Mach' flott den Schrott

Teil 2: Linux auf alter Hardware

  1. Linux auf alter Hardware
  2. Teil 2: Linux auf alter Hardware

Mit Hardware erweitert

Ein Problem alter Notebooks sind fehlende oder veraltete Schnittstellen. Auf WLAN braucht man gar nicht zu hoffen, und USB 1.x macht das Auslesen der Urlaubsfotos zum Geduldspiel. Immerhin existiert ein reichhaltiges Angebot an Karten für den Cardbus-Schacht: Zumindest eine USB-2.0-Karte (ab 15 Euro) und eine 54-MBit-WLAN-Karte (ca. 20 Euro) sollten Sie deshalb einplanen. Notebooks ohne Cardbus-Schacht disqualifizieren sich daher für die Reaktivierung: Selbst wenn es Ihnen gelingt, eine alte PCMCIA-Karte aufzutreiben, dürfte sich beim Surfen kaum ein Glücksgefühl einstellen: 802.11b hat geringe Reichweiten, und meist beherrschen die Karten nur die unsichere WEP-Verschlüsselung. Generell ist beim Einsatz von Erweiterungskarten Sparsamkeit angeraten, da diese deutlich zu Lasten der Akkulaufzeit gehen.

Linux macht alte Hardware flott

© Archiv

Viele heute selbstverständliche Schnittstellen müssen per PCMCIA oder Cardbus-Karte nachgerüstet werden.

Bei USB-2.0-Karten sind nur wenige Chipsätze am Markt, sodass die Karte fast immer vom Hotplugsystem erkannt und angesprochen werden kann. Gewissheit schaffen die Befehle

sudo lspci -v
sudo lsusb

Etwas aufwändiger ist die Konfiguration von WLAN-Karten, da der schnelle Generationswechsel von Chipsätzen und Chipsatzrevisionen oft Karten hervorbringt, die erst Monate nach Erscheinen mit Linux-Treibern unterstützt werden. Eine probate Abhilfe ist in diesem Fall die Verwendung des Ndiswrappers, mit dem Windows-Treiber unter Linux eingebunden werden können. Hierfür benötigen Sie die SYS- und INF-Dateien des Windows-XP-Treibers. Kopieren Sie beide ins temporäre Verzeichnis des Linux-Rechners und rufen Sie dann das Ndiswrapper auf:

ndiswrapper -i /tmp/treiber.inf

Der Befehl

ndiswrapper -l

zeigt, ob der Treiber korrekt geladen wurde und mit

ndiswrapper -m

erstellen Sie einen Modul-Alias wlan0. Für die Authentifizierung entschieden wir uns ganz klassisch für die manuelle Konfiguration des WPA-Supplicant. Hierfür wird eine Konfigurationsdatei /etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf mit folgendem Inhalt angelegt:

ctrl_interface=/var/run/wpa_supplicant
ctrl_interface_group=0
eapol_version=1
ap_scan=1
network={
ssid="netzname"
scan_ssid=1
proto=WPA
key_mgmt=WPA-PSK
pairwise=TKIP
group=TKIP
psk="geheim"
}

Die korrespondierende /etc/network/interfaces enthält dann:

iface wlan0 inet dhcp
wpa-conf /etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf
auto wlan0

Sollen via wlan0 verschiedene Netze ausprobiert werden, kann die Reihenfolge in /etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf gesetzt werden: Beispielsweise mit dem WPA verschlüsselten Netz zuhause oder im Büro an erster Stelle, und falls diese nicht verfügbar sind, wird mit dem ersten offenen Netz verbunden.

Die Kür: Touchscreens

Nicht überall hat man eine Maus dabei, und Touchpads oder Trackpoints sind nicht jedermanns Sache. Notebooks von Fujitsu Siemens und Sony erhielten deshalb Touchscreens, die via interner PS/2-Schnittstelle angesprochen werden. Unser Ubuntu 7.10 brachte sowohl das Kernelmodul evdev als auch den Xorg-Input-Treiber xserver-xorg-input-evtouch mit. Damit der Touchscreen nicht doppelte Events auslöst, ist die erste Maus per udev-Regel oder Dummy-Treiber stillzulegen. Wir trugen in der Datei /etc/udev/rules.d/40-permissions.rules ein:

Linux macht alte Hardware flott

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Sony und Fujitsu verwendeten Touchscreens, die von neueren Kerneln in Kombination mit Xorg prima unterstützt werden.
KERNEL=="mice", GROUP="root", MODE="0000"
KERNEL=="mouse0", GROUP="root", MODE="0000"

Die xorg.conf bekam einen weiteren Abschnitt für das neue Eingabegerät (siehe Screenshot). Etwas umständlich ist die Konfiguration: Zunächst müssen die Werte für MinX und MinY so angepasst werden, dass der Mauszeiger im linken oberen Eck unter dem Stift ist. Es folgt die Anpassung von MaxX und MaxY, so dass dies auch für das rechte untere Eck der Fall ist.

Linux macht alte Hardware flott

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Die Kalibrierung des Touchscreens kann per Intervallhalbierung direkt in der Konfigurationsdatei erfolgen.

Fazit

Tatsächlich ist das reaktivierte Subnotebook dank sorgfältiger Softwareauswahl erstaunlich alltagstauglich. Zwar ruckeln YouTube-Videos und Webseiten sollte man seitenweise scrollen, aber die Arbeit mit mehreren Programmen gleichzeitig funktioniert erfreulich gut und mit nachgerüsteten Schnittstellen ist der Einsatz unterwegs als Bildersammelstation für die Digitalkamera, als Surf- und Mail-Terminal und für die Tabelle zwischendurch gut geeignet.

Bildergalerie

Linux macht alte Hardware flott
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Software:Betriebssysteme:Mac, Linux & Co.:Linux

Ein Klassiker: Fujitsu-Subnotebook B-142 im Magnesiumgehäuse - der Bildschirm misst 8 Zoll.

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