Vergleichstest: DVD-Festplattenrecorder

Vergleichstest: DVD-Festplattenrecorder

DVD-Festplattenrecorder waren noch nie so gut und so preiswert wie heute. Was unterscheidet die ausgereiften Geräte der Marktführer dabei noch?

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DVD-Festplattenrecorder

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Vergleichstest: DVD-Festplattenrecorder
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Äpfel oder Birnen?

DVD-Festplattenrecorder waren noch nie so gut und so preiswert wie heute. Was unterscheidet die ausgereiften Geräte der Marktführer dabei noch?

Es ist wie bei einem Besuch des Wochenmarktes. Wenn die Obstverkäuferin fragt: "Darf es noch etwas sein? Vielleicht ein paar Äpfel... oder Birnen?". Man denkt: "Hmmm, da muss ich erst vergleichen. Normalerweise mag ich ja lieber Birnen, aber diese Äpfel sehen heute besonders knackig aus...". Kurz gesagt, liegt der Volksmund bei seinem Verbot, Äpfel und Birnen zum Vergleich zuzulassen, völlig daneben. Jeder von uns trifft häufig Entscheidungen zwischen zwei Optionen, die mehr als nur knapp voneinander entfernt sind. Und bei diesem Testfeld, dessen Preisspanne sich von gut 400 bis 900 Euro bewegt, sind die größten Qualitätsunterschiede nicht einmal vollständig abhängig vom Kaufpreis des Gerätes. Gerade diese Äpfel und Birnen sind also sehr gut miteinander vergleichbar

Alle Hersteller leiden derart unter dem gegenseitigen Preisdruck und wollen dem klaren Marktführer Panasonic die Butter vom Brot nehmen, dass alle wichtigen Qualitätsmerkmale der teuren Top-Modelle auch in das Einstiegssegment übernommen werden. So kommt es, dass die Aufnahmeleistungen bei den hier ausgewählten Modellen der Qualitätsführer sich im eigenen Portfolio kaum merklich unterscheiden. Es sind allein Ausstattungsmerkmale wie Festplattengröße, Tunerausstattung, USB-Funktionen und Multimedialität, die überhaupt noch einen breiten Markt rechtfertigen. Hinzukommt bei teuren Geräten höchstenfalls ein besonders guter Videoprozessor für die Bildausgabe, der über HDMI das letzte Quäntchen an ruhiger Bildschärfe herausholt, ohne gleichzeitig Rauschen und Schatten zu erzeugen. Andere Features wie Super-Multiformataufnahme, auch auf doppelschichtige Rohlinge, Wiedergabe von MP3, JPG und DivX, ordentliche Schnittund Backupfunktionen, RGB-Verarbeitung von externen Quellen und Kommunikation mit dem TV-Gerät zwecks Bedienerleichterung (HDMI-CEC, AV.link) sind firmenübergreifend Pflicht und versprechen hohe Wertigkeit bei leichter Bedienung. Mit LG, Panasonic, Pioneer und Sony stehen vier besonders interessante neue Geräte im Testlabor.

Mit Terrestrik-Trick LG RHT 299 H

LG hat mit den letzten Modellen sehr viel Boden gut gemacht im Qualitätskampf der DVD-Recorder. Die neuen DVFX-Chips von LSI-Logic bringen eine Aufnahmequalität, die sich vor den anerkannten Kapazitäten von Panasonic und Pioneer nicht verstecken muss. Mehr noch: Mit der einzigartigen MPEG4-Aufnahme können durch deren effizientere Kodierung auf LGs sowieso schon großzügiger 400-GByte- Festplatte über 1000 Stunden Film untergebracht werden - leider jedoch nur in bescheidener, immer herunterskalierter Qualität.

