Digitale Fotoschachteln

Teil 3: Digitale Fotoschachteln

Nach den ersten Enttäuschungen im kommerziellen Windows-Bereich haben wir uns die zwei bekanntesten (kostenlosen) Linux-Lösungen digiKam und F-Spot angeschaut.

Digitale Fotoschachteln

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Das KDE-Tool digiKam besticht durch eingängige Bedienung und hohen Funktionsumfang - und ist kostenlos.

digiKam 0.9.2Die stabil laufende Beta 3 von digiKam haben wir mit der aktuellen Full-KDE-Version 2007- 02 der Debian-basierten Distribution sidux (www.sidux.com) getestet, wo digiKam bereits auf der Live-CD verfügbar ist. Direkt nach dem Start legen Sie Alben (=Ordner auf der Festplatte) an, in die Sie Ihre Bilder importieren. Über das Feld Kommentare/ Stichworte können Sie sich rechts alle verfügbaren Tags anzeigen lassen, eigene anlegen und per Drag & Drop oder Häkchen zuweisen, wobei beliebige Unterkategorien möglich sind, die Pfad-ähnlich in der Bilddatei gespeichert werden (z.B. Umgebung/ Land/Meer). Alle Angaben werden zunächst in einer internen Datenbank gespeichert, dann aber über den Befehl Album/Bilder mit Datenbank synchronisieren in die Bilder geschrieben.

EXIF- und IPTC-Tags lassen sich einzeln auch für mehrere Dateien editieren und über Bild/Metadaten/Remove aus markierten Files komplett entfernen. XMP-Untersützung gibt es noch nicht, soll aber folgen.

Weitere Highlights sind die Möglichkeiten, z.B. das EXIF-Orientation-Flag verändern zu können (bestimmt die Hochkant- oder Quer-Darstellung eines Bildes) und dank direkter Google-Maps-Anbindung und GPX-Support das Bild geografisch zuordnen zu können. Auch eine einfache MPEG-Diashow lässt sich erstellen, und Batch-Verarbeitung ermöglicht u.a. das Konvertieren vieler Bilder in andere Formate mit einem Klick. Insgesamt ist digiKam eines der Programme, die unsere einfache Anforderung am besten erfüllen - und das kostenlos mit zahlreichen Extras.

F-Spot 0.3.5Die von Novell für den GNOME-Desktop mitentwickelte und auch auf Ubuntu-Live-CDs wiederzufindende Fotoverwaltung kann mit digiKam nicht mithalten. Funktionen wie die direkte EXIF- und IPTC-Bearbeitung und Geotagging fehlen, auch in der Bedienung kann es dem KDE-Projekt nicht das Wasser reichen. Auch bei F-Spot können Sie beliebige Tags inklusive Unterordnern definieren, jedoch ist eine Wiederholung von Tags leider nicht erlaubt (z.B. Ort/München/Gasthof und Ort/Hannover/ Gasthof). F-Spot importiert auch EXIF-Tags, schreibt aber die Metadaten dafür im fortschrittlicheren XMP-Format. Leider war es uns nicht immer möglich, bereits vorhandene Metadaten zu entfernen.

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Das GNOME-Programm F-Spot unterstützt zwar XMP, kommt aber an digiKams Funktionsumfang nicht heran.

StudioLine Photo Classic 3

Bei StudioLine PhotoClassic 3 von H&M Software, bei Redaktionsschluss beim Hersteller online für 29 Euro anstatt 59 Euro zu bekommen, nehmen Verwaltungsfunktionen einen hohen Stellenwert ein, was man schon an der frühen und ausführlichen Erläuterung im Handbuch sieht. Sie haben Zugriff auf alle Bildinformationen in EXIF- und IPTC-Tags. XMP wird noch nicht unterstützt.

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Gute Bildverwaltungs-Software, wenn auch von der Bedienung her nicht immer eingängig: StudioLine Photo Classic.

Beim Katalogisieren erweist sich StudioLine Photo Classic flexibel und recht komfortabel, auch wenn die Bedienung auf dem ersten Blick nicht immer ganz eingängig ist. Beim Taggen können Sie entweder in der Bildbeschreibung eines oder mehrerer Bilder die Tags direkt durch Strichpunkt getrennt eingeben oder Sie Klicken auf den Button Stichwörter und Attribute, der Ihnen Keywords in einer Baumansicht anzeigt. Letzteres ermöglicht Ihnen das Verwalten von Keywords in Gruppen, sodass Sie den Überblick behalten, welche Begriffe Sie in welcher Schreibweise verwendet haben.

Die Tags lassen sich dann per Drag & Drop auf eines oder mehrere Bilder ziehen und über eine Anpassung der Ansicht direkt unter dem Bild anzeigen. Benennen Sie ein Tag um, wirkt sich das nicht auf die in den Bildern gespeicherten Informationen aus - Sie müssen erst die Bilder nach dem alten Tag filtern, es dort entfernen und dann das Neue wieder hinzufügen. Zudem werden die per Hand in die Beschreibung eingegebenen Stichwörter nicht in der Baumansicht angezeigt. Dafür erlaubt das Fenster Benutzte Stichwörter das Entfernen und Zuweisen bereits in markierten Bildern verwendeter Tags, wenn auch nur durch jeweils einzelnes Anklicken der Tags.

