Digitale Filmkopien

So funktioniert das Digital-Copy-System Ultraviolet

Das Digital-Copy-System Ultraviolet für Filme auf DVD, Blu-ray und aus dem Internet startet in diesen Tagen in Deutschland. Video zeigt Ihnen, was genau dahintersteckt.

Digital-Copy-System Ultraviolet

© Hersteller/Archiv

Digital-Copy-System Ultraviolet

Warum heißt ein Hollywood-Service für digitale Film-Kopien "Ultraviolet"? Vielleicht, weil ultraviolette Lichtstrahlen ebenso unsichtbar sind wie der virtuelle Besitz eines Blockbusters?

In diesen Tagen richten sich die Blicke deutscher Filmfans erstmals auf das Ultraviolet-System, das nun eingeführt wird. Das Ziel: Gekaufte Filme sollen unabhängig von dem Ort, Gerät, Betriebssystem, einer Disc oder Internet-Verbindung stets verfügbar sein. Möglich wird das durch ein zentrales Benutzerkonto, das Filme virtuell verwahrt.

Schrittweise Einführung

In den USA feiert Ultraviolet in diesem Herbst bereits seinen zweiten Geburtstag, in Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland wurde es 2012 eingeführt. Derzeit läuft die Ultraviolet-Einführung in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz. Hinter dem System steht eine Industrievereinigung namens "Digital Entertainment Content Ecosystem" (kurz: DECE) mit über 70 Mitgliedsfirmen aus der Film- und Elektronikbranche. Laut DECE zählte der Service im Sommer 2013 rund 12 Millionen Nutzer. Über 9.000 Spielfilme sind mit "Ultraviolet Digital Copy" verfügbar, die meisten als DVDs oder Blu-ray Discs mit Digital-Copy-Code.

Zu den Unterstützern von Ultraviolet zählen die meisten großen Hollywood-Studios wie 20th Century Fox, Paramount, Sony Pictures, Universal und Warner sowie einige kleinere Anbieter. An Hardware-Herstellern finden sich Namen wie Samsung, Sony und Toshiba auf der Liste der DECE-Mitglieder. Nicht dabei sind das Hollywood-Studio Disney und der iPhone-und iTunes-Macher Apple.

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So funktioniert Ultraviolet

Die Basis von Ultraviolet ist ein universell gültiges Benutzerkonto, in dem jeder Nutzer seine digitalen Filmkopien verwalten kann. Ein solches Konto lässt sich kostenlos über die Website www.uvvu.com einrichten, sofern Ultraviolet im jeweiligen Land aktiv ist; seit Anfang Oktober klappt das auch in Deutschland. Das Ultraviolet-Konto verwaltet Filme, Abspielgeräte und weitere Benutzer. Jedes Konto kann vom Eigentümer selbst und von bis zu fünf weiteren Personen genutzt werden. Maximal zwölf Geräte spielen die Filme aus dem Konto ab, drei parallele Streams sollen erlaubt sein. Ultraviolet-fähige Geräte können PCs, Smartphone- und Tablet-Apps, Konsolen oder TVs sein. 

Der digitale Filmtresor

Der zentrale Ort im Ultraviolet-Konto ist der "Digital Locker" - das digitale Schließfach. Hier werden die Filmkopien jedes angemeldeten Nutzers gesichert. Dabei speichert Ultraviolet das Recht, den Film abzuspielen - nicht das Video selbst. In den Tresor gelangen Filme meist, indem man eine Disc mit "UV Digital Copy" kauft.

Solche DVDs und Blu-ray Discs gibt es in den USA und Großbritannien bereits, hierzulande sollen sie ab Ende November auf den Markt kommen. Es liegt ein Gutscheincode bei, den man online einlöst. Kopien lassen sich auf der zentralen Ultraviolet-Seite oder auf Websites von Filmanbietern wie www.flixster.com von Warner oder ultraviolet.sonypictures.com von Sony freischalten.

Filme, die über eines dieser Angebote als digitale Kopie aktiviert wurden, liegen dauerhaft im eigenen Ultraviolet-Schließfach. Um sie anzuschauen, kommen wieder die angeschlossenen Online-Videodienste ins Spiel: Bei Warner-Filmen etwa werden Kunden üblicherweise auf das von Warner betriebene Portal Flixster am Computer, die Flixster-Apps auf dem iPhone, iPad und Android-Geräten sowie auf Google-TVs verwiesen. Es gibt auch Streaming-Dienste anderer Studios, die UV-Filme zum Streaming oder Download bereitstellen. Theoretisch kann jeder angeschlossene Videodienst jeden über Ultraviolet freigeschalteten Film bereitstellen. Er muss es aber nicht.

