Wer steckt hier wen in die Tasche?

Vergleichstest: DVD-Komplettsysteme

DVD-Komplettsysteme versprechen vielseitige Unterhaltung bei geringem Platzbedarf und intuitive Bedienung. Doch beim Ton setzen JVC, Philips und Samsung unterschiedliche Prioritäten.

aufgeklapptes Taschenmesser

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Vergleichstest: DVD-Komplettsysteme

Das Schweizer Offiziersmesser gilt weltweit als Inbegriff von Vielseitigkeit und einer raffinierten wie zugleich simplen Kombination nützlicher Werkzeuge auf kleinstem Raum. Und trotz der zahlreichen Funktionen benötigt man keine Bedienungsanleitung, um die Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund einer Ausschreibung der Schweizer Armee entstandene Wunderwaffe gegen die Probleme des Alltags zu benutzen. Diesem Ideal folgen, wenngleich auch mit anderen Mitteln, die DVD-Komplettsysteme von JVC, Philips und Samsung. Sie versprechen eine plausible Antwort auf die Anforderungen des alltäglichen Entertainments in Stereo und Surround, wollen unterhalten von CD oder DVD mit Ton und Bild. Und sie wollen Laien an die Materie Mehrkanal- Wiedergabe heranführen ohne jenen Frust, der beim Setup moderner AV-Receiver mitunter sogar diejenigen befällt, die sich zu den Experten zählen ... Was lag also näher, als eine "Beschleunigungsmessung" von null auf 100 durchzuführen. Welches System ist nach dem Auspacken am schnellsten einsatzbereit?

Zunächst setzte sich das Phlips HTS6510 überzeugend in Führung: Ohne den klar gegliederten Startguide, welcher in lediglich drei Schritten zum Heimkinogenuss führen soll, konsultieren zu müssen, ließ sich der europäische Beitrag zum Thema DVD-Komplettsysteme in deutlich unter vier Minuten aufstellen und anschließen, bis der erste Ton erklang. Hiermit zeigten die Holländer den Asiaten, was machbar ist. Deren Produkte benötigten nämlich mehr als fünf Minuten, was nicht zuletzt auf das Konto einer größeren Lautsprecherabordnung ging, denn nur das Phlips bietet ein 2.1-Lautsprecher-Set. JVC arbeitet beim DD-3 zusätzlich mit Center/Surround-Speaker, und das Samsung HT-XQ100 ist gar ein echtes 5.1-System. Beim Anschluss halfen in allen drei Fällen auch die durch Form und/oder Farbe eindeutig zuzuordnenden Anschlüsse. Doch dieser Geschwindigkeitsvorteil in der Aufstellung für Nichteingeweihte fordert im Betrieb vor allem von den ambitionierten Benutzern seinen Tribut. Denn die konstruktiven Vereinfachungen ermöglichen nur die Verwendung von Klingeldrähten als Boxenzuleitung – diese sind im Lieferumfang der drei Sets enthalten.

Daten und Messwerte

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Daten & Messwerte

Eine weitere Überraschung bereiten die Systeme nach der Aufstellung: Das JVC ist sofort voll einsatzbereit, das Samsung und ausgerechnet das besonders unkompliziert wirkende Philips erfordern hingegen ein Grundsetup, um die Surround-Wiedergabe an den Raum anzupassen.

Schön sind sie alle drei, doch in der Bedienung setzten sich das Philips- und das Samsung-Gerät mit ihren sehr übersichtlichen Fernbedienungen von der Konkurrenz ab. Gerade bei der Bedienung am Gerät verliert das JVC mit haptisch unbefriedigenden, unleserlich beschrifteten und nicht eindeutig zuzuordnenden Mini-Tasten gegenüber den beiden anderen an Boden. Auch das Display ist keine Offenbarung, dabei besitzt ausgrechnet das JVC zahllose Multimedia- Funktionen und ermöglicht via LAN-Anschluss sogar die Vernetzung mit dem PC.

