Digicams richtig ausreizen

Teil 2: So funktionieren Kamera-Automatikprogramme

Am Diagramm der Kodak-Programmautomatik lässt sich der Testablauf exemplarisch gut erläutern. Im abgedunkelten Fotostudio wurde die Kamera direkt vor einem Studioblitz mit 300 Watt Halogen-Einstelllicht auf einem Stativ aufgestellt. Die Kamera wurde bei Weitwinkelstellung des Objektivs so ausgerichtet, dass sie vollformatige Aufnahmen einer vor dem Blitzreflektor montierten weißen Diffusorfolie macht. Mit Neutraldichtefiltern und der stufenlosen Helligkeitsregelung für das Einstelllicht wurden mit einem präzisen Belichtungsmesser Beleuchtungsstärken von Lichtwert 0 bis 15 eingestellt. Für jeden Lichtwert wurde ein Foto gemacht.

So funktionieren Kamera-Automatikprogramme

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Zur Auswertung des Kameraverhaltens wurden die Werte von Belichtungszeit, Blende und Empfindlichkeit der Kamera aus dem EXIF-Header der Bilddateien ausgelesen und in das Diagramm übertragen.

Die MessergebnisseDie rote Linie stellt die vom Programm eingestellte Belichtungszeit dar. Bei der Kodak-Kamera ist sie 1/60 s bis LW 6 und wird bis LW 13 auf 1/2000 s verkürzt. Die blaue Linie stellt die Kamera- Empfindlichkeit dar, die mit zunehmender Helligkeit heruntergeregelt wird und zwischen 200 und 100 ASA liegt. Die grüne Linie stellt den automatisch eingestellten Blendenwert dar. Zwischen Lichtwert 7 und 11 wird die Blende von 2,8 auf 5,6 geschlossen.

Zusätzlich ist im Diagramm eine graue Fläche eingetragen, die zeigt, bei welchen Lichtwerten das Programm automatisch den internen Blitz der Kamera zum Aufhellen zuschaltet – eine Messung der Blitzhelligkeit wurde nicht vorgenommen. Insgesamt gesehen zeigt dieses Diagramm, dass die Kodak-Programmautomatik nur im Bereich von LW 6 bis LW 13 optimal arbeitet. Bis LW 6 muss der Aufhellblitz eingesetzt werden, was nicht für jede Situation wünschenswert ist. Über LW 13 hat die Kamera keine Reserven bei Belichtungszeit, Blende und Empfindlichkeitseinstellung mehr, um sehr helle Motive richtig zu belichten, es kommt also zu einer Überbelichtung.

Fazit

Unsere Untersuchungen machen deutlich, dass Kodak Easy- Share DX6340 und Nikon Coolpix 3100 vor allem Schönwetterkameras sind, deren Automatikprogramme ohne Diagramme, wie die von uns gezeigten, nur schwer verständlich sind. Mal blitzt es, mal nicht und auch warum mit dem einem Programm gemachte Fotos verwackelt sind, mit einem anderen Programm bei gleichem Licht aber nicht, ist vielen Anwendern ohne solche Diagramme unklar. Beide Kameras reagieren allerdings prinzipiell so, wie man es von dem jeweiligen Programm erwartet, auch wenn die Objektive wie bei den meisten Kompaktkameras nur einen kleinen Blendenbereich haben (in Weitwinkelstellung bei der Coolpix 3100 2,8 bis 5,6 und bei der EasyShare DX6340 2,2 bis 5,6), was besonders die Möglichkeiten der Sport- und Porträt-Programme einschränkt.

