Elefantengedächtnis Internet

Teil 2: Spuren im Netz

  1. Spuren im Netz
  2. Teil 2: Spuren im Netz

Das Mindeste, was Sie für Ihren guten Ruf im Netz tun können ist, dass Sie sparsam mit Ihren privaten Daten umgehen und sich persönlich zumindest dann nicht zu erkennen geben, wenn Sie Image-gefährdenden Aktivitäten nachgehen. Verwenden Sie einen Benutzernamen, aus dem man nicht auf Ihren richtigen Namen schließen kann, für den Sie sich aber auch nicht schämen müssen, wenn Sie doch erkannt werden. Nutzen Sie verschiedene Benutzernamen für unterschiedliche Foren. Achten Sie auch darauf, dass man Sie nicht anhand Ihrer E-Mail-Adresse, einer Telefonnummer oder eines Skype-Benutzernamens identifizieren kann. Und veröffentlichen Sie Fotos, dann sollten keine Straßennamen, Nummernschilder u.ä. erkennbar sein.

Zurück in die Flasche

Auch wenn Sie künftig den mahnenden Worten der Datenschützer Gehör schenken, stehen unter Umständen "Altlasten" im Netz, um die Sie sich kümmern müssen. Bestenfalls handelt es sich um Daten, die Sie selbst löschen können, beispielsweise Beiträge in Web-Foren über deren Log-in-Daten Sie noch verfügen. Ist das nicht der Fall, dann benötigen Sie die Hilfe des Betreibers des Online-Angebotes. Und der will erst einmal ermittelt sein. Bei deutschen Angeboten muss sich der Betreiber im Rahmen der so genannten Anbieterkennzeichnung mit Namen und Kontaktdaten zu erkennen geben.

Elefantengedächtnis Yasni

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Personen-Suchmaschinen wie Yasni helfen bei der Aufbereitung des eigenen Online-Profils.

Auf der Website finden Sie diese Infos üblicherweise unter dem Stichwort "Impressum". Alternativ sehen Sie sich nach Links wie "Kontakt", "Contact" oder "About" um.

Führt keiner der genannten Wege weiter, dann recherchieren Sie, wer die Domain, unter der die Infos zur Verfügung stehen, reserviert hat. Für .de-Domains besuchen Sie dazu www.nic.de und geben den Domain-Namen in das Suchformular rechts oben auf der Homepage ein. Für andere Top-Level-Domains wie zum Beispiel .com können Sie diese Whois-Abfragen beispielsweise auf www.iks-jena.de/cgi-bin/whois erledigen. Ist der Anbieter erst einmal ermittelt, dann helfen eine freundliche E-Mail oder ein netter Telefonanruf meistens viel schneller weiter als förmliche oder gar drohende Anschreiben. Das gilt vor allem in den Fällen, in denen der Leidtragende die unerwünschten Inhalte selbst veröffentlicht hat, denn hier fehlt ein rechtlicher Anspruch auf Löschung. Unter Umständen kann auch der Provider, über dessen Server und/oder Leitung die Inhalte ins Netz gelangen, Hilfe leisten. Der in den Whois-Daten genannte technische Kontakt ("Tech-C") ist hier eine erste Anlaufstelle.

Oft bedarf es einiger Hartnäckigkeit, bis sich etwas tut, aber insgesamt stehen die Erfolgschancen gut. Anders sieht die Vorgehensweise in Fällen von Beleidigung und Verleumdung aus. Hier sollten Sie allenfalls kurz verhandeln, bei Erfolglosigkeit einen Anwalt zu Rate ziehen und - wenn nötig - Strafanzeige erstatten.

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Die Homepage bei Xing, das Profil bei StudiVZ, die Fotos bei Flickr - per Internet lässt sich vieles über Sie herausfinden. Dass dabei auch Fotos…

Das leisten Daten-Detektive

Mit dem Datenwachschutz und Reputation-Defender bieten auch Unternehmen ihre Unterstützung beim Aufspüren und teilweise auch bei der Beseitigung unerwünschter Inhalte an. Der in Münster ansässige Datenwachschutz durchforstet das Netz zu Preisen ab zwanzig Euro im Monat auf neue Infos zu Ihrer Person und übermittelt Ihnen die dabei gefundenen URLs samt inhaltlichen Auszügen. Auf dieser Grundlage können Sie dann selbst die gegebenenfalls notwendigen Schritte ergreifen.

Den zuständigen Betreiber des Online-Angebots liefert der Datenwachschutz für weitere zwanzig Euro je Einzelfall ebenfalls. Prinzipiell hinterlässt das Angebot einen guten Eindruck. Es dürfte sich aber wohl in erster Linie für solche Nutzer eignen, die sich der eigenen Fähigkeiten im Umgang mit Suchmaschinen unsicher sind oder sich besonders bedroht fühlen. Alle anderen kommen den wichtigen Treffern - denen, die jeder Durchschnitts-Nutzer findet - mithilfe einer Personen-Suchmaschine und etwas Google-Erfahrung auch selbst auf die Schliche.

