Linux auf der d-box-2

Teil 2: Linux auf der d-box-2

Die d-box-2 gibt es in unterschiedlichen Varianten. Zuerst sind die drei Hersteller Nokia, Philips und Sagem zu nennen. Als wäre das noch nicht genug, gibt es innerhalb der drei Herstellerreihen noch verschiedene Speicherkonfigurationen.Nicht nur, dass man AMD oder wahlweise Intel-Flashbausteine vorfindet zusätzlich gibt es Untervarianten mit einem bzw. zwei Flashbausteinen. Weitere Unterschiede finden sich beim verwendeten Videochip. Den gibt es in den Varianten Avia-500 und Avia-600. Um Linux sicher auf die Box zu bekommen, ist der Hardware-Stand der d-box-2 relevant. Je nach Hersteller, Speicher und vorhandenem Betanova-Betriebssystem kann der Aufwand erheblich differieren.

Linux auf der d-box-2

© Archiv

Der Speicher: Hier gibt es Varianten mit einem oder zwei Speicherchips. Ob AMD oder Intel, ist für das Erreichen des Debug-Modus von Belang. Der Videochip: Ob Avia500 oder Avia 600, ist für die Ucodes von Bedeutung.

Meist gibt es die reelle Chance, auch ohne riskante Eingriffe in die Hardware den ersehnten Debug-Modus zu erlangen, indem man die Box im richtigem Moment beim Betriebssystem-Update vom Satelliten unterbricht. Bei manchen Boxen führt aber kein Weg an der gefährlichen Manipulation der Flashspeicher vorbei. Konkret heißt das, dass mehrere Beinchen der Speicherchips im richtigen Moment kurzgeschlossen und dann wieder im passenden Augenblick getrennt werden müssen. Welche Beinchen das sind, hängt vom Hersteller und der Speicherkonfiguration ab. So oder so besteht das Risiko, dass bei fehlerhafter Ausführungen eine Reihe von Problemen angefangen beim Verlust der Original-Software bis hin zur Zerstörung der d-box-Hardware auftreten können. Eine genaue Anleitung, die dieses Risiko minimiert, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Ebenso fahrlässig wäre eine vereinfachte Anleitung, die möglicherweise den Eindruck hinterlassen könnte,dieser Eingriff wäre unproblematisch.

Andererseits wollen wir Ihnen aber auch nicht den Mut nehmen, das Projekt "Linux auf der dbox-2" in Angriff zu nehmen. Wer genug Erfahrung und Geduld so wie ein Quäntchen Risikobereitschaft mitbringt, um loszulegen, findet im Internet hilfreiche Anleitungen, so z.B.unter www.dietmar-h.net/ohne_Kurzschluss.html.

Wer den riskanten Eingriff nicht selbst vornehmen will, kann das Aufspielen der Linux-Erstinstallation einem erfahrenen Spezialistenüberlassen. Im Internet finden sich inzwischen einige Anbieter, die den Umbau für 30 bis 60 Euro vornehmen. Wer bei Google und Co.sucht, wird schnell fündig.

Wichtig ist, dass Sie, bevor Sie Änderungen am Flashinhalt der d-box vornehmen, das alte Betriebssystem sichern. Zum einen sichern Sie sich so einen Rückzugsweg, falls Sie sich mit Linux auf der d-box-2 nicht anfreunden. Zudem benötigen Sie mehrere Dateien aus dem alten Betriebssystem, die als Ucodes bezeichnet werden. Diese Dateien namens avia500.ux, avia600.ux, cam-alpha.bin und ucode.bin sind Copyright-geschützt und deshalb in offiziellen Linux-Images nicht enthalten.

Der Debug-Modus

Haben Sie es geschafft, und Ihre d-box-2 startet im Debug-Modus, steht ihnen das Tor für Linux offen. Ist der Debug-Modus einmal aktiviert, bleibt er Ihnen erhalten. Jede weitere Änderung der d-box-2-Software ist dann vergleichsweise einfach.

