Außenaufnahmen optimal gestalten

Teil 2: Workshop: Landschaftsaufnahmen

  1. Workshop: Landschaftsaufnahmen
  2. Teil 2: Workshop: Landschaftsaufnahmen

Der Name Fotografie leitet sich vom griechischen Begriff ?"photos graphein" ab, was soviel heißt wie "mit Licht zeichnen"??. In der Fotografie ist trotz aller technischen Entwicklungen immer noch die richtige Beleuchtung für ein Bild ausschlaggebend. Nicht die modernste, beste, schnellste und technisch ausgereifteste Kamera macht das Bild, sondern der Fotograf, der die Lichtstimmung im Bild einfängt.

Istrien

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Istrien im Sommer: Der unscharfe Vordergrund gibt dem Bild mehr Tiefenwirkung.

In vielen Veröffentlichungen ü?ber Fotografie liest man, dass das beste Licht zum Fotografieren der Sonnenaufgang oder die Zeit kurz vor Sonnenuntergang ist. In dieser Zeit ist das Licht von der Stimmung her sehr warm, die Sonne steht tief, es gibt eine interessante Schattenbildung. Das ist richtig und auch die meisten meiner Bilder entstehen in dieser Zeit. Aber versuchen Sie auch mal, bei anderen Lichtsituationen zu fotografieren - und Sie werden sehen, es kann sich lohnen.

Perspektive

© Archiv

Klassische Methode: Perspektivisch zulaufende Linien lenken den Blick aufs Motiv

Kurz vor einem Regenschauer, wenn es eine dramatisch Wolkenstimmung gibt, können spannungsvolle Aufnahmen geschossen werden. Nach einem Regenguss ist die Luft gereinigt. Bei Landschaftsaufnahmen hat man immer das Problem, dass Unreinheiten in der Luft die Bildqualität mindern, man schraubt Skylight- oder UV-Filter vor das Objektiv, um diese Probleme zu mildern. Das ist nach einem Regenschauer nicht notwendig. Der Regenguss hat die Luft gereinigt, es gelingen klare Landschaftsaufnahmen und man hat unter Umständen noch die theatralische Wolkenstimmung des Unwetters. Sehr interessant können nach einen Regen auch Aufnahmen sein, bei denen sich die Landschaft in entstandenen Regenpfützen spiegelt.

Leuchtturm

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Vordergrund ade: Die Verlegung des Horizont nach unten betont den Himmel.

Licht und Nebel

Landschaftsfotografie ist also nicht nur Schönwetterfotografie, sondern vielmehr das Suchen nach interessanten Lichtstimmungen. Im Herbst, bei Nebelstimmung habe ich schon fantastische Bilder gemacht. Brückenteile, die aus den Nebel herausragen oder Nebelschwaden, die über einem See liegen. Bei Nebel ist die Lichtstimmung gedämpft, ruhig, die Farben pastellartig. Es gelingen fast monochrome Aufnahmen wie das Foto des Kreuzes am Wegesrand zeigt. Die Nebelwand im Hintergrund stellt das Motiv frei und hebt es hervor. Durch die geringe Farbsättigung der Aufnahmen hebt sich die goldene Jesusfigur vom restlichen Bild ab.

Beim Bild des herbstlichen Waldweges hatte ich das Glück, dass am späteren Vormittag die Sonne stärker wurde und die Lichtstrahlen den Nebel durchbrachen. Dadurch entstanden die interessante Lichtstimmung und der Schattenwurf der Bäume auf dem Waldweg.

Bei Nebel gelingen auch scherenschnittartige Aufnahmen von Bäumen oder Sträuchern, die sich fast schwarz vor grauem Hintergrund abzeichnen. Beim Bild der Sträucher bezog ich die Sonne, die den Nebel zu durchdringen versucht, mit in den Bildaufbau ein. Um mehr Spannung zu erzeugen.

Morgens und Abends

Besonders lohnende Motive sind Sonnenauf- oder -untergänge. Mit Belichtungsautomatik fotografiert, erhält man stimmungsvolle Aufnahmen, bei denen die Sonne richtig belichtet ist. Das Umfeld wird sehr dunkel und rötlich abgebildet. Motive im Vordergrund erscheinen silhouettenhaft. Bei Sonnenuntergängen mache ich meist eine ganze Reihe von Aufnahmen, denn die Lichtstimmung ändert sich innerhalb weniger Minuten.

