Du bist, was Du postest

Teil 6: Mitmach-Web

Technorati (www.technorati.de) wirbt mit dem Spruch: "55 Millionen Blogs ... einige von ihnen müssen gut sein." Der Anwender, der ein Themengebiet verfolgt, liest fünf, zehn oder dreißig Blogs, die hin und wieder etwas Interessantes melden - neben den schon bestehenden News-Seiten, Zeitungsartikeln, Fernsehfilmen oder gar Büchern zum Thema. Die Zeit für ein Medium wird knapper. Dass E-Mail und Spam den Arbeitnehmer Zeit vergeuden lassen, ist bekannt. Eine Erhebung desMagazins Advertising Age aus dem Jahr 2005 ergab, dass der durchschnittliche amerikanische Angestellte bereits 3,5 Wochenstunden mit Bloggen verbringt, die Hälfte davon in Freizeit-Blogs. Dabei ist festzustellen, dass ein guter Teil der Einträge in die Kategorie Verspammung des Alltags gehört: Sie sind nutzlos.

Mitmach-Web

© Archiv

Der Skandal um den mangelnden Datenschutz bei Studivz sorgte für so einen Wirbel in der Blogsphere, dass es das Thema international auf Platz 3 bei Technorati schaffte.

Technorati versucht, diese mit den oben beschriebenen Mitteln der kollektiven Intelligenz herauszufiltern. Der Anwender abonniert einen Technorati-Feed zu einem Suchbegriff. Der Dienst durchsucht nun alle angemeldeten Blogs (das sind fast alle) nach diesen Suchbegriffen. Die Zahl der Nachrichten wird dadurch nicht weniger, aber der relevante Anteil nimmt zu. Das oben geschilderte Zeitproblem ist damit aber nicht gelöst. Experten empfehlen beispielsweise, nur zweimal am Tag die Mails abzurufen (Slow-Mail-Bewegung, www.in praiseofslow.com/slow/index.php).

Das Mitmach-Web verführt Untertane des Alltags dazu, sich und ihre Egos zu produzieren. Die Leute haben scheinbar nur darauf gewartet, ihr Intimstes preisgeben zu können. Dass das nicht immer klug ist, zeigt das Eingangsbeispiel dieses Artikels. Aber nicht nur unwillkommene Leser können zum Problem werden, sondern auch die Dienstanbieter gehen nicht immer sauber mit den Daten der Anwender um.

Immer wieder sind Portale, die sich an jugendliche Surfer richten, negativ in die Schlagzeilen geraten. Das fing an mit dem Community-PortalMySpace (www.myspace. com), auf dem Teenager aus ihrem Freizeitund Seelenleben plaudern und oft freizügige Fotos von sich selbst posten. Es wurde zum beliebten Anziehungspunkt für Pädophile, die über Kommentar- und Chatfunktionen versuchten, sich an die Opfer ranzumachen.

Auch Arbeitgeber zeigten Interesse an den vermeintlich privaten Profilen. Schließlich bedienten sich Spamer und Adresshändler der Daten. Medienmilliardär Rupert Murdoch war als Besitzer von MySpace dazu gezwungen, eine Säuberungsaktion von rassistischen, diskriminierenden, pornografischen und illegalWaffen anbietenden Seiten durchzuführen.

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