Fotos von Jens Edinger

U-Bahnhöfe in München in Bildern

Wenn Jens Edinger fotografiert, dann steht hinter der Bildidee immer ein Konzept. Lassen Sie sich von Ideenfindung, Location-Suche, Aufnahmetechnik und Nachbearbeitung inspirieren.

U-bahnhof in München - Jens Edinger

© Jens Edinger

U-bahnhof in München - Jens Edinger

Jens Edinger überarbeitet oft Bildideen bereits geschossener analoger Fotografien. Er vergleicht sein Vorgehen gerne mit einem guten Whiskey, der erst gelagert seine Fülle erhält. Auch wenn er seine Umwelt stets mit Foto-Blick inspiziert, findet ihn das Motiv und nicht umgekehrt. Er erläutert: "Ich sehe was und im Kopf entsteht die Vorschau auf eine mögliche Serie. Einzelbilder schieße ich selten."

Shooting-Vorbereitung

Vor einer Fototour wird der Tascheninhalt gecheckt, Akkus geladen und Speicherkarten gezählt - nichts darf fehlen. Oft hat Jens Edinger zudem massenhaft Zettel dabei - Ausdrucke von Bahnverbindungen, Landkarten und vieles mehr. Das Handy könnte den Geist aufgeben.

Ausrüstung

Seine "gute alte Lady", die Sony R1, mit mittlerweile 150.000 Auslösungen, hat er immer dabei. Diese kann er mit einer Hand komplett bedienen, und mit ihr fotografiert er ohne Stativ bis zu 1/20 Sekunde nahezu verwackelungsfrei. Rein technisch gesehen deckt diese mit ihrer Brennweite von 24-120 mm 99 Prozent seines Brennweitenbereichs ab.

Jens Edinger hat viele Kameras ausprobiert, aber nur diese ist dauerhaft geblieben. Für manche Serien verwendet er jedoch Festbrennweiten an Systemkameras, so bleiben Ausschnitt und Bildwirkung gleich. Zudem ist die Abbildungsqualität der Festbrennweiten um einiges besser. Aber die Marke einer Kamera ist für ihn nebensächlich, es zählt, dass der Fotograf die Technik beherrscht und die Kamera als Verlängerung der Hand zum Auge sieht. Gute Bilder lassen sich genauso mit Handy oder Lochkamera schießen.

Location-Recherche

Lichtsituation und Location bilden die Basis für Jens Bilder. Er recherchiert viel im Vorfeld etwa mittels Google Earth und Streetview und analysiert schon zu Hause Umgebung und Lichtsituation.

Galerie: Portfolio - Jens Edinger

Bildergalerie

Jens Edinger Fotographie
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Die richtige Position auf dem Bahnsteig gibt den Ausschlag - die Mittelstange muss zwingend mittig von den Lampen liegen. Die Person fängt die…

Shooting

Vor Ort schießt er dann Testbilder und Belichtungsreihen. Manchmal passt alles sofort, entwickelt der Fotograf doch mit zunehmender Erfahrung ein Gefühl fürs Licht. Auch in Streetaufnahmen versucht er häufig die gleichen Hintergründe oder Objekte einzubinden. Ein Beispiel: Er fotografiert seit Jahren mit gekreuzten Beinen auf der Straße stehende Menschen. Dabei zählt das Konzept, Ort und Licht sind zweitrangig.

Aufnahmetechnik

Jens Edinger fotografiert hauptsächlich one Shot und erstellt keine Belichtungsreihen für HDR-Bilder. Bei schlechten Lichtverhältnissen wählt er das RAW-Format. In der Regel reicht ihm aber die sehr gute JPEG-Verarbeitung seiner Kamera. Er fotografiert immer im manuellen Modus und nutzt nur selten ND-POL- oder IR-Filter.

Bildkomposition

Die Bildgestaltung ergibt sich aus dem Konzept - bei einer Serie muss das Hauptmotiv immer an der gleichen Stelle stehen, der Horizont oder markante Linien sich gleichen. Serien können auch auf Farben basieren. Gerne verwendet er das quadratische Bildformat. Panoramabilder setzt er aus zwei oder drei Quadraten zusammen.

Nachbearbeitung

Durch eine exakte Kameraausrichtung, und die Gestaltung des Bildes im Sucher minimiert er die Nachbearbeitung. Am Rechner beschneidet er das Bild nur zum Quadrat, und mit Photoshop begradigt er stürzende Linien. Für die SW-Umwandlung nutzt er immer das gleiche selbst erstellte Profil. Auch für die Farb- und Helligkeitsanpassung gibt es einen Arbeitsablauf. Hier und da stempelt er Sensorflecken raus. In der Regel nimmt alles nur ein paar Minuten in Anspruch.

Jens Edinger

© Jens Edinger

Jens Edinger,

Ausrüstung

  • Kameras: Leica Digilux 2, Leica D-Lux 4, Sony R1, Fuji X-E1, Handy, 25 selbstgebaute analoge Lochkameras 
  • Objektive: Zeiss Vario-Sonnar T 24-120 mm, Zeiss Distagon T 2,8/12 mm, Zeiss Planar T 1,8/32 mm Fujinon XF 2,0/18 mm, Fujinon XF 1,4/35 mm
  • Zubehör: Stativ Manfrotto, Fernauslöser, Regenschutz, Pol-, ND-, IR-Filter

Jens Edinger im Interview

Wie gehst Du ein Thema an?

