Ratgeber

USB "On-The-Go"

Ein neuer Standard gewinnt für Fotografen an Bedeutung. USB-OTG erlaubt die direkte Datenübertragung ohne PC zwischen mobilen Multimedia-Geräten wie Digitalkameras und Speichermedien

Aufmacher Sony MZ-DH10P Hi-MD Walkman

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Aufmacher Sony MZ-DH10P Hi-MD Walkman

Mit der zunehmenden Verbreitung mobiler Geräte wie Digitalkameras, Drucker, Festplatten, Flash-Speicher, MP3-Player, PDAs und (Foto)-Handys ist immer öfter die schnelle direkte Kommunikation zwischen einzelnen Geräten gefragt. Wer will schon immer seinen PC einschalten, nur um ein paar Daten von Gerät A nach Gerät B zu schaufeln, wenn er sie drucken, speichern, synchronisieren, sehen oder hören will? Doch die einfache Direktverbindung mobiler Geräte über ihre normalen USB-Anschlüsse funktioniert nicht, weil das 1995 eingeführte USB-System anders als Firewire (IEEE1394) nicht von Hause aus dafür ausgelegt ist. Einige Hard- und Software-Hersteller wie Motorola, NEC, Nokia, Ericsson, Philips, Hewlett Packard, Intel, Texas Instruments und Microsoft haben sich im Rahmen des "USB Implementers Forum", kurz USB-IF, zusammengeschlossen, um die mobile Direktkommunikation zu forcieren. Sie stellten am 18. Dezember 2001 den USB-"On-The-Go"-Standard vor, kurz USB-OTG genannt, der ein Jahr später verabschiedet wurde. OTG macht den Weg frei für eine direkte Verbindung mobiler Geräte untereinander.

USB-OTG-Logos

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USB-OTG-Geräte gibt es mit der schnellen USB-2.0- (unten) und der langsamen USB-1.1-Schnittstelle (oben).

Daten ohne PC übertragenDer PC war dazu bislang nötig, weil die USB-Schnittstelle der alten Form im Prinzip dumm ist. Sie braucht jemand, der ihr bzw. den angeschlossenen, hilflosen Geräten sagt, was zu tun ist. Das war bislang der PC. Der dient als "Host" und besitzt den nötigen "Controller". Die angeschlossenen Satellitengeräte heißen "Clients". Fotografen kennen mit "Master" und "Slave" Ähnliches bei Blitzgeräten. USB-OTG ist eine Erweiterung des USB-2.0-Standards, der den Einsatz von Controller-Chips und Treibern in mobilen Geräten beschreibt. Damit sind diese in der Lage, sich direkt mit anderen Geräten zu verständigen. Da nur die Geräte, die andere steuern wollen, USB-OTG unterstützen müssen, funktioniert die direkte Kommunikation im Prinzip mit allen USB-Geräten. Dank Treibern für 16 Geräteklassen kann ein Host mit vielen verschiedenen Geräten kommunizieren. Seine Möglichkeiten können dabei je nach Gerät aufgabenspezifisch oder herstellerbezogen beschränkt sein. Spezielle Kabel sind nicht nötig. Welche Form von USB-Stecker zur Anwendung kommt, hängt vom Gerät ab und macht technisch keinen Unterschied.

Bei den kompakten Mobilgeräten kommen meist USB-Mini-Stecker zum Einsatz. Damit würden die vielen verschiedenen gerätespezifischen Kabeltypen und Dockingstationen für die Verbindung von Kameras, Handys und PDAs überflüssig. Mit nur einem USB-Kabel lassen sich alle möglichen USB-OTG verbinden. Kommunizieren zwei USB-OTG-Geräte miteinander, können sie wahlweise die Rolle als Host- oder Peripherie-Gerät übernehmen. Die entsprechenden USB-Steuerchips sind zudem so ausgelegt, dass sie sparsam mit dem knappen Akkustrom mobiler Geräte umgehen. Statt 500mA fließen über USB-OTG maximal 8 mA. Zur Kennzeichnung hat das USB-IF ein Logo entwickelt, mit dem sich alle aktiven USB-OTG-Geräte schmücken dürfen. Nach USB-Direktdruckern kommen jetzt mobile Festspeicher mit USB-OTG auf den Markt. Da sie keine Kartenlese-Einschübe benötigen, können sie klein gehalten werden, wie z. B. der neue Hama Mobil Data Safe OTG, eine handliche 20-GB-Festplatte im Zigarettenschachtelformat.