Auch wenn, wie so oft, viele Wege nach Rom führen, empfehlen wir für das Aufspielen der Software den DBox-II-Bootmanger, den jeder Windows-Benutzer, der sich selbst den Weg zum Debug-Modus freigekämpft hat, ohnehin auf seinem Rechner haben dürfte. Er dient nicht nur dazu, in den Debug-Modus zu gelangen, sondern ist zudem hervorragend geeignet,Software-Images zwischen PC und Box zuübertragen. Die neueste Version des DBox II--Bootmanagers erhalten Sie unter der Adresse http://dbox.feldtech.com.

Imagefrage

Unter einem Image versteht man ein genaues Speicherabbild des Flash-Inhalts. Verfügt manüber solch ein Image, dauert es in der Regel nicht mehr als zwei Minuten, Linux auf die dbox-2 zu laden. Solche Images existieren im Internet zu Hauf. Doch ein solches Image enthält auch die erwähnten Copyright-geschützten Ucodes und stellt somit genau genommen eine Raubkopie dar.

Will man sich nicht auf den Pfad des Unrechts begeben, findet man in den d-box-2-Images von Alex W. auf der Website http://dboxup date.berlios.de/ die Erlösung. Dazu müssen Sie zunächst das passende Base-Image herunterladen, das es in zwei Versionen (für Boxen mit einem oder zwei Flash-Speicherbausteinen)gibt. Zudem benötigen Sie die Datei cdk.cramfs, die das komplette Linux-Dateisystem ohne die benutzerspezifischen Einstellungen und Ucodes enthält.

Zunächst spielen Sie das AlexW-Base-Image mit dem DBox-II-Bootmanger (Utilities-> Image Flashen) ein. Danach wählen Sie per Fernbedienung die gewünschte Netzwerkadresse(IP) für die d-box. Beachten Sie dabei die Hilfestellungen-Anzeige auf dem LC-Display.

Nun müssen Sie mit einer geeigneten FTP-Software (z.B. WS_FTP LE, erhältlich auf www.ipswitch.com/downloads/index.html) die cdk.cramfs ins Verzeichnis /var/tmp kopieren. Zur Verbindungsaufnahme mit der d-Box stellen Sie in der FTP-Software die IP der d-box ein,der Benutzername lautet root, das Passwort dbox2. Die erfolgreiche Übertragung bestätigen Sie auf der Fernbedienung mit der OK-Taste. Dadurch wird Linux ins Flash geschrieben. Schließlich müssen Sie noch die Ucode-Dateien die Sie aus dem Betanova-Betriebssystem extrahiert haben

wiederum per FTP ins Verzeichnis /var/tuxbox/ucodes kopieren. Nach einem Neustart sollte die d-box-2 nun mit einem frisch installierten und funktionsfähigen Linux glänzen.

Von Ihrem nagelneuen Linux können Sie mit dem DBox-II-Bootmanager ein Image sichern.Bei Bedarf ist das Image in zwei Minuten auf die Box geflasht.

Ins Bild gesetzt

Entsprechend KDE oder GNOME auf dem Linux-PC heißen die grafischen Benutzeroberflächen auf der d-box-2 Neutrino, LCARS oder Enigma. Nach dem Booten des Linux-Kernels haben Sie in der Regel die Auswahl zwischen mehreren Oberflächen, die Sie per Fernbedienung auswählen können. Näher eingehen wollen wir auf Neutrino, die in der Linux-Gemeinde die größte Verbreitung findet.

