KATZ UND MAUS

Teil 2: Musik sicher tauschen

Verantwortlich für den bisher größten Schlag gegen deutsche Tauschbörsennutzer ist die proMedia Gesellschaft zum Schutz geistigen Eigentums mbH. Sie wiederum handelt im Auftrag des Phonoverbands, der Deutschen Landesgruppe der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI, www.ifpi.de). Nach monatelangen Überwachungen präsentierten die Privatermittler rund 800 000 Datensätze und über 14 GByte Log-Dateien. Einer IFPI-Pressemeldung zufolge wurde die Überwachung "mit einer extra dafür entwickelten und weltweit einmaligen Software" durchgeführt. Gerüchten zufolge setzte das Unternehmen einen fingierten eDonkey-Server ein und protokollierte den kompletten Traffic mit, so dass die Ermittlung der IP-Adressen kein großes Problem darstellte. Rund 40 000 Nutzer wurden registriert, 3 500 davon kamen aus Deutschland.

Musik sicher tauschen

© Archiv

Als Beleg für das Vorhandensein eines solchen Honeypots wird von Insidern vor allem die Tatsache gewertet, dass der Server selbst nicht abgeschaltet wurde. Der Betrieb sei laut Staatsanwaltschaft Köln legal. Die IFPI stellte durch eine Hamburger Rechtsanwaltskanzlei im Auftrag der betroffenen Musiklabels Strafanträge gegen alle 3 500 Personen.

Eine Zahl ist in diesem Zusammenhang besonders auffallend: 40 Millionen Euro. Diese Summe fordert proMedia vom eDonkey-Nutzer Markus G.

Der 22-jährige Student gehört zu den rund 3 500 angezeigten Anwendern. Laut proMedia soll er insgesamt 4 000 Musikstücke zum Tausch freigegeben haben. Und da die IFPI pro Song 10 000 Euro als Schaden geltend macht, ergibt sich eben die Summe von 40 Millionen Euro. Wie absurd diese Forderung ist, zeigt das Rechenbeispiel, das der Rechtsanwalt des Studenten, Christian Solmecke, gegenüber der Internet-Wochenzeitung Jungle-World.com aufstellte. "Ein Song kostet im legalen Download 99 Cent. Um einen Schaden von 10 000 Euro zu verursachen, müsste man das Lied also 10 000 Mal weiter verbreiten. Mit einer herkömmlichen DSL-Verbindung hätte mein Mandant 142 Jahre gebraucht, um alle 4 000 Songs wirklich so oft weiterzugeben."

Allerdings ist klar, dass es sich bei diesen Ansprüchen lediglich um Versuche handelt, Personen schon im Vorfeld von der Nutzung der diversen File-Sharing-Dienste abzuhalten. Meist werden diese Verfahren gegen eine ? ebenfalls noch happige ? außergerichtliche Zahlung von bis zu 15 000 Euro beigelegt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Staatsanwaltschaft Düsseldorf Ende Juni ein Strafverfahren gegen einen Anwender wegen geringer Schuld eingestellt hat. Dem Beschuldigten wurde zur Last gelegt, er hätte exakt 1 024 Songs im BearShare-Netzwerk zur Verfügung gestellt. Eventuelle zivilrechtliche Folgen bleiben von diesem Urteil aber unberührt.

Es gibt aber auch Staatsanwaltschaften, die eine andere, deutlich weniger liberale Einstellung vertreten. So hat etwa die Staatsanwaltschaft Augsburg Antrag auf Erlass eines Strafbefehls über 460 Tagessätze gegen eine Person gestellt, auf dessen Rechner im Zuge anderer Ermittlungen exakt 46 Musikstücke sichergestellt wurden. Und das Amtsgericht Cottbus verurteilte Ende 2004 einen File-Sharer, der 272 Songs offeriert hat, zu 80 Tagessätzen. Ab einer Strafe von 91 Tagessätzen gilt man in Deutschland als vorbestraft.

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