Ruhig mal Bändchen halten...

Test: Quadral Lautsprecher

Mit dem neuen Schallwandler Quadral Certo gibt sich der Traditionshersteller aus Hannover bewusst audiophil. Ein echtes Bändchen im Hochton soll der Box zu klanglichen Höhenflügen verhelfen.

Test: Quadral Lautsprecher

© Knut Isberner

Test: Quadral Lautsprecher

... mit der neuen Quadral Certo. Mit dem Schallwandler gibt sich der Traditionshersteller aus Hannover bewusst audiophil. Ein echtes Bändchen im Hochton soll der Box zu klanglichen Höhenflügen verhelfen.

Test: Quadral Lautsprecher

© Knut Isberner

Vornehmstes Ziel eines Lautsprechers ist es, Töne zu reproduzieren. Seit Jahrzehnten haben sich dazu so genannte "dynamische" Lautsprecher etabliert - Lautsprecher, wie Sie sie kennen: mehr oder minder hübsche Holzkisten mit Tieftöner, Mitteltöner und Hochtöner. Die Töner werden auch als Chassis oder Treiber bezeichnet, sie wandeln den von Receiver oder Verstärker angelieferten Strom in hörbaren Schall.

Ob für zwerchfellerschütternde Bässe oder schwindelnde Höhen - ihr prinzipieller Aufbau ist gleich. Ein Permanentmagnet bildet den Antrieb, eine Schwingspule versetzt die Membran in Konus- oder Kalottenform in Bewegung. Verglichen mit einem Auto, wäre der Magnet der Motor, die Spule der Kolben und die Membran das Rad, das die Kraft auf die Straße bringt.

Das hinkt, kommt der Sache aber nahe. All diese Elemente bringen in der Summe ein ordentliches Gewicht auf die Waage. Im Bass ist das relativ egal, in den Höhen aber, wo es gilt, filigranste Details zu reproduzieren, ist es wiederum wie im Rennsport, es zählt jedes Milligramm. Weniger ist mehr, viel mehr. Schwingspule und Membran konventioneller Hochtöner bringen es auf etwa 0,3 Gramm. Wenig - doch ein Bändchen wie das der Quadral Certo wiegt ein Zehntel davon - also Faktor Zehn weniger. Wie kommt das? In einem Bändchenhochtöner bildet eine hauchdünne Folie aus gefaltetem Aluminium die Membran. Eine Schwingspule ist nicht nötig, da die Folie Strom leitet und in einem Magnetfeld von Dauermagneten hängt. Fließt Strom, bewegt sie sich im Takt.

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Vergoldete Metallbrücken am Bi-Wiring-Terminal

Dank ihres enorm geringen Gewichts geben Bändchen mühelos Töne bis weit über unsere Hörgrenze wieder. Neu ist das Verfahren nicht, im Jahre 1925 meldeten deutsche Ingenieure einen so arbeitenden Töner zum Patent an. Aber selten sind echte Bändchen, denn sie erfordern einen hohen Fertigungsaufwand - sind also teuer. Quadral scheute den Aufwand nicht und stellt dem Hochtöner drei weitere Chassis zur Seite. Die beiden unteren für die Bässe, das darüber für die Mitten. Ihre Konstruktion ist vorbildlich: Kräftige Antriebsmagneten, Körbe aus Druckguss und der strömungsoptimierte Aufbau wie die steifen Metallmembranen sprechen eine klare Sprache.

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Noch einen drauf: Der zweite Ferritring erhöht den Wirkungsgrad um einige Prozent
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Understatement: fast schade, die feinen Töner der Certo unter einer Abdeckung zu verbergen

Certo - und Musik ist weiblich

Diese pflegte die Certo auch im Hörraum, jedoch ohne sich dominant in den Vordergrund zu spielen. Ihr distinguiertes, dezentes Spiel verlieh der Musik, insbesondere Stimmen sowie höchsten Tönen bis zum Diskant, gänsehautfördernde Attraktivität. Selten lauschte die Jury einer so attraktiven Donna Lewis ("Now in a Minute"/Warner) - betörend anschmiegsame, dabei leuchtende Mitten und filigranst aufgedröselte Hochtongespinste. Selbst kritische Laute wie "s", "f" oder "z" erklangen lupenrein. Keine Spitze, die im Gehörgang beißt, keine Unterschlagung von Details, die Gleichklang fördert. Weder dunkel noch hell, eher schlank, ohne Magerkost zu offerieren.

Die zum Vergleich herangezogenen Audio Physic Yara und Canton Ergo 611 gaben sich dominanter, männlich nassforsch im Antritt - die Certo weiblich verführerisch.

Dabei setzt sie nie auf Schminke, sie ist eine ehrliche Haut: Taugt die Aufnahme nichts, so zeigt sie es. Aber selbst das tut sie charmant, streut kein Salz in Software-Wunden. Sie leuchtet den akustischen Raum tief aus und besitzt eine solide Basswiedergabe, die mehr auf Präzision denn auf Wucht setzt. Den Pegelkick bleibt sie zwar schuldig, dafür klingt sie schon mit geringen Lautstärken perfekt balanciert.

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Die Wertung der Redaktion

Fazit

Kein Allround-Genie, aber die richtige Box für Audiophile - die Certo ist ein Feingeist mit Tiefgang. Sind Ihnen Auflösung und Klangfarbentreue wichtig, sollten Ihre Ohren unbedingt einmal Händchen halten mit der bändchen- bewehrten Certo.

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