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Der Datenwachschutz bietet seine Recherchedienste auch Unternehmen, Eltern und Rechteinhabern an.

Während Datenwachschutz sich nur als Recherche-Dienstleister versteht, geht das US-amerikanische ReputationDefender mit dem Versprechen, Daten auch zu korrigieren oder zu löschen, einen Schritt weiter. Der Einsatz des sich noch in der Beta-Phase befindlichen Dienstes kann insbesondere dann von Vorteil sein, wenn sich unliebsame Inhalte auf USWebsites wie YouTube finden. Neben einer monatlichen Gebühr von knapp zehn USDollar berechnet man hier rund dreißig Dollar je Lösch-Versuch.

Aktiv werben

Selbst wenn es gelingt, die unvorteilhaften Inhalte aus dem Netz zu entfernen, können Sie nie sicher sein, dass es keine Kopie mehr gibt. Weil Speicherplatz nichts kostet, wird alles aufgehoben, sei es im Cache einer Suchmaschine, in einem Web-Archiv wie www.archive.org oder auf der Festplatte irgendeines sammelwütigen Mitmenschen.

Experten empfehlen deshalb nicht nur, weniger Image-fördernden Interessen anonym nachzugehen und ältere Sündenfälle nach Möglichkeit zu beseitigen. Sie raten auch dazu, das eigene Image online aktiv zu pflegen. Dabei hilft neben Beiträgen in renommierten Communities vor allem die eigene Website. Sammeln Sie hier die Links zu den wichtigen Ihre Person betreffenden Seiten im Netz und versehen Sie diese Aufstellung mit Anmerkungen und, falls erforderlich, Richtigstellungen. Und warum sollten Sie nicht geläutert über den Sündenfall bloggen, dessen Spuren sich ohnehin nicht mehr aus dem Netz löschen lassen? Damit das so zusammengestellte Profil auch seine Wirkung entfalten kann muss es natürlich bei der Suche nach ihrem Namen auch möglichst weit oben in der Google-Trefferliste erscheinen.

Online-Dienst URL:
Datenwachschutz www.datenwachschutz.de
Maltego http://maltego1.paterva.com/maltego-classic.html
myOn-ID www.myonid.de
ReputationDefender www.reputationdefender.com
Spock www.spock.com
Upscoop https://upscoop.com
Yasni www.yasni.de
Zoominfo www.zoominfo.com

Reputations-Pflege

Genau dieses Ziel streben auch die Personen-Suchmaschinen an, die eine deutlich gewichtigere Rolle für das Reputations-Management spielen möchten als nur die der spezialisierten Meta-Suche. Mit der Profil-Funktion versammeln Sie die Fundstücke, die tatsächlich Ihre Person betreffen, auf einer eigenen Profil-Seite. Eine Kommentar-Funktion, wie sie beispielsweise zum Funktionsumfang von my-ON-ID zählt, ermöglicht die Stellungnahme zu weniger positiven oder missverständlichen Fundstücken. Das derart aufpolierte Online-Profil erscheint dann bei Google & Co ganz oben auf der Trefferliste, sobald nach dem Namen gesucht wird.

Elefantengedächtnis - myON-ID

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Bereits 30 Prozent aller Personalchefs überprüfen Bewerber online, weiß myON-ID zu berichten.

Einträgen im Blog von Yasni zufolge verzeichnet zumindest dieser Dienst erste Erfolge hinsichtlich des Google-Listings. Mit einer einmaligen Aufräumaktion bei Yasni und myON-ID ist es natürlich nicht getan. Viel zu schnell erscheinen neue Infos im Netz, auch wenn Sie selbst nichts veröffentlichen. Die Powerpoint-Datei zu Ihrer Präsentation auf der letzten Fachtagung, die Teilnahme an den Kreismeisterschaften, die Weihnachtsvorführung mit der Theatergruppe, Ihre Nennung auf der Website Ihres Arbeitgebers, all das taucht früher oder später in den Trefferlisten von Google & Co auf und will in das persönliche Profil eingeordnet werden.

Fazit

Dass Suchmaschinen jeden Nutzer treuherzig über Licht- und Schattenseiten jeder gesuchten Person informieren, lässt sich nicht ändern. Deshalb gilt es, negativen Treffern vorzubeugen, indem Sie Interessen, die nicht jeden etwas angehen, möglichst anonym nachgehen. Sich mit nützlichen Beiträgen im eigenen Blog, in Web-Foren etc. in ein positives Licht zu rücken, ist die andere Seite dieser Medaille. Reputations-Management mit Yasni & Co kann diese Aktivitäten begleiten, wenn sich eine gewisse Skepsis gegenüber der mit der Profilierung einhergehenden Ausleuchtung der eigenen Person auch nicht verdenken lässt.

Elefantengedächtnis

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Unvorsichtig: Wer die Fotos vom Saufgelage unter einem Realnamen veröffentlicht, der lebt gefährlich.

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