Test & Technik: Kompaktkameras im Test

Test & Technik: Kompaktkameras im Test

Accessoires gehören heute zum modernen Leben. Besonders beliebt sind Digicams mit mächtig Pixelpower. Status regiert hier so wie beim GTI- oder M3- Fahrer. Da wo ein Spoiler dranhängt, muss aber nicht viel Power drinstecken. Was die Megapixelschützen wirklich leisten, lesen Sie hier

Test & Technik: Kompaktkameras im Test

© Oliver Ketterer

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Megapixel haben kurze Beine

Accessoires gehören heute zum modernen Leben. Besonders beliebt sind Digicams mit mächtig Pixelpower. Status regiert hier so wie beim GTI- oder M3- Fahrer. Da wo ein Spoiler dranhängt, muss aber nicht viel Power drinstecken. Was die Megapixelschützen wirklich leisten, lesen Sie hier

Wenn James Bond in den 60er-Jahren mit einer Superminikamera Geheimpläne der Staatsfeinde abfotografierte, war das etwas ganz Besonderes. Die Fans des britischen Agenten waren immer auch ein Stück weit neiderfüllt, wenn es um die genialen Erfindungen von Q ging. Heute kann jeder in den Fachhandel gehen und sich einen der Wunderapparate zulegen. Und, dank digitaler Technologie, braucht er sich nicht einmal um Filmmaterial zu kümmern - ganz im Gegensatz zu Bond.

Besonders die flachen, edel gestylten und mit großem Display ausgestatteten Digitalkameras haben es den Kunden angetan. Die Auswahl ist enorm und die Merkmale der verschiedenen Modelle sind teils sehr verschieden. Wir haben uns ein exquisites Testfeld zusammengestellt und die Digicams durch den Labor-Parcours geschickt - dabei sind wir auf interessante Ergebnisse gestoßen.

Außen hui, innen pfui

Besonderes Augenmerk legt das Gros der Konsumenten wohl auf einen Wert: die Anzahl der Megapixel, die eine Kamera bietet. Sonst ließe es sich kaum erklären, dass die Hersteller besonders viel Aufwand betreiben, um dieses Merkmal nominell in schwindelige Höhen zu treiben. Waren vor zwei Jahren noch vier bis fünf Millionen Bildpunkte das Nonplusultra, so sind es heute deren acht bis zehn. Interessant ist aber, dass sich die Größe der Sensoren nicht verändert hat. Standard sind immer noch 1/1,8 bzw. 1/2,5 Zoll. Natürlich hat sich die Fertigungstechnologie bei CCD-Sensoren im Laufe der Zeit weiterentwickelt, aber ein Problem bleibt bestehen: Die räumliche Nähe der einzelnen Bildpunkte auf dem Sensor wird kritisch und damit nehmen auch Interferenzen zu, die die Bildqualität verschlechtern.

Grundsätzlich ist der Wunsch nach mehr Megapixel nicht falsch. Der Vorteil: Je größer die Bilddaten, desto größer können die Abzüge werden. Und wer auch gerne mal einen Bildausschnitt auf 18er Fotopapier bannen will, kommt nicht um ursprünglich große Datenmengen herum. Einesmuss aber gewährleistet sein: Die Qualität muss stimmen. Wenn eine Digitalkamera mit 10 Megapixeln angepriesen wird, dann darf man eine hohe Auflösung erwarten. Ein Beispiel: Die Casio EX-Z1000 erzielt im Test eine Auflösung von 1330 Linien/Bildhöhe. Vergleicht man das tatsächliche, im Labor gemessene Auflösevermögen, dann stellt sich heraus, dass vier Konkurrenzmodelle, die zwei bzw. vier Megapixel weniger haben, die Exilim bei weitem übertreffen. In der Praxis bedeutet das, dass Poster und Vergrößerungen mit den Konkurrenzmodellen zu besseren Ergebnissen führen, obwohl weniger Megapixel vorliegen. Beim Kamerakauf sollte man dann hellhörig werden, wenn ein Modell mit kleinem Sensor, z.B. 1/2,5 Zoll, enorm viele Megapixel verspricht. Handelt es sich beim Hersteller um eine Firma mit wenig Erfahrung, dann geht die Kombination von kleinem Sensor und vielen Megapixel nur selten gut.

Einmal Vollausstattung bitte!

So schick die modernen Fotoapparate sind, so erschreckend wenig kommen sie gewöhnlichen Ansprüchen kreativ denkender Hobbyfotografen entgegen. So haben in diesem Test lediglich zwei Kameras eine Halbautomatik - das sind die HP R927 und die Samsung Digimax L85. Dass die meisten Hersteller auf eines der wichtigsten Elemente zur Bildgestaltung - nämlich das Spiel mit Verschlusszeit und Blende - verzichten, verwundert schon ein wenig. Sicher, durch die kurzen Brennweiten, gepaart mit den kleinen Sensoren, ist es ohnehin kaum möglich, Tiefenschärfe bzw. gewollte Unschärfe bei normalen Aufnahmen, wie Porträt- oder Gruppenbildern, zu kontrollieren. Eine semiprofessionelle Porträtaufnahme mit scharfem Modell im Vordergrund und völlig unscharfem Hintergrund, wird man mit keiner Lifestyle- Digicam aus dem Handgelenk schütteln. Aber es gibt ja auch noch andere Gelegenheiten, bewusst eine Verschlusszeit lange oder sehr kurz wählen zu wollen. Man denke an Wasserfälle oder spielende Kinder im Planschbecken.

