Von Antigua bis Zypern

Test: Webradios bis 200 Euro

Webradios bringen per Knopfdruck die ganze Welt der Online- Sender ins Haus. Geordnet nach Genre und Land wählt man aus mehreren Tausend Radiostationen aus und lauscht den Lieblingssendern in Küche, Wohnzimmer oder Bad.

  1. Test: Webradios bis 200 Euro
  2. Teil 2: Test: Webradios bis 200 Euro
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Webradios bringen per Knopfdruck die ganze Welt der Online- Sender ins Haus. Geordnet nach Genre und Land wählt man aus mehreren Tausend Radiostationen aus und lauscht den Lieblingssendern in Küche, Wohnzimmer oder Bad.

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Sie sind es leid, immer nur eine Handvoll meist lokaler Sendestationen über das alte UKW-Küchenradio oder den Receiver Ihrer HiFi-Anlage empfangen zu können? Im Internet stehen Ihnen dagegen gleich mehrere Tausend Online- Radiostationen zur Verfügung. Webradio- Portale wie www.surfmusik.de, www.live radio.de oder www.shoutcast.com sind nur einige beispielhafte Eintrittspforten in die grenzenlosen Weiten des Internetradios. Viele Sender lassen sich direkt im Browser abspielen, für andere benötigen Sie eine spezielle Abspielsoftware wie beispielsweise Winamp oder den VLC-Player. Der Nachteil: Sie müssen immer zuerst Ihren PC oder Laptop hochfahren, um Internetradio hören zu können.

TerraTec  Noxon iRadio

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Kein PC mehr nötig

Und damit kommt auch schon der entscheidende Vorteil eines Webradios ins Spiel: Es ersetzt komplett Ihren Rechner als Webradioempfänger und -wiedergabegerät. Sobald das Webradio im Heimnetz eingebunden ist, können Sie Ihre Lieblingssender aus Kanada, der Mongolei oder der Schweiz auch dann hören, wenn alle PCs ausgeschaltet sind. Alle sechs von uns getesteten Webradios unter 200 Euro sind mit einem WLANAdapter ausgestattet und können somit eine drahtlose Verbindung ins Internet herstellen. Dort greifen die Geräte auf die gewählten Radiostationen zu, übertragen den Datenstrom, engl.: Stream, vom Internet ins Heimnetz und geben ihn über den eigenen integrierten Lautsprecher wieder. Ein Webradio beherrscht somit alle erforderlichen Funktionen, um einen Radiosender im Internet auszuwählen, zu empfangen und abzuspielen - und der PC kann ausgeschaltet bleiben. Allerdings sollten zwei wichtige Voraussetzungen erfüllt sein, damit sich ein Webradio im eigenen Haushalt auch sinnvoll nutzen lässt.

Ohne Flatrate wird's teuer

Zum einen benötigen Sie einen breitbandigen Online-Zugang, zum Beispiel über DSL oder Kabel. Hier genügt bereits eine Bandbreite ab 1 Mbit/s im Downstream und 128 kbit/s im Upstream. In der Regel werden inzwischen sowieso kaum noch Anschlüsse angeboten, deren Download-Leistung unter 2 Mbit/s liegen. Mehr noch als die Bandbreite spielt beim Hören von Internetradio der so genannte Traffic eine Rolle. Dabei handelt es sich um das monatliche Datenaufkommen eines Onlinezugangs. Der Empfang von Internetradiosendern kann nämlich sehr schnell zu hohen Datenumsätzen führen. Bereits eine Stunde Musikgenuss verursacht bei einem Radiosender mit einer Datenrate von 128 kbit/s ein Datenaufkommen oder Traffic von rund 56 MByte. Wer sein Online- Radio jeden Tag etwa 5 Stunden dudeln lässt, kommt im Monat bereits auf gut 8 GByte Traffic - allein nur durch die übertragenen Daten eines Webradios. Nutzer eines oder gar mehrerer Webradios benötigen deshalb unbedingt einen Flatrate-Tarif ohne Volumen- oder Zeitbeschränkung. Die meisten Pauschalangebote nahezu aller größeren Zugangs- Provider haben bereits eine Daten- Flatrate integriert. Im Zweifelsfall fragen Sie bei der Info-Hotline des Providers nach.