HomeVision Wertung: JVC DD-3

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HomeVision Wertung: JVC DD-3

Eine regelrechte Light-Show zieht das Samsung- System mit seinem großen blauen LED-Matrix- Display ab und sichert so dem stolzen Besitzer in Verbindung mit der eigenwilligen, schlüssigen Form - die Anschlüsse verbergen sich unter Abdeckungen - den Neid seiner Besucher. Wer einen HDTV-Fernseher besitzt, der kommt auch mit der Herstellung der Bildwiedergabebereitschaft schnell ans Ziel: Alle drei Probanden besitzen HDMI-Ausgänge zum Anschluss an kompatible Bildausgabegeräte. Indes konnte die Bildqualität des JVC und des Samsung nicht voll überzeugen: Eine ungenaue Farbpassung - Experten sprechen von Chroma-Delay - ließ Kanten verschwimmen. Hier zeigte das Philips-Modell ein vorbildliches Verhalten: Knackige, gestochen scharfe Bilder belegen eindrucksvoll, was auch in der Kompaktklasse möglich ist. Doch während es beim Bild schon eines kundigen Blicks bedarf, um solche kleinen Mängel zu entlarven, fielen die Unterschiede im Klang deutlich aus.

Das DD-3 von JVC überraschte zunächst all jene, die den zierlichen Böxchen nicht viel zugetraut hätten: Es schuf einen relativ großen Raum und punktete mit Stimmen und Instrumenten, die sich eindrucksvoll von den Lautsprechern lösten. Die Musiker schienen frei im Raum zu stehen, wenngleich auch maßstabsgetreu verkleinert. Der Übergang zwischen den spacig wirkenden Satelliten und dem Subwoofer verlief sehr fließend. Der Woofer hielt sich angenehm zurück und bereicherte das Klanggeschehen um ein konturiertes Fundament ohne plumpe Showeffekte. Abstriche gab es im Mitteltonbereich, wo das DD-3 den Tönen einen leicht künstlichen Beigeschmack verlieh. Ganz oben glänzte das System jedoch im wahrsten Sinne mit relativ feinen Obertönen, die Hi-Hats Leben einhauchten. Das eigentlich Manko des JVC-Systemswar allerdings nicht so sehr seine Klangfarbentreue, sondern vielmehr die geringe Maximallautstärke und die früh auftretenden Verzerrungen – ein Effekt, der zwar auch die Stereo-Performance des Philips-Systems einschränkte, jedoch beim JVC, das schon bei einer gemäßigten Abhörlautstärke im Home- Vision-Testraum auf Vollanschlag lief, besonders deutlich zu Tage trat.

HomeVision Wertung: Phillips HTS6510

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HomeVision Wertung: Phillips HTS6510

Auch das Philips-Gerät machte deutlich klar, dass es nicht für ambitionierte Musikliebhaber gedacht ist, sondern für Kino-Fans, die Musik nur leise nebenbei hören. In reinem Stereo klang es zunächst so unbefriedigend künstlich und wenig belastbar, dass es eigentlich das Schlusslicht bildete. Zudem pumpte der Dynamik-Kompressor auch bei deaktiviertem Nacht-Modus vernehmlich. Doch weil das Niveau des Testfelds in dieser Disziplin nicht sehr nahe an den Idealen des HiFi-Gedankens lag, schufen die Tester Abhilfe mit einer an sich verpöhnten Lösung: Sie griffen zu den Raumklang-Effekten, die auch die virtuellen Surround-Kanäle des HTS-6510 mit einbezogen. So ließen sich eine als natürlicher empfundene Klangfarbentreue und ein vollereres, weniger gepresstes Klangbild erreichen. Damit lag das Philips je nach Musikrichtung eine Haaresbreite vor dem JVC-System, bei dem sich die besonders kräftigen Soundeffekte bei Musikwiedergabe nicht empfehlen, denn sie verleihen dem Klangbild etwas den Beigeschmack einer unbedämpften Garage.

