Vergleichstest: DVD-Festplattenrecorder

Teil 2: Vergleichstest: DVD-Festplattenrecorder

  1. Vergleichstest: DVD-Festplattenrecorder
  2. Teil 2: Vergleichstest: DVD-Festplattenrecorder

Die entscheidende Frage ist, was der Endkunde mit dem Gerät alles anstellen will. Moderne DVD-Recorder haben sich immer mehr von ihrer eigentlichen Bestimmung, der Aufzeichnung von Fernsehinhalten und deren zeitversetzter Wiedergabe, entfernt. Zusätzlich fungieren viele Geräte als Musikserver, Fotoalbum oder DivX-Speicher. Gerade Pioneer hat mit der Integration mehrerer USB-Buchsen in seine Topmodelle und deren Einsatz zum Fotodruck oder Musiktausch mit dem PC die Multimedialität auf die Spitze getrieben, doch brauchtman diese Features wirklich?

Pioneer DVR-550 H

© Archiv

Pioneer DVR-550 H, 480 Euro, 406 Punkte

Für Menschen, die dies verneinen, hat die Firma den DVR-550 H im Angebot, einen DVDFestplattenrecorder ohne USB-Buchse und doppelten Boden, dafür mit einer Aufnahmeund Wiedergabequalität, die doppelt so teuren Geräten in nichts nachsteht. Seine Festplatte ist mit 160 GByte auf den ersten Blick mager bemessen, doch fasst sie in der manuell einstellbaren Sparqualität satte 455 Stunden Film. Das reicht locker für jede Menge Folgen der Lieblingsserie. In Optimalqualität (SP) passen immer noch gut 40 Spielfilme auf dem Massenspeicher. Wenn man geschickt mit den Aufnahmemodi umgeht, brauchen nur wenige wirklich mehr Archivkapazität. Die guten Filme brennt man sowieso auf DVDs, was mit dem Pioneer auch nach dem intuitiv funktionierenden Herausschneiden von Werbung sogar in Highspeed gelingt - jedoch nicht inklusive vorbestimmter Kapitelmarken.

Sogar den ausgereiften Programmführer GUIDEplus+ bietet Pioneer im DVR-550 H an. Dieser redaktionell aufbereitete EPG erstellt Übersichten der Sendungen der wichtigsten Anbieter für eine Woche im Voraus und lässt sich durch Genre-Angaben und Suche nach Stichwörtern personalisieren. Über einen Infrarotsender steuert er angeschlossene Settop- Boxen, sodass auch Satelliten- und digitale Kabelempfänger in den Genuss einer Aufnahmefunktion kommen. Wie bei Topgeräten üblich, werden zur Aufnahme die hochwertigen RGB-Leitungen der Scartverbindung genutzt. So stellt sich der DVR-550 H als gutes Gerät für Nutzer einer Settop-Box oder des analogen Kabelempfangs heraus, denn DVBT wurde weggelassen. Hierfür gibt es ja den DVR-550 HX, der allerdings gleich mit 120 Euro mehr zu Buche schlägt.

Auch multimedial ist man beim preiswerten Pioneer auf der sicheren Seite. Er spielt wichtige Codecs nicht nur von CD und DVD ab, sondern kopiert MP3, WMA und JPG direkt auf die Festplatte. Allein DivX-Filme, die von LG ebenfalls gespeichert werden, bleiben außen vor. Dafür kann der DVR-550 H auch Audio- CDs für seine Jukebox rippen, nur die Künstler- und Liedernamen muss man per Hand eintippen. Hier wird übrigens der USB-Eingang der großen Brüder vermisst, denn dort lässt sich sogar eine PC-Tastatur anschließen.

Pioneer ist eine Premiummarke und will auch mit dem Einstiegsrecorder diesen Ruf nicht gefährden. So sieht der Kunststoff des Gehäuses auch echtem gebürsteten Aluminium ähnlicher als es die Mitbewerber fertigen können. Vor allem ist es jedoch die Bildqualität, auf die man nichts kommen lassen möchte. Hier wird nach unseren objektiven Tests und Messungen mit derselben Bildverarbeitung gearbeitet, die letztes Jahr noch die dreimal so teuren Recorder besaßen. Die Eingänge werden sehr hochwertig digitalisiert. Schatten oder Unschärfen sind kein Thema, die Farben jedoch etwas matt. Jedenfalls auf den ersten Blick, denn unter den vielen Einstellparametern für den Bildabgleich finden sich auch Farbsättigung und Farbton.