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Der Einsatz des internen Blitzes bei den Nacht- und Sport-Programmen bei EasyShare DX6340 und Coolpix 3100 ist völlig unterschiedlich. Bei LW5 bzw. LW6 und darunter, also bei weniger Licht als in einer gut beleuchteten Wohnung, gibt es zudem erhebliche programmabhängige Unterschiede bei der Belichtungszeitensteuerung. In den meisten Betriebsarten versuchen beide Kameras, sie durch einen Aufhellblitz so kurz zu halten, dass Verwackelungsunschärfe vermieden wird. Abhängig vom Motivprogramm können Sie sich aber nicht darauf verlassen, sodass es zumindest unterhalb von Lichtwert 5 oder 6 dringend ratsam ist, auf dem Display die Anzeigen für Blende/Belichtungszeit (Kodak) beziehungsweise die Langzeitbelichtungs- Warnung (Nikon) zu kontrollieren.

Auffällig ist, dass die automatische Einstellung der Sensorempfindlichkeit bei der Kodak EasyShare DX6340 nicht bis an das manuell einstellbare Limit von 400 ASA geht, sondern nur bis 200 ASA. Dadurch wird das Bildrauschen bei hoher Sensorempfindlichkeit effektiv verringert, aber man verliert durch den Programmbetrieb natürlich auch eine Empfindlichkeitsstufe. Kameraswie die Easy- Share DX6340 sollten deshalb von ambitionierten Fotografen bei Bedarfmanuell eingestellt werden, um zu noch besseren Ergebnissen zu kommen.

Die Nikon Coolpix 3100 lässt sich nicht vollständig manuell steuern. Sie gehört zu einer Kameraklasse, die für Anwender konzipiert ist, die sich überhaupt nicht um Blende, Belichtungszeit und Sensorempfindlichkeit kümmern wollen. Für diese Klientel gibt es eine Vielzahl Kameras, die neben den hier gezeigten Standard-Automatikprogrammen über weitere Programme für teilweise sehr spezielle Situationen verfügen.

Programmautomatik

Die Programmautomatik der Digitalkamera ist die beste Wahl, wenn kein spezielles Motiv fotografiert wird. Die Programmautomatik stellt die Belichtungszeit so ein, dass sie in der hellsten Umgebung möglichst kurz ist und auch bei schlechtem Licht nicht so lang wird, dass Freihandaufnahmen fast zwangsläufig zu Verwackelungsunschärfen führen. Die Blende wird mit zunehmender Beleuchtungsstärke geschlossen und ist bei mittlerer Helligkeit durchschnittlich groß. Es gibt beim Einsatz der Programmautomatik also keine Gewichtung zugunsten einer besonders kurzen/langen Belichtung oder großen/kleinen Blende.

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Messreihe der Kodak EasyShare DX6340 mit eingestellter Programmautomatik.

Die untersuchten Kameras setzen diese Taktik gut um und Sie sind bei durchschnittlichem Tageslicht in allen Bereichen auf der sicheren Seite, sodass Sie problemlos fotografieren können. Auffällig ist an der Programmautomatik, dass die Kamera-Empfindlichkeit erst dann hochgeregelt wird, wenn die Lichtverhältnisse schon recht schlecht sind. Die Konstrukteure berücksichtigen damit, dass das Bildrauschen bei einer Steigerung der Sensorempfindlichkeit stark zunimmt. Kodak geht dabei so weit, dass die maximal einstellbare Empfindlichkeit der EasyShare DX6340 von 400 ASA überhaupt nicht erreicht wird – das gilt auch für die anderen untersuchten Programme.

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Messreihe der Nikon Coolpix 3100 mit eingestellter Programmautomatik.

Ab einer, in einer Wohnung tagsüber, normalen Helligkeit wird der interne Blitz der Kameras so stark zum Aufhellen dazugeschaltet, dass auch bei schlechterem Licht noch sicher freihand fotografiertwerden kann. Wenn Sie mit Stativ fotografieren oder die Kamera bei der Aufnahme abstützen, können Sie den Blitz ausschalten und die Belichtungszeit wird, wie bei Nacht- und Landschafts- Programmen, verlängert.

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Die Programmautomatik regelt Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit so, dass man allgemein gute Fotos macht.

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