Ratgeber

Videofunktion der Kamera

Fast alle Kompaktkameras bieten mehr oder weniger ausgefeilte Videofunktionen. Doch nicht jede Videodatei läuft auf jedem Rechner und schon gar nicht jedem DVD-Player. Im Videobereich ist nicht das Dateiformat entscheidend, sondern das Kompressionsverfahren. Besonders effizient und platzsparend sind moderne Kom-pressionsverfahren wie MPEG-4 oder H.264/AVC. Einen Rückschluss auf die Filmqualität erlaubt das Kompressionsverfahren den-noch nicht: Modernere Verfahren arbeiten effizienter, liefern aber nicht immer die bessere Qualität, da alle Verfahren unterschiedliche Kom-pressionsstufen und damit auch Qualitätslevel ermöglichen - ähn-lich den Qualitätsstufen bei JPEG-Bildern. Zugleich kann man die Videoqualität kaum beeinflussen, da die Kamerahersteller meist eine Kompressionsstufe fest einstellen.

Aufmacher

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Schnellere Speicherkarten und leistungsfähigere Prozessoren ermöglichen aktuellen Kompaktkameras Videoaufnahmen in TV-tauglicher Auflösung auch jenseits von 30 s Dauer. Die zeitliche Begrenzung ist vor allem ein Tribut an die hohe Datenrate, die 25 oder 30 Bilder/s verursacht. Denn im Prinzip handelt es sich um Serienaufnahmen mit deutlich reduzierter Auflösung und Steigerung der Bildrate. Wie bei einem Daumenkino verleiht erst eine entsprechend hohe Bildwiederholrate (Frequenz) den Eindruck von Bewegung. Doch DVD-Player und TV geben sich nicht mit jeder beliebigen Frequenz zufrieden. Die europäische Fernseh-Norm PAL schreibt eine Bildwiederholrate von 25 Bildern/s (Frames per second, fps) vor, während amerikanische Geräte nach dem NTSC-Standard mit 30 Herz synchronisieren. Die meisten Modelle nutzen eine Auflösung von 640x480 Pixeln bei amerikanischen 30 Bilder/s. Einige Kameras von Panasonic, die mit einem Seitenverhältnis von 16:9 arbeiten, schaffen sogar die volle NTSC-Breitbild-Auflösung von 848x480 Pixeln. An HD-Auflösungen mit 1920x1080 reicht aber bisher noch keine Foto-Kamera heran. Lediglich die Sanyo-Modelle (HD1, HD1A, HD2) schaffen 1280x720 Pixel. Wer seine neue Digitale auch zum Filmen nutzen will, sollte auf Ton, Zoom und Autofokus achten. Die meisten Kompakten führen im Videomodus die Schärfe nicht nach und auch die Brennweite bleibt für die Videosequenz häufig auf die erste Einstellung fixiert.

P-, B-Frames

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Moderne Videocodecs speichern nicht jedes Bild zur Gänze: Die P- und B-Frames genannten Bilder enthalten nur Änderungsinformationen zum vorherigen oder nächsten Bild.

Dateityp (Container-Formate)Digitale Kameras speichern Videos in verschiedenen, zueinander nicht kompatiblen Formaten. Am weitesten verbreitet sind das unter Windows gebräuchliche AVI-Format, das von Apple präferierte MOV-Format (Quicktime) sowie das MPG-Format der "Moving Picture Experts Group", das oft auch die Endung MPEG verwendet.