Etwas störend ist, dass das Speichern der Veränderungen in IPTCTags nicht automatisch funktioniert: Man muss erst über das Kontextmenü EXIF/IPTC/Windows Info in Originalbilder speichern auswählen. Verwirrend dabei ist, dass ohne die Verwendung dieses Menüpunktes die Tags sowohl direkt nach der Zuweisung, als auch bei einem folgenden Neustart des Programms bereits unter IPTC/NAA-Beschreibungen gespeichert sind, aber eben nur in der programminternen Datenbank. Beim Filtern ist es ähnlich: Setzen Sie einen Haken vor ein Keyword, wird die Ansicht erst aktualisiert, wenn Sie die gleichnamige Funktion wählen.

Insgesamt gesehen liefert StudioLine eine solide Tagging-Leistung, und auch die zahlreichen Filter zur Bildbearbeitung, die Erstellungsfunktion für Webalben und Featureswie die Diashow-Wiedergabe, das Versenden per Mail und das Archivieren auf CD/DVD machen aus der Software ein gutes Paket, auch wenn die Bedienung an der einen oder andere Stelle übersichtlicher und eingängiger sein könnte.

Geotagging mit und ohne GPS-Empfänger

Mit Geotagging, auch Geocoding genannt, gibt es neben HDR einen zweiten aktuellen Hype rund um die Fotografie. Die Idee: Die Bilder werden nicht nur verschlagwortet, sondern auch mit GPS-Weltkoordinaten (Längen- und Breitengrad) versehen. Wenn Sie aber bei Online-Portalen wie Flickr die Möglichkeit nutzen, die Bilder einfach per Drag & Drop auf einen Punkt der eingeblendeten Yahoo- oder Google-Maps- Karte zu schieben, um so die Aufnahmeposition als Tag hinzuzufügen, verbleiben diese Informationen nur online.

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Der effizienteste Weg zum Geotagging ohne GPS-Empfänger: Picasa mit Google Earth.

HandarbeitSollen die Informationen auch offline verfügbar sein, haben Sie mehrere Möglichkeiten, die GPS-Informationen in EXIF-Tags zu speichern. Besitzen Sie keinen GPS-Empfänger, erfolgt auch hier die Positionierung anhand von Kartenmaterial.

Die kostenlose Software Locr GPS Photo vom gleichnamigen Dienst www.locr.com blendet wie das Linux-Tool digiKam eine Google-Maps-Karte ein, auf der Sie das Fadenkreuz auf den richtigen Punkt verschieben und auf Manuelles Geotagging klicken. Haben Sie jedoch Google Earth installiert, ist Picasa 2 die schnellere Lösung: Markieren Sie den Ordner, dessen Bilder Sie geotaggen wollen, und benutzen Sie Tools/Geotag/Geotag mit Google Earth.... Daraufhin wird Google Earth geöffnet, und über ein kleines Picasa-Fenster am rechten unteren Rand können Sie bestimmen, ob die Koordinaten des Fadenkreuzes nur für das größer angezeigte Foto oder für alle Bilder gelten.

AutomatikAm einfachsten wäre es, wenn die Kamera die GPS-Koordinaten selbst ermitteln und speichern könnte. Derartige Modelle sind jedoch erst seit Kurzem auf dem Markt - im Gegensatz zu "allgemeinen" GPS-Empfängern. So können Sie mit einem Bluetooth- GPS-Empfänger für unter 100 Euro von Firmen wie Garmin, Magellan, Sony, Wintec oder Royaltec und einem Handy oder einem PDA mit entsprechender Software GPS-Daten über einen längeren Zeitraum hinweg aufzeichnen und mit Programmen wie dem bereits erwähnten Locr GPS Photo den dazugehörigen Bildern zuordnen.

Darüber bieten einige Geräte auch internen Speicherplatz, um die Routen ohne zusätzliche Hardware aufzeichnen zu können. Die gängigsten Aufzeichnungsformate sind GPX und NEMA, zum Konvertieren unterschiedlichster GPS-Formate ist die kostenlose Software GPSBabel von www.gpsbabel.org empfehlenswert. Weitere Infos zum Thema GPS und Navigation finden Sie z.B. unter www.pocketnavigation.de.

AusblickWas dank räumlicher Anordnung von Bildern möglich ist, demonstriert Microsoft mit der Photosynth Tech Preview unter http://labs.live.com/photosynth. Sie können eine Bilderlandschaft regelrecht "durchwandern". Sollte allerdings die Anordnung nur über Tags erfolgen, müssten zusätzlich auch Informationen wie Blickrichtung und Höhe gespeichert werden.

Fazit

Die Aufgabenstellung war simpel: Einfaches Hinzufügen von Keywords zu Bildern, ohne Eigenschaften-Dialog, sondern schnell und effizient z.B. per Drag & Drop.

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Alle genannten Programme im Überblick

Das Ergebnis ist jedoch alles andere als befriedigend: Entweder wird eine interne und damit proprietäre Datenbank verwendet, sodass man an eine Software gebunden ist, oder die Bedienung erscheint unnötig kompliziert.

Unter dem Strich geben lediglich StudioLine PhotoClassic 3, Microsofts Expression Media bzw. dessen günstigerer Vorgänger IView Media Pro und IMatch 3.6 ein positiveres Bild ab, aber auch sie setzen eigentlich zu viel Einarbeitungszeit für unsere einfache Aufgabe voraus.

Für Tagging-Willige bleibt der Rat, die Demo- Versionen der genannten Programme auszuprobieren oder im Freeware-/Shareware-Lager nach der Nadel im Heuhaufen unter all den Hunderten, wenn nicht sogar Tausenden von Tools zu finden, die Unterstützung für IPTC- und EXIF-Support versprechen - oder Vista bzw. Linux einzusetzen.

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