitt ist komplexer als das Bearbeiten unbeweglicher Einzelbilder und auch etwas anspruchsvoller als die Zusammenstellung einer Diashow.

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Wenn Sie ein paar einfache Regeln beachten, gelingt aber auch Ihr erstes Projekt und wirkt zudem nahezu professionell. Denn soviel steht fest: Der Schnitt eines Films bestimmt letztlich dessen Wirkung, wobei der Cutter lernen muss, wie ein bestimmter "Cut" vom Betrachter wahrgenommen wird. Das gelingt allein durch Übung, denn ein Meister fällt bekanntlich nicht einfach so vom Himmel.

Für diesen Einsteiger-Workshop arbeiten wir mit Adobe Premiere Elements 10, wobei der Ratgeber nicht auf die Bedienung des Schnittprogramms eingeht, sondern vielmehr das Gestalterische des Videoschnitts in den Vordergrund stellt. Da sich Videoschnittpro-gramme im Allgemeinen sehr ähneln, können die meisten Funktionen grundsätzlich auch mit anderer Software Anwendung finden.

Vor dem Schnitt

Bevor der Neuling mit dem Videoschnitt beginnen kann, steht der Datei-Import an. Die mit der DSLR aufgezeichneten Szenen  müssen ja schließlich erst einmal in die Schnittsoftware gelangen. Zu bedenken gilt: Viele Schnittprogramme rechnen die Dateien der DLSR beim Einlesen in einen anderen Codec um, was lange dauern kann. Deshalb ratsam bei viel Rohmaterial: Bereits am Abend des Vortags den Import starten und den Rechner über Nacht arbeiten lassen.

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Jede Schnitt-Software fragt eingangs, in welchem Videoformat man arbeiten möchte. Dabei sollte man sich für die Einstellungen des Originalvideos entscheiden. Einige Programme bieten dazu die Analyse des Quellmaterials und übernehmen diese. Anschließend folgt das Sichten und Sortieren der verschiedenen Filmschnipsel. Bei viel Material lohnt es sich, die einzelnen Clips selbst zu benennen, zum Beispiel mit Szene und gewählter Einstellung an den Originaldateinamen.

Vorspann

Ein Vorspann sollte auch bei sehr kurzen Filmen nicht fehlen - er leitet in den Film ein und lässt die gesamte Produktion professioneller wirken. Konzentrieren Sie sich auf einen passenden und unaufdringlichen Titel. Fehlt der Bezug zum Bild, wirken Farben unpassend - zudem dürfen es nicht zu viele sein. Mischen Sie Schriften nicht nach Belieben. Die klassische Variante ist immer noch weiße Schrift auf schwarzem Grund.

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Titel: Unserem Titel haben wir eine leicht verspielte Schrift verpasst und ihn harmonisch zur dominanten gelblichen Farbgebung des Videobilds eingefärbt. Die Animation, zu sehen in der Timeline, realisiert man über die Eigenschaften des Titels anhand von Keyframes.

Liegt ein sehr helles Videobild hinter der Schrift, kann man sie fast durchsichtig machen, vielleicht mit einer leichten Kontur zur besseren Lesbarkeit. Alternativ arbeitet man mit Kontrastfarben zum Videobild oder mit leichten Abwandlungen der Grundfarbe, die die Szene des Vorspanns dominiert. Diese lässt sich einfach mit der Pipette des Titelwerkzeugs, ähnlich der Funktionsweise in Photoshop, aufnehmen.

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Bei Dokumentationen oder einem technischen Beitrag ist eine schliche Schrift ohne Serifen und schmückende Details gut. Bei persönlichen oder romantischen Produktionen nutzt man beispielsweise eine Schreibschrift oder einen verspielten Font. Zusätzlich zu Farbe und Schrift kann der Titel mit einer leichten Bewegung, einer Animation, versehen werden. In unserem Beispiel bewegt sich der Schriftzug von links oben im Bild in einer leicht geschwungenen Bewegung nach rechts unten. Zudem haben wir passend zur Bewegung des ins Bild laufenden Jungen eine Einzelbuchstaben-Animation auf den Titel gelegt.

In einem anderen Vorspann könnte aber auch ein entgegen der Schwenkbewegung laufender Titel passend sein. Unstimmig wird es erst dann, wenn der Filmtitel komplett anders läuft als der Kameramann schwenkt, etwa von oben nach unten, anstatt von links nach rechts. Da die meisten Schnittprogramme eine ausreichende Zahl an vorgefertigten Titelanimationen mitbringen, ist etwas Passendes meist nicht schwer zu finden.

Szenenarrangement

Nach dem Sichten beginnt der eigentliche Filmschnitt mit dem Aneinanderreihen der Clips zu Szenen und von Szenen zum kompletten Film. Die Einsteigerprogramme liefern dafür eine sogenannte Storyboard-Ansicht - wer engagierter arbeitet, wechselt gleich in die Timeline, in der sich die Cliplänge sehr leicht mit der Maus bestimmen lässt. Die Länge eines Clips wird durch zwei Faktoren beeinflusst: von der Handlung und vom Rhythmus des Films.

