Videorekorder

VHS-Kassetten und -Videorekorder: Das Ende einer Legende

Im Juli stellte mit Funai der letzte Hersteller die Produktion von VHS-Videorekordern ein. Wir blicken auf die 40-jährige Ära einer Produktkategorie zurück, die den Heimvideomarkt prägte wie keine andere. Von: Rainer Bücken.

JVC VHS-Videokassettenrecorder

© JVC

Das Ende einer Legende

Es muss 1977 oder 1978 gewesen sein. Damals war ich, Rainer Bücken, junger Redakteur der Zeitschrift "DM" (heute: "EURO") und bekam eine Einladung von JVC, mir in Yokohama die Fertigung von VHS-Rekordern anzuschauen und darüber zu berichten. Schon der Flug war spektakulär - nur rund zwei Dutzend Passagiere waren in der JAL-Maschine, eine ganze Sitzreihe machte mir den Nachtflug so bequem wie nie wieder während meiner späteren rund zwei Dutzend Fernost-Flüge.

Die Victor Company of Japan (JVC) hat sich schon 1957 die Entwicklung von Videogeräten auf die Fahne geschrieben. Zehn verschiedene Systeme fand ich bereits bei meinem Besuch im Museum - das elfte war eben VHS - aber noch nicht museumsreif. Dessen Entwicklung begann bei JVC vor 40 Jahren, also 1976, vorangetrieben u. a. durch Shizuo Takano und Yuma Shiraichi. Letzterer bekam dafür 1978 den Eduard-Rhein-Preis. Auch JVC-Forschungschef Akira Hirota konnte während der IFA 1989 diese Auszeichnung von Eduard Rhein, dem Gründungs-Chefredakteur der Zeitschrift "Hörzu", entgegennehmen. Anschließend konnte ich mich mit Hirota über den Stand der Hi-Vision-Technik in Japan unterhalten - und die entsprechenden Perspektiven für das VHS-System.

Doch zurück zur VHS-Historie. Dessen Großserienfertigung startete 1977, zunächst nur für Japan und die USA (NTSC), später dann auch für Europa. Eine großzügige Lizenzpolitik führte dazu, dass Unternehmen wie Telefunken, Saba, Nordmende, Dual, RCA usw. von JVC beliefert wurden. Ärger bekam ich, als ich zwei Jahre später einmal im Lager riesige Gerätestapel mit derartigen OEM-Geräten fotografierte. "Dringend" wurde ich gebeten, diese Aufnahmen nicht zu verwenden?

vhs, kassette, daten

© Hersteller/Archiv

VHS gibt es in diversen Mutationen, man kann auch von Evolutionsstufen sprechen. Mit dem stationären Recorder HR-3300 ging es los, gefolgt vom Portable ("Schlepp- able") HR-4100 und den stationären Geräten HR-3660 sowie 7700. Mit VHS-C konnten bereits kleinere Camcorder hergestellt werden, ein Kassettenadapter sorgte für die Rückwärtskompatibilität.

Ab 1985 kamen HQ-Geräte auf, 1987 wurde S-VHS eingeführt. Nach Ende der Formatkriege zwischen Betamax, VCR, VCR-LP, SVR und Video 2000 übernahmen selbst Grundig, Philips sowie Sony die VHS-Technik und bauten die Geräte in eigenen Fabriken. Seit Mai 1983 kamen VHS-Recorder sogar aus Berlin - J2T Video (JVC, Telefunken, Thorn) produzierte im Märkischen Viertel bis zum 30. August 1989 bereits fünf Mio. VHS-Rekorder, eben echte "Berliner", die da alle 30 Sekunden von den Bändern fielen. Auch Funai startete 1983 mit einer eigenen VHS-Produktion - und stellte dafür das ¼"-CVC-System ein. Das wurde sogar auch von Grundig gefertigt. Als weitere Alternative wurde 1985 von Sony, Polaroid u. a. Video 8 gelauncht, das später zu Hi8 und Digital8 mutierte.

Daneben gab es von JVC auch einen PALplus-VHS- sowie in USA und Japan einen D-VHS-Rekorder. Grundig hatte 1989 sogar einen "HD-MAC High Definition Video Cassette Recorder" auf VHS-Basis entwickelt. Da aber die analoge HDTV-Übertragungstechnik nach EUREKA 95 in Europa keine Marktbedeutung bekam, ging das Labormodell nie in Serie. 2008, also gut 30 Jahre nach dem Start von VHS, meldete JVC das Ende der eigenen Produktion. Andere Unternehmen produzierten einige Jahre weiter. Bis jetzt auch Funai nach 40 Jahren das "Ende einer Legende" meldete. Nur der Film hat ein noch längeres Leben.

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