Kaufen in der Online-Videothek

Neben den Studios sind auch Video-Händler bei Ultraviolet aktiv. In den USA bieten große Ketten wie Best Buy (cinemanow.com) oder Walmart (vudu.com) Online-Videotheken, die auch Ultraviolet-Kopien verwalten und abspielen. Diese Videotheken greifen auf das Ultraviolet-Konto zu, verarbeiten Copy-Codes und spielen Videos häufig auch dann ab, wenn man sie anderswo aktiviert hat. Und sie bieten noch einen weiteren Service: Disc to Digital. Wer einen Film bereits vor der Zeit von Ultraviolet gekauft hat, der kann bei VUDU und CinemaNow nachträglich für kleines Geld eine digitale Kopie kaufen: DVD- und Blu-ray-Besitzer bekommen für je zwei US-Dollar eine virtuelle digitale SD- oder HD-Kopie. Fünf US-Dollar kostet in diesem System ein Upgrade von der normal aufgelösten DVD auf die HD-Nutzungsrechte. Voraussetzung: Der Film muss generell als Digitalkopie vorliegen.

Praxis: Apps fürs Video-Streaming

Die Aufteilung in SD- und HD-Kopien ist Teil des Systems: Es gibt die Bildauflösungen 854 x 640 und 1.920 x 1.080 Pixel. Ein echter Blu-ray-Ersatz ist aber auch die HD-Kopie nicht. Mehrere Sprachen oder Bonusmaterial gehören nicht zur Ausstattung - abgesehen von Spezialangeboten wie bei Kaleidescape.

Ein gemeinsames Format

Bislang lassen sich Ultraviolet-Filme in der Regel nur über bestimmte Geräte, Websites oder Apps - zum Beispiel die Flixster-App oder Smart TVs mit VUDU-Zugang - streamen und herunterladen. Ob Filme nur als Online-Stream oder auch zum Download verfügbar sind, entscheidet das Filmstudio oder der jeweilige Händler. 

Die Idee von Ultraviolet geht aber weiter: Auch eine freie Nutzung von Filmen auf allen möglichen Geräten ist vorgesehen. Dafür wurde das Common File Format (CFF) entwickelt, mit dem Ultraviolet-Kopien kopiergeschützt heruntergeladen und auf allen möglichen Geräten abspielbar sein sollen. Die Titel sollen sich auf Geräten abspielen lassen, die den Kopierschutz unterstützen und im jeweiligen Ultraviolet-Account registriert sind. CFF sollte ursprünglich 2012 eingführt werden, wurde dann aber auf Mitte 2013 verschoben. Inzwischen sagt die DECE, dass es in den USA im Frühjahr 2014 kommen soll - und in Europa ein Jahr später.

Verhaltene Unterstützung

Zu einem derart umfassenden System gehören nicht nur Filmstudios. Geräte müssen das Format und dessen Kopierschutz verstehen, Online-Videotheken sollen Filme dafür verkaufen.

Auf die Frage nach der Ultraviolet-Unterstützung in Smart TVs erhielt video allerdings eher verhaltene Antworten: Die Smart TV Alliance etwa, zu der Philips, LG, Toshiba und Vestel zählen, plant derzeit keine Ultraviolet-Integration in ihren Geräten. TV-Marktführer Samsung konnte bis zum Redaktionsschluss nicht sagen, ob eine Unterstützung von Ultraviolet in seinen Geräten in naher Zukunft geplant ist. Gründe für das Zögern sind nur hinter vorgehaltener Hand zu hören: Während Online-Videotheken wie maxdome die TV-Hersteller an den Verleihumsätzen auf Smart TVs beteiligen, bietet Ultraviolet bislang kein Geschäftsmodell, von dem auch TV-Hersteller oder Smart-TV-Portalbetreiber etwas haben.