Freecom MusicPal

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MusicPal von Freecom gefällt durch seine intuitive Bedienung über zwei große Klickräde.

Drahtlose Verbindung

Wer einen Breitbandanschluss mit Flatrate besitzt, bringt oft auch schon die zweite wichtige Voraussetzung mit, um ein Webradio optimal betreiben zu können: den WLAN-Router. Dieser stellt über ein integriertes oder externes Modem eine Online-Verbindung her und verteilt diesen Internetzugang auf alle Geräte, die per Funk oder Kabel an dem Router angeschlossen sind. Auf diese Weise erhält Ihr Webradio überall in Reichweite des WLANRouter- Funknetzes den zum Empfang von Radiostationen erforderlichen Online- Zugang. Die drahtlose Verbindung zum WLANRouter klappt in der Regel problemlos: Im Einrichtungsassistenten des Webradios wählen Sie den automatisch angezeigten Netzwerknamen (SSID) Ihres WLAN-Routers aus und geben anschließend das WPA-Passwort der WLAN-Verschlüsselung ein. Wichtig dabei: Das Webradio muss sich innerhalb der Reichweite des Funknetzes befinden. Der Kasten rechts oben verrät, wie Sie Ihr WPAPasswort im WLAN-Router finden, falls Sie es sich nicht notiert haben.

Radiodienste

Ist die Verbindung zum Router und damit ins Internet hergestellt, greift das Webradio auf einen speziellen Online-Dienst oder Radio- Provider zu. Dieser Radio-Dienst sorgt dafür, dass Ihr Webradio immer mit den aktuellen Adressen der zahlreichen Radiostationen im Internet versorgt wird. Jedes Webradio im Test arbeitet mit einem solchen Anbieter wie beispielsweise vTuner, Reciva oder Frontier Silicon Radio zusammen. Wer sich mit seinem Webradio auf den meist englischsprachigen Webseiten dieser Dienste registriert, kann hier weitere Radiostationen hinzufügen, die sich dann auch im Webradio anwählen und abspielen lassen.

vTuner

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Nach der Registrierung im Online-Bereich der Radio- Provider, hier: vTuner, lässt sich die Auswahl an Radiostationen im eigenen Webradio den eigenen Wünschen anpassen.

Musik aus dem Heimnetz

Allerdings eignen sich unsere getesteten Webradios nicht "nur" als Internetradio, sondern spielen auch freigegebene Musikdateien im Heimnetz ab. Hierbei greifen die Geräte auf so genannte UPnP-Server oder Windows-Freigaben zurück. Als UPnP-Server kann jeder Rechner im Heimnetz auftreten, der den Windows Media Player 11 installiert hat. Außerdem haben inzwischen die meisten höherwertigen Netzwerkfestplatten einen UPnP-Server integriert. Auf diese Weise lässt sich die MP3-Sammlung auch übers Heimnetz auf dem Webradio abspielen. Während der Zugriff über UPnP bei allen Testgeräten weitgehend problemlos funktionierte, war der Zugriff auf einfache Windows-Freigaben oder SMB-Ordner bei keinem der Geräte zufrieden stellend.

WLAN-Passwort im WLAN-Router finden

Wer sein Webradio über das drahtlose Funknetz mit dem WLAN-Router verbinden möchte, benötigt hiezu das WPAPasswort der WLAN-Verschlüsselung. Wer das Passwort nicht mehr weiß und es sich auch nicht notiert hat, findet es in der Weboberfläche des WLAN-Routers. Die Weboberfläche des WLAN-Routers erreichen Sie von einem Rechner, der mit dem WLAN-Router (drahtlos oder per Netzwerkkabel) verbunden ist. Dazu öffnen Sie Ihren Browser und tippen in dessen Adressleiste die IP-Adresse des Routers ein und bestätigen mit "Return". Eine genaue Anleitung, wie Sie sich mit dem Router-Menü verbinden, findet sich in jedem Router-Handbuch. Im Router-Menü öffnen Sie dann unter der Rubrik "WLAN" oder "Wireless" die Sicherheitseinstellungen und notieren sich das WPA-Passwort.

