Stadtrundfahrt mit Big Brother

Teil 2: So gefährlich ist Google Street View

  1. So gefährlich ist Google Street View
  2. Teil 2: So gefährlich ist Google Street View

Pro und Contra Interview

Peter Schaar

Interview mit Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit

magnus.de: Google fotografiert für Street View ganze Straßenzüge. Warum ist das bedenklich? Schaar: Nicht das Fotografieren selbst ist bedenklich, sondern die Tatsache, dass dadurch eine riesige weltweit zugängliche Datenbank entsteht, bei der personen- und standortbezogene Daten miteinander verknüpft werden können. Problematisch dabei ist auch, dass die Daten systematisch flächendeckend erhoben und zentral gespeichert werden. Das führt dazu, dass man von einer Person nicht nur die Telefonnummer kennt, sondern auch weiß, wo und wie sie wohnt. Über die Anschrift lassen sich weitere Daten zuordnen, solche mit direktem Personenbezug sowie statistische Angaben. Die persönlichen Lebensumstände werden so immer genauer ausgeleuchtet, und man erhält ein ziemlich präzises Bild der betreffenden Person. magnus.de: Was können Betroffene unternehmen, damit ihr Haus, oder ihre Straße nicht erfasst werden? Schaar: Es ist kaum möglich, sich gegen die Aufnahmen zu wehren. Denn die Daten werden ja im öffentlich zugänglichen Raum erhoben, was durchaus legal ist. Will aber zum Beispiel ein Hausbesitzer nicht, dass sein Haus in die Datenbank aufgenommen wird, kann er ein Schild mit einem entsprechenden Hinweis anbringen. Wie wirkungsvoll das ist, bleibt dahingestellt. Aber ich setze darauf, dass Google die Persönlichkeitsrechte respektiert und die Daten des Betroffenen entfernt. Im Zweifelsfall dürfte es aber schwierig werden, dies gerichtlich durchzusetzen. Google speichert die Daten ja nicht in Deutschland, sondern in den USA. Die deutsche Niederlassung von Google ist in Hamburg. Betroffene können sich daher auch an meinen hamburgischen Kollegen wenden, wenn datenschutzrechtliche Fragen auftreten (www.datenschutz-hamburg.de). Ein großes Unternehmen wie Google sollte persönliche Interessen und Befindlichkeiten der Bürger achten. magnus.de: Welche Maßnahmen kann der Gesetzgeber ergreifen? Schaar: Derzeit ist das Datenschutzrecht nicht darauf ausgelegt, gegen diese neue Art einer Datenerhebung und Speicherung vorzugehen. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen in den Ländern bin ich einig, dass der Datenschutz auch bei Geodaten gewährleistet werden muss. Dazu gehört insbesondere, dass der Betroffene den Anspruch hat, dass sein Widerspruch gegen die Speicherung seiner Daten beachtet wird. Die schwierigste Aufgabe sehe ich darin, diesen Anspruch bei Diensten durchzusetzen, die ihre Niederlassungen in Ländern ohne angemessenes Datenschutzniveau haben. Außerdem ist es eine dauernde Herausforderung, angesichts der zunehmenden technischen Möglichkeiten, Daten zu erheben, zu speichern und auszuwerten, Persönlichkeitsrechte und Informationsansprüche auszubalancieren.

So gefährlich ist Google Street View

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Peter Schaar

Stefan Keuschel

Interview mit Stefan Keuschel, Pressesprecher Google Deutschland.

magnus.de: Was steckt hinter dem Vorhaben von Google Street View?Keuchel: Street View bietet die faszinierende Möglichkeit, fremde Städte anzuschauen, Sehenswürdigkeiten zu entdecken und virtuell durch die Metropolen dieser Welt zu spazieren. Es gibt aber auch viele praktische Nutzen. Die Stadtansichten sind auch interessant, wenn jemand einen Umzug plant. Wer von München nach Hamburg zieht, kann sich genauer in der neuen Umgebung umschauen. Gibt es in der Umgebung der neuen Wohnung Supermärkte, Schulen, Kindergärten oder Kneipen und Cafes? Nützlich sind diese Informationen aber auch für Besucher einer fremden Stadt, die mit ihrem mobilen Gerät das nächste Restaurant oder das nächste Hotel suchen. Zukünftige Routenplaner werden neben den textlichen auch optische Informationen in Form der StreetView Bilder enthalten. Es geht bei Street View also um mehr als um die Erfüllung von Googles Mission, die Informationen dieser Welt den Menschen zugänglich zu machen.magnus.de: Wieso haben viele Bürger ein Problem damit, dass Straßen fotografiert werden?Keuchel: Man muss verstehen, dass wir mit Google Street View Neuland betreten und Dinge tun, die es vorher noch nicht gab. Es ist schon immer so gewesen, dass technische Neuerungen zunächst kritisch betrachtet werden. Bei der Einführung von Google Earth war das übrigens sehr ähnlich. Als die Leute aber erkannt haben, wie nützlich die Anwendung ist, hat sich der Protest schnell gelegt und ist einer enormen Begeisterung und intensiven Nutzung gewichen. Es geht bei Street View nämlich keineswegs darum, Personen in kompromittierenden Situationen zu zeigen. Interessant ist in dem Zusammenhang übrigens, dass sich zum Beispiel niemand über die Webcams aufregt, die in Echtzeit Personen und Autos inklusive Kennzeichen aufzeichnen und via Internet jedem zugänglich machen. Wo bleibt da die Empörung der Menschen?magnus.de: Wie beurteilen Sie die Bedenken der Bürger?Keuchel: Wir nehmen die Bedenken der Bürger absolut ernst. Am liebs-ten würden wir die Straßenaufnahmen ohne Menschen machen, was in den Metropolen nicht möglich ist. Deshalb werden Personen und Autokennzeichen auf den Bildern von Google Street View unkenntlich gemacht. Wenn sich trotz dieser Maßnahmen jemand auf einem Foto wiedererkennt, hat er die Möglichkeit, sich durch ein einfaches Formular an uns zu wenden. Ist seine Kritik gerechtfertigt, werden die strittigen Bilder aus Street View entfernt.magnus.de: Wie sehen die Zukunftspläne von Google aus? Wird demnächst ganz Deutschland digital fotografiert? Keuchel: Vermutlich wird es ähnlich sein wie in den USA. Begonnen wurde da mit fünf Großstädten und mittlerweile gibt es Street-View-Ansichten von mehreren Hundert Orten.

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Stefan Keuschel

Bildergalerie

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Sicherheit & Internet:Internet:Netzleben

Erfassen ganze Städte: Googles mit Kameras ausgerüsteten Autos.

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