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Teil 2: Der Bootvorgang unter Linux

  1. Der Bootvorgang unter Linux
  2. Teil 2: Der Bootvorgang unter Linux

Alle drei existierenden Projekte waren den Ubuntu-Entwicklern nicht flexibel genug, schließlich strebt Mark Shuttleworth für die Zukunft auch Marktanteile im Server-Bereich an und möchte dafür keine Desktop-Nutzer vergraulen. Die Folge war ein eigenes Projekt unter dem Namen Upstart, das nicht nur wie Apples launchd die Dienste init, xinetd und crond vereint, sondern weitestgehend abwärtskompatibel zu System V Init ist und mit einer Event-gesteuerten Architektur einen hohen Schutz vor Fehlfunktionen bietet.

Der Bootvorgang unter Linux

© Archiv

Gerade die Integration der Dienste hat handfeste Vorteile auf Maschinen, die nicht ständig laufen. Ein Beispiel ist das System-Update, das man üblicherweise dann durchführt, wenn die Nutzer nicht gestört werden. Wurde es aber verpasst, weil der Rechner nicht 24 Stunden am Stück lief, ist es ratsam, auch nach dem Booten nach Updates zu suchen. Realisiert man sein Update über ein RCScript und einen Crontab-Eintrag, besteht die Gefahr, dass Reboot und Crontab-Eintrag zusammenfallen und so zwei Updates gleichzeitig gestartet werden, teils mit nicht erwünschten Nebeneffekten.

Unter Upstart wird erkannt, wenn die Boot-Sequenz bereits einen Task ausführt, den der Scheduler starten möchte. Bis zu dieser Stelle bietet Upstart kaum Neues gegenüber Apples launchd. Der Clou liegt im Verarbeiten beliebiger Events. Launchd kennt im Wesentlichen Events durch die Boot-Sequenz, den Systemstart und Netzwerkaufrufe, Upstart fügt dem Events durch das Hotplug-System oder das Powermanagement hinzu. Wer mit dem Notebook an Distributed-Computing-Projekten teilnimmt, kann festlegen, dass beim Einstecken des Netzkabels mitgearbeitet und beim Trennen vom Strom die Arbeit beendet wird. Da auch Upstart-Ereignisse Events auslösen können, ist es einfacher, den Start von Daemons, die nicht nur von anderen Daemons, sondern auch von Netz und Stromversorgung abhängig sind, zu verwalten.

Der Bootvorgang unter Linux

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KDE bringt mit ksysv ein Distributions-übergreifend nutzbares Tool für das Verwalten der Startskripte.

Upstart in der Praxis

In der Praxis sind bei Ubuntu 6.10 kaum Unterschiede zum System V Init zu erkennen: Die RC-Skripte liegen an ihrem gewohnten Platz. Die unter /etc/event.d zu findenden Upstart-Skripte machen nichts anderes, als die klassischen System V Init-Skripte in ihrer gewohnten Reihenfolge abzuarbeiten. Immerhin lässt sich in /etc/event.d bereits ein Blick auf den künftigen Aufbau der Upstart-Skripte werfen.

Leider sind nur Skripte für die traditionellen Startup- und Shutdown-Events enthalten, es fehlen die interessanteren Hotplug-Events und solche von Änderungen an der Stromversorgung ausgelösten. Auch Cron wurde in Ubuntu 6.10 noch nicht mit Upstart ersetzt, sodass der theoretische Vorteil, dass ein Job nicht mehrfach gestartet werden kann, noch nicht zum Tragen kommt. Zudem ist die Dokumentation lückenhaft: Manual Pages existieren nicht, die Einträge auf Ubuntus Launchpad beschreiben die Architektur und hinken hinter der realen Implementierung hinterher. Bis die Vorteile von Upstart zum Tragen kommen, werden wohl noch einige Monate vergehen.

Fazit

Nach fast zwanzig Jahren ist die Zeit reif für einen neuen "Prozess Nr. 1". Das alte System V Init hat lange Zeit gute Dienste geleistet, ist aber in den letzten Jahren an seine Grenzen gestoßen. Der vielseitigste Nachfolger kündigt sich mit Ubuntus Upstart an. Die angestrebte Kombination aus Cron, Init und Xinetd macht ihn für den Server interessant, während Desktops und Notebooks von der Eventgestützten Architektur profitieren.

Der Bootvorgang unter Linux

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Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis sich Upstart durchgesetzt hat: Programmierer müssen ihre Skripte auf die neue Architektur anpassen und kleinere Änderungen an den Schnittstellen können Anpassungen erzwingen. Noch ist Upstart auf Ubuntu beschränkt, allerdings sind für andere Distributionen Pakete erhältlich. Wer im Jahr 2007 Änderungen an den Init-Skripten vornehmen möchte, sollte mit beiden Konzepten vertraut sein.

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