Fazit

Die von uns getesteten Webradios lassen sich in zwei Gruppen unterteilen. Die erste Gruppe mit den Platzierungen 1 bis 3 bilden Terratecs Noxons iRadio, Albrechts DR315 und Freecoms MusicPal. Sie haben die Gemeinsamkeit, dass sie auch im Standby die Funkverbindung zum WLAN-Router halten. Der Vorteil: Alle drei Geräte benötigen nach dem Anschalten maximal 4 Sekunden, um Online- Radio wiederzugeben. Beim Zugriff auf einen UPnP-Server im Heimnetz wird jeder Song, der ausgewählt wird, auch direkt abgespielt. Eigentlich keine Besonderheit, möchte man meinen. Doch in der zweiten Gruppe mit den Platzierungen 4 bis 6 funktioniert das direkte Abspielen nur beim allerersten Song. Alle weiteren gewählten Songs oder Alben werden in eine Wiedergabeliste gepackt. Wer einen bestimmten Song hören möchte, muss diesen erst auswählen, anschließend in die Wiedergabeliste wechseln und dort den zuletzt angefügten Song erneut auswählen - umständlich. Ein weiteres Manko dieser zweiten Gruppe mit dnts IPdio mini pro, Olympias WebRadio 200 und Zoomer Z-WIR-F100 ist die nervige Angewohnheit der Geräte, ihre Funkverbindung zum WLAN-Router im Standby zu kappen. Schaltet man die Webradios wieder ein, benötigen sie rund 40 bis 45 Sekunden bis ein Online-Radiosender abgespielt werden kann.

Schade auch, dass der Zugriff auf Songs in einfachen Netzwerkfreigaben, so genannten SMB-Shares, bei keinem unserer Testgeräte zufrieden stellend funktionierte. Wer seine digitale Musiksammlung aus dem Heimnetz abspielen möchte, kommt deshalb auch weiterhin nicht um einen UPnP-Server herum. Das kann ein Windows-Rechner mit Windows Media Player 11 sein oder eine Netzwerkfestplatte, die einen UPnP- oder DLNAServer integriert hat.

Außer dem Olympia WebRadio 200, das unserem Hörempfinden den besten integrierten Klang lieferte, bieten alle Testkandidaten Line-out-Buchsen an. So lässt sich der Sound bei Bedarf auch über die leistungsfähigere Stereoanlage oder über aktive Lautsprecher abspielen. Das macht durchaus Sinn, denn die Klangqualität der Lautsprecher so manches Webradios lässt bei höheren Lautstärken stark nach. Allein schon deshalb legen wir jedem Käufer eines Webradios ans Herz, das in Frage kommende Gerät vorab Probe zu hören. Oder Sie bestellen sich das Webradio über einen zuverlässigen Händler im Internet, testen den Klang im eigenen Heimnetz und schicken es innerhalb von 14 Tagen wieder zurück, falls Ihnen der Klang missfällt.

Expertenmeinung

Tausende Radiosender zu empfangen, ist nun endlich auch ohne PC und (fast) überall im eigenen Heim möglich. Eine Steckdose und WLAN-Empfang genügt. Unsere Testkandidaten greifen hierzu auf einen Online-Radio-Provider zurück, der die Verbindungsdaten zu den Internetradiostationen und Genre-Einordnungen immer auf dem neuesten Stand hält. Allerdings zeigen sich bei den einzelnen Testgeräten auch deutliche Unterschiede, wenn es beispielsweise um die Bedienung oder den Klang der integrierten Lautsprecher geht. Hier erwarten wir in der Preisklasse bis 200 Euro noch die ein oder andere Verbesserung. Dies gilt insbesondere auch für den Zugriff auf Musikdateien im Heimnetz, der aktuell nur mit UPnP verlässlich funktioniert - und selbst dann auch nur bei den drei erstplatzierten Geräten, wo dies einigermaßen komfortabel gelöst ist.

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