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Storyboard: In der Storyboard-Ansicht (oben) kann der Einsteiger seine Szenen zu Beginn erst einmal simpel hintereinander stellen, um so den Film grob zu strukturieren. Für einen präziseren Schnitt eignet sich die Timeline-Ansicht (unten) allerdings um einiges besser.

Die Sehgewohnheiten haben sich in der sogenannten MTV-Generation enorm verändert. Geschichten werden heute viel schneller erfasst. Dabei sind Nahaufnahmen ein wesentlicher Kunstgriff des Cutters für schnelle Informationsvermittlung. Denn in der Nahen oder Halbnahen kann der Zuschauer eine bestimmte Mimik, wie etwa ein verwundertes Stirnrunzeln oder Kopfschütteln, wesentlich schneller erfassen und deuten. Trotzdem: Standzeiten unter einer Sekunde sollte man meiden. Allein durch die Verwendung kurzer Einstellungen entsteht allerdings noch lange kein guter Film.

Peinliche oder Verwirrung stiftende Situationen lässt der Cutter bewusst länger stehen und kostet sie so aus. Auch romantische oder traurige Bildfolgen fordern Weile, nicht Eile - der Zuschauer soll mitfühlen, sich in die Stimmung auf der Leinwand hineinversetzen können.

Handlungsschnitt

Beim Handlungsschnitt entsteht eine Szene, die eine bestimmte Situation verdeutlichen soll. Dafür nutzt der Cutter Bildfolgen aus verschiedenen Einstellungsgrößen. Im Filmbeispiel verfolgt der Junge im gelben T-Shirt den eben ertappten diebischen Eismann. Er erhofft sich einen Zeitvorsprung, indem er eine Abkürzung durch den Abwasserkanal einschlägt.

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Handlungsschnitt: Ganz im Detail sieht der Zuschauer nicht, wie der Junge in den Abwasserkanal steigt. Das Verkürzen der Handlung von der Nahen (Kanaleinstieg) kurz darauf hin zum Abstieg sorgt aber für Dynamik und einen besseren "Flow" des Films.

Hier setzt der Cutter mit einem gezielten Handlungsschnitt Akzente: Die Kamerabewegung auf den geöffneten Kanal signalisiert die Kopfbewegung des Jungen und dessen Idee, den Kanal als Abkürzung zu nutzen. Die Kamera zeigt in der Nahen den geöffneten Abwasserkanal. In der nächsten Einstellung sieht man bereits den Jungen beim Einstieg in den Kanal. Den minimalen Handlungssprung zwischen diesen beiden Szenen bemerkt der Zuschauer nicht. Vielmehr ist er notwendig, denn der Trick liegt im Verkürzen von Handlungssträngen, was für eine bessere Dynamik und mehr Aufmerksamkeit beim Zuschauer sorgt.

Szenenumschnitt

Besondere Bedeutung kommt aber dem Szenenumschnitt zu, denn hier findet meist auch ein Ortswechsel oder Handlungssprung statt. In unserem Filmbeispiel liegt der Fokus zu Beginn des Films auf dem Gesicht des Jungen, der in der Sonne träumt und von einem Eismann geweckt wird. Als der Junge die Augen aufschlägt, wechselt die Szene und zeigt den Eismann aus einer Halbnahen von vorne. Der Szenenumschnitt stellt eine Sichtbeziehung zwischen dem Blick des Jungen und dem Blick des Zuschauers auf den Eismann her.

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Szenenumschnitt: Wie man in der Timeline schön erkennt, wechselt das Bild am Ende der Szene vom Jungen aus der Halbnahen hin in eine Halbnahe auf den Eismann, wodurch eine Sichtbeziehung für den Betrachter entsteht.

Zwischenschnitt

In unserem Beispiel treibt der verfolgende Junge den diebischen Eismann zu Ende des Films auf einem Steg in die Enge. Der Eismann will die gestohlenen Brieftaschen im See verschwinden lassen und wirft eine nach der anderen mit einer lockeren Handbewegung über die Schulter.

Genau in diesem Moment fährt ein kleines Boot hinter ihm vorbei, und die Brieftaschen landen nacheinander in drei Handtaschen an Bord. Bei einem Zwischenschnitt springt der Cutter zu einer kurzen Einstellung und wieder zurück, der Ton der eigentlichen Handlung bleibt erhalten: Im Film sieht man noch die werfende Handbewegung des Eismanns und als Zwischenschnitt das in die Handtasche fallende Portemonnaie.

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Weiß man schon zu Beginn eines Projekts, welche Bildfolge als Zwischenschnitt dient, ist es am einfachsten, diese bereits im Vorschaufenster zu kürzen und gegebenenfalls den Ton abzutrennen oder zu deaktivieren. Auf diese Weise kann man die jeweiligen Filmschnipsel auf der Timeline später in eine eigene Spur legen, welche die Haupt-Videospur überlagert, und beugt Tonfehlern im Projekt vor.