LG RHT 299 H

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LG RHT 299 H, 650 Euro, 407 Punkte

Aber es gibt nicht nur Masse statt Klasse bei LG zu bestaunen. Seine Aufnahmen sind sehr rauscharm, Flächen wirken homogen und störungsfrei. Die Eingangsfilterung gelingt exzellent, wodurch ein ruhiges, wenn auch nicht das schärfste Bild erzeugt wird. Farben sind besonders froh, vor allem in Rottönen, wobei die Neutralität von Grau stets bewahrt bleibt. Bei starken Bewegungsanteilen in Filmen kommt die Kodierung jedoch nicht an die des Panasonic heran, bei ruhigen Sequenzen ist sie ihm an Neutralität jedoch überlegen. Das liegt an der automatischen Bildaufbereitung der DVFX-Technik, bei der man manuell nichts abgleichen kann - und auch nicht muss.

Die Wiedergabe zeigt eine interessante Variante von De-Interlacing und Skalierung. Einige Bildzeilen scheinen bei unserem Testmuster über HDMI sogar manchmal vertauscht zu werden, sodass ein extrem unruhiges Wackelbild entsteht, auch bei 576p und 720p. Hier wirkt die Ausgabe über Scart oft angenehmer.

Die Ausstattung des RHT 299 H besitzt als Kernpunkt eine 400-GByte-Festplatte und DVB-T. Dieser zweite Tuner ergänzt das Kabelangebot, besitzt jedoch keinen eigenen Antenneneingang. LG spielte eine Vorreiterrolle bei Recordern mit DVB-T. Als erste Firma hatte man weltweit ein Gerät im Angebot, das sich den Vorwurf gefallen lassen musste, keinen EPG zu besitzen. Diese Zeiten sind vorbei und jetzt setzt LG mit dem neuen Tuner wieder Maßstäbe. Er besitzt nämlich nicht nur einen 8- Tage-EPG, sondern auch einen Videotextdecoder. Dieses kleine Extra ist nicht zu verachten, da andere Recorder die empfangenen Videotextdaten nicht einmal über Scart an den Fernseher weiterleiten können und so die Infoseiten schwarz bleiben. Empfangsstärke, Bildeigenschaften und Umschaltzeiten des RHT 299 H sind voll in Ordnung.

Ein weiterer Vorteil, den kein anderer Teilnehmer dieses Tests für sich verbuchen kann, ist LGs Timeshift-Funktion. Zeitversetzt fernsehen kann man mit jedem Gerät, jedoch nicht so komfortabel wie bei LG. Auf Wunsch lässt er die Festplatte immer unbemerkt mitlaufen, wenn er eingeschaltet ist, sodass sie das empfangene TV-Programm stets aufzeichnet. So kommt es, dass man das laufende TV-Programm einfach und schnell pausieren oder zurückspulen kann. Hat man den Anfang einer Ausstrahlung im Buffer kann von dort aus sogar eine nachträgliche Aufnahme gestartet werden, die dann den gesamten Film auf Festplatte archiviert. Der Timeshift verlangsamt die Umschaltzeiten zwischen Programmen um circa zwei Sekunden.

Multimedial ist LG ebenfalls am Puls der Zeit. Nicht nur MP3-Musik, sondern auch JPG Fotos und DivX-Filme lassen sich von CD- oder DVD-Backups auf die Festplatte kopieren und dort verwalten. Umso erstaunlicher, dass LG beim RHT 299 H auf die lieb gewonnene USB Buchse oder einen Fotokartenleser verzichtet.

Wertung: LG RHT 299 H

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Die Wertung des LG

Nicht zuletzt versteht sich LG auch auf die Befehle von HDMI-CEC. Unter dem Namen "Simplink" kommuniziert der Recorder mit einem LG TV-Gerät und soll sich über dessen Fernbedienung auch komplett automatisiert steuern lassen. Eine tolle Funktion, die wir in Ermangelung eines passenden TV-Gerätes leider nicht testen konnten.

