Vergleichstest: Surround-Receiver

Vergleichstest: Surround-Receiver

Wer glaubt, dass aus Fernost nur weltmarktkonforme Einheitsware kommt, der dürfte staunen wie sehr sich diese beiden Receiver von Denon und Kenwood trotz marginaler Preisdifferenz unterscheiden.

Surround-Receiver

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Vergleichstest: Surround-Receiver

Rivalen unter roter Sonne

Preis-Leistung: überragend. So machte im Januar der Vorgänger des Denon AVR-1508 auf sich aufmerksam. Der kräftige Receiver bot an Ausstattung das Nötigste und ein stimmiges Gesamtkonzept mit ausgesprochen körperhaftem, lebendigem Klang.

Und auch der neue Kenwood KRF-V 7200 D weckt zumindest in klanglicher Hinsicht hohe Erwartungen: Die Vertreter seiner Marke profilierten sich im Labor als wahre Musikliebhaber, die zwar an der Ausstattung sparten, aber unmissverständlich klarmachten, wo die eingesparten Euro angelegt wurden. So erreichte der preiswerte KRF-5200 immerhin beachtliche 150 Klangpunkte und erwarb sich trotz spartanischer Lautsprecherklemmen in der Kategorie Preis- Leistung ein "sehr gut."

Kenwood Anschlussfront

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Kenwood spendiert den sieben Endstufen eine Air-Condition in Form eines Ventilators, damit sie immer cool bleiben

Die neuen Modelle der beiden Traditionshäuser setzen die bisherigen Trends fort: Der Denon rüstete weiter auf und bietet neben seiner ohnehin nicht gerade knauserigen Ausstattung die Möglichkeit zur Umschaltung und Durchschleifung von HDMI-Signalen mit zwei frei zuweisbaren Eingängen und einem Ausgang nach Version 1.3a des High Definition Multimedia Interfaces.

Obwohl er mit den Signalen nichts anfängt und sie nur weiterreicht, braucht die Unterstützung von Version 1.3a eine ausreichend große Bandbreite, denn die Daten von Deep Colour setzen eine hohe Übertragungsrate voraus. Kenwood kann als Fortschritt einen USB-Eingang für MP3-Player und Speichersticks vermelden. Dazu lernte der KRF-V 7200 D fleißig Fremdsprachen wie MP3, WMA und AAC, um komprimierte Audio- Dateien wiederzugeben.

Denon denkt in Sachen New Media in anderen Dimensionen: Sie nahmen auch beim AVR-1508 den King of Pop des 21. Jahrhunderts unter Vertrag: Mit der optionalen Dockingstation ASD-1R oder der neuen ASD-3N/W bindet der Receiver den iPod ferngesteuert in die AV-Anlage ein. Je tiefer man in die Ausstattungslisten einsteigt, desto größer wird der Abstand zwischen dem Denon und dem 30 Euro teureren Rivalen.

Anschlussfeld mit HDMI

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Bereits der Vorgänger des AVR-1508 fuhr für seinen Preis viel Ausstattung auf. Jetzt kommt HDMI dazu

Punkten kann der konservative Kenwood allenfalls bei audiophil angehauchten Receiver-Käufern, die mit der deutlich hervorgehobenen Pure-Audio- Taste Front- Display und Video-Schaltkreise abschalten möchten, damit aus diesen Sektionen keine hochfrequenten Interferenzen in die sensiblen Musiksignale einstreuen. Damit Video-Fans nicht ganz im Regen stehen, verfügt der Kenwood über drei Komponenten- Eingänge und einen -Ausgang.

Feature- Fans sollten sich Zeit nehmen, wenn ihnen der Denon-Verkäufer sämtliche Ausstattungsdetails des vollgepackten Japaners aufzählt: Der AVR-1508 misst sich selbstständig mit Mikrofon und Audyssey MultEQ ein (die Einstellungen lassen sich aber auch mit etwas Geduld und/oder Bedienungsanleitung in feinen Stufen von Hand korrigieren) und beherrscht LipSync. Dazu kommt eine Wendefernbedienung, die ihre seltener benötigten Funktionen auf der Rückseite unter einer Klappe verbirgt.

AVR-1508

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Der AVR-1508 präsentiert sich sehr aufgeräumt. Die Umschaltung sitzt direkt hinter den Eingängen, die Endstufe vorne

Der KRF-V 7200 D erfordert ein manuelles Setup, wodurch man sich noch mehr als bei seinem Rivalen ein On Screen Display wünscht. Allerdings sparte Kenwood nicht nur wie Denon das OSD ein, sondern bietet auch nur grobe Regelmöglichkeiten an.

Die auf Feet basierende Entfernungseinstellung für die Nachhallzeiten der einzelnen Lautsprecher ermöglicht nur 30-Zentimeter-Schritte und der Pegel der einzelnen Kanäle lässt sich lediglich in Ein-dB-Schritten justieren. Denon beweist hier mehr Sinn für Feingefühl mit feinen Stufen von zehn Zentimetern respektive 0,5 Dezibel. Als Entgegenkommen an den Benutzer bieten die beiden immerhin eine übersichtliche Schnellstart-Anleitung (Denon) respektive ein vereinfachtes "Easy Setup" (Kenwood).