Ich gehe Fotos immer konzeptionell an und habe eine feste Vorstellung davon, was ich ablichten möchte. Vor dem Shooting lege ich Brennweite, Bildformat, die Lage des Objekts und vor allem das Licht fest. Dann steht und fällt alles mit dem richtigen Zeitpunkt.

Was sind Deine Lieblingsmotive und warum?

Ein Zitat von Karl Valentin beschreibt meine Idee hierzu sehr gut: "Es wurde alles schon einmal fotografiert ... nur noch nicht von jedem." Ich kann jedem Motiv etwas abgewinnen.

Wie bist Du zu dem Motiv U-Bahnhöfe gekommen?

2003 las ich das Buch "Auf ganzer Linie" von Keith Lowe. Darin soll ein Mann in 24 Stunden das gesamte U-Bahnnetz von London abfahren und als Beweis Fotos der Stationsschilder schießen. 2007 versuchte ich mit meinem ältesten Sohn, einem absoluten U-Bahn-Fan, den Vorgang auf München zu übertragen. Dabei entstanden erste Stationsbilder.

Daheim enttäuschten mich die falsch belichteten und verwackelten Aufnahmen. Ich recherchierte und fand heraus, dass es nur wenig wirklich gute Untergrund-Fotografen gibt - dass entfachte meinen Ehrgeiz.

"Ich sehe was, und im Kopf entsteht die Vorschau auf eine mögliche Serie. Einzelbilder schieße ich selten."

Was fasziniert Dich darüber hinaus an diesem Motiv ?

Im U-Bahnhof wartet man sitzend, lesend oder mit dem Handy spielend auf den Zug, ohne seine Umgebung wahrzunehmen. Betrachtet man den U-Bahnhof aber als eigenständiges Motiv, nimmt man plötzlich seine Architektur wahr. 2009 sah ich einen Beitrag über Architekturfotografie, indem ein Fotograf erklärte, dass eine reine Architekturaufnahme nur die Kunst des Architekten zeigt, nicht die des Fotografen.

Kunstvolle Architekturfotografie funktioniert nur, wenn der Betrachter die Architektur aus einem anderen, ungewohnten Blickwinkel wahrnimmt, sich ihrer Dimensionen gewahr wird und er eine Verbindung zum Benutzer der Architektur herstellt.

Auf die Froschperspektive kam ich, da ich einmal bei einer unterirdischen Fototour mit meinem Minitischstativ fotografieren musste, weil mein normales unbemerkt Schaden genommen hatte. Diese Perspektive kombiniert mit einer 24-mm-Brennweite ist sensationell. Somit stand das Konzept: mindestens ein Mensch, eine außergewöhnliche Perspektive und wenn möglich beides in Kombination.

Welche Teile Deiner Ausrüstung sind für Deine U-Bahn- Bilder unentbehrlich und warum?

Wichtig ist ein wirklich gutes Objektiv, welches kaum Verzeichnungen und eine gute Randschärfe hat. Das Zeiss-Objektiv der R1 leistet hierfür sehr gute Dienste. Auch ist ideal, dass ich mit der R1 unbemerkt über das Display oben fotografieren kann. Ein Stativ mit Fernauslöser ist wichtig, um mit Unschärfen spielen zu können. Auch ein Paar Neopren-Angelhandschuhe, bei denen Daumen und Zeigefinger frei sind, gehören zu meiner Ausrüstung, wird es doch sonst bei Frost empfindlich kalt.

Mehr Portfolios

Menschen hinter der Kamera

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Hast Du fotografische Vorbilder, und wenn ja welche?

Direkte Vorbilder habe ich nicht. Mir gefällt die Düsseldorfer Schule um Bernd und Hilla Becher. Gursky, Ruff und Robert Voit sind Vertreter konzeptioneller Fotografie, die mir sehr zusagen. Aber auch die New-York-Straßenfotos von Vivian Maier finde ich fantastisch.

Hiroshi Sugimoto hat mich mit seinen Langzeitbelichtungen in seinen Bann gezogen. Aber genauso finde ich die Fotografen der 20er-Jahre um Moholy-Nagy und das Bauhaus klasse. Selbst Filmemacher wie Stanley Kubrick oder David Lynch beeinflussen mich.

Holst Du Dir Anregungen in der fc? Und welchen Einfluss hat die fc auf Deine Fotografie?

Ja, ich beobachte sehr viele Profile und schaue mir gerne fotografische Werdegänge an. So habe ich Aufnahmetechniken kennengelernt, die mir völlig fremd waren. Doch ist es mir wichtig, die Leute auch im echten Leben am Fotoobjekt zu treffen. So hatte ich viele schöne Shootings mit anderen fc-Fotografen, und es sind intensive Freundschaften daraus gewachsen.

Die fc hat die Weise, wie ich Motive betrachte, sowie meine Bildgestaltung und Kameratechnik stark beeinflusst. Nun versuche ich meine eigene emotionale Sicht immer weiter zurückzuschrauben und Bilder zu kreieren, die viele neutrale Betrachter bewegen.

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