Großrechner- Feeling

Teil 4: Xen: Viele Linux-Instanzen auf einem PC

Unmittelbar nach dem Start ist die Betriebssysteminstanz natürlich nur die Domain Zero. Um wirklich von Xen profitieren zu können, benötigen Sie noch unprivilegierte Instanzen. openSUSE 10.1 bietet hierfür bereits ein rudimentäres Framework- die einzelnen Instanzen benötigen dennoch etwas Nacharbeit. Um diese Nacharbeit abzukürzen und die unprivilegierten Instanzen kompakt zu halten, entschieden wir uns für das Root- Dateisystem des uClibc-Projektes.

Xen: Viele Linux-Instanzen auf einem PC

© Archiv

Der Befehl xm list zeigt die aktiven Xen-Domains, hier läuft testweise ein FreeBSD als Gast.

Auf einem openSUSE-System, das mit einer Domain Zero gestartet wurde, genügt das Anlegen einer Konfigurationsdatei /etc/xen/ uclibcroot.cfg mit folgendem Inhalt:

kernel = "/boot/vmlinuz-2.6.16-8-xen" 
memory = 32 
name = "uclibcroot" 
vif = [ 'mac=00:16:de:ad:be:ef' ] 
disk = [ 
'file:/tmp/uclibcroot.img,sda1,w' ] 
root = "/dev/sda1 rw" 
extra = "ipaddr=192.168.1.93 
gateway=192.168.1.252"

Der Pfad zum Dateisystem-Image ist gegebenenfalls anzupassen. Wichtig sind die Leerzeichen zwischen eckiger Klammer und einfachem Anführungszeichen. Die MAC-Adresse kann beliebig gewähltwerden, sollte aber mit 00:16 anfangen - dies kennzeichnet einen nicht an Hardware-Hersteller vergebenen Bereich. Achten Sie auch darauf, dass Sie nicht zwei verschiedenen Xen-Instanzen die gleiche Hardware-Adresse zuweisen, wir zählen deshalb ab de:ad:be:ef hexadezimal hoch.

Die Zeile extra enthält die Append-Parameter des Kernels. Wir haben das uClibc-Root-Dateisystem um ein Startup-Script /etc/init.d/ S40 xennet erweitert, das die Append-Parameter ausliest und zur Netzwerkkonfiguration heranzieht. Mit Konfigurationsdatei und Dateisystem- Image wird die neue, unprivilegierte Domain gestartet:

xm create /etc/xen/uclibcroot.cfg -c

Der Parameter -c weist Xen an, das aktuelle Terminal als virtuelle Konsole der neu gestarteten Instanz zu verwenden. Dieser erste Startvorgang wird recht lange dauern, da der SSH-Daemon Dropbear Schlüssel generiert. Sie können sowohl die Schlüsselerzeugung aber auch spätere SSH-Logins etwas beschleunigen, indem Sie die neue, unprivilegierte Domain anpingen - das sorgt für dringend benötigte Zufallereignisse, denn die sonst herangezogenen Tastatur- oder Maus- Interrupts fehlen in unprivilegierten Domains. Loggen Sie sich in dieser als root ein (das Kennwort ist leer) und setzen Sie das Root-Passwort mit dem Befehl passwd. Anschließend starten Sie die Xen-Instanz neu. Wahlweise aus der domU mit

Xen: Viele Linux-Instanzen auf einem PC

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Das uClibc-Root-Dateisystem hat trotz der geringen Größe alle Entwicklerwerkzeuge an Bord. Das erleichtert Experimente beispielsweise mit Apache.
reboot

oder von außerhalb über den Xen-Monitor unter Angabe der mit xm list ermittelten Domain-ID:

xm shutdown -R 1

Ihre uClibc-Linux-Xen-Instanz ist jetzt ganz normal per SSH erreichbar. Sollten Sie - beispielsweise wegen eines abgestürzten SSHDaemons oder einer fehlerhaften Netzwerk- Konfiguration direkten Zugriff auf die Konsole benötigen, verwenden Sie

xm console 1

um sich mit der Konsole des Gastsystems zu verbinden. Der Befehl xm hält weitere Subkommandos beispielsweise für das Einfrieren von Gastsystemen oder die Migration auf einen anderen Rechner bereit, die Sie sich mit

xm help

anzeigen lassen.

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