XP-Renovierung

Tuning-Tools für Windows

Mit Windows XP ist noch lange nicht Schluss. Renovieren Sie Ihr betagtes XP, damit es die Zeit bis zum nächsten Vista noch durchsteht. Wir stellen vom versteckten Schalter bis zum kommerziellen Tuning-Tool die besten Tuning-Lösungen vor und warnen vor überflüssigen Tipps.

  1. Tuning-Tools für Windows
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Tuning-Tools für Windows

© Jörg Geiger

Tuning-Tools für Windows

Auf rund 80 Prozent aller PCs läuft auch heute noch Windows XP. Doch Hand aufs Herz - so richtig froh macht eine Standard-Installation mit XP niemanden. Im Gegenteil: Im Getriebe knirscht es ganz gewaltig, vor allem weil XP teils schon viele Jahre ohne Neuinstallation im Einsatz ist. Eigentlich ein gutes Zeichen, aber wer ärgert sich nicht über den immer lahmeren Betrieb, unsinnig verschachtelte Menüs und Nerv-Funktionen wie aufspringende Sprechblasen?

Kein Wunder, dass sich Tuning-Tools für Windows wie geschnitten Brot verkaufen. Doch bevor Sie Geld in so ein Software-Paket investieren, sollten Sie diesen Artikel lesen. Die wichtigsten Einstellungen können Sie schon mit Bordmitteln oder Gratis-Tools vornehmen. Und wir beraten Sie auch beim Kauf von kommerziellen Tuning-Tools, die den Aufwand auf ein Minimum reduzieren und helfen, Fehler zu vermeiden.

Extrem geht gar nicht

Eines vorweg: Wir raten vom Extrem-Tuning ab. Denn heute sind auch Privat-PCs wahre Schatzkammern mit vielen unersetzlichen Fotos, einem teuren Musikarchiv und privaten Videos. Ein 10 Sekunden schnellerer Windows-Start ist es nicht Wert, das alles aufs Spiel zu setzen. Und selbst wer die Tipps zum gefahrlosen Tuning (siehe Kasten auf Seite 34) beherzigt, der muss nach einem Crash einige Zeit investieren, um alles wieder so hinzukriegen, wie es vorher war.

Stattdessen geht es in der Praxis darum, XP so zu tunen, dass Windows geschmeidig genug läuft, damit Sie Spaß mit Ihren Programmen haben und Ihnen nicht vom Warten die Füße einschlafen. Erfolgreiches Windows-Tuning heißt also nicht unbedingt schneller, höher, weiter, sondern vielmehr komfortabler, stabiler und sicherer.

Falscher Tipp Erklärung Wirkung
RAM defragmentieren In vielen Tuning-Tools (etwa RAM Defrag) steckt diese Funktion drin. Für Bastler gibt es auch kleine Skripts, die versprechen, im Arbeitsspeicher zusätzlichen Platz zu schaffen. Leider bringt das alles nichts, die Speicherverwaltung von Windows erledigt die RAM-Verteilung am besten.
Prefetch-Ordner löschen Windows XP lädt Speicherseiten von der Festplatte schon bevor sie gebraucht werden. Doch den zuständigen Ordner soll man von Zeit zu Zeit löschen, da er mit der Zeit ziemlich viel Müll enthält. Dieser Tipp bremst das System, weil Windows den Prefetch-Ordner wieder komplett neu aufbauen muss. Programm- und System-Starts dauern danach vorübergehend sogar länger.
Superfetch für XP aktivieren In der Registry den Eintrag EnableSuperFetch setzen und aktivieren. Leider keine, SuperFetch ist eine neue Funktion von Windows Vista und kann unter XP nicht einfach eingeschaltet werden.
Kernel nicht auslagern Über einen Registry-Key wird die Auslagerung von Dateien des Windows-Kernels aus dem Arbeitsspeicher auf die Festplatte verhindert. Seit Windows NT ist dieser Trick wirkungslos und kann sogar zu Problemen führen.
DLLs aus Speicher entfernen In der Registry den Wert AlwaysUnloadDLL setzen. Seit Windows NT ist dieser Trick wirkungslos.

Service-Packs und Updates

Auch wenn es Microsoft immer wieder durch unverständliche Aktionen mit Service-Packs und kaputten Updates schafft, bei seinen Kunden Kopfschütteln auszulösen; spielen Sie die Patches trotzdem ein. Unser Tipp: Installieren Sie das aktuellste Service-Pack und achten Sie auch darauf, dass Sie weitere Updates immer zeitig einspielen. Am besten stellen Sie in der Systemsteuerung unter Automatische Updates auf die Option Automatisch oder alternativ auf Updates herunterladen, aber Installationszeitpunkt manuell festlegen.

So wird Ihnen nichts untergeschoben, was Sie nicht explizit installieren wollen. Mit dem SP3 sollten Sie sich aber noch etwas Zeit lassen. Trotz langer Testphase traten bisher viele Probleme auf. Bei bestimmten PCs großer Hersteller wie HP mit AMD-Prozessoren kommt es beim PC-Start zum wiederholten Reboot als Endlosschleife. Auf jeden Fall sollten Sie vorab ein Image der Systempartition anlegen.