Fotografiert man kurz vor dem Untergang zur so genannten blauen Stunde, erscheint der Himmel noch tief blau und die Sonne beleuchtet die Wolken am Himmel. Die Wolken selbst werden dunkel abgebildet nur die Kanten reflektieren das Sonnenlicht und es entsteht ein weiß oder orangefarbener Lichtsaum um die Wolken. Der Farbkontrast der Komplementärfarben Blau und Gelb verstärkt die Spannung in der Aufnahme.

Bei Aufnahmen direkt zum Zeitpunkt des Untergangs der Sonne überwiegt die Farbe Rot. Das ganze Bild ist in rot und orange Töne getaucht. Fotografiert man den Auf- oder Untergang der Sonnen an einen Gewässer, wird der Effekt im Wasser gespiegelt und die Spiegelungen verstärken die Bildaussage.

Um noch mehr Tiefe in das Bild zu bekommen, beziehe ich bei diesen Aufnahmen Motive im Vordergrund mit ein. Bäume, Sträucher oder Felsbrocken eignen sich hier besonders gut. Diese Motive sind zwar nur schemenhaft abgebildet, aber sie steigern die Bildwirkung.

Die Schärfe stelle ich bei der Aufnahmesituation auf die Sonne ein. Dadurch sind die Gegenstände im Vordergrund oft nicht ganz scharf abgebildet, aber diese Unschärfe in Vordergrund verstärkt die Tiefenwirkung des Bildes. Wenn Sie Personen im Nahbereich einbeziehen wollen, stellen Sie aber auf die Personen scharf und schalten den Blitz der Kamera zu, damit diese nicht unterbelichtet werden.

Aus der Luftperspektive

Ein weiteres Phänomen von Landschaftsaufnahmen ist die Luftperspektive. Hier unterstreichen verschiedene Tonwerte von Vorder-, Mittel- und Hintergrund die räumliche Tiefe. Entfernte Bildmotive erscheinen heller und blauer als nahe liegende, weil das Licht durch Dunst und Staubpartikel gefiltert wird. Der Effekt ist frü?hmorgens und abends am augenfälligsten und kann durch Teleobjektive zusätzlich betont werden. Im Bildbeispiel der Berglandschaft ist dies gut zu erkennen. Während die Farben im Vordergrund noch gut zu sehen sind, verblassen sie zunehmend mit der Entfernung.

Bildaufbau ist wichtig

Für ein gutes Foto ist neben dem Licht der richtige Bildaufbau wichtig. Landschaftsaufnahmen sollten immer einen Vorder-, Mittel- und Hintergrund haben. Durch diesen Aufbau erhält das Bild Tiefe.

Durch die Einstellung der Schärfe und der Wahl der Blende, kann eine Aufnahme zusätzlich gestaltet werden. Die Blende am Objektiv entscheidet über die Tiefenschärfe eines Bildes. Bei einer kleinen Blende von 11, 16 oder 22 ist die Tiefenschärfe sehr groß, das ganze Bild wird scharf abgebildet. Nimmt man eine große Blende von 2,8, 4, oder 5,6 ist der Schärfenbereich gering. Stellen Sie Blumen im Vordergrund scharf ein und wählen eine offene Blende, so erscheint die Landschaft im Hintergrund unscharf und die Blumen werden das Hauptmotiv.

Manchmal ist es aber auch dienlich, den Vordergrund unscharf zu halten. Bei der Aufnahme der istrienschen Stadt Rovinj stellte ich die Schärfe auf die Gebäude, dadurch wurden der Baum und der Weg unscharf. Der unklare Vordergrund umgibt das Bild wie ein Rahmen. Dies alles fü?hrt zu einer Steigerung der Tiefenwirkung. Der Blick wird auf das Hauptmotiv gelenkt.

