Jäger der verlorenen Daten

Teil 3: Datenrettung wie die Profis

Eine weitere beliebte Variante, in kurzer Zeit möglichst viele Dateien zu verlieren, sind formatierte Partitionen. Schnell ist ein Laufwerksbuchstabe verwechselt und statt der Speicherkarte für die Digicam das Laufwerk mit dem Bildarchiv bearbeitet. Gelegentlich kommt es auch vor, dass ein Laufwerk nach Installation eines System-Tools verschwindet. Bei USB-Sticks kann es übrigens eine völlig andere Ursache haben, wenn sie im Explorer kein Laufwerkssymbol haben.

Beachten Sie den Unterschied zwischen dem Anlegen oder Löschen einer Partition (zum Beispiel über die Datenträgerverwaltung von Windows) und dem Formatieren mit einem Dateisystem wie FAT oder NTFS. Erst beim Formatieren werden die Cluster der Partition verändert. Vor einer Formatierung sind die Chancen einer Datenrettung also deutlich besser. Auch bei verschwundenen Partitionen gilt, dass meistens nur die Verwaltungsinformationen gelöscht oder geändert wurden. Die auf dem Laufwerk gespeicherten Daten sind in aller Regel noch vorhanden. Bei jeder physikalischen Festplatte sind im Master Boot Record (MBR) die Informationen hinterlegt, welche Partitionen darauf angelegt sind. Jede Partition hat wieder einen eigenen Bootsektor, der Angaben zur Position und Größe enthält. Diesen Bootsektor muss ein Datenrettungsprogramm identifizieren und dazu sämtliche Cluster der Festplatte absuchen. Das leistet zum Beispiel PC Inspector File Recovery. Die Alternative ist das Open-Source-Programm TestDisk, das gezielt Bootsektoren repariert und nach verschwundenen Partitonen sucht. Die Bedienung über die Windows-Kommandozeile ist allerdings eigenwillig (www.cgsecurity.org/wiki/TestDisk).

Datenrettung wie die Profis

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Defektes Dateisystem

Neben einem Mausklick aufs falsche Ziel kann auch ein Fehler im Dateisystem Ursache für verlorene Dateien sein. Manchmal entstehen solche Fehler bei einem Windows-Absturz oder durch ein unsauber programmiertes Tool. Gar nicht so selten ist etwa beim FAT32-Dateisystem, dass zwei Dateien denselben Cluster benutzen. Eine der beiden Dateien ist dann nicht mehr zu reparieren. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass durch einen Dateisystemfehler in einem Verzeichnisbereich die eigentlichen Datenblöcke der Dateien unbeschädigt bleiben. Ein Datenrettungsprogramm, das sämtliche Cluster auf Verzeichnisreste und Dateiformate prüft, hat gute Chance, die verwaisten Dateien aufzuspüren. Wenn Sie Dateien vermissen, sollten Sie mit der Fehlerprüfung von Windows zunächst vorsichtig umgehen (über das Kontextmenü des Laufwerks mit Eigenschaften/Extras). Lassen Sie die Option Dateisystemfehler automatisch korrigieren zunächst ausgeschaltet. So stellen Sie fest, ob es überhaupt Fehler gibt. Beim Korrigieren gehen Sie das Risiko ein, dass noch vorhandene Cluster mit neuen Daten überschrieben werden.

Ab ins Labor

Wenn Sie mit Datenrettungsprogrammen nicht zum Ziel kommen oder tatsächlich die Festplatte mechanisch oder elektrisch defekt ist, müssen Sie entscheiden, wie viel Ihnen die verlorenen Dateien wert sind.

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Brandschaden: Datenrettungslabors extrahieren noch Dateien von verkohlten Platten.

Vorsichtig sollten Sie auch sein, wenn eine Festplatte beim Zugriff ungewöhnliche Geräusche produziert. Das weist auf einen echten Hardware-Fehler hin. Setzen Sie ein Datenrettungstool auf eine solche Festplatte an, wird sie durch die intensiven Lesevorgänge erheblich belastet. Im schlimmsten Fall werden dadurch weitere Daten zerstört.

Sie sollten sich dann an ein professionelles Datenrettungslabor wenden. Die Spezialisten können defekte Teile der Festplatte ersetzen und sie im Reinraum sogar öffnen. Die meisten Anbieter erstellen kostenlos eine Expertise mit den zu erwartenden Kosten und einer Liste der Dateien, die sich wieder herstellen lassen. Je nach Schaden und Dateiumfang muss man bei einer Festplatte mit Kosten ab 800 Euro rechnen. Die geretteten Dateien erhalten Sie auf DVD oder einem anderen Datenträger zurück. Gegen Aufpreis bieten die meisten Labors eine beschleunigte Bearbeitung, etwa als Über-Nacht-Service an.

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Die Profis: Datenrettungslabore mit Niederlassungen in Deutschland.

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