Ein Plädoyer für das Verlieren

Verlieren beim Poker

Es ist erstaunlich, wie viel man verlieren muss, um beim Poker zu gewinnen. Turnierspieler brauchen eine erhebliche Leidensfähigkeit, da nur rund 10% ihrer Turniere am Ende die signifikanten 80% ihres Einkommens ausmachen.

Profi Corner: Plädoyer für das Verlieren

© Thomas Lojek

Profi Corner: Plädoyer für das Verlieren

Es ist erstaunlich, wie viel man verlieren muss, um beim Poker zu gewinnen. Turnierspieler brauchen eine erhebliche Leidensfähigkeit, da nur rund 10% ihrer Turniere am Ende die signifikanten 80% ihres Einkommens ausmachen.

No Limit Cash Gamer müssen ständig damit rechnen, 10 oder 20 Buy-ins in Folge zu verlieren. Sit- and-Go-Spieler haben nicht selten den Cash Rang direkt vor ihrer Nase, nur um dann von irgendeiner völlig absurden Kombination aus dem Rennen geworfen zu werden. Eine der wichtigsten Pokereigenschaften muss also eine gewisse Leidensfähigkeit inklusive des geduldigen Gemüts eines Faultieres auf Valium sein. Warum ist die Fähigkeit zu Verlieren ein so wichtiger Aspekt im Poker? Weil es etwas über die Struktur des Gewinnens aussagt. Gewinnen will jeder. Gewinnen ist die oberste Bestätigung, sich über die Unerbittlichkeit der Zufälligkeit erhoben zu haben. Aber: Die Qualität des Verlierens ist im Poker die Struktur des Gewinnens.

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Ja, aber...

Unter Aktienhändlern, die - dem Poker ähnlich - ebenfalls mit systematischen Risken arbeiten, um vorher definierte Vorteile in einem Markt zu nutzen, gibt es die Redewendung: "Recht haben und Geld verdienen sind zwei völlig unterschiedliche Dinge." Das gilt auch am Pokertisch. AA ist ganz klar die stärkste Starting Hand. Aber wenn ein ansonsten völlig tight passiver Rock auf ein Flush Board All-in geht, dann ist AA sicherlich die letzte Hand, die man haben möchte. Wenn dann das Geld weg ist und AA offengelegt wird mit der Begründung: "Ja, aber AA ist doch die stärkste Hand, ich musste das callen", dann gilt diese Regel hier einfach nicht. Mit "Ja, aber..." macht man kein Geld. Weder an der Börse noch am Pokertisch.

Das richtige Verlieren muss also gelernt sein. Sowohl in der Fähigkeit, die falschen Hände in den falschen Situationen wegzulegen, was vor allem in den No-Limit- und Pot-Limit-Varianten wichtig ist, als auch in der Erkenntnis, dass man nicht immer gewinnen und Recht haben muss, um im Poker zu gewinnen. Recht haben zu wollen, immer gewinnen zu wollen, das sind die schlechtesten Eigenschaften, die man an einen Pokertisch mitbringen kann.

Fehler sind essenziell

Ein gutes Beispiel dafür sind die "Rechthaber", die ihr striktes Playing By The Book am Spieltisch fortlaufend von schwächeren Karten geschlagen sehen und das dann beleidigt als schlechtes Poker kritisieren. Sie verstehen nicht, dass sie versteift darauf sind, Recht zu haben und Regeln zu befolgen, statt situativ und angepasst an der Maximierung ihres Einkommens zu arbeiten. Ganz ähnlich funktionieren die Maniacs, die meinen, jede Hand gewinnen zu müssen, nur um ihre eigenen persönlichen Dämonen mit Spielkarten austreiben zu wollen.

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Rocks und Maniacs sind zwei Seiten der gleichen Medaille und beide sind Futter für die Spieler, die weder Recht haben noch ständig gewinnen müssen, sondern sich einfach vom Flow und der Eigendynamik des Spiels tragen lassen. Die Fähigkeit, Fehler zu begehen und auszuhalten, ist also essenziell in den Eigenschaften guter Pokerspieler. Crazy Calls und absurde Bets sind manchmal notwendig - viele werden falsch und in ihrer unmittelbaren Wirkung fatal, aber in der Summe und auf lange Sicht, dann eben doch richtig sein.

Manchmal müssen auch gute Spieler am Tisch ordentlich Prügel einstecken. Ihre Größe als Spieler zeigt sich dann darin, dass sie sich danach aufrappeln, sich den Staub abklopfen und schauen, ob ein grundsätzlicher Fehler oder reine Varianz vorlag und dann machen sie weiter. Darum kommt dem effektiven und risikoadjustierten Bankrollmanagement eine so große Bedeutung zu. Die Qualität des Weitermachens eines Spielers ergibt sich direkt aus seiner Fähigkeit zu einem aktiven und sinnvollen Bankrollmanagements. Man kann sich einen Fehler erlauben und auch den Lernprozess aus diesen Fehlern, wenn dieser Fehler maximal 0,5% bis 1% des Gesamtkapitals ausmacht.

Wenn ein Crazy Call dagegen 30% des Kapitals ausmacht, dann ist es eben schnell vorbei mit den Fehlermachen.

Verlieren und Gewinner

Gewinner und Verlierer im Pokerzirkus unterscheiden sich daher eher in der Art, ihre Fehler sinnvoll und aktiv zu begehen, aber auch zu managen als in fortlaufend guten Karten und hervorragenden Skills. Es mag einige unerklärliche herausragende Talente geben, aber die gibt es in jedem Bereich. Viel interessanter sind dagegen jene Spieler, die mit Ausdauer und Vernunft eine Systematik für sich entwickelt haben, die ihren Fehlern Raum gibt aber gleichzeitig ihr Potenzial nach oben (be)ständig offen lässt. Diese Spieler teilen eine gewisse Übereinkunft, dass sowohl Gewinnen als auch Verlieren seine Zeit hat und dass das, was am Ende des Tages übrig bleibt, sich aus einem ausgewogenen Umgang mit Verlusten, Fehlern im Verhältnis zu Profitpotenzialen ergibt.

Fehler und Verluste sind also ein notwendiger und auch wichtiger Vorgang im Poker. Freunden Sie sich besser mit ihnen an und behandeln Sie diese mit Respekt, Aufmerksamkeit und Vernunft.

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