Stress-Proof

Vergleichstest: AV-Receiver

AV-Receiver erscheinen mit unintuitiver Bedienung und Legionen fragwürdiger Features oft wie ein Horror-Trip. Zwei neue Geräte von Onkyo und Sony kommen dagegen so schnell zur Sache wie ein Tarantino-Film.

AV-Receiver

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Vergleichstest: AV-Receiver

Das Tempo, mit dem Bild und Ton im Receiver-Bereich zusammenwachsen, ist atemberaubend. Die Handhabung der daraus resultierenden monströsen Heimkino-Maschinen raubt nicht selten den letzten Verstand, und die Entwickler wissen oft gar nicht mehr, worauf sie die höchsten Prioritäten setzen sollen. Wer heute "in" ist, kann morgen ganz schnell "out" sein.

Sony sieht in dieser Umbruchphase offensichtlich gute Chancen, um sich ein größeres Stück vom Kuchen abzuschneiden, und greift mit dem immerhin 1.700 Euro teuren STR-DA 5300 ES die Platzhirsche an. Das ist eine Menge Geld für die Mehrheit der Konsumenten. Das gilt erst recht, wenn es von einem Hersteller aufgerufen wird, der sich bisher in diesem Bereich - anders als bei trendigen und meist miniaturisierten "Gadgets" wie der Playstation Portable oder Walkman-Handys - nicht gerade als erste Adresse profilieren konnte.

Rückansicht des Onkyo TX-SR 805

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Die Rückansicht des Onkyo TX-SR 805: Vorbildlich

Doch Sony fordert das Establishment, zu dem neben Denon und Yamaha inzwischen auch Duell-Gegner Onkyo zählt, heraus. Und Sony kämpft nicht mit deren Waffen: Während der Onkyo TX-SR 805 für 1.200 Euro eine im Kampfgewicht von deutlich über 20 Kilo gipfelnde Materialschlacht um die Käufergunst anzettelt, stechen an dem leichteren und kompakteren Sony-AV-Receiver äußerlich lediglich seine sechs HDMI-Eingänge heraus. Dieses zukunftssichere Empfangskomitee ist hardwareseitig fraglos das Highlight am STR-DA 5300 ES.

Rückansicht des Sony STR-DA 5300 ES

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Die Rückansicht des Sony STR-DA 5300 ES: Sechs Eingänge und ein Monitor Ausgang für HDMI

Und auch Onkyo setzt auf die Magie des High-Definition-Multimedia- Interface. Der neue TX-SR 805 nimmt mit seinen drei HDMI-Eingängen, die dem Standard 1.3 entsprechen, nicht nur Bild und üblichen PCM-Mehrkanal-Ton entgegen, sondern sogar native HD-Bitstreams, die dann nicht mehr im Blu-ray- oder HD-DVD-Player gewandelt werden müssen, sondern auch im Receiver auf einen HD-tauglichen Decoder treffen.

Fernbediengungen

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Für die Basis-Funktionen liefert Sony neben dem Kontrollstab noch eine handliche Mini-Fernbedienung mit

Die Sache hat nur einen Haken: Player mit HDMI 1.3 oder Software mit Dolby TrueHD DTS-HD machen sich rar. Bevor Onkyo zur IFA sein Quellenangebot, das bisher nur CD- und DVD-Player umfasst, in Richtung HD-Formate erweitert und Hersteller wie Pioneer ihr Player- Programm fit für HDMI 1.3 machen, bleibt die Sony Playstation 3 ab Firmware-Version 1.80 die einzige Programmquelle, welche das Prachtstück von Onkyo artgerecht füttern könnte.

Apropos Playstation: Sony setzt jetzt in der Oberklasse wie bei der beliebten Spielekonsole konsequent auf innovative Software- Features, die konventionelle Receiver ganz schön alt aussehen lassen- allen voran die bisherigen Produkte aus dem eigenen Programm. Noch in der letzten Ausgabe führte die wenig intuitive Bedienung des STR-DG 910 zu einem Minus im Bewertungsprofil.

Jetzt kommt der große Bruder mit animierten 3D-Menüs, neben denen die bisherigen Versuche des eigenen Unternehmens und die Benutzer-Interfaces der meisten Mitbewerber etwa so stümperhaft wirken wie die schwarzweißen "Flash-Gordon"-Verfilmungen neben "Star Wars" - nur ohne jeglichen trashigen Charme. Die ganze Darstellung samt Gliederung der neuen On-Screen-Menüs bedeutet einen Quantensprung und setzt aus dem Stand die Standards. Während man gerade an der manuellen Grundeinstellung oder Feinjustage des Lautsprecher-Setups verzweifeln konnte, verbucht der STR-DA 5300 ES gerade hier ein dickes Plus - und zwar nicht nur wegen der Benutzerführung, sondern auch wegen der unübertroffenen Feinheit der Einstellschritte. Die Entfernung der einzelnen Lautsprecher lässt sich auf den Zentimeter genau eingeben; die Übergangsfrequenz der Frequenzweiche im Bass-Management des Receivers ermöglicht sage und schreibe 17 Schritte zu je 10 Hertz zwischen 40 Hz und 200 Hz.

