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Lohnt sich VDSL? Aktuelle Angebote im Check

Geschwindigkeitsbeschränkungen waren gestern - jetzt rast VDSL durch Deutschlands Städte. Das neue Turbo-DSL schafft Downloads mit bis zu 100 Mbit/s. Wie es funktioniert, wer es anbietet und was es kostet: Wir geben einen aktuellen Überblick über Anbieter, die Technik und die Unterschiede zu DSL.

VDSL

© Hersteller/Archiv

VDSL

Obwohl es bereits VDSL gibt, nutzen die meisten deutschen Haushalte noch DSL für den Internetzugang. Damit nutzen sie höchstens DSL 16.000 - mit einer Download-Geschwindigkeit von bis zu 16 Mbit/s. Die reale Geschwindigkeit ist oft viel geringer. Vor allem auf dem Land ist vielerorts nur DSL 6000 erhältlich - mit höchstens 6 Mbit/s im Downstream.

Doch in vielen Städten und Ballungsräumen tut sich etwas: VDSL ermöglicht derzeit bis zu 50 Mbit/s bei Downloads und bis zu 10 Mbit/s bei Uploads. Und mit der Vectoring-Technik sind bis zu 100 Mbit/s im Downstream und bis zu 40 Mbit/s im Upstream möglich.

So funktioniert VDSL

VDSL funktioniert ähnlich wie herkömmliches DSL. Beide Varianten verwenden Telefonleitungen für die Datenübertragung. Von den Hauptleitungen des Internets führen Glasfaserkabel über viele Zwischenstationen zur Ortsvermittlungsstelle, die an einer eindeutigen Telefon-Vorwahlnummer erkennbar ist. Ab da geht es weiter zu den Multifunktionskästen. Das sind zumeist graue Kästen in Wohngebieten, an Straßen und Kreuzungen. Schließlich folgt die "letzte Meile" vom Multifunktionskasten in den Haushalt.

Glasfaserkabel

© Hersteller/Archiv

Die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen DSL, VDSL und Glasfaser-Internet sind gewaltig.

Zwischen Ortsvermittlungsstelle und Multifunktionskasten unterscheiden sich gewöhnliches DSL und VDSL. Bisher führten Kupferkabel von der Ortsvermittlungsstelle zum Multifunktionskasten, bei VDSL sind es nun Glasfaserkabel. Über Glasfaserkabel lassen sich viel mehr Daten in gleicher Zeit übertragen - so steigt die Geschwindigkeit.

Zwischen Multifunktionskasten und Haushalt liegt die "letzte Meile". Auf diesem kurzen Stück werden die Internet-Daten über Kupferkabel verschickt - sowohl beim herkömmlichen DSL als auch bei VDSL. Dass VDSL vollständig auf Glasfaser-Technik basiert, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Werden die Kupferkabel der "letzten Meile" durch Glasfaserkabel ersetzt, spricht man vom Glasfaser-Internet.

Hardware für VDSL: Router, Modem & Co

Für analoge und ISDN-Telefonanschlüsse gilt: Damit man gleichzeitig telefonieren und das Web nutzen kann, muss das Telefon- vom Internet-Signal getrennt werden. Das erledigt eine spezielle Hardware: der Splitter. Für VDSL wird ein Splitter gebraucht, den die Provider zur Verfügung stellen. Herkömmliche DSL-Splitter lassen sich mit VDSL nicht verwenden.

Am Splitter angeschlossen wird das DSL-Modem. Bei VDSL muss es ein spezielles VDSL-Modem sein, normale DSL-Modems funktionieren nicht. Das VDSL-Modem sorgt für die korrekte Datenübertragung, indem es empfangene und gesendete Signale umwandelt. Meist ist es Bestandteil eines Routers.

Der Router verteilt das Internet-Signal, sodass es mehrere Geräte zugleich nutzen können, etwa Notebook, Tablet und Smartphone. Handelt es sich um einen WLAN-Router, wird das Signal drahtlos verteilt.