Lassen Sie Neutrino starten (was normalerweise nach wenigen Sekunden Auswahlzeit automatisch geschieht), werden Sie am Bildschirm mit großer Wahrscheinlichkeit zunächst kein Fernsehbild sehen können. Doch keine Sorge: Mit einem Druck auf die dbox-Taste der Fernbedienung gelangen Sie ins Hauptmenü. Im Untermenü Service wählen Sie Sendersuchlauf. Danach können Sie die Vorteile des neuen Betriebssystems voll auskosten. Im Gegensatz zum Betanova-Betriebssystem dürfen Sie beliebig viele neue Ordner(Bouquets) anlegen und mit Fernsehprogrammen Ihrer Wahl füllen. Wenn Ihnen das per Fernbedienung zu umständlich ist, laden Sie einen der unzähligen Freeware-Programmeditoren (z.B. Zapit Editor, Winzapit, Settings-Wizard) aus dem Internet und editieren Ihre Senderlisten bequem vom PC aus.

Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie im Hauptmenü dem Untermenü Einstellungen widmen. Unter Video können Sie nicht nur die Signalart (Composite, S-Video oder RGB) und das Bildschirmformat (4:3, 16:9 oder automatisch) einstellen, sondern mit dem Menüpunkt Bildbereich einstellen eine genaue Anpassung an den sichtbaren Bildschirmbereich Ihres Fernsehers vornehmen.

Im laufendem Betrieb begeistert die gelungene Programmübersicht auf dem Bildschirm.Öffnet man mit einem Druck auf die OK-Taste ein Bouquet, erscheinen nicht nur die Sendernamen, sondern auch die Titel aller gerade laufenden Sendungen. Nun können Sie mit den Navigationstasten (ohne bereits umzuschalten) ein beliebiges Programm anwählen und sich mit Hilfe der ?-Taste die EPG-Information anzeigen lassen. Der ganze Vorgang geht für den Betanova-Gewöhnten unfassbar ohne merkliche Verzögerung. Zudem können Sie gleichzeitig das laufende Programm durch das transparente Menü weiterverfolgen.

Auch Freunde des Videotextes kommen mittels der blauen Fernbedienungstaste auf ihre Kosten. Linux speichert nach dem Aufrufen der Videotextfunktion sämtliche Videotextseiten, wodurch das Blättern durch die Seiten zum wahren Genuss wird.

Das eigentliche Highlight ist für viele aber die Möglichkeit, einen per Netzwerkverbindung angeschlossenen PC als Videorekorder zu verwenden. Dabei kann die Aufnahme sowohl direkt per Fernbedienung als auch per Timerliste gestartet werden. Befinden Sie sich in einem EPG-Fenster, genügt ein Druck auf die rote Taste, um die Sendung für die Aufnahme vorzumerken. Damit eine Aufnahme gelingt, muss jedoch eine Streaming-Server-Software auf dem PC laufen. Diese Anforderung erfüllt etwa das Freeware-Programm TuxVision (http://transputer.dyn.escape.de), vor dessen Inbetriebnahme wie so oft ein gründlicher Blick in die Readme-Datei angeraten ist. Schwieriger ist der umgekehrte Weg. Zwar gibt es einen so genannten Clipping Mode, mit dem man einen Videostream vom PC in die dbox schicken kann, jedoch funktioniert das zumindest auf Nokia-Boxen nur unzureichend. Besitzer einer Philips- oder Sagem-Box kommen zu deutlich besseren Ergebnissen.

Ausblick

Linux für die d-box-2 wird ständig weiterentwickelt und verfeinert. Der neueste Schrei ist ein MP3-Player, mit dem man auf MP3-Dateien eines im Netzwerk befindlichen Rechners zugreifen kann. Bislang krankt der Player noch etwas, doch das Feature ist dank des Stereoausgangs der d-bBox-2 eine interessante Alternative zu einem Stand-alone-Gerät.

Gänzlich unüberschaubar ist die Liste der zusätzlich erhältlichen Plug-ins, die vom animierten LC-Display bis hin zur Zweckentfremdung der d-box als Netzwerkrouter reichen.

Vieles mag nicht perfekt sein gelegentliche Systemabstürze sind keine Seltenheit doch gerade im Tüfteln und ständigen Verbessern liegt der Reiz dieses Projekts.

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