Großrechner- Feeling

Teil 5: Xen: Viele Linux-Instanzen auf einem PC

Vergleiche mit VMware oder anderen Virtualisierungslösungen, die PC-Hardware komplett emulieren, sind mit Xen 3.0 auf normaler PC-Hardware praktisch unmöglich. Aus Performance-Gesichtspunkten ist der von Xen praktizierte Ansatz, der einen modifizierten Gastkernel erfordert, sicher die beste Lösung. Sie schränkt jedoch die Auswahl der Betriebssysteme noch starkein: als Domain 0 ist nur Linux eine sinnvolle Wahl, für unprivilegierte Domains stehen Linux, NetBSD, FreeBSD (zum Testzeitpunkt im Alpha-Stadium) und Plan 9 zur Verfügung. Andere freie Systeme wie OpenSolaris befinden sich in der Entwicklung.

Xen: Viele Linux-Instanzen auf einem PC

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Wer ein geschlossenes System wie Windows als Gast nutzen möchte, benötigt Hardware- Unterstützung für Virtualisierung und die kostenpflichtige Enterprise-Version von Xen. Mit der breiteren Verfügbarkeit von AMD- und Intel- Prozessoren mit Pacifica und Vanderpool im Laufe des Jahres wird auch die freie Xen- Version Windows-Gäste ausführen können.

Ein tolles Feature von Xen ist die Live-Migration: Innerhalb von Sekundenbruchteilen lässt sich der Systemzustand einer Betriebssysteminstanz einfrieren und auf einen anderen Rechner transferieren. Beim Umzug bleiben sogar bestehende Datenbank- oder Netzwerkverbindungen aktiv. Xensource bietet sogar Tools für das automatische Verschieben von Instanzen auf weniger ausgelastete Rechner. Der Haken in der Praxis: Nurwenn alle Dateisysteme per NFS oder Network-Blockdevice, kurz SAN/NAS, eingebunden sind, klappt der Umzug. Derartige Umgebungen dürften sich allerdings nur in Enterprise-Umgebungen finden lassen. Auf Deutsch: schnell die Gentoo-Xen-Domain während des Rekompilierens auf das Notebookdes Kumpels zu schieben, geht nicht. Immerhin ist es, möglich unprivilegierte Domains zunächst zu stoppen, das Festplatten- Image per rsync auf einen anderen Rechner zu kopieren und dort die Instanz neu zu starten. Da alle Schnittstellen abstrahiert werden, ist auf dem neuen Wirt keine Änderung der Konfiguration nötig, was die Downtime gering hält.

Im Test kristallisierte sich heraus, dass ein optimaler Einsatz nur dann möglich ist, wenn die "Kontrollinstanz dom0" möglichst kompakt gehalten wird und nicht selbst Dienste zur Verfügung stellt - ein minimales Debian bietet sich hierfür an. Kurzum: Wer plant, einen Server auf Xen umzustellen, sollte diesen komplett neu aufsetzen, um von Xen profitieren zu können. Hoster der gehobenen Preisklasse werden Xen verstärkt als Alternative zum pseudo-virtualisierten Vserver einsetzen, während die Vserver-Preiskämpfer durch den etwas höheren Arbeitsspeicherund Festplattenbedarf gegenüber Virtuozzo abgeschreckt sein dürften.

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