Alle VDSL-Anbieter stellen den Kunden spezielle VDSL-Router zur Verfügung: kostenlos, als Leih- oder Kaufgeräte. Bei Congstar kann man zum Beispiel die AVM Fritz!Box 7360 für 19,99 Euro zu kaufen, wenn man sich für einen Vertrag über 24 Monate entscheidet. Vodafone ist der einzige VDSL-Anbieter, der seine Kunden zwingt, bestimmte Modems mit Router zu nutzen: die Easybox 804 beim analogen oder die Easybox 904 xDSL für den ISDN-Anschluss. Alle anderen Anbieter lassen freie Wahl bei VDSL-Modem und Router.

Der Turbo: Vectoring

Der Rennwagen VDSL schafft Download-Raten von bis zu 50 Mbit/s und Uploads mit bis zu 10 Mbit/s. Seine Benzinleitung ist das neu verlegte Glasfaserkabel zwischen Multifunktionskasten und Haushalt. Den Turbo zündet das Vectoring. Mit dieser Technik lässt sich die VDSL-Geschwindigkeit auf bis zu 100 Mbit/s im Downstream und bis zu 40 Mbit/s im Upstream erhöhen.

Vectoring

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Durch Vectoring werden die elektromagnetischen Störungen ausgeglichen, die es zwischen den Kupferleitungen auf dem Weg in die Haushalte gibt. Das ermöglicht Downloads mit bis zu 100 Mbit/s und Uploads mit bis zu 40 Mbit/s.

Vectoring behebt ein Problem der "letzten Meile". Benachbarte Leitungsstränge in einem Kupferkabel stören sich häufig gegenseitig, worunter die Geschwindigkeit leidet. Fachleute nennen diesen Effekt "Übersprechen". Vectoring reduziert Störungen durch Übersprechen. Genauer gesagt: Eine spezielle Codierung des VDSL-Signals sorgt dafür, dass sich benachbarte Übertragungsleitungen im Kupferkabel der "letzten Meile" weniger beeinflussen. Die Vectoring-Technik wird in immer mehr Multifunktionskästen eingebaut.

Für den VDSL-Kunden bietet Vectoring mehrere Vorteile. Er braucht lediglich einen Router, der Vectoring unterstützt: alle Provider mit Vectoring-Tarifen bieten entsprechende Geräte an. Dagegen entfallen bauliche Maßnahmen im Haus oder in der Wohnung. Weder eine neue Telefondose noch ein neuer Splitter sind nötig - der VDSL-Splitter genügt.

VDSL-Anschlusstypen

Mit dem VDSL-Netzausbau der Deutschen Telekom und der Ausstattung von Multifunktionskästen mit Vectoring-Technik geht die Umstellung auf Internet-Telefonie einher. Bei der IP-Telefonie werden Telefongespräche über das Internet übertragen. VDSL und Vectoring bieten so große Bandbreiten, dass sich Internet und IP-Telefonie in bester Qualität gleichzeitig nutzen lassen. Somit steht beim IP-Vollanschluss der Deutschen Telekom das Kupferkabel der "letzten Meile" ausschließlich fürs Internet zur Verfügung, die Frequenztrennung durch den Splitter ist nicht mehr nötig.

Neukunden der Deutschen Telekom, die VDSL bestellen und für die sofort ein VDSL-Anschluss zur Verfügung steht, erhalten immer den IP-Vollanschluss. DSL-Bestandskunden, die auf VDSL umsteigen, bekommen nicht zwangsläufig einen IP-Anschluss. Vorhandene Anschlüsse werden meist im Zuge der Umrüstung von Multifunktionskästen geändert. Ab 2016 will die Deutsche Telekom nur noch IP-Anschlüsse anbieten.

Außer der Deutschen Telekom und Primacall bieten alle anderen VDSL-Provider herkömmliche Telefonanschlüsse an. Bei 1&1, Congstar, M-Net, O2 und Vodafone erhalten Neukunden und Bestandskunden, die auf VDSL wechseln, einen analogen Vollanschluss. Optional stellen die Provider einen ISDN-Vollanschluss bereit, der etwas mehr kostet. Die ISDN-Option lohnt sich nur, wenn bereits viele ISDN-Geräte vorhanden sind und weiter genutzt werden sollen.