Die Datenrate bei unkomprimiertem Video ist sehr hoch und lässt sich leicht berechnen, indem man die Auflösung mit der Farbtiefe multipliziert. Bei einem PAL-Signal und 24 Bit Farbtiefe (RGB) (720 Pixel x 576 Zeilen/Pixel x 25 Bilder/s x 24 Bit) ergäbe das knapp 30 MB pro Sekunde. Das ist natürlich viel zu viel, weshalb die Hersteller die Bilder komprimieren. Die erste Lösung ist dabei naheliegenderweise die JPEG-Kompression, denn die passende Hardware ist durch die Fotoverarbeitung schon vorhanden. Die Bewegtbild-Variante des Kompressionsverfahrens (Codec) nennt sich "Motion JPEG" (MJPEG). Ähnlich wie bei PSD- oder TIF-Dateien können in allen drei Videodateitypen neben Motion JPEG weitere Kompressionsmethoden zum Einsatz kommen, weshalb die Dateitypen im allgemeinen als Container bezeichnet werden. Der Bildinhalt und die Dateigröße einer AVI- und einer MOV-Datei unterscheiden sich bei gleichem Kompressionsverfahren mit gleichen Einstellungen zwar nicht, doch lässt sich das im MOV-Container untergebrachte Video in Windows nur unter Zuhilfenahme des kostenlosen Apple-Quicktime- Players abspielen. Das AVI-Format mit MJPEG-Kompression verarbeiten sowohl Apple- als auch Windows-Computer ohne Probleme oder zusätzliche Software.

Windows Media Player

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Dem Windows Media Player bringen neue Codecs unbekannte Formate bei. MJEPG-Videos im AVI-Format be-nötigen keine Zusätze. Auch Apple bietet den Quicktime Player kostenlos n. Er spielt das hauseigene MOV-Format und AVI- sowie MPEG-4-Dateien ab.

Kompressionsverfahren (Codex)MJEPG ist zwar ein weit verbreitetes, aber nur mäßig effizientes Kompressionsverfahren. Modernere Lösungen erzielen höhere Kompressionsraten bei gleicher Qualität: Pentax nutzt beispielsweise das MPEG-4-Derivat DivX, während Sanyo und Konica Minolta das Standard-MPEG-4-Format in den Container packen. Alle diese MPEG-4-Codecs arbeiten sehr effizient und damit platzsparend. Das heißt, für die gleiche Bildqualität benötigt ein moderner MPEG-4-Codec nur ein Bruchteil der Bitrate, die beispielsweise MJEPG bräuchte: MPEG-4 und artverwandte Codecs wie DivX komprimieren nicht nur Einzelbilder (I-Frames) wie MJPEG, sondern speichern teilweise nur Änderungen zum vorherigen oder nächsten kompletten Bild. Bei einer Live-Aufzeichnung muss die Kamera so erst eine bis mehrere Sekunden aufzeichnen, bevor sie anfängt das Bildmaterial zu verarbeiten. Ausschlaggebend für die Qualität ist dabei der Codec und die von der Digitalkamera verwendete Datenrate. Der verwendete Dateityp (Container-Format) spielt bei der Bildqualität dagegen keine Rolle.

Abseits der Digitalkameras ist vor allem der schon in die Jahre gekommene MPEG-2-Codec verbreitet. Er bildet noch die Basis für digitales Fernsehen oder Video-DVDs. Und selbst die neuen HD-DVD- und Blu-ray-Filme setzen noch auf den mäßig effizienten Codec. Doch in Zukunft wird sich vor allem die neuste Variante von MPEG-4 aufgrund ihrer sehr hohen Effizienz durchsetzen: H.264/AVC ist in den Standards zu HD-DVD und Blu-ray enthalten und bildet auch die Basis für das neue digitale Satelliten-Fernsehen DVB-S2 in HD-Auflösungen. Daneben erfreut sich das zukunftsträchtige Format großer Verbreitung bei Kamera-Handys und wird auch in künftigen Generationen von Digitalkameras zu finden sein.

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Film abAVI-Dateien spielt prinzipiell jede Player-Software wie beispielsweise der Windows Media Player. Doch um das Bildmaterial auf den Bildschirm zu bringen muss der entsprechende Codec installiert sein - also das Verfahren, mit dem der Player die komprimierten Daten wieder in Bilder zurückwandelt. Um AVI-Dateien mit DivX-Kompression abzuspielen, benötigt der Anwender beispielsweise den frei erhältlichen Codec vom Hersteller DivX Networks. Auch mit der MPEG-4-Kompression kann Windows von Haus aus nichts anfangen - Abhilfe schafft das Installieren des ebenfalls kostenfreien Quicktime Players von Apple. Der spielt neben MPEG-4-komprimierten Dateien auch das hauseigene MOV-Format ab, benötigt für DivX-komprimierte Filme jedoch ebenfalls den Codec vom DivX-Hersteller.

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