Die mannigfaltigen Parameter für Aufnahme und Wiedergabe sind neben der sauberen Signalverarbeitung die großen Stärken von Pioneer und für das glasklare Bild verantwortlich. Hier spielt er in der obersten Liga mit - wenn man es sozusagen einmal wagen darf 480-Euro Äpfel mit 1000-Euro-Birnen zu vergleichen. Wäre da nicht die Kodierung von Panasonic, die unter extremen Bedingungen, was Bewegung und Rauschen betrifft, ohne Einstellungsverrenkungen, also von sich aus automatisch, weniger Blockartefakte erzeugt, dann wäre die Aufnahmetechnik von Pioneer ungeschlagen. Bei der reinen Wiedergabe hat Pioneer sowieso die Nase vorn. Für 550 Euro und erst recht für den im Herbst zu erwartenden deutlich reduzierten Verkaufspreis kann man das Gerät durchaus als reinen Player empfehlen, ohne die Recorderfunktionen bewertet zu haben. Der Marktpreis wird gesenkt werden, da ein größerer Bruder (DVR-555 H) inklusive der vollwertigen USB-Funktionalität für 400 Euro zu haben sein wird. Dann wird der DVR-550 H zum echten Superschnäppchen für Qualitätsbewusste.

Wertung: Pioneer DVR-550H

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Die Wertung des Pioneer

Der Gigant Sony RDR-HXD 1070

Gerade haben wir noch darüber seniert, dass 160 Gigabyte eigentlich für sparsame Aufnahmen ausreichen sollten, da stellen wir hier den DVD-Festplattenrecorder mit der größten jemals eingebauten Festplatte vor - den Sony RDR-HXD 1070. Es sind gigantische 500 Gigabyte, die im Inneren des Gerätes schlummern und auf TV- und Multimediadaten warten. Im niederwertigen Super- Extended-Play-Modus passen damit über 1000 Stunden der Lieblingsserie in das Gerät. In SP, also sehr guter Filmqualität, sind es immerhin 210 Stunden, also weit über 120 abendfüllende Spielfilme.

Sony RDR-HXD 1070

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Sony RDR-HXD 1070, 900 Euro, 427 Punkte

Der Sony ist also etwas für Vielseher - oder Menschen, die sich nicht immer damit stressen lassen wollen, Sendungen "wegsehen" oder archivieren zu müssen, weil der Plattenplatz zur Neige geht. Zusätzlich kann der Sony auch für Daten anderer Herkunft genutzt werden. Über CDs, DVDs oder den USB-Anschluss lassen sich MP3-Musik und JPG-Fotos in die Musik-Jukebox und das Fotoalbum auf der Festplatte kopieren. Auch Audio-CDs lassen sich erfassen und werden unkomprimiert auf die Festplatte geladen. Bei der Vergabe der Namen leistet der USB-Port gute Dienste. Hier lässt sich eine PC-Tastatur benutzen. Der Sony besitzt also, was dem preiswerten Pioneer gefehlt hat - die USB-Anschlüsse. Diese werden hier auch wirklich intensiv genutzt - selbst Pict- Bridge-Drucker lassen sich insSystem integrieren und drucken das Archiv des Fotoalbums in perfekter Qualität aus. Diese perfekte Druckqualitätwird leider beim Anschauen der Bilder noch von keinem DVD-Festplattenrecorder geboten. Was der Experte "HD-JPG" nennt ist die Ausgabe der Fotodaten in der Auflösung des HDMI-Ports und damit des HDready und FullHD-Fernsehers. Momentan werden alle Fotos in der DVD-Auflösung 720 x 576 Pixel berechnet und dann hochskaliert. Besonders interessant ist, dass sich Fotos jetzt zu Diashows zusammengefasst auf DVDs kopieren lassen - und zwar nicht nur als Originaldaten, sondern zusätzlich auch als Slideshows im DVD-Format. Es werden also richtige Diashow- Filmsequenzen erzeugt, die auf jedem DVDPlayer abspielbar sind - nicht nur jenen mit JPG-Wiedergabe. Diese Bilderkopierfunktion unterstützt der kleine Pioneer übrigens auch.

Apropos Pioneer: Bei näherem Hinsehen fällt wieder die Verwandschaft beider Geräteportfolios ins Auge. Bildschirmmenüs, Anschlüsse, Messwerte - alles mehr als verdächtig ähnlich. Was wir bei unserem letzten Verlgeichstest in der Ausgabe 7 als OEM-Zukauf deuteten, wurde von beiden Herstellern aufs Schärfste dementiert und deshalb wollen wir hier auch die Tatsachen richtig stellen. Man habe eine Entwicklungskooperation, um die besten Techniken und Ideen aus beiden Lagern zu vereinen. So weit, so gut. Wenn so eine Gemeinschaftsaktion tatsächlich die besten Features vereint und damit überlegene Supergeräte hervorbringt finden das alle toll - Hersteller wie Kunden.

