Privatsphäre in Communities

Teil 2: Tags der offenen Tür

  1. Tags der offenen Tür
  2. Teil 2: Tags der offenen Tür

Dass sich die strukturierten Netzwerke der Communities nicht nur im Guten nutzen lassen, hat sich auch bei Crackern herumgesprochen. Immer wieder finden diese Wege, Skripte in Community-Profile einzuschleusen. Diese pflanzen sich selbstständig fort. Harmlos war der Kiddy-Cracker, der seine Freundesliste bei MySpace vergrößern wollte und den ersten Web-2.0-Wurm schrieb.

Tags der offenen Tür

© Archiv

Das Firefox-Plug-in schützt den Anwender vorWeb-2.0-Würmern.

Binnen 20 Stunden hatte er eine Million Freunde und ein echtes Problem. Denn er selbst konnte den Wurm nicht mehr stoppen. Bösartigere Varianten sind denkbar: Phishing, Identitätsdiebstahl, Spam etc. Die Cracker-Technik, die hier zum Einsatz kommt, nennt sich Cross-Site-Scripting oder XSS. Schutz bieten Sicherheitsprogramme mit Skript-Schutz oder die Firefox-Extension NoScript.

Das sollte man über Sie finden

Oft ist es auch günstig, ein positives Image im Web zu haben. Das ist als Experte auf einem Gebiet am einfachsten. Der Experte beteiligt sich an Diskussion, stellt dumme Fragen und gibt kluge Antworten. Sehr sinnvoll ist es, einen Blog zu einem bestimmten Thema zu führen. Über Kommentare in anderen Blogs oder Trackbacks kommt er sehr schnell in die Diskussion mit Gleichgesinnten. Das spiegelt sich schnell bei Google wieder. Auch eine Homepage mit Fachinformationen ist als Ausgangsbasis für weitere Expeditionen im Web sinnvoll.

Tags der offenen Tür

© Archiv

Wer sich entschließt, die Welt mit einer Selbstdarstellung per Video zu beglücken, sollte technisch etwas bieten können.

Noch besser ist es, wenn von außen über einen berichtet wird, wenn man also beispielsweise in einer Konferenzteilnehmer-, Redner- oder Expertenliste auftaucht. Wer als Experte in einem Presseartikel zitiert wird, hat es sozusagen geschafft und ist ein Google-Star geworden.

Wenn Sie zu einem Medium greifen, z.B. einer eigenen Webseite oder einem YouTube- Video, so sollten Sie solange anonym üben, bis Sie Technik und Stilistik einigermaßen beherrschen. Nichts ist peinlicher als ein Bewerbungsvideo, in dem der Ton lauter als Ihr Vortrag ist. Je mehr Sie positiven Input ins Web geben, desto mehr verdrängen die neuen Inhalte ältere Katastrophen.

Die neue Offenheit

Umgekehrt stellt sich die Frage, was Menschen dazu bewegt, genau das ins Web zu stellen, wofür man sich eher schämen sollte. Da werden via Blog Familienfehden ausgehandelt: "Liebe ### ich finde es ja wirklich nicht so schlimm, von Dir als asozialer Alkoholiker bezeichnet zu werden. Aber sag mal ehrlich, wo wärst Du, wenn wir Dich nicht zum Abi überredet hätten?", ermahnt der Vater sein Kind mit Vor- und Nachnamen. Nachdem er wieder nüchtern ist, löscht er den Eintrag zwar, die Online-Feedreader wie Bloglines haben ihn sich aber für lange Zeit gemerkt.

Tags der offenen Tür

© Archiv

Andy Warhol lässt grüßen: Selbstdarstellungen in Starposen gehören bei My-Space dazu. Psychologen sehen die Suche nach Ruhm als Motiv für die neue Freizügigkeit an.

Jugendliche sind noch offener mit ihrem Privatleben und damit auch schutzloser. Bauch oder sonst-wie-freizügige Fotos in Popstar-Posen sind bei MySpace ein Muss. Ein Mädchen schämt sich nicht, sich selbst und ihr Profil MoreThanBeautiful zu nennen und das auch offensichtlich ernst zu meinen.