Die vergleichsweise erwachsen wirkenden Boxen der Samsung erzeugten zwar auch einen eher artifiziellen Klang, doch verneigten sich die Koreaner in dieser Runde noch am tiefsten vor dem Geist deutscher HiFi-Ideale. Die beiden ovalen Front-Säulen ließen sich von der Puste der integrierten Endstufen immerhin zu Lautstärken antreiben, die in normalen Mietwohnräumen innerhalb der gängigen Hausordung mehr als zufrieden stellen. Vokalisten in der Mitte der Hörbühne fokussierte das Samsung-Set klar, und wer saftige Bässe besonders mag, der kommt ebenfalls auf seine Kosten. Zwar besaß der Bass nicht die Kontur, die das JVC in die Waagschale werfen konnte, und die Obertöne erklangen ebenfalls nicht so perlig, in der Praxis darf man allerdings von einem System dieser Preisklasse auch einen gewissen unverzerrten Maximalpegel erwarten. Man sollte jedoch auch von dem Samsung-Heimkino in Stereo keinerlei Wunder erwarten, aber immerhin erfüllte es die Grundanforderungen in dieser Disziplin ziemlich sauber.

HomeVision Wertung: Samsung HT-XQ100

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HomeVision Wertung: Samsung HT-XQ100

In Surround wurden die Karten neu gemischt - viel stärker als in Vergleichstests konventioneller AV-Receiver. Plötzlich fiel der größte Hemmschuh aller drei Systeme weg: Allesamt konnten ein bisschen lauter spielen und fuhren nicht laufend mehr oder weniger sanft in ihre Begrenzung. Das JVC und das Samsung behielten dabei grundsätzlich ihren Klangcharakter bei, während das Phlips wie ausgetauscht spielte. Und das war auch gut so. Denn plötzlich ging die Rechnung auf, das Philips HTS6510 klang vergleichsweise homogen und satt. Es baute zwar wie das ebenfalls mit virtuellen Surround-Kanälen arbeitende JVC DD-3 nicht gerade einen dreidimensionalen Raum um die Zuhörer auf, ließ aber Filmton und Musikvideos deutlich weniger flach erscheinen als in reiner Zweikanalwiedergabe. Gegenüber dem JVC klangen Dialoge voller und noch eine Spur natürlicher.

Testergebnisse

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Alle Testergebnisse auf einen Blick

Fazit

Am ausgewogensten klingt das Samsung- 5.1-System, doch der DVD-Player und der Tuner sind nur Durchschnitt. Hier liegen neben geringerem Platzbedarf die Stärken des Philips- Sets, während das JVC besonders für Multimedia-Freaks taugt.

Philips HTS6510 Einfach toll oder toll einfach? Philips hat es drauf, Transmitter zu bauen.

Samsung HT-XQ100 Auch in Korea versteht man die hohe Kunst der ergonomischen Gestaltung. Die Kontrollstab ist ebenfalls gelungen.

Die Alternative für Klang-Orientierte

Viel hilft viel: Der Preishammer

HomeVision Wertung

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HomeVision Wertung Pioneer RCS-606H

Für 1.100 Euro bietet Pioneer eine gute Alternative zu den Designer-Systemen im Test.

Pioneer RCS-606H Das Heimkino-Set von Pioneer dürfte zwar vermutlich so schnell keinerlei Designpreis gewinnen und nimmt auch deutlich mehr Platz ein als die vorgenannten DVD-Komplettsysteme. Doch es besitzt dafür zwei Trümpfe: ausgewachsener 5.1-Klang aus natürlich abgestimmten und von potenten Endstufen angetriebenen Lautsprechern sowie einen exzellenten DVD-Recorder mit einer 160-GByte-Festplatte, welcher einzeln schon die Hälfte des Kaufpreises verschlingen würde. Vor allem glänzt das RCS- 606H mit jenen Klangtugenden, die Musikliebhaber in Stereo von einem Set dieser Preisklasse erwarten.

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