PC-Unverzeihlichkeiten

Teil 2: Dem Bastelwahn: Tipps beim selbstgebauten PC

Ein beliebtes Opfer von unsachgemäßer Handhabung ist die CPU. Warum manch selbsternannter PC-Bauer gerade diesem empfindlichen Baustein so wenig Sorgfalt entgegenbringt, ist unverständlich. Vielleicht liegt es ja an den günstigen Preisen der CPUs, die schon für weniger als 40 Euro über den Ladentisch wandern. Getrost dem Motto: "Was nicht viel kostet, verdient auch keinen Respekt."

Dem Bastelwahn: Tipps beim selbstgebauten PC

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Aufgesetzt: Links hat der Selbstbastler ein Kabel zwischen Kühler und Sockel eingeklemmt. Rechts wurde die CPU nicht in den Sockel gelassen.

Tötungsdelikt N° 1: Wärmeleitpaste wird gerne in rauen Mengen auf den Hochleistungs- Chips verteilt. Dem eifrigsten Heißmacher im PC soll es schließlich an nichts mangeln. Die Worte "wenig" oder "dünn" im Zusammenhang mit dem Auftragen der Paste sind, zugegebenermaßen, relativ. Ein Klacks Schlagsahne ist für ein Stückchen Torte genau richtig, ein Klacks Paste für einen Prozessor der wahrscheinliche Tod.

Wärmeleitpaste wird von Bastlern in verschiedenen Varianten aufgetragen. In der ersten wird die Paste immerhin zielgenau auf den Die, den Prozessorkern, aufgetragen; allerdings in so üppiger Menge, dass sich "Wurströllchen" um den Die bilden, die die Wärme zwar aufnehmen, aber nicht ableiten - quasi der Pelzmantel im Hochsommer. In der zweiten Variante wird die Wärmeleitpaste, natürlich jene teure mit Silberteilchen, auf dem gesamten Chip "aufgekleckst". Dass an den Stellen neben dem Die eine Berührung mit dem heißen Kühlkörper unerwünscht ist, kümmert dabei wenig. Mehr Aufregung entsteht beim Selbstschrauber erst dann, wenn er feststellen muss, dass der Hitzestau das Ableben des Prozessors verursachte. Weniger dramatisch und behebbar ist der Fall, wenn zwar die gesamte CPU samt Leiterbrücken eingepinselt wurden, aber doch so sparsam, dass kein Kontakt zum Kühlkörper entsteht. In diesen Fällen wird die Taktfrequenz der CPU durch das Kurzschließen der Leiterbrücken (Multiplikator) verändert - meist gedrosselt. Das ist zwar ärgerlich und sorgt beim Dau für Empörung, wenn er den Bootvorgang beobachtet und den mageren Takt per POST erfährt. Immerhin kann dies aber durch sachgerechte Reinigung behoben werden.

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Teuer: Kleiner Kratzer - große Wirkung. Das Mainboard war nach diesem Schraubendreher-Rutscher nicht mehr brauchbar. Links: rohe Gewalt am Sockel.

Wird der Multiplikator durch den Kurzschluss der Leitungen erhöht, dann läuft die Kiste mit Standardkühlung meist nur noch ein paar Minuten. Die CPU verabschiedet sich sang- und klanglos mit ein wenig Rauch und Gestank. Das bezahlte Lehrgeld wird zumindest mit einer Erkenntnis vergolten: Silberteilchen leiten nicht nur Wärme ab - die Paste mit dem Edelmetall leitet auch den elektrischen Strom.

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Brachial: Eine AGP-Grafikkarte passte diesem Schrauber nicht in den PCI-Slot; da hat er sie einfach kleiner gemacht. Rechts: Schrauben haben hier nichts verloren.

Tipp: Der CPU-Kern wird nur mit sehr, sehr wenig Wärmeleitpaste bestrichen. Im Klartext: Die Paste soll Unebenheiten beim Die und beim Kühlkörper ausgleichen. Fühlen Sie irgendwelche Unebenheiten auf dem Die oder dem Kupferblock, wenn Sie mit dem Finger drüber fahren? Nein - gut, dann wissen Sie jetzt, wie wenig von der Paste notwendig ist. Beim Auftragen hat es sich bewährt, nicht die Tube direkt auf die CPU aufzusetzen, sondern ein Stückchen festeres Papier zu einer Art Minispachtel zuzuschneiden und damit aufzutragen. Beginnen Sie mit sehr wenig Paste von innen zu den Rändern hin zu streichen. Nachlegen ist leichter, als hinterher abkratzen.

Ausnahmen: Intel verbaut schon seit einiger Zeit so genannte heatspreader auf ihren CPUs. Diesem Beispiel ist AMD gefolgt. Bei diesen neuen Prozessoren wird die Wärmeleitpaste auf dem gesamten Wärmeleiter verteilt - natürlich auch sehr sparsam.

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Cool: Dieser Pentium-III-Prozessor musste mit einer selbst gebastelten Kühlung vorlieb nehmen. Leider war die Kühlung nicht geeignet.

Tötungsdelikt N°2: Der Einbau des zentralen Rechenchips. Anders als bei einem Auto, welches durchaus noch einige Kilometer fährt, wenn etwa ein Kotflügel oder eine Stoßstange gewaltsam abgerissen wurde, tut sich bei einer CPU rein gar nichts mehr, sobald auch nur ein winziges Eck vom Die abgebrochen wurde. Das passiert sehr häufig dann, wenn versucht wird, einen Kühler auf einem Mainbord, respektive dessen Sockel, aufzubringen, welches bereits in ein PC-Gehäuse verbaut ist.

Mainboard-Abstandshalter bieten nicht genügend Stabilität, um dem notwendigen Druck entgegen zu wirken, der für das Einhaken der Befestigungsklammer am Sockel notwendig ist. Das Mainboard gibt nach und biegt sich nach innen. Diese minimale Verschiebung genügt, damit Kühler und CPU verkanten und ein Eck des Die absplittert.

Tipp: Die einzig sichere Methode, einen Kühler auf einem Sockel ohne Sockelbohrungen anzubringen, ist, das Mainboard aus dem PCGehäuse auszubauen und es auf eine stabile Unterlage zu stellen, die den Anpressdruck verteilt und sicher stellt, dass das Mainboard sich nicht durchbiegt. Wer einen zu verschraubenden neuen CPU-Lüfter mit einem entsprechenden Mainbord kombiniert, muss bei AMDSystemen das Board sowieso ausbauen, um an die Unterseite der Platine zu gelangen. Moderne Lüfter, wie etwa der Zalmann CNPS 7000, haben für beide Mainboardvarianten entsprechendes Befestigungsmaterial beiliegen. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, sich für größere Um- oder Einbauten nicht nur Zeit zu nehmen, sondern auch einen aufgeräumten Arbeitsplatz zu schaffen, der mit passendem Werkzeug ausgerüstet ist.

Und hier noch ein Tipp für blutige Anfänger: In den allermeisten Fällen bauen Hersteller nur dann Hebel oder Schalter an ein technisches Gerät, wenn diese eine Funktion erfüllen. Der Hebel am CPU-Sockel ist dafür gedacht, den Weg für die CPU-Pins in den Sockel frei zumachen und nach erneutem Umlegen zu fixieren. Natürlich kann man die CPU auch auf den Sockel pressen und den Lüfter oben drauf, so wie ein ungestümer PC-Bastler das gemacht hat. Nur darf man sich dann nicht über mangelnde Mitarbeit des Prozessors beschweren.

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