Am Pokertisch clever handeln und dabei glücklich sein

Teil 4: Hans im Glück

So ist die Welt

Nun ist ein ausreichender Überblick gegeben über die Hauptverzweigungen, die Partien in Turbo- Sixpacks so nehmen. Ich habe verinnerlicht, dass diese Welt nun einmal genau so ist. Deshalb stört es mich auch nicht weiter, mehrheitlich Niederlagen zu erleben. Ich freue mich bewusst über jeden Laydown der Gegner, bin dankbar für gewonnene Spiele, die ich als Favorit bestritt, feiere eigene Suckouts, versuche mich über Runner-Up-Platzierungen zu freuen (hier muss ich noch besser werden) und bejuble Turniersiege. All dies um Hunderte von Negativerlebnissen jede Stunde zu kompensieren. Darüber hinaus versuche ich mein Gehirn und damit auch meine Psyche nur mit notwendiger oder förderlicher Information zu versorgen.

Hans im Glück

© Archiv

Da mein Spiel derzeit in sich ruht, brauche ich nicht zu wissen, ob ich überhaupt und wenn ja, dann von einer besseren oder aber einer schlechteren Hand gecallt wurde. Dies ist nur in Lernphasen oder Skill-Testphasen wichtig. Im normalen Alltag schaue ich mir "post-decision" nichts mehr an. Ich habe meine Tische als Kaskade angeordnet. Sobald ich mich für einen Entscheidungsbutton entschieden habe, poppt das nächst zeitkritische Fenster darüber und ich fokussiere auf die neue Situation. Kein Gedanke an ein mögliches Gegenspiel am alten Tisch, die eventuell gezeigten Karten, das Board oder gar den Ausgang der Partie.

Das Fenster wird wiederkommen mit einer neuen Frage und ich werde genug zu tun haben, diese binnen knapp 2 Sekunden zu beantworten. Taucht es aber nicht mehr auf, so bin ich wohl gescheitert. In diesem Fall drücke ich schnell auf den Button "Last Hand" und sehe, ob ich zu Recht scheiterte oder nicht. Häufen sich Szenarien mit denen ich entscheidungstheoretisch unzufrieden bin, was alle paar Wochen mal vorkommt, fahre ich die Spielfrequenz runter und sehe mir mein Spiel detaillierter an. Ist es noch im Lot? Hat sich das Gegnerfeld verändert? Oder passt eigentlich alles und nur Fortuna zickt? Gegebenenfalls justiere ich nach, dann schraube ich die Frequenz wieder hoch.

In allem was ich tue, sehe ich den Pokertisch auch immer als eine Art Basar. Wer setzt, tauscht seine Jetons für die Chance auf mehr Jetons und geht dabei das Risiko ein, die seinigen zu verlieren. Letztlich platziert der überlegene Spieler seine Jetons mehrheitlich so clever, dass sie für ihn arbeiten, also erwartungsgemäß in der Tischmitte mehr wert sind als beim Spieler liegend. Hans aus dem Grimmschen Märchen "Hans im Glück" handelt nicht so. Er wäre ein Fisch am Tisch. Er tauschte sein Gold gegen ein Pferd, dieses gegen eine Kuh, diese gegen ein Schwein, welches er gegen eine Gans tauschte.

Schließlich erhielt er Steine im Tausch gegen die Gans, welche ihm in einen Brunnen entglitten. Die Grimmsche Version eines Suckerplays: Hier mal gute Chips für einen möglichen Zauberflop, dann für den Bauchschuss fröhlich nachinvestiert. Der zusätzliche Flushdraw am Turn macht die Sache gänzlich unfoldbar. Wenn der River blankt, ist das eben Pech. Rebuy!

Inverse (Hans im Glück)

Gute Spieler sind quasi der Negativabzug, die inverse Abbildung. Sie kommen mit wenig, finden die passenden Spielzüge für die Fische am Tisch und tauschen sich mittelfristig nach oben. Sie dürfen sich keinesfalls von negativen Empfindungen während einer Durststrecke von ihrem guten Spiel abbringen lassen. Sie müssen Wege wie die von mir aufgezeigten suchen, um bei ihrem Tun für sich Glück empfinden zu können. So schwer kann dies ja nicht sein, wenn doch die Brüder Grimm in "Hans im Glück" unmittelbar nach dessen letztem Trade Folgendes zu Papier bringen: "So glücklich wie ich, rief Hans aus, gibt es keinen Menschen unter der Sonne". Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war." Er war überaus, glücklich die Steine losgeworden zu sein.

Zahler zocken - Könner kalkulieren

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