Da kann auch der TX-SR 805 nicht mithalten, der immerhin trotz schmuckloser On-Screen-Menüs der grundsätzlich intuitiven Bedienphilosophie seiner Marke folgt. Hier findet der Onkyo seinen Meister, auch wenn Sony zu opulenten Optik-Effekten aus der Game-Designer-Trickkiste greift.

Wertung: Onkyo TX-SR 805

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Die Bewertung des Onkyo

Wer die Grundeinstellung seines Systems lieber der Computer-Technik anvertraut, der kommt mit dem Onkyo geringfügig schneller zum Ziel. Er erkennt automatisch das eingesteckte Messmikrofon und wartet nur auf die Bestätigung des Benutzers, um per Knopfdruck sein Programm abzufahren. Am Sony kapiertman ohne Bedienungsanleitung nicht unbedingt, dass das einem miniaturisierten Schiffsradar gleichende Einmessmikrofon eine richtungsbezogene Aufstellung am Hörplatz erfordert, was durch eine kleine Prägung am Mikrofonsockel dokumentiert wird.

Unterm Strich präsentieren sich beide Receiver als zukunftssichere, bestens ausgestattete Steuerzentralen für Bild und Ton, die mit HDMI 1.3 als externe Decoder für die hochauflösenden nativen Tonformate Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio infrage kommen und auch das CEC-Protokoll zur Gerätesteuerung unterstützen.

Wertung: Sony STR-DA 5300 ES

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Die Bewertung des Sony

Im Hörtest ließen beide Receiver eine gewisse AV-Affinität erkennen. In Stereo leistete sich keiner von beiden einen groben Patzer. Gemessen an ihrer lustvollen Surround-Wiedergabe, absolvierten allerdings sowohl der TX-SR 805 als auch der STR-DA 5300 ES den ersten Durchgang mit CD-Kost über die Analog- Eingänge nur als reine Pflichterfüllung. Zwar unterschieden sich die Darbietungen beider Rivalen recht deutlich in der Charakteristik, aber unterm Strich fuhren beide die gleiche Punktzahl ein.

Der Onkyo erzeugte eine recht große, nach oben und zur Seite weit geöffnete Hörbühne und zeichnet feinste Klanggespinste im Hochtonbereich mit äußerster Akribie nach. Dafür bot er wenig Plastizität und ließ Klangkörper reichlich eindimensional und flacher als der recht körperhafte, im Obertonbereich nicht annähernd so offene Sony erscheinen. Zudem erschien sein Timbre ein gutes Stück kühler als der für sich genommen auch schon recht brillanzbetonte STR-DA 5300 ES.

Daten und Messwerte

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Daten & Messwerte

Richtig aufhorchen ließen die beiden Receiver erst mit Mehrkanal-Kost, die sie digital über ihre HDMI-Eingänge annahmen.

Der Onkyo erzeugte einen riesigen und offenen Raum und überzeugte durch frappierende Detailauflösung und Dialogverständlichkeit. Allerdings ließen die Stimmen das letzte Quäntchen Ausdruck vermissen.

Testergebnisse

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Die Wertung der Redaktion

Nicht nur hier punktete der kostspieligere Sony, gerade auch im Bass und Grundtonbereich entfachte der Kraftprotz ein mitreißendes Inferno, das Action-Filmen eine regelrechte emotional ergreifende Komponente verlieh. Wer einmal einen US-V8 über den 5300er gehört hat, der kann garantiert nicht das Erscheinen des neuen Tarantino-Films "Death Proof" auf HD-DVD oder Blu-ray erwarten.

Fazit

Sony setzt mit einem Paukenschlag Maßstäbe in Bedienung und Flexibilität - Onkyo gefällt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ideale Lautsprecher Ergänzungen

Tannoy Arena

Tannoy Arena

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Tannoy Arena

Die kleinen Engländerinnen verließen die Hör-Arena mit guten Kritiken, schätzen für tollen Sound aber kräftige Receiver. Sie passen mit ihrer ausgewogenen Abstimmung ganz besonders gut zum hier getesteten Receiver von Onkyo.

Elac FS 127

Elac FS 127

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Elac FS 127

Mit ordentlicher Auflösung und räumlicher Abbildung überzeugten die erschwinglichen Kieler mit Musik und Filmton. Zudem enthalten sie sich in Sachen Schärfe im Hochtonbereich, was vor allem dem überaus schlank und brillant klingenden Onkyo TX-SR 805 zugutekommt.

Nubert nuBox 381-Set

Nubert nuBox 381-Set

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Nubert nuBox 381-Set

Was Altmeister Nubert immer wieder fürs Geld hinzaubert, das verdient besonderen Respekt. Sein in Ausgabe 12/2006 getestetes 5.1-Kompaktlautsprecher-Set 381 bietet hochwertige Bauteilebestückung und verbindet tonale Ausgewogenheit mit sehr gutem Auflösungsvermögen. Das sehr ehrlich klingende Boxen-Set harmoniert mit dem recht beherzt zupackenden Sony STR-DA 5300 ES ebenso gut wie mit dem luftigen Feingeist von Onkyo. Kurzum: erwachsener Klang, der das AV-System preislich nicht abdriften lässt.

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