Die bewusste Kontrolle der Blende gehört zum A und O bei Makroaufnahmen. Denn hier ist die Wahl der richtigen Blende, gepaart mit dem Schärfepunkt, das entscheidende Mittel zur Kontrolle der Tiefenschärfe. Alle Kameras im Test rühmen sich, mit einem Makromodus ausgestattet zu sein, aber nur bei zweien lässt sich die Blende manuell vorwählen.

Der Trend zum immer größeren Display ist nicht aufzuhalten. Der Konsument schreit danach und die Hersteller folgen dem Ruf wie eine Herde blökender Schafe. Grundsätzlich ist das ja toll, wenn Kundenwünsche ernst genommen werden und sogleich in die Produktgestaltung einfließen. Aber dass die allermeisten Lifestyle-Digitalkameras keinen optischen Sucher mehr besitzen, hat mitunter zur Folge, dass der Fotograf Mühe hat, überhaupt noch ein Foto zu schießen. Gerade in urlaubstypischen Situationen scheint die Sonne grell vom Himmel - ob beim Strandbaden im Sommer oder beim Skifahren im Winter - und dann ist auf dem großen Display kaum noch etwas zu erkennen.

Je größer das Display ist, desto höher ist auch der Stromverbrauch, denn das LCD ist Stromfresser Nummer Eins. Wenn die Batterie die erste Schwäche anzeigt, dann haben Sie ohne optischen Sucher keine Möglichkeit, Strom zu sparen. Natürlich empfiehlt sich hier die Anschaffung eines Zweitakkus, der das Problem teilweise lösen kann. Aber auch dieser wird irgendwann leer sein.

Im Glauben der Erleuchtung

Gehören Sie auch zu den Menschen, die zu Hause kaum in die Kirche gehen, aber auf Reisen jedem Gotteshaus die Ehre erweisen? Wer seine Digitalkamera in einer Kirche auf Programmautomatik schaltet und abdrückt, verschwendet nur Platz auf der Speicherkarte, denn das Bild wird garantiert nichts werden.

Die Blitzleistung ist viel zu schwach, um eine meterhohe Decke oder ein Buntglas im Kirchengewölbe auszuleuchten. Die Folge: Die Bilder werden alle komplett unterbelichtet oder unscharf. Um diese Erfahrung bereichert, versuchen Fotofreunde der miserablen Lichtsituation durch Abschalten des Blitzes Herr zu werden. Der Einsatz eines Ministativs gepaart mit dem Selbstauslöser hält Verwackelungsunschärfen fern. Ein richtig gutes Bild kommt dabei aber meist auch nicht heraus, denn die Verschlusszeit steigt auf eine oder mehrere Sekunden an. Und das verträgt der Sensor nicht und liefert Bilder mit enormem Rauschen. Zwei Kamerahersteller haben sich dieses Problems angenommen.

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Die Testergebnisse

Fujifilm bietet in der V10 eine Empfindlichkeit bis ISO 1600. Bei diesem Wert haben wir ein minimales Farbrauschen von 1,6% gemessen. Die Olympus bietet sogar eine Sensorempfindlichkeit von ISO 3200 und hier haben wir ein Farbrauschen von 1,8% gemessen. Mit beiden Einstellungen kommt man schwierigen Lichtverhältnissen bei, ohne dassman einen Blitz einsetzen müsste.

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Aus dem Labor

Den Vorteil einer hohen Empfindlichkeit kann man natürlich auch in anderen Situationen einsetzen, um schönere Bilder zu bekommen. Beispielsweise beim gemütlichen Zusammensein in einer Bar oder im Abendlicht auf der Hotelterrasse. Der Verzicht auf das Blitzlicht führt zu Aufnahmen, die die vorhandene, "romantische" Lichtsituation nicht zerstört. Die Canon IXUS 800 bietet immerhin noch eine maximale Empfindlichkeit von ISO 800 an, allerdings steigt in dieser Einstellung das Farbrauschen bereits auf 2,8% an. Bei allen anderen Testkandidaten ist spätestens bei ISO 400 Schluss. Das heißt aber nicht, dass Sie diese Einstellung bei jeder Kamera beliebig verwenden können, ohne deutlich sichtbares Farbrauschen. So liegt das Farbrauschen der BenQ X600 bei ISO 400 bereits bei kritischen 3,4% und bei der Pentax T10 bei grenzwertigen 3,0%.

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Alle Testergebnisse auf einen Blick

Wer sich für eine Lifestyle-Kamera entscheidet, wird - insbesondere aus fotografischer Sicht - einen Kompromiss eingehen müssen. Die perfekte Digicam gibt es in dieser Klasse nicht - und sie wird es auch nie geben. Eines haben die flachen Wunderkisten aber gemeinsam: Sie funktionieren ganz hervorragend, ganz im Gegensatz zu den Hightech- Attrappen von Q.

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