Ratgeber: "TV-Kalibration"

Optimale Einstellungen

Einstellung mit Testbildern

Einstellung mit Testbildern

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Einige Testbilder wie die Setup- Hilfe Firstcheck kann man kostenlos herunterladen. Beim Brennen auf DVD oder Blu-ray ändern die Schnittprogramme aber oft die wichtigen Referenzpegel.

Die richtigen Testbilder sind als Quelle einer punktgenauen Einstellung unabdingbar. Wie beliebt solche Scheiben sind, sehen wir beispielsweise an unserer Video-HomeVision, Ausgabe 10/10: Dieser hatten wir eine Kalibrations-Disk beigelegt, die in Zusammenarbeit mit Toshiba produziert wurde. Diese Ausgabe verkaufte sich besonders gut und war auch zum Nachbestellen nach kurzer Zeit total ausverkauft.

Der Platzhirsch im deutschen Markt für Testbilder ist Burosch. Die Firma bietet Testquellen für viele Medienarten an, doch für die Kalibration moderner HDTV-Fernseher sollte man eine Blu-ray Disc verwenden, die bei Burosch schon ab 20 Euro zu haben ist. Leider kostet die Profivariante der Blu-ray, der eine Filterfolie für den Farbabgleich beiliegt, stolze 99 Euro.

Mit herunterladbaren preiswerten JPG-Einzelbildern für den USB-Stick lässt sich die Wiedergabe von Fotos allein für den USB-Eingang justieren. Blu-ray-Filme, die über HDMI ankommen, durchlaufen im TV-Gerät jedoch andere Schaltkreise, weshalb sich die Ergebnisse nicht übernehmen lassen.

Bildoptimierung für jedermann

Datacolor Spyder4TV HD

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Datacolor Spyder4TV HD; € 118; + drei Referenz-Disks, exakt erklärter Kalibrationsvorgang; - keine Einstellung von RGBGain/-Offset oder Farbraum; Gesamtwertung: gut 70 %; Preis/Leistung: überragend

Datacolor ist einer der führenden Hersteller für professionelle und semiprofessionelle Produkte zur Farbkalibration. Neben dem Industrie- und PCBereich hat sich die Firma bereits vor Jahren auch dem Farbabgleich von TV-Geräten gewidmet.

Erst vermarktete sie die beliebte Profi-Software ColorFacts, dann kam mit SpyderTV ein System auf den Markt, das speziell an Einsteiger gerichtet war. Dieses ist in der aktuellen Variante HD-fähig und mit neuestem Sensor verfügbar. Für 99 Euro exklusive Mehrwertsteuer bekommt man neben der Steuer-Software einen Spyder4-Sensor und gleich drei Scheiben mit den passenden Testbildern: eine PAL-DVD, eine NTSC-DVD und eine Blu-ray Disc.

SpyderTV mit viel Zubehör

Spyder 4 - Sensor

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Der neueste Spyder4- Sensor befindet sich im Lieferumfang. Er kann viel mehr als die Software benötigt.

Damit man stets die aktuelle Software installiert, wird direkt nach Einlegen der Installations-Disk in einen Laptop die neueste Version heruntergeladen. Schon beim Setup wird dazu aufgefordert, den mitgelieferten Sensor mit den beigelegten Spannbändern am TV zu befestigen (bis 70 Zoll möglich) und über USB anzuschließen.

Es sieht fast so aus wie eine Spinne, die im Zentrum des TV-Bildes wartet. Nach dem Einlegen der Test-Disk in den Player kann es mit dem Bildabgleich losgehen. Ob man am TV einen Einstellregler drehen soll oder welches Bild der Blu-ray aufzurufen ist, jeder Schritt wird genau von Spyder aufgezeigt.

Dabei sind es gerade die Einstellungsvorgänge, die professionelle Kalibrationssysteme dem Auge des geschulten Betrachters überlassen (Helligkeit, Kontrast, Farbe und Farbton), derer sich Spyder4TV annimmt. So bestimmt die Software exakt, bei welchen TV-Einstellungen etwa die Schwarz- und Weißpunkte am besten getroffen werden.

Mit dieser Art der Kalibration gelingt die perfekte Einstellung der Basisparameter, ohne dass der Nutzer einmal nachdenken, auswerten oder abschätzen muss. Er muss nur die Anweisungen der Software genau befolgen. Der gesamte Vorgang dauert eine gute Viertelstunde, und am Ende steht ein zusammenfassender Bericht.