Die Bildqualität des Sony befindet sich dann auch jenseits jeder Kritik. Sie besitzt dieselben hochwertigen Eingangsstufen, Digitalisierer und Kompressionsverfahren wie die Pioneers - nur dass man hier aufgrund der riesigen Kapazität der Festplatte für wichtige Filme gerne den speicherfressenden aber qualitativ optimalen HQ-Modus nutzen kann. Insgesamt bringt die große Festplatte also sogar einen Qualitätsgewinn. Mannigfaltige Bildeinstellungen und -verbesserungen, sowohl für die Aufnahme als auch für die Wiedergabe, dürfen in Sonys Referenzmodell natürlich nicht fehlen und holen das Letzte aus jeder Quelle heraus. Bei der Wiedergabe erwies sich das De-Interlacing für 1080p50 sogar noch einen Tick ruhiger als beim Pioneer und auch dem Panasonic überlegen - weit jenseits von den mageren Fähigkeiten des LG. Der neue Sony ist ein Recorder, der alles kann und der das auch noch in bestechend guter Qualität macht.

Wertung: Sony RDR-HXD 1070

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Die Wertung des Sony

Fazit

Der Markt für DVD-Festplattenrecoder scheint sich nur noch durch Ausstattungswettrüsten zu definieren. Anders ist es kaum zu erklären, dass aufnahmetechnisch die teuersten und preiswerteren Modelle sich nur marginal unterscheiden und auch im Generationswandel nur wenig optimiert werden kann. Natürlich schmerzt es einen Hersteller, wenn er die qualitätsrelevanten Features der Referenzmodelle auch in die kleinen Produkte integrieren muss, doch der enorme Preisdruck verlangt nach Spitzenqualität auch im Massenmarkt. Immerhin klappt das gut im Segment der DVD-Festplattenrecorder, wo A-Marken mit ausgereiften Qualitätsgeräten den Markt bestimmen und einige Chinahersteller schon verzweifelt aufgegeben haben. Konsequenz ist, dass für Features wie DVB-T-Tuner, große Festplatte, USB-Schnittstelle oder gar eine besonders edle Verarbeitung jetzt umso mehr Aufpreis gezahlt werden muss.

Testergebnisse

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Die Gesamtwertung im Überblick

Wenn wir also diesmal Äpfel mit Birnen vergleichen, sieht es eher so aus, als wären wir bei den preislich unvereinbaren Recordern von Sony und Pioneer nur an einen besonders dicken und einen schlankeren, jedoch genauso schmackhaften Apfel vom selben Baum geraten, während die klassengleichen LG- und Panasonic-Geräte von unterschiedlichen Birnenplantagen stammen müssen.

Daten und Messwerte

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Daten und Messwerte

WISSEN: AUFNAHMEKAPAZITÄT

DVDs werden mit variabler Datenrate aufgezeichnet, die sich jedoch an einem vorgegebenen Durchschnittswert orientiert. So ist die absolute Aufnahmequalität dennoch abhängig von der Komplexität des Ausgangsmaterials, doch gibt es dadurch eine gute Orientierung, wie viele Filmminuten auf einen DVD-Rohling bzw. auf eine Festplatte passen. Wie damals bei VHS gibt es bei DVD-Recordern mehrere Spielzeit-, also bitratenabhängige Aufnahmemodi.

KapazitätDVD
Single Layer
4,7 GByte
LG
RHT 299 H
400 GByte
Panasonic
DMR-EX 77
160 GByte
Pioneer
DVR-550 H
160 GByte
Sony
RDR-HXD 1070
500 GByte
Stunden Aufnahme- kapazität0,66--23 (XP+)69 (HQ+)
gute1106 (XP)36 (XP)35 (XP)105 (HQ)
Qualität1,5---155 (HSP)
 2207 (SP)70 (SP)69 (SP)210 (SP)
 2,5---265 (LSP)
mittlere3---315 (ESP)
Qualität4404 (LP)138 (LP)138 (LP)420 (LP)
 6572 (EP)212 (EP)208 (EP)635 (EP)
 8-284 (EP)277 (SLP)850
schlechte10--346 (SEP)1060 (SEP)
Qualität111171 (MLP)---

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