Taschenfernsehen

Teil 2: Mobiles Fernsehen

  1. Mobiles Fernsehen
  2. Teil 2: Mobiles Fernsehen
  3. Teil 3: Mobiles Fernsehen
Mobiles Fernsehen

© Archiv

Wer will Handy-TV sehen?

Mit den Kosten hängt eine wesentliche Frage zusammen, die heftig diskutiert wird: Wer will eigentlich Fernsehen auf dem Handy sehen? Die Kunden sind skeptisch; kaum jemand kann sich vorstellen, dass man Fernsehen auf dem kleinen Display genießen kann. Dabei gehen die meisten allerdings von Fußball und Spielfilmen aus.

So fanden die Marktforscher von TNS Infratest heraus, dass nur zehn Prozent der Mobiltelefonbesitzer Handy-TV nutzen wollen. Diese Personen würden sich allerdings durch eine hohe Zahlungsbereitschaft auszahlen. Da sie es gewohnt seien, für mobile Dienste zu bezahlen, würden sie 20 bis 25 Euro monatlich für ein kombiniertes Angebot aus Handy-TV und Internet-Flatrate ausgeben. Am ehesten würden sie Wartezeiten mit Fernsehen überbrücken, Informations- und Unterhaltungsangebote wählen.

Die pessimistische Einschätzung der Nutzerzahlen lässt sich mit dem geringen Zuspruch untermauern, den watcha mit Handy-TV via DMB bisher erzielt hat. Beim Vermarkter debitel ist von lediglich 5.000 Kunden die Rede. Auch das digitale Radio DAB hat bislang nur rund 300.000 Kunden gefunden - trotz einer Abdeckung in Deutschland von ca. 80 Prozent.

Zu einer ganz anderen Einschätzung, die sich allerdings eher auf den wirtschafltlichen Aspekt als auf Nutzerzahlen bezieht, kommt das Marktforschungsinstitut Goldmedia. Demnach könne mobiles Fernsehen in Deutschland im Jahr 2012 einen Umsatz von 655 Millionen Euro erzielen und damit zu einem wichtigen Geschäftsfeld der Medienbranche werden. Dabei gehen die Forscher ebenfalls davon aus, dass es in Deutschland eine hohe Zahlungsbereitschaft gibt, die Goldmedia mit durchschnittlich 7,50 Euro pro Monat und Nutzer angibt.

Soll der Kunde für Handy-TV zahlen, muss sich das Angebot nicht nur durch den Sendestandard vom herkömmlichen Fernsehen unterscheiden. Die London School of Economics hat im Auftrag von Nokia herausgefunden, dass persönliche und interaktive Inhalte über Erfolg oder Misserfolg der Angebote entscheiden könnten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass mobiles Fernsehen eine Kombination aus herkömmlichen TV-Sendungen und neuen Inhalten sein wird. Aktuelle Nachrichten, Unterhaltung in Form von Soaps, Reality Shows, Comedy und Zeichentrickfilme, Sport-, Musiksowie Kinderprogramme sollen zu den beliebtesten Programmen gehören.

Dabei müssen die Angebote auf die speziellen Bedürfnisse des mobilen Nutzers zugeschnitten werden, beispielsweise durch kürzere Nachrichtensendungen. Spielfilme oder Fußballübertragungen eignen sich dagegen nicht. Der Rückkanal könne für die Beteiligung der Zuschauer an Reality- und Spiel-Shows genutzt werden. Und auch selbst erstellte Inhalte wie bei YouTube sollen in Zukunft eine wichtige Rolle beim Handy-TV spielen.

Deutschland hinkt hinterher

Während das mobile Fernsehen in Deutschland also nur zögerlich aus den Startlöchern kommt, ist die Nutzung mobiler Geräte für den Fernsehempfang in Südkorea und China längst etabliert. Dort wird der Standard DMB eingesetzt, in Südkorea wird er sogar per Satellit (S-DMB) und terrestrisch (TDMB) empfangen. Derzeit sind sieben Video-, 13 Audio- und acht Datenkanäle im Angebot. Bis Ende 2010 erwartet das dortige Ministerium für Information und Kommunikation rund 15 Millionen S- und T-DMBNutzer. Bereits jetzt stehen rund 50 verschiedene Empfänger-Typen zur Verfügung, vom USB-Empfänger über das Mobiltelefon bis zum Multimedia-Player mit großem Bildschirm und Navigationslösung. So bietet zum Beispiel die Firma Blaupunkt sein Navigationssystem Lucca in Korea mit integriertem DMB-Empfänger an.

Für den deutschsprachigen Raum erhoffen sich die Betreiber und Programmanbieter den Durchbruch mit der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Pünktlich zur Endrunde der EM im Juni 2008 soll DVB-H in Österreich starten. Der Österreichische Rundfunk (ORF) wird dann allein schon vier Programme liefern. In Deutschland ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit DVB-H zu rechnen. Und es ist fraglich, ob jemand die Notwendigkeit sieht, zusätzliches Geld auszugeben für DMB. Schließlich übertragen die öffentlich-rechtlichen Sender fast alle Spiele kostenlos per Kabel, Satellit und via DVB-T. Auf dem Handy-Display wird man die kleine Kugel auf dem grünen Rasen ohnehin nicht erkennen können und eigene attraktive Formate, wie zeitnahe und knappe Zusammenfassungen vom Turniergeschehen wird es voraussichtlich auch nicht geben.

Mehr zum Thema

MP3-Player-Kino
Vergleichstest: MP3-Flash-Player 4 GByte

Wir haben für Sie neun aktuelle Multimedia-Flash-Player mit 4 GByte Speicherplatz getestet. Wir verraten Ihnen, ob die Player Top-Kino oder nur eine…
MP3-Player Aufmacher
MP3-Player im Vergleich

Es kann nicht immer iPod Touch sein. Der Hype um den Player mit "cover flow" ist enorm. Aber ebenso enorm ist auch der Preis dieses Taschenspielers.…
iTunes Apple
MP3-Songs von iTunes auf Nicht-Apple-Geräte

Die Übertragung von MP3-Songs aus iTunes auf Nicht-Apple-Geräte ist durch den Hersteller nicht vorgesehen. Mit einer kostenlosen Software und einem…
iPod, iPhone und iPad ohne iTunes
Freiheit für Apples Player

Praktisch jeder MP3-Player meldet sich nach Anschluss an einen PC wie ein "normaler" USB-Stick an, der auf die Befüllung durch einfaches Kopieren von…
iPhone, iPod oder iPad ohne iTunes
iTunes Alternativen

Wir zeigen Ihnen, wie Sie iPhone, iPod oder iPad ohne iTunes benutzen können, und stellen Ihnen Alternativen zur Apple-Software vor.