Der Nachteil dieser Einsteigerlösung ist, dass komplexe Bildparameter wie Farbraum, Farbbalance und Gammakurve nicht angerührt werden. Diese Einstellungen besitzen nur die Top- Fernseher, doch gerade hier liegt umgangssprachlich der Unterschied zwischen "Einstellung" und "Kalibration". Spyder4TV HD sucht nur die beste Voreinstellung der Farbtemperaturen heraus.

Trotzdem kann man das preiswerte System als Geheimtipp bezeichnen, denn wenn - wie bei Spyder2 und Spyder3 geschehen - Treiber für die kostenlose Kalibrations-Software HCFR entwickelt werden, ist mit dem guten Sensor eine vollständige Kalibration möglich, jedoch wiederum nur für Fortgeschrittene.

Kalibration für Profis 

Spectracal CALMAN

© Josef Bleier, Stefan Rudnick

Spectracal CALMAN; € 2300; + sehr professionelles Werkzeug, viele Messmöglichkeiten, Automatisierung von Quellen und Abgleich; - komplexe Bedienung; Gesamtwertung: überragend 92 %; Preis/Leistung: gut

Je mehr Einstellungen gute TV-Geräte preisgeben, umso komplexer wird deren Kalibration und umso umfangreichere Tools braucht man, um alles in den Griff zu bekommen. Hier stellt die Software CalMAN von SpectraCal die Spitze der Evolution dar. Sie misst neben Farbtemperatur, Leuchtdichte und Spektrum auch Farbräume, Gammakurven und das Strahlungsverhältnis der Grundfarben.

Diese neueste Entwicklung des Farbabgleichs berücksichtigt nicht nur die Position der Primär- und Sekundärtöne im Farbsegel, sie misst auch deren Intensität. Diese kann durchaus stark von der Norm abweichen, obwohl die Addition zu Grau korrekte Farbtemperaturen ergibt.

Seit mehreren Monaten nutzen wir die Profiversion dieser Software in unserem Labor in Kombination mit unserem Farbspektrometer CS-2000 von Konica Minolta. Diese teuerste Variante erlaubt neben der Unterstützung aller Messsensoren auch den vollen Zugriff und die Erstellung von Workflows, also durchgeplanten Sequenzen von Messungen, Kalibrierungen, Einstellungen und Reports. Auch der Integration von vollautomatischen Bildquellen sind keine Grenzen gesetzt.

So fahren Testbildgeneratoren (etwa VideoForge sogar in 3D) oder Blu-ray-Player über einen speziellen Infrarotsender immer direkt das passende Testbild an. CalMAN geht sogar so weit, direkt in die Steuer-Software einiger TV-Geräte (zum Beispiel spezieller Modelle von Panasonic) einzugreifen, um dort direkt Farbkonversionstabellen zu manipulieren. Das ist sensationell.

Neben der Vollversion für den kommerziellen Einsatz gibt es noch die Expertenvariante (1.600 Euro) und die Privatversion für nur 300 Euro, der sogar ein Messgerät beiliegt. Dort sind jedoch nur die wichtigsten Arbeitsabläufe freigeschaltet. Automatismen, Kalibrationsberichte und die Nutzung weiterer Messgeräte sind ebenfalls beschränkt. Zur Aufrüstung der Einstiegsvarianten hält Spectracal eine Menge an Lizenz- Erweiterungen bereit, die aber immer extra kosten.

Mit der 300-Euro-Variante kommt man aber schon erstaunlich weit beim Farbabgleich. Es lassen sich deutlich mehr TV-Parameter mit voller Präzision abgleichen als mit Datacolors Spyder4TV HD. Der Nutzer sollte jedoch Spectracal CALMAN € 2300 sehr professionelles Werkzeug, viele Messmöglichkeiten, Automatisierung von Quellen und Abgleich komplexe Bedienung überragend 92 % Preis/Leistung: gut wissen, was er tut, denn Calman arbeitet nicht gerade intuitiv.

Arbeiten mit CalMAN

Ein mächtiger Partner von CalMAN ist die Imaging Science Foundation (isf). Diese US-Organisation bietet seit vielen Jahren Seminare und Zertifikate für Kalibratoren an, und ihr guter Ruf für professionelle Bildqualität hat den Namen auch schon in die Bild-Voreinstellungen einiger TV-Modelle gebracht - jener TVs, die sich am besten kalibrieren lassen.

Spezielle isf-Workflows sind in der Expertenversion (isf Basic) und Profivariante (isf Advanced) von CalMAN enthalten. Das geht bis hin zur automatischen Erstellung von Protokollen mit Logo und Siegel. Wer Kalibration auf höchstem Niveau zelebrieren möchte, kommt an CalMAN kaum vorbei.

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