Beim IP-basierten Anschluss der Deutschen Telekom funktionieren ISDN-Geräte, wenn sie an einen Adapter angeschlossen werden. Dieser Adapter kostet rund 70 Euro. Vorhandene analoge Telefone und Faxgeräte lassen sich nicht nur an den analogen Vollanschlüssen von 1&1, Congstar, M-Net, O2 und Vodafone weiter nutzen, sondern auch mit den IP-basierten Anschlüssen der Deutschen Telekom und von Primacall.

VDSL-Anbieter im Vergleich

Download: VDSL-Tarife

Stand der Tabelle: 18.3.2015*Deutsche Telekom: bei Online-Bestellung zusätzlich 10% Rabatt auf den monatliche Grundpreis für die ersten 12 Monate der Laufzeit, Einmalgutschrift von 120,00 € bei Abschluss eines Endgeräte-Servicepaketes für den Router Speedport W 724V**M-net: Upstream 5 Mbit/s (Surf&Fon-Flat 50) bzw. 10 Mbit/s (Surf&Fon-Flat 100), 50,00 € Wechsel-Bonus für Neukunden bei Online-Bestellung***o2: 50,00 € "Willkommens-Bonus" bei 24 Monaten Vertragslaufzeit****Vodafone: aktuell einmaliges "Online-Startguthaben" in Höhe von 50,00 € sowie weitere 50,00 € "Wechsel-Bonus" für Neukunden, die von einem anderen Anbieter zu Vodafone wechseln (gilt nicht für Kabel Deutschland)

Lohnt sich VDSL?

Wer gelegentlich im Web surft und ein paar E-Mails abruft, braucht kein VDSL. Dafür genügt ein herkömmlicher DSL-Anschluss. Eine durchschnittliche Webseite mit rund einem MByte Datenvolumen ist selbst mit DSL 6000 nach einer reichlichen halben Sekunde vollständig geladen. Mit VDSL 50 dauert es theoretisch nur 0,02 Sekunden, mit VDSL 100 0,01 Sekunden. Der Unterschied ist gering.

Linktipp: DSL-Speedtest von connect

Schon etwas anders sieht es bei großen Datei-Downloads aus. Für ein GByte Daten braucht man mit DSL 6000 rund zweieinhalb Minuten. Mit Standard-VDSL sind es rund 20 Sekunden, mit Vectoring etwa zehn Sekunden. All das sind aber nur theoretische Werte. Die Höchstgeschwindigkeiten werden in der Praxis kaum erreicht - das gilt für konventionelles DSL wie VDSL gleichermaßen.

Die realen Geschwindigkeiten hängen von vielen Faktoren ab. Entscheidend sind beispielsweise die Entfernung zwischen Multifunktionskasten und Haushalt sowie die Anzahl der angeschlossenen Haushalte an einem Multifunktionskasten.

Wirklich lohnend ist VDSL für Anwendungen, bei denen große Datenmengen zwischen Anwender und Internet hin und her wandern. Beim Video- und Musik-Streaming, bei Online-Games und beim TV-Empfang per Internet macht sich VDSL bemerkbar. IPTV ist die Top-Anwendung für VDSL, und insbesondere HD-Fernsehen übers Internet wird zum Vergnügen. Kein Wunder, dass 1&1, die Deutsche Telekom und Vodafone ihre VDSL-Angebote mit IPTV koppeln.

Das TV-Paket "1&1 Digital TV provided by Telekom" von 1&1 basiert auf dem "Entertain"-Angebot der Deutschen Telekom und gleicht diesem bis auf wenige Punkte, kostet aber nur rund die Hälfte. Geboten werden rund 100 digitale TV-Sender, davon gut ein Viertel in HD-Qualität. Beim Telekom-Angebot "Entertain Premium" für 14,95 Euro pro Monat senden die Hälfte der 100 Stationen in HD. Vodafone bietet über 80 digitale TV-Sender, davon rund ein Drittel in HD.

Fazit

Gut, besser, VDSL Ein VDSL-Anschluss ist für viele Haushalte ideal. Er lässt sich ohne Umbauarbeiten realisieren. VDSL ist etwas preisgünstiger als die meisten Kabelnetz-Anschlüsse und Glasfaser-Internet. Diese Alternativen sind zwar noch schneller, doch die wenigsten Anwender werden die zusätzliche Geschwindigkeit ausnutzen. VDSL lohnt sich für IPTV in HD, Online-Games und große Downloads.

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