XP per USB-Stick beschleunigen

XP-Renovierung: eBoostr

© Jörg Geiger

Übersichtlich: Ein kleines Einstellungsfenster zeigt die verwendeten Sticks samt aktueller Auslastung an.

USB-Stick einstecken und der Rechner soll schneller werden, das behauptet zumindest Microsoft von der Funktion Readyboost in Vista. Das 20 Euro teure Tool eBoostr will dieses Feature für Windows XP nachrüsten. Doch Vorsicht: Schon Readyboost ist eine Mogelpackung und bietet nur wenig Leistungszuwachs, im Gegenteil: Wer den USB-Stick nicht nur zur "Beschleunigung", sondern auch noch als normalen Datenspeicher verwendet, der muss sich beim Kopieren von Daten auf den Stick länger gedulden als ohne die neue Vista-Funktion.

Der russische Hersteller Moscow Development Office Ltd. bringt mit dem Tool eBoostr 1.0 diese Funktion für Windows XP. Doch das Tool will keine 1:1-Kopie von Readyboost sein, sondern bietet mehr Funktionen an: So unterstützt es gleich vier USB-Sticks gleichzeitig zur Beschleunigung von Programm-Start und Boot-Vorgang. Doch bringt das Tool wirklich mehr Speed?

In manchen Fällen ja. Wer seinen PC längere Zeit ohne Reboot laufen lässt, kann von eBoostr profitieren. Die Unterschiede werden im Test deutlicher, je schwächer das System ist. Während mit 2 GByte Arbeitsspeicher nur moderat bessere Werte zu sehen sind, spürt man auf einem schwachbrüstigen Notebook mit langsamer Festplatte sogar beim Arbeiten, dass das System flüssiger läuft. In einem weiteren Test stoppten wir die benötigte Bootzeit vom Drücken des Einschaltknopfs bis zur Betriebsbereitschaft: Hier war das Ergebnis eher enttäuschend.

Auf keinem der Test-PCs konnten wir einen schnelleren Startvorgang messen. Im Gegenteil, auf einem Rechner dauert der Start reproduzierbar ein paar Sekunden länger mit eingestecktem Stick. Beim Shutdown das gleiche Bild, kein Rechner ist wirklich schneller ausgeschaltet. Vor allem für Notebooks mit lahmen Festplatten und Rechnern mit 256 MByte oder weniger Arbeitsspeicher bringt eBoostr spürbare Vorteile unter Windows XP, aber auch mit mehr Arbeitsspeicher (im Test bis 2 GByte) sind Vorteile zumindest messbar.

Schneller startet im Test kein Rechner, egal mit wie vielen USB-Sticks er betrieben wird. Dagegen verkürzt eBoostr die Programm-Starts nach einem Reboot um bis zu ein Drittel. Wir haben auch festgestellt, dass die Ergebnisse stark vom eingesetzten System abhängig sind. Tipp: Probieren Sie zuerst die kostenlose Trial-Version aus, bevor Sie das Tool kaufen, denn mit rund 20 Euro ist es schon recht teuer.

Bildergalerie

XP-Renovierung: PC Booster 6
Galerie
Software

Nur auf den ersten Blick ist die Auto-Tuning-Funktion sinnvoll; der PC wird nicht im geringsten beschleunigt.

So tunen Sie richtig

Bevor Sie am Windows-Herz operieren, sollten Sie ein paar Vorbereitungen treffen.

So tunen Sie richtig

  • Schritt 1: Wichtig ist, dass Sie vor dem Tuning eine Sicherungskopie Ihrer PC-Festplatte erstellen. Machen Sie mit einer Software wie Acronis TrueImage (www.acronis.de) oder Norton Ghost (www.symantec.de) ein Backup zumindest der Systempartition und speichern Sie es auf einer externen Festplatte. Kostenlose Alternativen sind das Windows-Programm DriveImage XML (www.runtime.org) oder die Boot-CD PING auf Linux-Basis (http://ping.windowsdream.com).
  • Schritt 2: Testen Sie, ob sich das in Schritt 1 angefertigte Backup auch wirklich zurückspielen lässt. Booten Sie dazu den PC mit der Notfall-CD des Programms und achten Sie besonders darauf, dass auch die externe Festplatte ansprechbar ist.
  • Schritt 3: Führen Sie die Tuning-Maßnahmen einzeln aus und beobachten Sie zunächst die Wirkung. Falls Sie damit zufrieden sind, wagen Sie sich an den nächsten Tipp. Falls nicht, machen Sie die Einstellung wieder rückgängig.
  • Schritt 4: Wenn Sie XP optimal angepasst haben, fertigen Sie nochmal ein Backup mit einem Image-Programm an.

Systemtuning von Hand ist teilweise eine mühsame und vor allem fehlerträchtige Sache. Wer sich die Arbeit etwas leichter machen will, der greift zu einem der vielen Tuning-Tools, die es im Handel und auch kostenlos gibt. Damit Sie nicht Geld ins Fenster werfen, haben wir auf der folgenden Seite die bekanntesten Tools kurz zusammengefasst und bewertet.

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