Im Hörtest machte der Kenwood dennoch viel Wind - nicht nur wegen seines leisen, in Programmpausen dennoch vernehmbaren Kühlventilators für die Endstufensektion. Sein Klang bot das gewisse Etwas, das sich manchmal nur schwer in Worte fassen lässt, aber gerade bei geschlossenen Augen jenes Knistern und Wohlbefinden auslöst, das nicht nur den Verstand sagen lässt "das ist eine sehr gute Wiedergabequalität", sondern auch die emotionale Seite der Musik erlebbar macht.

Wertung: Denon AVR-1508

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Die Bewertung des Denon Receivers

Dabei stand er mit dem Denon einem harten Konkurrenten gegenüber, denn für sich genommen spielte der AVR-1508 in Stereo ganz ausgezeichnet. Er besaß einen vollen, zwar nicht 100-prozentig präzisen, aber für diese Klasse extrem tiefreichenden Bass und gab Stimmen und Instrumente sehr körperhaft und plastisch wieder. Doch der KRF-V 7200 D traf die Klangfarben noch eine Spur realistischer als der Mitbewerber und setzte ganz oben noch Glanzlichter mit feinzeichnenden, differenzierten und wohldosierten Obertongespinnsten.

Das erleichterte die Differenzierung von Männer- und Frauenstimmen im Duett und verlieh Bläsern, die beim Denon für diese Preisklasse ebenfalls sehr eindrucksvoll ertönten, einen Hauch mehr Realismus. Der Kennwood kontrollierte zudem den Bass etwas straffer. Einziges kleines Haar in der Suppe: In komplexen, lauten Passagen litt im Vergleich zum Denon geringfügig die Durchhörbarkeit. Damit entschied der KRF-V 7200 D den analogen Stereo-Durchgang nach einem langen, aber kurzweiligen Hörduell zweier ausgesprochener Streber in dieser Preisklasse für sich.

Wertung: Kenwood KRF-V 7200 D

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Die Bewertung des Kenwood Receivers

In Surround behielt der Kenwood seine Tugenden bei, was vor allem bei Konzertmitschnitten auffiel. Mit seinem Realismus holte er aus Stimmen ein für diese Klasse Optimum aus allen Aufnahmen. Eine Eigenschaft, von der selbstverständlich Filmdialoge ebenfalls profitierten.

Den Raum gab der Kenwood-Receiver relativ kompakt wieder, was man sogar in gewisser Weise als positiv ansehen kann: Der KRF-V 7200 D verstand es, aus den im ganzen Raum verteilten Lautsprechern des Surround-Systems aus dem Hause Audio Physic einen durchgängigen, dreidimensionalen Klangkörper zu erzeugen, aus dem keine einzelnen Lautsprecher "herausblitzten".

Dieser Effekt verriet in der Denon-Darbietung das eine oder andere Mal die Standorte der einzelnen Boxen, doch dehnte der AVR- 1508 den Raum nach allen Seiten viel weiter aus. Im ohne die heute üblichen Digital-Effekte gedrehten Thriller "Ronin" rasen Jean Reno und Robert DeNiro todesmutig im Peugeot hinter einer geheimnisvollen Frau im BMW M5 durch Paris und dessen Tunnelsystem, das mit weiträumigem, differenziertem Hall die Zuschauer viel intensiver einhüllt als über den Kenwood, der merklich flacher wirkte.

Daten und Messwerte

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Daten & Messwerte

Selbst die zahlreichen Crashs besaßen mit dem mächtigen Bass des AVR-1508 mehr Wucht. Die besondere Hingabe in den unteren Oktaven bekam auch Konzert-DVDs, vor allem aus dem Rock- und Pop-Bereich bestens. Einzig die satteren Klangfarben und die feinere Artikulation von Sängern und Instrumenten konnte der Kenwood hier dem vergleichsweise etwas verwaschen wirkenden Denon noch entgegensetzen.

Das war's aber auch schon, Surround blieb eine Denon- Domäne. Der AVR-1508 macht mit Mehrkanalton einfach mehr Spaß als der KRF-V 7200 D und kann trotzdem ganz schön gut in Stereo Musik wiedergeben. Der Kenwood profilierte sich umgekehrt als kleines Musik-Genie, das trotzdem ein gerütteltes Maß an Filmspaß verheißt.

Fazit

Testergebnisse

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Die Wertung der Redaktion

Für Surround-Freaks ist der Denon schon allein wegen seiner umfangreicheren Video- Ausstattung mit HDMI 1.3a die bessere Wahl. Dass er sich in Stereo mit körperhaftem, satten Klang einschmeichelt, macht die Wahl noch einfacher.

Wer aber in erster Linie auf bestmögliche Musikwiedergabe in dieser Klasse schaut und das übliche überdimensionale Heimkino-Gemetzel durch dezenten Raumklang ersetzen will, sollte eher zum KRF-V 7200 D greifen, denn sein feinzeichnender, besonders farbenprächtiger Klang geht einfach mehr unter die Haut. Erste Wahl für die akustischen Instrumenten und Filmen mit Handlung zugeneigte Ü-30- Generation, die für diese Mischung gerne 30 Euro mehr hinblättert.

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