Hama

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Ob Walkman (Sony) oder mobile Festplatte (Hama) immer mehr Geräte unterstützen USB-OTG.

Nicht alles funktioniert Noch gibt es das ein oder andere Kommunikationsproblem. So reagieren in der Praxis längst nicht alle älteren USB-Geräte, wie es theoretisch der Fall sein sollte. Und bei neueren Kameras ist das leider nicht anders. Bei ersten Tests ließ sich eine USB-OTG-Festplatte einwandfrei mit einer Konica-Minolta Dynax 7D, Pentax *istDs und Leica Digilux 2/Panasonic Lumix LC1 verbinden: Die Dateien der Speicherkarte wanderten schnell auf die mobile Festplatte. Dagegen führte der gleiche Versuch bei einer älteren Canon Powershot S40, aber auch einer aktuellen EOS 20D zu Problemen. Im Fall der Powershot S40, einem Gerät aus der Frühzeit der OTG-Entwicklung, könnte es daran liegen, dass sie, egal welches OTG-Gerät angeschlossen wird, immer nur "Drucker" versteht und daher ihr Dateiverzeichnis einer Festplatte nicht offenbart. Auch beim Versuch, Dateien von einer älteren mobilen Bilderfestplatte auf die neue OTG-Platte zu überspielen, gab es noch Kommunikationsprobleme. Das Gerät wurde erkannt, aber der Download startete nicht. Inoffizieller Kommentar eines Canon-Offiziellen zum Versteckspiel einer EOS 20D: "Das machen wir bei unseren Kameras mit Absicht, denn im professionellen Bereich erlauben viele Firmen aus Sicherheitsgründen keinen Anschluss externer Wechselspeichermedien. Wenn deswegen externe USB-OTG-Geräte nicht funktionieren, ist das nicht unser Problem." Ob diese Haltung des Marktführers mit der Beschränkung der externen USB-Kommunikation auf Drucker dauerhaft Bestand haben wird, darf bezweifelt werden. Wenn sich USB-OTG als universeller, plattform-, geräte- und herstellerübergreifender Standard durchsetzt - und dafür sprechen seine Vorteile - würden Canon-Fotografen im Abseits stehen. Denkbar ist beispielsweise eine USB-OTG-Verbindung zum UMTS-Handy, um Bilder schnell in die Redaktion zu senden. Eigentlich könnte es kein Problem sein, dem Verbindungsmenü einer EOS 20D über ein Firmware-Update etwa neben den Punkten "Normal" für den PC-Anschluss und PTP für den Druckeranschluss einen weiteren für USB-OTG hinzuzufügen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Hersteller angesichts der Vorteile von USB-OTG  bald auf ein einheitliches Vorgehen einigen können.

Einen Kurzcheck der USB-OTG-Tauglichkeit seiner Kamera kann jeder selbst durchführen. Erscheint beim Anstöpseln der Kamera über USB das Symbol für das Wechselspeichermedium auf der Schreibtischoberfläche des PCs, wird die Kamera höchstwahrscheinlich problemlos von mobilen USB-OTG-Geräten ansprechbar sein und den Download der Bilddateien erlauben. Kameras, die dazu spezielle Treiber oder Software benötigen, verweigern sich dagegen der Direktverbindung.

USB wird mit Sicherheit zukünftig Fotografen stärker beschäftigen, da es in seiner Funktionalität über die Drucklösungen wie Imagelink oder DirectPrint weit hinaus reicht. So werden etwa Ende 2005 erste Geräte für den neuen kabellosen USB-Standard erwartet.

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