Scharfer DVD-Player für 160 Euro

Toshiba XD-E 500 im Test

Durch die XDE-Technik verspricht Toshiba DVD-Bilder, die eine mit "HD vergleichbare Qualität" bieten. Eine kühne Behauptung, der wir auf den Grund gehen.

DVD-Player/ Video

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Toshiba XD-E 500

Es gab im Vorfeld viele Gerüchte um diesen Player. Es hieß, er sei Toshibas Geheimwaffe gegen Blu- ray, und dass er vielleicht sogar auf dem extrem leistungsfähigen Cell-Chip aufbaue, der auch der Playstation 3 eine enorme Rechenpower zur Verfügung stellt. Diesen Prozessor verwendet Toshiba ja auch bald in TV-Geräten. Erste handfeste Daten über den XD-E 500 gab es hingegen nur unter einem NDA, also mit Geheimhaltungsabkommen - sehr mysteriös.

Als der XD-E 500 unsere Redaktionsräume erreichte, mussten wir als erstes einen Blick in sein Inneres werfen, um herauszufinden, welches Herz in seiner Brust schlägt. Um es gleich vorweg zu sagen: Toshiba hat zwar tatsächlich einen Großteil zur Entwicklung der DVD-Norm beigesteuert und hält hier auch viele Patente, doch mit dem XD-E 500 wurde DVD nicht neu erfunden. Toshiba kocht hier auch nur mit Wasser, selbst wenn das nachher besonders lecker schmeckt.

Chip TMU-655

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Die komplette Steuer- und Decodierlogik wird von der hochwertigen Einchiplösung Vaddis-966 von Zoran übernommen. Die XDE-Nachbearbeitung findet im unbekannten Chip TMU-655 statt.

Es ist die qualitativ hochwertige Einchiplösung Vaddis-966 von Zoran, die fast alle Aufgaben in diesem Player übernimmt. Doch die haben wir auch schon in anderen Geräten gesehen. Diese leisteten sich jedoch keinen Zusatzprozessor für eine intelligente Bildnachbearbeitung, wie es Toshiba hier tut.

Ein weiterer dicker Chip ist also für XDE zuständig, aber seine Bezeichnung gibt Rätsel auf. Nur aufgrund der Bauform könnte man spekulieren, worum es sich handelt, doch das überlassen wir gerne den Internetforen. Was wirklich zählt ist, wie dieser Chip die DVD-Bildqualität perfektionieren kann, und das klappt für seine Preisklasse mehr als ordentlich.

Was ist XDE?

XDE ist die Abkürzung für "Extended Detail Enhancement", also auf Deutsch ungefähr "Erweiterte Detailverbesserung". In der Tat geht der Chip recht intelligent mit den DVD-Signalen um, was seine Effekte messtechnisch nur schwer fassbar macht. So reagiert die Kontrastverbesserung völlig unterschiedlich auf dunkle, ausgewogene oder helle Sequenzen.

Manchmal werden dunkle, also gerne absumpfende Bereiche angehoben, damit diese besser differenzierbar werden. Jedoch wird auch oft der Schwarzwert maximiert, damit das Bild knackiger wirkt. XDE gibt es einstellbar in den Modi "Scharf", "Farbe" und "Kontrast", wobei die Schärfe-Anhebung auch bei den beiden anderen Varianten aktiv ist.

Helligkeitsfrequenzgang

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Im Helligkeitsfrequenzgang, der hier über HDMI in 1920x1080 gemessen wurde, sieht man klar, dass in der Stellung "Scharf" (grün) hohe Frequenzen um 20% im Kontrast angehoben werden. Die Stellung "Off" (rot) zeigt hingegen ein beispielhaftes Frequenzverhalten: extrem linear und gut abgefiltert.

In der vierten Variante "Aus" liefert der Player das messtechnisch optimale Bild, das jedoch nicht unbedingt das im Alltagsleben beste sein muss - aber dazu später. Es fällt auf, dass DVD hervorragend auf 1080 Zeilen skaliert wird, wobei sehr homogen gefiltert wird, also feine Grundlinien schön abgerundet und ohne Zacken hochgerechnet werden.

Der Luminanz-Frequenzgang ist absolut beispielhaft, bewegte Frequenzblöcke werden ohne Flimmern oder Zittern sehr natürlich wiedergegeben. Bei der Farbaufbereitung hingegen arbeitet der Zoran-Chip zu zurückhaltend. Wo Mitbewerber die Farbauflösung gnadenlos nachschärfen, lässt Toshiba sie großvolumig um Objekte fließen, was den Schärfe-Eindruck etwas mindert.

Dies ändert sich auch nicht in der XDE-Stellung "Scharf". Hier wird nur die Helligkeitskomponente nachbearbeitet, aber das sehr intelligent. Während andere Algorithmen bei einer Nachschärfung bewegte Strukturen flimmern, Flächen klotzig erscheinen oder Rauschen und Artefakte dominant werden lassen, wirkt der Toshiba Verstärker nur bei echten Detailkanten.

Und da dies auch in der 1080er- Auflösung und nicht wie so oft vor der Skalierung passiert, sind die entstehenden Kantenschatten sehr fein und aus größerer Entfernung nicht mehr sichtbar - und genau das ist es, was die Aussage von Toshiba zu der HD-Vergleichbarkeit begründet.

Testprofil

ToshibaXD-E 500
www.toshiba.de
160 Euro

DVD-Player

Weitere Details

75 Prozent

Fazit

Testurteil
sehr gut
Preis/Leistung
sehr gut

Dabei hat Toshiba nicht den Direktvergleich vor einer drei Meter großen Leinwand mit einem FullHD- Beamer gemeint, sondern ein Standardwohnzimmer, also 32" bis 40" HDready-TV bei drei bis vier Metern Sehabstand. Und hier ist der Whow-Effekt der Blu-ray plötzlich verschwunden und selbst Experten halten das XDE-Bild für mindestens gleichwertig. HD braucht eben riesige Bilder und gute Augen. Ohnehin ist der XD-E 500 insgesamt ein guter DVD-Player mit solider Technik und hoher Funktionalität.

Test-Praxis: So funktioniert XDE

Demo-Disk

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Die Demo-Disk läuft auch ohne XDE-Player, zeigt Grundsätzliches über die XDE-Bildverbesserung und beschreibt die drei möglichen Bildmodi.

Die Technik, die hinter XDE steckt, ist relativ komplex. Damit Einsteiger, die auf ihren neuen Fernsehern besser DVD schauen wollen, das Prinzip leichter verstehen, hat Toshiba eine Demo-DVD entwickelt.

Fazit

Eine perfekte DVD kann niemals die Detailauflösung einer perfekten Blu-ray erreichen. Das stand schon immer fest und daran ist auch nicht zu rütteln. Dass allerdings die maximale HD-Auflösung nicht auf jedem Bildschirm aus jeder Entfernung klar zu differenzieren ist, daraus hat bisher auch niemand einen Hehl gemacht. Toshiba erhöht mit XDE nicht die grundsätzliche Auflösung der DVD, sondern perfektioniert den Schärfe-Eindruck sehr pfiffig. Kanten werden härter, blasse Filme bunter, oder düstere Elemente bekommen mehr Zeichnung. Die Nachbearbeitung ist die Klassenbeste und brächte tatsächlich in vielen Standardwohnzimmern neues Leben ins DVD-Archiv.

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