Bildkorrektur

Selbst bei einem gut organisierten Dreh ist es fast unmöglich, stets die gleichen Lichtverhältnisse beizubehalten. Auch hier hilft die Schnittsoftware. Wichtig ist, dass Helligkeit, Kontrast und Farbtönung zueinander passen, auch Fotografen kennen das Problem eines falschen Weißabgleichs. Um die verschiedenen Filmschnipsel einander anzugleichen, reicht es meist, Helligkeit und Kontrast anzuheben oder abzuflachen.

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Bildkorrektur: Die Lichtstimmung ist wesentlich für ein homogen wirkendes Bild im Film. Je nach Stimmung der Szenen sorgen verschiedene Lichtverhältnisse für Emotionen beim Betrachter und verstärken das Empfinden.

Je nach Set und gewünschter Filmstimmung kann sich die Farbgebung aber auch gezielt ändern, um dem Zuschauer eine bestimmte Stimmung zu transportieren. In unserem Film gerät unser Protagonist bei seiner Verfolgungstour in eine Seitengasse mit zwei zwielichtigen Gestalten. Die sonnige und sommerliche Atmosphäre wird zur Stimmungsverstärkung gegen einen blasseren, kühleren Farbton ausgetauscht.

Abspann

Bei einem zwei- bis vierminütigen Film reicht ein sachlicher, einfacher Abspann, der bestenfalls mit dem Titel in Einklang steht. Moderne Schnittprogramme bieten dafür in der Regel mehr als genug Vorlagen, mit denen der Einsteiger gut arbeiten kann.

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Abspann: Bei kleinen Filmprojekten wählt man auch den Abspann kurz. Filmtitel und Nennung der Beteiligten reichen aus. Zudem sind eine schlichte Schrift ohne Serifen und eine gut lesbare Schriftgröße von Vorteil.

In Premiere Elements 10 wird der Einsteiger über die "Bearbeiten"-Schaltfläche unter "Titel" fündig. Nicht vergessen: Die Größe ausreichend wählen und die Schrift lange genug stehen lassen, damit der Zuschauer alles gut lesen kann. Die Regel lautet: Der Cutter muss den Text laut lesen können, damit der Betrachter beim ersten Mal eine Chance hat mitzukommen.

Export

Im Videobereich tummeln sich, ganz im Gegensatz zu den Fotoformaten, eine Vielzahl von Codecs, Dateiformaten und Einstellparametern. "Das" passende Format für alle Situationen gibt es nicht.  Allein das Dateiformat sagt noch nichts darüber aus, mit welcher Kompression die Videodaten kleiner gerechnet werden. In Dateien mit der Endung .mov (Apple Quicktime), .avi (Microsoft Audio Video Interleave) oder .mp4 kann jeweils der derzeit gängigste H.264-Codec stecken.

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Export: Das MPEG2-Format bietet sich zum Herausrechnen eines qualitativ hochwertigen Films an. Es arbeitet mit Auflösungen mit bis zu 1920 x 1080 Pixel und wird sowohl von Mac- als auch Windows-Rechnern unterstützt.

Es kann also sein, dass der Rechner zwar AVI-Dateien prinzipiell wiedergeben kann, aber gewisse Dateien mit einem speziellen Codec dennoch nicht öffnet. Selbst hinter dem inzwischen üblichen AVCHD-Videoformat können zig verschiedene Varianten stecken: Die Datenrate ist dabei genauso variabel wie die Bildrate - seit Neuestem kann nicht nur das kleine HD-Format 720p (1280 x 720 Pixel), sondern auch das Full HD-Format (1920 x 1080 Pixel) mit 50 Vollbildern aufzeichnen. Daneben gibt es noch die sogenannte Interlaced-Aufzeichnung mit 50 Halbbildern. Allein damit gibt es schon fünf Variablen, die jeder Hersteller beliebig festlegen kann, was somit 25 verschiedene Videoformate ergibt. In Wahrheit ist die Vielfalt sogar noch größer.

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Doch Schluss mit Verwirrung: Ideal ist es, man zeichnet mit der höchsten Videoqualität auf, die die Kamera bietet. Denn mit höherer Kompression ist zwar Speicherplatz auf der Karte oder Festplatte gespart, doch sowohl bei der Nachbearbeitung als auch bei der Wiedergabe müssen die Daten entpackt werden, was eine höhere Leistung vom Rechner erfordert. Bei der Nachbearbeitung übernimmt man durchgehend vom Import über die Projekteinstellungen bis zum Export die Eckdaten des Originalmaterials. Ist die qualitativ beste Videodatei gelungen, kann man weitere Varianten für Internet,  YouTube, Mobilgeräte und Medienplayer erstellen.

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