Ein Teenager kommentiert ein Video, in dem ein Mädchen sich eine Koksnase zieht, mit den Worten: "hehe...das macht mein kleiner Bruder auch immer und ich hab das mal vor Jahren mit Schmerztabletten gemacht..." Auf unsere Anfrage, was er sich dabei gedacht hat, schreibt er entschuldigend: "heutzutage geht jeder so freizügig um". Ist die Freizügigkeit ein Thema im Freundeskreis? "Ich habe noch nicht wirklich drüber gesprochen, aber es ist schon eine Selbstverständlichkeit!" Ob er keine Angst hat, dass Eltern oder Lehrer mitlesen? "möchte gar nicht wissen, wer das alles liest. Eigentlich ist es mir aber egal. Ich steh dazu und bin immer sehr offen zu allem. "

Tags der offenen Tür

© Archiv

Das Mädchen mit der Koksnase sollte nicht unbedingt von ihren Eltern, der Polizei oder ihrem Chef bei MySpace entdeckt werden.

Offenheit ist eine schöne Charaktereigenschaft, aber bei vielen MySpace- und StudiVZ-Anwendern hatman den Eindruck, dass die Selbstschutzmechanismen ausgeschaltet sind. Psychologen bemerken seit längerem eine steigende Selbstbezogenheit und wachsenden Narzissmus. Jean M. Twenge von der San Diego State University spricht in ihrem gleichnamigen Buch von der Generation Me (Ich-Generation).

Speziell mit Online-Communities hat sich Danah Boyd von der Berkley University befasst. Sie stellt einen Zusammenhang zwischen Narzissmus in Communities und moderner Pop-Kultur her. Letztere kürt immer mehr Alltag-Stars a la American Idol (Bei uns: Deutschland sucht den Superstar/Super-Model/Super-xyz). Und gerade im Web 2.0 werden Stars durch die Wahl von anderen Mitglieder hochgebracht: Ehrensenf oder Arctic Monkeys sind bekannte Beispiele.

Die Egoschau vieler Jungendlicher dient laut Boyd der Hoffnung, bekannt und ein Star zu werden. "Für Ruhm suchende Narzissten sind nur ein paar Internet-Erfolgstories erforderlich und sie beginnen, sich selbst ins Web zu projektieren, in der Hoffnung gesehen und bewertet zu werden" schließt Boyd. Und: "Ich befürchte, Paris Hilton ist für die meisten amerikanischen Mädchen ein bedeutsameres Vorbild, als es Mutter Theresa jemals war."

Abschließend zu diesem Thema sei noch erwähnt, dass die Psychologin Twenge deutlich hervorhebt, wie kritisch Jungendliche ihre Situation selbst oft sehen und wie unzufrieden sie dann damit sind.

Viele MySpace-Profile verraten auch, dass junge Leute durchaus vorsichtig mit ihrem Spiegelbild im Netz umgehen, und eine eher oberflächliche Offenheit zeigen. "Es ist natürlich immer möglich, dass Arbeitgeber sich Profile anschauen. In meinem Profil steht nichts, was wirklich tief in mein Privatleben eindringt. Schließlich möchte ich ja auch meine Interessen oder Erlebnisse zeigen, sonst hätte ich mir kein Profil angelegt", sagt uns ein Mädchen.

Mehr zum Thema

festplatte, hardware, pc, hdd
Gelöschte Dateien wiederherstellen

Wir zeigen Ihnen, wie Sie verloren geglaubte Daten retten können - etwa mit dem kostenlosen Tool Recuva.
Windows 10 Sicherheit: Symbolbild
Computer ohne Werbung

Wir zeigen, wie Sie Adware vermeiden, damit Sie sich im Anschluss an die Installation nicht mühsam entfernen müssen.
Sicherheit im Urlaub
Diebstahlschutz, offene WLANs und Co.

Diebstahlschutz für Smartphones, Schutz in offenen WLANs und Co: Worauf Sie beim Reisen achten sollten, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Facebook-Betrug mit Fake-Profilen
Gefälschte Facebook-Konten

Betrüger nutzen gefälschte Facebook-Profile, um Geld zu ergaunern. Wir zeigen, wie Sie sich und auch Ihre Facebook-Kontakte gegen die Betrugsmasche…
Festplatte Verschlüsselung
Windows

Wir vergleichen den mittlerweile eingestellten Marktführer TrueCrypt mit dem Nachfolger Veracrypt und der Alternative Bitlocker.