Kaufberatung: Sechs Smart-TV-Portale im Test

Auch Online-Videotheken äußern sich auf Nachfrage zurückhaltend. Die nach eigenen Angaben größte Online-Videothek in Deutschland, maxdome, zeigt Interesse an dem System, sieht sich laut Pressesprecherin Jasmin Mittenzwei aber "nicht als treibende Kraft bei der Einführung in Deutschland". Sie fordert: "Für eine Kooperation muss Ultraviolet für uns und vor allem für die Kunden klare Vorteile bieten". Euphorie klingt anders.

Generell gibt es in Deutschland aber auch nur wenige Online-Portale, die im großen Stil Videos online verkaufen. Videoload, maxdome, Sony Video Unlimited und Videociety bieten zwar teils auch Kaufvideos an, verdienen ihr Geld aber vor allem mit dem Filmverleih. Der ist bei Ultraviolet derzeit kein Thema.

Der erfolgreichste Verkäufer von Online-Videos ist Apple mit dem iTunes Store. Apple ist nicht bei Ultraviolet dabei - und stellt eher einen Gegenentwurf dar: Man kauft Filme bei iTunes und kann sie dann auf allen kompatiblen Playern anschauen. Nicht ganz zufällig sind das nur Apple-Geräte. So lange iTunes erfolgreich Videos verkauft, dürfte der Hersteller sich von Ultraviolet fernhalten. Ebenfalls nicht dabei ist Disney - als einziges großes Hollywood-Studio. Disney ist seit der Pixar-Übernahme von Apple per Aktientausch eng mit dem iPhone-Konzern verbunden - zu Lebzeiten war Steve Jobs der größte Einzelaktionär der Disney Company. Allerdings dürfte das Zögern des Studios nicht in Stein gemeißelt sein.

Lob und Tadel im Ausland

Dennoch: iTunes, maxdome und andere Online-Videotheken sind eher Einzelkämpfer, die auf eigenes Risiko Filmrechte erwerben und nach Kräften versuchen, diese zu verkaufen oder zu verleihen. Mögliche Argumente sind günstige Preise, einfache Bedienung, ein komplettes Filmangebot, viele Abspielgeräte - oder die beste Mischung aus allen Faktoren. Ultraviolet soll dagegen eine Plattform für alle Anbieter sein - egal ob Studios, Händler oder Gerätehersteller. Die Frage ist nur: Wer hat etwas davon? Wer ist bereit, in das System zu investieren? Und wer sorgt dafür, dass der Kunde auch Spaß daran hat?

Heimkino: Blu-ray-Player und Video-Streaming

Berichte über Ultraviolet aus den USA und Großbritannien zeichnen ein wechselhaftes Bild. Manche Kommentatoren loben das offene System, schränken aber ein, dass eben nicht jeder Ultraviolet-Film auf jeder App läuft. Andere stoßen sich an komplizierten Code-Einlöseprozeduren wie etwa bei Serien von der BBC. Andere Nutzer beklagen eine unzureichende Bildqualität vieler Ultraviolet-Kopien. Meist werden Ultraviolet-Kopien als recht umständlich nutzbare Dreingabe zu DVDs und Blu-ray Discs wahrgenommen.

Dabei gibt es bereits Digital-Copy-Systeme für DVDs und Blu-ray Discs. Am häufigsten kommt dafür hierzulande die iTunes-Videothek zum Einsatz, bei der man einen Gutscheincode für den Film eingibt und diesen dann in seiner iTunes-Bibliothek laden kann. In den USA werden laut Ultraviolet-Manager Yves Caillaud derzeit viele Filme noch mit UV- und iTunes-Copy angeboten.

Fazit

Noch wirkt Ultraviolet recht unfertig. Dabei wird es höchste Zeit, dass sich ein universelles, leicht bedienbares und vielseitig abspielbares System für Filme etabliert. Es fragt sich nur, ob das angesichts der verschiedenen Interessen von Studios, Händlern, Herstellern und Kunden klappen kann. Nicht umsonst ist iTunes, die hierzulande einzige erfolgreiche Kauf-Videothek, in der Hand eines Anbieters und läuft - außer auf dem PC - nur auf dessen Geräten.

Dem stellt sich Ultraviolet entgegen, also ist iTunes die Referenz. Ultraviolet hatte im Sommer nach eigenen Angaben zwölf Millionen Nutzer weltweit. So viele Neukunden gewinnt iTunes nach Expertenschätzungen alle vier Wochen, 600 Millionen Menschen haben einen iTunes-Account. Da ist noch viel zu tun.

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