Der Senkrechtstarter Panasonic DMR-EX 77

"Man muss nicht immer das Rad neu erfinden, sondern manchmal nur Preispunkte setzen." Diese Aussage allein ist schon ein gutes Argument für die Existenz des DMR-EX 77. Er ist bis auf das Gehäuse-Finish und eine 160 GByte statt 250 GByte große Festplatte identisch mit dem Panasonic DMR-EX 87 der unverbindlich satte 100 Euro mehr kostet. Damit wird der DMR-EX 77 für 550 Euro zum derzeit preiswertesten DVD-Festplattenrecorder mit DVBT- Empfang in Deutschland.

Panasonic DMR-EX 77

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Panasonic DMR-EX 77. 550 Euro, 410 Punkte

Panasonics Recorder sind seit Jahren durchweg Spitzengeräte und führen die Verkaufsstatistiken an. Das kommt nicht von ungefähr. Die Firma hat klare Konzepte hochwertig umgesetzt. Probleme anderer Recorder, beispielsweise dass nicht alle Rohlinge bespielt wurden, die Lüfter- und Laufwerksgeräusche stören oder dass dort bis zu eine Minute vergeht, um aus dem Standby eine Aufnahme zu starten, wurden früh erkannt und beseitigt. So sind alle Modelle optimiert für den Alltagseinsatz, bieten die leiseste Geräuschkulisse der Branche und starten in sage und schreibe einer Sekunde aus dem Standby zur Aufnahme hoch. Allein bei den Multimediafunktionen konnte sich Panasonic nicht vom Druck der eifrigen Mitbewerber mitreißen lassen. Von Discs werden alle relevanten Medien wiedergegeben, jedoch lassen sich nur JPG-Fotos auf der Festplatte verwalten. Diese werden nicht nur von gebrannten Scheiben, sondern auch über einen SD-Kartenschacht entgegengenommen, der jetzt auch SDHC-fähig (bis 4 GByte) ist.

Aufnahmen lassen sich leicht über den DVB-T-Programmführer programmieren, von der Werbung befreien und auf Rohlinge archivieren. Einen EPG für Analog-TV gibt es nicht. Die Bildschirmmenüs sind grafisch nicht die ansprechendsten, jedoch gut aufgeteilt und damit leicht durchschaubar. Und dass über die Startseite des "Function Menüs" sehr viele Funktionen aufgerufen werden können, die auch schon Direkttasten auf der Fernbedienung besitzen, hat eine besondere Bewandtnis. Panasonic war bei der HDMI-Gerätesteuerung Vorreiter und rüstet jetzt schon seine Recorder mit "Viera-Link" aus. Über dieses Protokoll funktionieren nicht nur Schnellstart, Aus- bzw. Einschalten und Programmwahl mit einem passenden Fernseher, Viera- Link-TVs können sogar die Menü- und Laufwerksfunktionen der Panasonicrecorder fernsteuern.

Die Aufnahmequalität des Panasonic ist exzellent. Vor allem bei komplexem Material, also Quellen mit Rauschen und schnellen Bewegungen kann sich der Anbieter von allen Mitbewerbern absetzen. Dies gelingt durch die Mehrfachwandlung, die das Rohvideo mit unterschiedlichen Parametern digitalisiert und dann das beste Ergebnis nutzt. Die Bildverarbeitung an sich ist jedoch nicht so hochwertig wie bei Pioneer und Sony, wo viele Einstellungen und Filterparameter die Ergebnisse auf hohem Niveau noch weiter optimieren können. Beim DMR-EX 77 gibt es durch Nachschärfen mehr Schatten an Objektkanten, Überschwinger von Farbsprüngen und Unruhen bei Details, obwohl die Maximalauflösung nicht erreicht wird. Diese Fehlerchen in Standbildern werden jedoch in der realen Aufnahmesituation durch Panasonics Artefaktarmut aufgefangen und lassen das Gesamtbild sogar lebhafter wirken.

Wertung: Panasonic DMR-EX 77

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Die Wertung des Panasonic

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