Am Horizont

Ein weiterer wichtiger Gestaltungspunkt ist der Horizont. Viele Fotografen machen den Fehler, ihn in den Mittelpunkt zu setzen -?? aber dadurch verliert das Bild an Spannung. Durch die Verlegung ins untere oder obere Drittel erweckt eine Aufnahme mehr Aufmerksamkeit. Ist ein Motiv im Vordergrund interessanter, legt man den Horizont ins obere Drittel, hat die Landschaft eine beeindruckende Wolkenstimmung, setzt man ihn nach unten.

Himmel und Küste

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Zu viel Blau: Der Himmel ist hier eintönig, deswegen wird der Horizont nach oben verschoben.

Beim Bild des Turms von Cap Byron wurde der Vordergrund vernachlässigt, da die Wolken eine spannungsvolle Zeichnung hatten. Sie verlaufen streifenförmig, wie als ob sie auf den Turm weisen wollten. Um noch mehr Spannung zu erhalten, wurde der Turm nicht mittig fotografiert, sondern ins rechte Drittel gelegt. Anders die Meerlandschaft vor der australischen Kü?ste: Der Himmel ist vollkommen wolkenlos, dagegen ist im Vordergrund durch die anlandenden Wellen richtig Aktion. Wichtig ins auch, dass der Horizont waagrecht verläuft. Vor allen bei Aufnahmen an Seen oder am Meer sollte man die Kamera gerade halten, sonst hat man das Gefühl, das Wasser würde aus den Bild heraus laufen.

Problem Belichtungszeit

Bei Landschaftsaufnahmen mit wenig Licht achten Sie besonders auf die Belichtungszeit. Je länger, desto eher besteht die Gefahr des Verwackelns. Als Faustregel gilt: Die Zeit sollte nicht länger als der Kehrwert der Brennweite sein. Verwenden Sie zum Beispiel ein 30mm-Objektiv, so sollte die längste Belichtungszeit 1/30s betragen. Sonst empfiehlt sich die Verwendung eines Stativs oder die Erhöhung der ISO-Zahl, damit wird der Chip lichtempfindlicher. Aber mit erhöhter Empfindlichkeitseinstellung besteht die Gefahr des Bildrauschens, die Bildqualität wird schlechter.

Belichtungszeit

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Zeitspiele: Lange Belichtungszeit bildet fließendes Wasser weich und verwischt ab, kurze Zeit lässt es einfrieren.

Die Belichtungszeit ist bei Landschaftsaufnahmen nicht nur wichtig, um verwacklungsfrei zu fotografieren. Man kann sie auch gestalterisch einsetzen. Fotografieren Sie fließendes Wasser mit einer kurzen Zeit, so "??frieren"?? die Wassertropfen ein. Man sieht, wie das Wasser spritzt, es entsteht Aktion, man kann sich vorstellen, wie schnell das Wasser dahinfließt. Eine lange Belichtungszeit dagegen verwischt das Wasser, das Gewässer wird weich gezeichnet. Es entsteht ein gemächlicher, ruhiger, fast verzauberter Eindruck.

Nützliches Zubehör

- Für Aufnahmen bei Dämmerung empfiehlt sich ein Stativ. Kompaktkameras brauchen nur ein leichtes, kleines Stativ, bei Spiegelreflexausrüstungen sollte es schon etwas stabiler und schwerer sein.

Polfilter

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Intensiv: Polfilter verstärken die Farbsättigung und den Kontrast zwischen Himmel und Wolken.

- Filter sind in der Landschaftsfotografie besonders beliebt. Polarisationsfilter steigern der Kontrast zwischen weißen Wolken und blauem Himmel. Sie verstärken die Farbsättigung, können aber nicht dauernd auf der Kamera bleiben, sondern sollten nur bei Sonnenschein verwendet werden.

- Gerne werden auch Verlaufsfilter verwendet. Das sind Filter, die von einer völlig durchsichtigen Seite in einem Verlauf in eine bestimmte Farbe ü?bergehen. Dadurch kann zum Beispiel ein zu heller Himmel abgedunkelt und zugleich eingefärbt werden.

-Aber Vorsicht: Diese Effektfilter wirken oft kitschig -?? wendet man sie zu oft an, sieht man sich schnell satt. Und schließ?lich lässt sich der Effekt auch nachträglich am PC mit einem Bildbearbeitungsprogramm erzeugen.

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